Forschungstauchen bei minus 20 Grad Außentemperatur

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24.02.2026 07:29
Kategorie: News

Feldforschung in der Antarktis

Wer in der Antarktis Feldforschung betreibt, ist den Naturgewalten ausgesetzt, verzichtet mehrere Wochen lang auf jeden Komfort, auch auf Zeit für sich allein. Elisa Merz taucht hier, für die Wissenschaft. Die Konstanzer Biogeochemikerin und Forschungstaucherin hat an einem der extremsten Orte unseres Planeten gearbeitet.

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Lake Fryxell befindet sich im McMurdo Dry Valley auf dem antarktischen Festland. Der See ist das ganze Jahr über mit einer vier bis fünf Meter dicken Eisschicht bedeckt und bietet einige biologische Besonderheiten. Genau an diesem See arbeiteten Elisa Merz, Biogeochemikerin von der Universität Konstanz, und ihre internationalen Kolleg*innen Ende 2025 im Feldlager. Nach Frühstück und Morgenbesprechung in der einzigen beheizten Hütte brachen die Wissenschaftler*innen täglich zum Tauchloch auf.

Das Wasser des Lake Fryxell enthält nur in bis zu zehn Metern Tiefe Sauerstoff, darunter nicht mehr. Solche anoxischen Bedingungen herrschen sonst in der Tiefsee oder an sehr tiefen Stellen in Binnenseen wie dem Bodensee, bei 50, 70, 100 Metern Tiefe, also tiefer, als Taucher normalerweise gehen. Dagegen sind 10 Meter durchaus tauchbar. „Der See ist auch besonders, weil dort keine makrozoologischen Lebewesen leben, also keine Fische und auch keine großen Algen, sondern nur jede Menge Mikroorganismen“, erklärt Merz – für sie ein Forschungsparadies: „Durch seine geschlossene Eisdecke gibt es keinen Wind und keine Strömung, dieser See mischt sich also auch nicht. Außergewöhnlich gut können wir daher die mikrobiellen Matten am Seegrund sehen, wie wir Gemeinschaften von Mikroorganismen nennen, die wie Lasagne geschichtet auftreten.“

Tauchen bei minus 20 Grad Außentemperatur? „Man stellt sich das so wahnsinnig kalt vor, aber im Wasser hat es immerhin vier Grad für die Taucherin.“ Den Knochenjob, so Merz, mache die Person, die den Tauch-Umbilical (die Versorgungsleitung des oberflächenversorgten Tauchens) in der Hand hat, d.h. oben Leine gibt oder aufnimmt, und damit direkten Kontakt hält; diese Person stehe vor dem Zelt und sei direkt Wind und Kälte ausgesetzt. „Wir wechselten uns dabei zwar ab, aber wenn du mal 45 Minuten draußen stehst, wird es grenzwertig“, sagt die Mikrobiologin.

Wie läuft ein Aufenthalt auf der US-amerikanischen McMurdo-Station ab, der größten Forschungsstation in der Antarktis? Was sind die Forschungsbedingungen im Field Camp am Lake Fryxell? Und was erforscht Elisa Merz dort? Lesen Sie darüber in dem Hintergrundbericht „In ihrem Element“ im Digitalmagazin der Universität Konstanz.