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Was hinter den Kulissen des "Extremwetters" mit den Riffen passiert
Während sich Meteorologen in Hamburg beim diesjährigen Extremwetterkongress mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Hitzewellen beschäftigten, lieferten Ozeandaten aus demselben Sommer eine eigene, unabhängig gemessene Bestätigung: Auch das Meer hat 2026 einen Rekordsommer erlebt – mit direkten Folgen für Korallenriffe weltweit.
Laut Copernicus Climate Change Service war der Juni 2026 der wärmste je gemessene Juni für die Weltmeere, im August erreichte die globale Meeresoberflächentemperatur mit 21,11 Grad Celsius einen neuen Rekordwert. Bereits Ende Juni befanden sich rund 82 Prozent der weltweiten Ozeanfläche in einer marinen Hitzewelle.
Hitzewelle wird hier definiert als Temperaturen, die höher sind als an 90 Prozent der vergangenen Messtage an diesem Ort üblich – und das für mindestens fünf aufeinanderfolgende Tage. Auch europäische Gewässer blieben nicht verschont: Mittelmeer, Nordsee und Ostsee lagen streckenweise bis zu 5 Grad über dem langjährigen Mittel.
Riffe unter Alarmstufe Rot
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen in Florida: Die Behörde NOAA stufte die Korallenriffe rund um die Florida Keys und Dry Tortugas im September 2026 auf Bleaching Alert Level 4 hoch, große Teile der Florida Bay sogar auf Stufe 5 – die höchste jemals vergebene Warnstufe, verbunden mit bereits beobachteter Korallenbleiche und Absterben. Die NOAA musste übrigens die Warnskala für Korallenbleiche in den vergangenen Jahren erweitern, weil die bisherigen Kategorien die beobachteten Extremwerte nicht mehr abbildeten.
Die längerfristige Bilanz ist ebenso deutlich: Nach Daten des Australian Institute of Marine Science sind in den vergangenen 40 Jahren bereits fast 10 Prozent der weltweiten Hartkorallen-Bedeckung verschwunden – in erster Linie durch wiederholte globale Hitzewellen in den Ozeanen, nicht durch einzelne Extremereignisse. Forscher betonen dabei: Korallen können sich von einzelnen Bleichereignissen erholen, wenn die Temperaturen anschließend wieder sinken. Bleiben Hitzewellen jedoch zu häufig oder zu intensiv, fehlt den Riffen schlicht die Zeit zur Regeneration.
Ein möglicherweise historisches El Niño
Für die kommenden Monate zeichnet sich zusätzliche Belastung ab. Seit Juni 2026 hat sich im tropischen Pazifik ein El Niño entwickelt, das sich laut US-Wetterbehörde NOAA weiter verstärkt. Nach aktuellen Prognosen mehrerer internationaler Klimamodelle besteht eine rund 75-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass es im Zeitraum Oktober bis Dezember 2026 zu einem historisch starken Ereignis kommt. Stärker sogar als alle bisher seit 1950 dokumentierten El-Niño-Phasen. Die Wahrscheinlichkeit für ein "sehr starkes" El Niño über den Winter 2026/27 liegt nach Angaben der Klimavorhersagestelle CPC bei über 90 Prozent.
Für Korallenriffe ist das eine ernste Nachricht: Bereits die vierte globale Korallenbleiche (2023 bis 2025) wurde maßgeblich durch das vorangegangene El Niño befeuert und erreichte ein bislang beispielloses Ausmaß. Prognosen von NOAA gehen davon aus, dass durch das neue El-Niño-Ereignis bis Ende 2026 fast die Hälfte der weltweiten Ozeanfläche von schädlichen Hitzewellen betroffen sein könnte – mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit vor der kalifornischen und mexikanischen Küste sowie im Indischen und Südlichen Ozean. Riffe, die durch den bereits ungewöhnlich heißen Sommer 2026 vorbelastet sind, hätten damit kaum Zeit zur Erholung, bevor die nächste Belastungswelle einsetzt.
Weitere Informationen:
WorldAtlas – The Warmest The Oceans Have Ever Been
The Conversation – Marine heatwaves are cooking our ocean ecosystems
Inside Climate News – Coral Reefs Can Recover But Relentless Marine Heat Waves Won't Let Them
NOAA Coral Reef Watch – Announcements
The Invading Sea (Kristopher Karnauskas)
IRI Columbia University – ENSO Forecast
NOAA Climate Prediction Center – ENSO Diagnostic Discussion