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Neue Plattform zeigt 3D-Modelle von Schiffswracks vor Mecklenburg-Vorpommern
Am Meeresgrund vor Mecklenburg-Vorpommerns Küsten schlummern mehr als 3.000 bekannte archäologische Fundplätze – Schiffswracks, Hafenanlagen, versunkene Siedlungsreste. Für die meisten Menschen bleiben sie unsichtbar, da sie ohne Taucherausrüstung nicht zugänglich sind. Genau das soll sich mit dem neuen FREIWASSERMUSEUM-DIGITAL (FWM-D) ändern, das ehrenamtliche Unterwasserarchäologen und Denkmalpfleger aus Mecklenburg-Vorpommern heute vorstellen.
Die „Eröffnung“ des neuen Digital Museums – fällt auf den ersten Internationalen Tag des Unterwasser-Kulturerbes, den die UNESCO in diesem Jahr erstmals ausgerufen hat.
Ein digitales Museum für jeden zugänglich
Auf der Plattform www.freiwassermuseum-digital.de können Interessierte künftig dreidimensionale Modelle von Fundplätzen in den Gewässern des Bundeslandes betrachten und drehen – ganz ohne eigenen Tauchschein. Möglich machen das moderne photogrammetrische Verfahren, mit denen Taucher Wracks und Fundstücke fotografisch erfassen, woraus anschließend digitale 3D-Modelle berechnet werden.
Bereits online zu sehen sind unter anderem das Modell eines rund 100 Jahre alten Schlepperwracks aus der Warnemünder Bucht samt geborgenem Schiffskompass, ein mittelalterliches Wrack sowie die Überreste der kleinen Fregatte Mynden, die 1718 vor dem Kap Arkona sank.
Das Projekt ist ein Gemeinschaftswerk des Landesverbandes für Unterwasserarchäologie MV e.V. und des Vereins Archaeomare e.V., gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten MV sowie dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV. "Das Projekt soll vernetzen und lebt von der Mitwirkung aller Unterwasserarchäologen, ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger und Sporttaucher, die in unseren Gewässern 3D-Modelle erzeugen", erklärt Kai Schaake vom Landesverband für Unterwasserarchäologie MV.
Weitere Modelle sollen in den kommenden Monaten und Jahren fortlaufend ergänzt werden – langfristig ist auch geplant, detailliertere Hintergrundinformationen zu den einzelnen Fundplätzen bereitzustellen.
Ungeklärte Zuständigkeiten als Dauerproblem
Der Starttermin ist kein Zufall: Die UNESCO hat den 21. August in diesem Jahr erstmals zum 'Internationalen Tag des Unterwasser-Kulturerbes' erklärt. Das passt perfekt zum 25. Jahrestag der zugrundeliegenden UNESCO-Konvention von 2001, die inzwischen 81 Staaten ratifiziert haben – Deutschland und Österreich bislang nicht.
Die Initiatoren nutzen den Tag um auf ein strukturelles Problem hinzuweisen: Für Teile der deutschen Meere und Seen ist bis heute nicht eindeutig geregelt, wer für die Denkmalpflege zuständig ist.
Illegale Bergungen, kommerzielle Nutzung des Meeresgrunds, Tourismus und der Klimawandel mit Niedrigwasser, Trockenheit und Stürmen setzen dem Unterwasserkulturerbe zusätzlich zu. Eine Ratifizierung der UNESCO-Konvention samt zugehöriger Ausführungsgesetze, so die Initiatoren, würde klare Zuständigkeiten und Meldewege schaffen und damit eine effektivere Zusammenarbeit auf nationaler wie internationaler Ebene ermöglichen.
Bis dahin bleibt das FREIWASSERMUSEUM-DIGITAL vor allem eines: eine Einladung, sich selbst ein Bild von dem zu machen, was unter der Wasseroberfläche liegt. Wer nicht selbst zu Wracks, Hafenanlagen oder Siedlungsplätzen tauchen kann, findet auf der Plattform ab sofort einen niedrigschwelligen Zugang dazu – und vielleicht den Ausgangspunkt für einen fachlichen Austausch zwischen Tauchern und interessierten Laien.
Weitere Informationen:
Digitales Museum
https://sketchfab.com/freiwassermuseum-mv
Pressemitteilung Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern e.V.
https://www.freiwassermuseum-digital.de
UNESCO, Deutscher Bundestag (Drucksache 21/7178)*
https://www.unesco.org/en/days/underwater-cultural-heritage