Freediving: Apnoe und Meditation

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22.11.2017 16:36
Kategorie: News

Was ist so toll daran, die Luft anzuhalten?

Mein Name ist Nik Linder, ich war Mitinhaber eines großen Tauchgeschäfts in Freiburg und hatte von außen betrachtet, mein Hobby zum Beruf gemacht. Ein Traumjob, mit netten Kunden, freundlichen Kollegen in einer der schönsten Städte Deutschlands, wenn nicht sogar der Welt. Im März 2016 habe ich den Laden an meinen Partner Axel verkauft. Ich war beseelt von der Idee mit „Luft anhalten“ Geld zu verdienen. Keinen Zweifel, dass dies der richtige Weg ist und völlig klar, dass es wichtig ist meine Message in die Welt zu tragen.

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Wenn man so überzeugt von seiner Idee ist, dann führen kritische Fragen bei mir häufig dazu, dass ich perplex bin, weil ich große Mühe habe, mich in Menschen rein zu versetzen, die eine andere Sichtweise haben oder noch nicht wissen, warum es toll ist Apnoe zu tauchen. Diese kleine Einführung für die Leser des taucher.net soll Lust darauf machen einen Apnoe-, oder Relaqua Kurs zu buchen, oder das Buch von Phil Simha und mir zu kaufen ;-)

Die Kunst der Atempause

Wer Apnoe tauchen will lernt, dass wir nicht von „Luft anhalten“ sprechen, sondern von einer Atempause. Die Yogis nutzen diesen Begriff im Pranayama, das ist der Atemteil des Yogas. In diesen Atempausen öffnet der Mensch ein Fenster nach innen. Diese Innenschau, Selbstbetrachtung wird als Meditation bezeichnet. Wenn ich bei mir und meiner Atmung bin, dann tanzen meine Gedanken nicht durcheinander. Wer nicht bei sich ist, erlebt das klassische „Gedankenkarussell“, „Hamsterrad“, „Kopfkino“, „sich getrieben fühlen“. Wer öfters bei sich ist, ist nicht so empfänglich für mentale Erschöpfung, Burnout, Depressionen, Schlaflosigkeit, Rückenbeschwerden, Herzprobleme, cholerische Anfälle und vieles mehr.

Wer die Atempause lernen möchte, lernt zuerst die richtige Atmung. Diese erfolgt durch die Nase (Nasenatmung filtert, temperiert und befeuchtet die Luft) in den Bauch (die Bauchatmung beruhigt). Wer öfters von der unbewussten, durch das Atemzentrum im Gehirn gesteuerte Atmung, auf die bewusste Atmung wechselt, der hat das perfekte Instrument um seine Lunge zu reinigen, konzentrierter zu sein, sich zu vitalisieren, aber auch um sich runterzufahren. Außerdem führt das „bei der Atmung sein“ dazu, dass man Stress schneller erkennt, weil die Atmung dann flacher wird und man mithilfe der Bauchatmung oder der Wechselatmung diesen Stress schneller auflösen kann.

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Wohlfühlen im Wasser

Ein Apnoetaucher sieht sich weniger als Gast in der Unterwasserwelt, sondern ähnlich wie Meeressäuger, die ebenfalls zum Luft holen an die Oberfläche gehen, als Teil dieser Welt. Erlebnisse beim Freitauchen sind kürzer als beim Gerätetauchen, aber intensiver. Interaktion mit Walen, Delfinen, Haien, Mantas … sind leichter möglich.

Rein praktisch führt alleine das Wissen, dass man ein paar Minuten die Luft anhalten kann dazu, dass man auch als Gerätetaucher im Wasser ruhiger und entspannter ist, weil das „Worst Case Szenario“ - die „ohne Luft Situation“ - gar nicht mehr so „worst case“ ist.

Im Apnoe oder Relaqua - dabei handelt es sich um eine Entspannungstechnik, welche die Fertigkeiten aus dem Yoga und dem Freediving zusammen bringt um im Wasser zu meditieren, also alles ohne Leistungsgedanken (mehr unter www.relaqua.de)  - lenken wir unsere Aufmerksamkeit auch auf das Wasser als perfekte Umgebung um zu meditieren.

Im Wasser nutzen wir die Schwerelosigkeit und den Umstand, dass wir die Oberflächengeräusche nicht oder sehr viel leiser hören um einen Ausflug von der hektischen Welt da oben zu machen. Das heißt Freediver sehen das Wasser nicht als etwas lebensbedrohliches; das klingt übertrieben, aber viele Gerätetaucher beschäftigen sich sehr viel mit Schreckensszenarien um im Notfall gerüstet zu sein. Dabei kommen andere Aspekte, wie das Wohlfühlen im Wasser, aber oftmals zu kurz.

Transfers in den Alltag oder in andere Sportarten

In meinen Kursen im Apnoe und besonders im Relaqua, geht es auch immer darum, wie man diese Techniken in den Alltag übertragen kann. Die Kernkompetenz des Freedivers ist es auf den Punkt entspannen zu können. Die anderen Aspekte, Entspannung im Wasser, die Lunge kraftvoll zu machen, zu reinigen, ausgeglichener und zuversichtlicher zu sein sind vielleicht für alle Menschen, Sportler, Gerätetaucher etc. auch nicht uninteressant.

Könnt ihr nun erahnen was toll daran ist die Luft anzuhalten?

 

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