Europas Meere so warm wie nie

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19.08.2026 15:09
Kategorie: News

Kraken statt Makrelen: Ökosysteme im Wandel

Der Juli 2026 hat nicht nur an Land Hitzerekorde gebracht: Auch in den Meeren rund um Europa wurden die höchsten je gemessenen Oberflächentemperaturen registriert. Ein neuer Bericht der Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) zeigt, dass sich diese Rekordwärme größtenteils auf den Klimawandel zurückführen lässt – mit erheblichen Folgen für Nahrungsketten und Ökosysteme im Meer.

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An fast allen europäischen Küsten lagen die Wassertemperaturen im Juli deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2020. Besonders betroffen waren das westliche Mittelmeer, wo die Temperaturen im Juni laut EU-Angaben stellenweise bis zu sechs Grad über dem Normalwert lagen, sowie der Golf von Biskaya und die Küstengewässer der Iberischen Halbinsel. Das WWA-Team um Claire Bergin verglich die Temperaturentwicklung mit Klimamodellen und ermittelte den Klimawandel-Anteil: rund zwei Grad zusätzliche Erwärmung im Mittelmeer, 1,4 Grad bei Biskaya und Iberischer Halbinsel, 1,3 Grad rund um Irland und die britische Westküste.

Die Häufigkeit betroffener Küstenregionen ist damit drastisch gestiegen: 90 Prozent der Küsten am Golf von Biskaya und der Iberischen Halbinsel erlebten dieses Jahr Hitzewellen – ohne menschengemachte Erderwärmung wären es nach WWA-Berechnungen nur rund 40 Prozent gewesen. Auch international bestätigen aktuelle Daten das Bild: Laut Copernicus Climate Change Service erreichte die globale Meeresoberflächentemperatur (ohne Polarregionen) im Juli 2026 mit durchschnittlich 20,96 Grad einen neuen Rekordwert für diesen Monat, teils begünstigt durch ein sich entwickelndes El-Niño-Ereignis im Pazifik.

Kraken statt Makrelen

Für das Leben im Meer hat diese Entwicklung spürbare Konsequenzen. Fischer im Südwesten Englands berichten seit 2025 von einem deutlichen Anstieg des eigentlich in wärmeren nordafrikanischen Gewässern heimischen Gemeinen Kraken. Gleichzeitig breiten sich an vielen Küsten Quallenpopulationen aus – begünstigt durch die Ausdehnung sauerstoffarmer Zonen, mit denen Quallen im Gegensatz zu vielen Fischarten gut zurechtkommen. Für Delfine hat das gravierende Folgen: Da ihre Hauptnahrungsquelle Makrele zunehmend knapper wird, ernähren sie sich Berichten zufolge immer häufiger von Quallen.

Die hohen Wassertemperaturen begünstigen zudem die Entstehung schwerer Stürme – als Beispiel nennt das WWA-Team die verheerenden Überschwemmungen in der Region Valencia im Herbst 2024.

Kein Ausweg durch Anpassung

'Man kann sich nicht durch Anpassung aus der Klimakrise herauswinden', warnt Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London. Ökosysteme seien nicht nur um ihrer selbst willen wertvoll – ganze Wirtschaftszweige und Millionen Menschen hingen davon ab, dass sich die Meere nicht so rasant weiter erwärmen wie derzeit.


Weitere Informationen:
World Weather Attribution
Copernicus Climate Change Service
Klimawandel erreicht neue Dimensionen