Kategorie: News
Mitforschen. Mithelfen. Dugongs schützen.
Für viele Taucher und Schnorchler gehört die Begegnung mit einem Dugong zu den ganz besonderen Erlebnissen im Roten Meer. Plötzlich taucht über der Seegraswiese dieser massige, hellgraue Körper auf. Fast schwerelos gleitet das Tier durchs Wasser, bevor es mit seiner kräftigen Schnauze wieder den Meeresboden durchpflügt. Wer einem Dugong einmal unter Wasser begegnet ist, vergisst diesen Moment so schnell nicht.
Dugongs (Dugong dugon) können über drei Meter lang, mehr als 400 Kilogramm schwer und bis zu 70 Jahre alt werden, das erste Junge bekommen sie dabei erst mit etwa zehn Jahren. Trotz ihrer beeindruckenden Größe sind sie friedliche Pflanzenfresser, deren wichtigste Nahrung Seegräser sind.
Durch das Abweiden und Aufwühlen des Sediments beeinflussen sie Wachstum und Zusammensetzung dieser wertvollen Lebensräume und werden deshalb auch als Gärtner der Seegraswiesen bezeichnet. Seegraswiesen wiederum bieten unzähligen Meeresorganismen Nahrung und Schutz und zählen zu den effektivsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde. Der Schutz der Dugongs ist deshalb immer auch Meeres- und Klimaschutz.
Wie viele Dugongs leben noch an der ägyptischen Küste?
Erstaunlicherweise lässt sich diese Frage bis heute nicht zuverlässig beantworten. Wissenschaftler gehen von etwa 20 bis 70 Tieren entlang der ägyptischen Küste aus. Nutzen sie über Jahre dieselben Buchten und Seegraswiesen? Wie weit wandern sie entlang der Küste? Und welche Gebiete sind für ihr Überleben besonders wichtig? Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Dugong weltweit als gefährdet ein, die Küstenpopulation Ostafrikas, zu der auch die ägyptischen Tiere zählen, sogar als vom Aussterben bedroht. Verlässliche Bestandsdaten fehlen bislang jedoch.
Genau hier setzt das neue Projekt DugongWatch an, initiiert von Prof. Dr. Ralph Schill und einem Team der Universität Stuttgart gemeinsam mit der gemeinnützigen aquatil gGmbH (https://aquatil.org/ ). Die Citizen-Science-Initiative möchte Wissenschaft, Tauchbasen, Tauchguides, Sporttaucher, Schnorchler, Unterwasserfotografen und die lokale Bevölkerung zusammenbringen. "Kein Forschungsschiff kommt so nah wie du. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbringen Monate, um ein einziges Dugong zu finden, Sporttaucherinnen und Sporttaucher begegnen ihnen jeden Tag", bringt es das Projektteam auf den Punkt. Was bislang oft nur im eigenen Logbuch landete, soll künftig direkt der Wissenschaft helfen. In einem kurzen Video stellt Ralph Schill das Projekt und seine Ziele persönlich vor.
Narben als Fingerabdruck
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Photo-ID. Dugongs besitzen individuelle Merkmale: Narben und Hautzeichnungen, aber auch Verletzungen und Besonderheiten an Schwanz- und Brustflossen helfen, einzelne Tiere wiederzuerkennen. Besonders aufschlussreich sind dabei häufig Propellernarben, die zugleich auf eine der größten Bedrohungen für die Tiere hinweisen: Kollisionen mit Booten.
Eine für 2027 geplante, kostenlose, mehrsprachige App soll die Meldung einer Begegnung künftig besonders einfach machen, in unter zwei Minuten lassen sich Ort, Datum, Uhrzeit sowie Fotos und weitere Beobachtungen dokumentieren. Eine KI-gestützte Bildanalyse soll dabei helfen, große Mengen an Aufnahmen zu vergleichen und einzelne Dugongs wiederzuerkennen.
Bis die App verfügbar ist, können Sichtungen bereits jetzt per E-Mail an info@dugongwatch.org gemeldet werden.
Vielleicht schwimmt ein wichtiger Dugong auf eurer Festplatte
Dabei zählen nicht nur neue Beobachtungen. Gerade ältere Unterwasserfotos können für DugongWatch besonders wertvoll sein. Vielleicht habt ihr vor fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahren im Roten Meer einen Dugong fotografiert. Gelingt es, dasselbe Tier auf Aufnahmen aus verschiedenen Jahren wiederzuerkennen, können solche Bilder wichtige Hinweise auf Aufenthaltsgebiete, Wanderungen und die langfristige Nutzung bestimmter Seegraswiesen liefern.
Bekannte Sichtungs-Hotspots sind bislang unter anderem Marsa Abu Dabbab, Marsa Mubarak und Marsa Shagra bei Marsa Alam sowie der Nationalpark Wadi El Gemal, die Liste soll mit weiteren Meldungen kontinuierlich wachsen. Sogar historische Spuren reichen weit zurück: Im Museum für Naturkunde Stuttgart finden sich Dugong-Präparate aus dem 19. Jahrhundert, die bis an die Küste von El Quseir zurückführen.
DugongWatch braucht eure Unterstützung
Fotos und Sichtungsmeldungen allein reichen allerdings nicht aus. Der Aufbau der mehrsprachigen App, die Entwicklung der KI-gestützten Photo-ID, die wissenschaftliche Auswertung der Beobachtungen sowie Informations- und Aufklärungsarbeit vor Ort kosten Geld. DugongWatch finanziert sich ausschließlich über Spenden und ist deshalb dringend auf Unterstützung angewiesen. Das Projekt wird von der gemeinnützigen aquatil gGmbH getragen, Spenden sind entsprechend steuerlich absetzbar.
Wer das Projekt unterstützt, hilft ganz konkret dabei, aus einzelnen Begegnungen belastbare wissenschaftliche Daten zu gewinnen. Je mehr über die Tiere, ihre Aufenthaltsorte und ihre Lebensräume bekannt ist, desto gezielter lassen sich Schutzmaßnahmen entwickeln. Sporttaucher können deshalb gleich auf zwei Arten mithelfen: eigene Dugong-Fotos teilen und das Projekt mit einer Spende unterstützen, Beträge ab 5 Euro sind möglich.
Auch Tauchbasen, Liveaboards und Guides können sich als offizielle Partner einbringen und ihre Gäste über respektvolles Verhalten gegenüber den Tieren informieren.
Denn vielleicht wird aus einem alten Urlaubsfoto ein wichtiger wissenschaftlicher Datensatz, und aus vielen kleinen Beiträgen ein Projekt, das entscheidend dazu beiträgt, die Dugongs und ihre Seegraswiesen im Roten Meer langfristig zu schützen.
Weitere Informationen:
DugongWatch
Project sponsor
IUCN Red List – Dugong dugon
Sichtungen per Mail an info@dugongwatch.org