Dornenkrone: Die Invasion des Todessterns

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22.12.2015 08:57
Kategorie: News

 

Schlimmster Ausbruch der Dornenkronenplage am Great Barrier Riff

Dornenkrone auf Koralle - © Juerg Wuelser
Dornenkrone auf Koralle - © Juerg Wuelser

Korallenfressende Seesterne befallen in Rekordzahlen das Great Barrier Riff. Bei der aktuellen Invasion handelt es sich um vier bis zwölf Millionen Dornenkronenseesterne, die das Korallenriff lebendig auffressen. Berechnungen eines WWF-Berichts zeigen, dass die Anzahl der Stachelhäuter innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 60 Millionen Exemplare ansteigen könnte. Dies wäre der größte je gemessene Ausbruch.

Hauptverursacher sind Düngemittel, die aus der Landwirtschaft ins Meer gelangen und dort zu einer extremen Vermehrung der Seesternlarven beitragen. Erstmals beziffert der WWF den bisherigen Schaden: 60.000 Hektar lebendiger Korallen wurden in den letzten 30 Jahren von den Dornenkronenseesternen gefressen. Das entspricht einer Fläche von rund 84.000 Fußballfeldern.

"Eine Invasion von Seesternen frisst sich gerade durch das Great Barrier Riff, das ohnehin durch Korallenbleichen, Ozeanversauerung und Zyklone stark bedroht ist", sagt Philipp Kanstinger, Meeresschutzexperte vom WWF. "Der Korallenverlust ist alarmierend. Durch die immer häufiger vorkommenden Ausbrüche könnte das Riff gebietsweise bis zu 90 Prozent seines Korallenbewuchses verlieren." Während Experten davon ausgehen, dass die Seesternplage früher auf natürliche Weise einmal im Jahrhundert auftrat, haben sich heute die Abstände der Ausbrüche auf 14 bis 17 Jahre verkürzt.

Um die Plage einzudämmen, werden regelmäßig Dornenkronenseesterne von Taucherpatrouillen beseitigt, die den einzelnen Tieren zunächst Gift injizieren. Auch wenn man bisher rund 400.000 Exemplare von Hand entfernt hat, lässt sich die Ausbreitung so nicht regulieren. Mittlerweile wird auch versucht, der Plage mittels Hightech zu Leibe zu rücken: Australische Wissenschaftler entwickeln UW-Roboter, die die Dornenkronenseesterne mittels Gift-Injektionen effektiver töten sollen – wir berichteten.

Dornenkrone verspeist eine Blasenkoralle © Mirko Buschhaus
Dornenkrone "verspeist" eine Blasenkoralle - © Mirko Buschhaus

"In allen bisherigen Maßnahmen wurden die Seesterne einzeln entfernt. Das ist nur in kleinen Gebieten wirksam, um auf einen lokalen Befall zu reagieren. Aber um das Great Barrier Riff zu retten, muss man verhindern, dass sich die Larven explosionsartig vermehren", mahnt Philipp Kanstinger. "Um den natürlichen Rhythmus der Seesternverbreitung wiederherzustellen, müssen wir verhindern, dass massenhaft Düngemittel ins Meer gespült werden." Damit dies richtig Wirkung zeigt, müsse der Düngemitteleintrag in einigen Gebieten um 80 Prozent reduziert werden.

Durch den zunehmenden Einsatz von chemischen Düngemitteln in der Landwirtschaft, gelangt immer mehr Stickstoff über Regen und Flüsse in die Ozeane und begünstigt so neben der Algenblüte die Vermehrung von Plankton, welches Seesternlarven als Nahrung dient.

Der WWF fordert die australische Regierung auf, der Stickstoff-Verschmutzung ein Ende zu setzen und Landwirte bei der Umstellung auf umweltfreundliche Anbau-Methoden zu unterstützen.

Ein ausgewachsenes Exemplar der Dornenkronenseesterne kann täglich eine esstellergroße Fläche an Korallen verspeisen und lässt davon nur das Skelett übrig. In den letzten 30 Jahren hat das Great Barrier Riff insgesamt die Hälfte seiner Korallendecke eingebüßt. Allein der Dornenkronenseestern war für 40 Prozent des Verlustes verantwortlich.