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Neue Studie zeigt erstaunliche Standorttreue
Grüne Meeresschildkröten gelten als Langstreckenwanderer der Ozeane – geleitet vom Erdmagnetfeld, von Meeresströmungen und der Sonne durchqueren sie normalerweise weite Teile der Meere und kehren nur alle paar Jahre zur Fortpflanzung an ihren Geburtsort zurück. Umso überraschter waren Forscher, als sie auf den Galápagos-Inseln eine Population entdeckten, die sich denkbar wenig für Fernreisen interessiert.
Die Galápagos-Inseln sind weltweit der einzige bekannte Ort, an dem zwei genetisch unterschiedliche Farbformen der Grünen Meeresschildkröte gemeinsam vorkommen: die "gelbe" Form, die eigentlich im westlichen Pazifik zuhause ist, und die "schwarze" Form aus dem östlichen Pazifik. Beide ernähren sich, sobald sie ausgewachsen sind, überwiegend vegetarisch von Seegras und Algen und teilen sich rund um die Inseln dieselben Nahrungsgründe.
Neun Tiere, 418 Tage, kaum Bewegung
Ein Team um John W. Rowe (Alma College, USA) und Juan Pablo Muñoz Pérez (Universidad San Francisco de Quito) stattete 2015 sieben erwachsene Männchen und zwei Weibchen der gelben Form mit Satellitensendern aus und verfolgte ihre Bewegungen bis zu 418 Tage lang. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher: Keines der Tiere verließ während der gesamten Studiendauer das Galápagos-Meeresschutzgebiet – dabei hatten die Wissenschaftler eigentlich erwartet, dass die Tiere zur Fortpflanzung in den weit entfernten westlichen Pazifik ziehen würden.
Fünf der neun Schildkröten blieben durchgehend in der Nähe einer einzigen Insel. Die übrigen wechselten gelegentlich zwischen zwei oder drei Inseln – allerdings ausschließlich während der kühleren Monate von April bis Oktober. Am weitesten reiste eine Schildkröte namens Ainoa: Ursprünglich vor San Cristóbal markiert, zog sie später weiter nach Santa Cruz und schließlich nach Isabela. Im Schnitt umfasste das Streifgebiet einer einzelnen Schildkröte etwa 1.500 Quadratkilometer, wobei die Unterschiede zwischen einzelnen Tieren erheblich waren.
Standorttreue mit offenem Ende
Ganz sesshaft dürften die Tiere trotzdem nicht für immer bleiben. Da weibliche Grüne Meeresschildkröten der gelben Form bislang nicht dabei beobachtet wurden, an Galápagos-Stränden Eier abzulegen, gehen die Forscher davon aus, dass sie irgendwann doch zu ihren Geburtsstränden im westlichen Pazifik zurückkehren – vermutlich alle paar Jahre. Bei der schwarzen Form ist das Bild differenzierter: Einige Weibchen legen tatsächlich auf Galápagos Eier und bleiben ganzjährig im Archipel, andere ziehen zu benachbarten Inseln oder sogar bis zu Futtergründen vor Mittel- und Südamerika.
Für den Naturschutz hat der Befund praktische Konsequenzen: Da einzelne Schildkröten auf Lebensräume rund um mehrere Inseln angewiesen sein können, betonen die Forscher, dass die Wasserqualität und die Wanderkorridore zwischen den Inseln überall im Archipel erhalten bleiben müssen – ein einzelner gut geschützter Küstenabschnitt reicht nicht aus, wenn benachbarte Gebiete verkommen.
Weitere Informationen:
Frontiers in Amphibian and Reptile Science
Alma College