Kategorie: News
Apnoetauchen in Höhenlage
Wasser ist ein faszinierendes Element, und die geheimnisvollen Unterwasserwelten üben einen besonderen Reiz aus. Viele von uns lieben das Gerätetauchen, ein wachsender Anteil begeistert sich aber auch für den Apnoesport. Der leidenschaftliche Freediver und Entdecker Jan Holland erzählt uns von seinen ungewöhnlichen Erlebnissen.
Bericht von Jan Holland
Ich liebe die Berge und ich liebe die Seen. Was liegt also näher, als wandern und tauchen miteinander zu verbinden. Als Freediver habe ich nicht so viel bzw. so schwere Ausrüstung, wie ein Gerätetaucher und so kann ich ohne weiteres meine gesamte Ausrüstung in einen Rucksack packen und mich auf den Weg machen.
Ein kleiner, glasklarer See in den Schweizer Alpen stand schon länger auf meinem Plan. Wie immer habe ich diesen Ausflug im Vorfeld genauestens geplant, denn zu diesem See führt kein Wanderweg und kein Pfad. Ich machte mich also zu nachtschlafender Zeit von zu Hause in Nordbayern aus auf und fuhr zunächst nach Lindau, um mich dort mit meinem in Südbayern lebenden Buddy zu treffen. Am Treffpunkt angekommen packten wir meine Tauchsachen und natürlich die obligatorische Vesper-Kühltasche um in den äußerst komfortablen Sprinter meines Buddies und machten uns, nach dem Erwerb einer entsprechenden Vignette, auf gen Schweiz. Unser Weg führt uns über die Autobahn und Landstraße schließlich zu dem Pass, der unser Ziel war. Um die Mittagszeit kommen wir auf der Passhöhe an, nehmen unsere Bleigurte auf die Hüften und schultern unsere Rucksäcke.
Los geht’s! Unser Weg führt uns zunächst steil bergauf, aber komfortabel vorbei an einem Berggasthof. Auch nach dem Gasthof geht es erst einmal auf einem Kiesweg weiter, der aber sehr bald in einen Wanderweg übergeht. Bis hierher ist noch alles klar, was unseren Weg betrifft. Wir folgen also dem Wanderweg, der in einen schmalen Pfad übergeht und stehen wenig später an einer steilen Abbruchkante. OK, hier geht’s nicht weiter, aber das Panorama ist atemberaubend. An dieser Stelle muss ich mich anhand meiner vorbereiteten Wanderkarte orientieren. Ein wenig ratlos drehe ich mich im Kreis. Verdammt, ich hatte doch zwei markante Wegpunkte auf meiner Karte eingezeichnet. Warum sehe ich den ersten davon nicht? Die Antwort kam buchstäblich von oben, denn ein Blick nach oben machte mir klar, wir müssen ein Stück zurück und dann ein Felsplateau erklimmen. Gesagt, bzw. gedacht, getan, stehen wir auf dem Plateau und voila, von hier aus sehe ich meinen ersten markanten Wegpunkt. Ab hier finden wir alle weiteren markanten Wegpunkte und es gibt keine Orientierungsprobleme mehr für uns.
Wir genießen unsere Wanderung, die uns mal bergauf, mal bergab über Gebirgswiesen, Felsen, Geröllhalden und durch Wasserlacken führt, bis wir an dem namenlosen See ankommen, der geformt ist, wie der Korpus einer Geige. Der See liegt in einer Senke, ist flankiert von Felsen und Geröllhalden und sein wunderschönes Blau fasziniert uns schon von Weitem. Am See angekommen machen wir uns tauchfertig und tauchen ab in dem kalten und leider nicht ganz so klaren See. Gut, das habe ich auch ehrlich gesagt im Hochsommer nicht erwartet, aber er ist trotzdem schön bei ca. 7 bis 10m Sichtweite. Aufgrund der Höhenlage hat der See keinerlei Vegetation und außer zwei temporär vorhandenen Freedivern und abertausenden von Köcherfliegenlarven auch keine weiteren Lebewesen. Wir „fliegen“ über den felsigen Grund des Sees und beobachten dort das bunte Treiben der Köcherfliegenlarven, was schon fast etwas meditatives hat. Das lässt mich so in Gedanken versinken, dass ich mich bewusst daran erinnern muss, zum Luftholen wieder aufzutauchen.
Auf unserem Rückweg decken wir uns dann im Gebirgsgasthof noch mit Schweizer Bergkäse und Schinken ein, bevor wir die lange Rückfahrt antreten.
Cool war’s und der nächste Hochgebirgssee steht auch schon auf meinem Plan.