Der Pazifik wird heller – Mikroplastik könnte der Grund sein

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07.11.2026 12:52
Kategorie: News

Satelliten sehen Aufhellung am Müllstrudel

Rund um den Great Pacific Garbage Patch (GPGP) im Nordpazifik verändert sich die Farbe des Meeres. Satellitendaten aus zwanzig Jahren zeigen dort eine messbare Aufhellung im blauen und grünen Bereich des Lichts, das Wasser bekommt einen leichten Cyan-Ton.

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Ein Forscherteam der Universität Bergen sieht in dieser Entwicklung ein mögliches Indiz für große Mengen winziger Plastikteilchen, die im Wasser schweben. Die Studie von Shea Cheatham, Daniel Koestner und Børge Hamre ist am 5. November 2026 in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment erschienen. Einen Beweis für Mikroplastik als Ursache liefert sie aber nicht, das betonen die Autoren selbst.

Der GPGP ist keine feste Müllinsel, sondern ein Gebiet, in dem Meeresströmungen Plastik ansammeln. Eine Schätzung aus dem Jahr 2018 ging von rund 1,8 Billionen Plastikteilen mit einem Gesamtgewicht von etwa 79.000 Tonnen aus. Für die Forschung liegt das Problem bei den kleinsten Teilchen: Verfahren, mit denen sich schwimmender Müll aus dem All aufspüren lässt, arbeiten mit Infrarotlicht und taugen nicht für winzige Partikel, die unter der Oberfläche schweben. Die Autoren haben deshalb einen anderen Weg gewählt und in der Meeresfarbe nach Spuren der Partikel gesucht.

Meeresfarbe via Satellit gemessen

Das Team wertete drei Satellitendatensätze zur Meeresfarbe aus (MODIS, GlobColour und OC-CCI), die den Zeitraum von August 2002 bis September 2022 abdecken. Untersucht wurde, wie viel Licht das Wasser in verschiedenen Farbbereichen zurückwirft. In allen drei Datensätzen zeigt sich in und nahe dem Müllstrudel eine statistisch signifikante Zunahme im blauen und im grünen Bereich zugleich, woraus sich der Cyan-Ton ergibt. Dass das Meer im Nordpazifik stellenweise heller wird, ist aus früheren Arbeiten bekannt. Auffällig ist hier die Kombination aus Blau und Grün.

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Die Datensätze stimmen nicht in allen Einzelheiten überein. Die Forscher führen das vor allem auf einen Sensordrift beim MODIS-Instrument in den späteren Jahren und auf unterschiedliche Rechenverfahren zurück. Der Datensatz der ESA-Klimainitiative OC-CCI liefert die vorsichtigsten Werte, zeigt blaugrüne Bereiche aber ebenfalls dort, wo sich Mikroplastik ansammeln dürfte.

Dass Mikroplastik überhaupt Spuren in der Meeresfarbe hinterlassen kann, haben Mitglieder des Teams zuvor im Labor untersucht. Plastikteilchen schlucken sichtbares Licht kaum und werfen es stark zurück. Plankton dagegen nimmt bestimmte Farben gezielt auf und prägt so die typische Färbung des Meerwassers. Schwebt viel Plastik im Wasser, wird es deshalb heller, am stärksten bei einer Wellenlänge von 490 Nanometern, im Übergang von Blau zu Grün.

Wie belastbar ist die Theorie?

Um zu prüfen, ob Mikroplastik die Aufhellung erklären kann, rechnete das Team Strahlungssimulationen für nährstoffarmes Wasser, wie es im Nordpazifik vorkommt. Demnach übersteigt die Aufhellung bei 490 Nanometern ab etwa fünf Milligramm Mikroplastik pro Kubikmeter Wasser die normale Schwankung der Satellitenmessungen. Zum Vergleich: Auf Basis von Netzfängen aus dem Jahr 2016 schätzen die Autoren die Spitzenwerte größerer Mikroplastikteilchen (0,5 bis 5 Millimeter) im oberflächennahen Wasser des GPGP auf mehr als 17 Milligramm pro Kubikmeter. Für Nanoplastik im Nordatlantik liegt der Durchschnitt in der oberen Wasserschicht laut einer Nature-Studie von 2025 bei etwa 15 Milligramm. Allerdings wurden die Konzentrationen der besonders kleinen Teilchen unter 0,3 Millimetern im GPGP bisher nicht direkt gemessen.

Wäre die gesamte Aufhellung allein auf Plastik zurückzuführen, müsste die Konzentration in der am stärksten betroffenen Gitterzelle je nach Datensatz um 11 bis 25 Milligramm pro Kubikmeter gestiegen sein. Die Autoren halten das für eine realistische Größenordnung.

Ein zweiter Test bestand aus 500 simulierten Szenarien, in denen sich Plankton-Zusammensetzung, gelöste organische Stoffe und natürliche Schwebteilchen verändern, einmal mit und einmal ohne Mikroplastik. Ohne Plastik ergaben nur 3 Prozent der simulierten Aufhellungen einen Cyan-Ton, und das auch nur bei starken Veränderungen, etwa einer vollständigen Verschiebung zu kleineren Planktonarten und meist weniger Biomasse. Mit Mikroplastik als zusätzlicher Variable lag der Anteil bei 13 Prozent, also mehr als viermal so hoch. Das ist ein Ergebnis aus Simulationen und kein in der Natur gemessener Wert.

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Natürliche Ursachen haben die Autoren damit nicht ausgeschlossen. Sie halten es sogar für denkbar, dass moderate Veränderungen im Ökosystem und Mikroplastik gemeinsam zur Aufhellung beitragen. Auch eine Störung des Ökosystems durch Chemikalien, die an Plastik haften, schließen sie nicht aus. Kalkbildende Algen (Coccolithophoren) und Mineralstaub halten sie dagegen für unwahrscheinliche Erklärungen: Messungen der Staubablagerung an der Forschungsstation Aloha bei Hawaii zeigen für 1980 bis 2025 keine auffällige Veränderung.

Was fehlt, sind Messungen vor Ort. Nach Angaben der Autoren braucht es Wasserproben und optische Messungen in der Wassersäule im GPGP selbst, um den Befund zu überprüfen.

Bestätigt sich der Zusammenhang, hätte das zunächst Folgen für die Forschung. Das Farbmuster, ein gleichzeitiges Aufhellen in Blau und Grün, könnte nach Einschätzung der Autoren als Diagnosewerkzeug dienen, um Mikroplastik aus Satellitendaten abzuschätzen. Bisher lassen sich solche Teilchen nur mit aufwendigen Proben vor Ort erfassen, die sich kaum auf große Flächen hochrechnen lassen. Satelliten dagegen decken große Gebiete über Jahrzehnte ab. Klare Belege für das Ausmaß der mikroskopischen Verschmutzung seien wichtig, um dem wachsenden Einsatz und dem Fehlmanagement von Plastik zu begegnen, schreiben die Autoren.

Mikropartikel lassen sich wohl nicht mehr entfernen…

Die zweite Folge betrifft das Aufräumen. Projekte zur Entfernung von Plastik aus dem Meer holen größere Teile aus dem Wasser. Die winzigen Partikel unter 0,3 Millimetern lassen sich nach Einschätzung der Autoren im großen Maßstab kaum entfernen, wenn überhaupt. Gleichzeitig entstehen sie laufend neu, weil größere Plastikteile im Wasser durch Sonnenlicht und mechanische Belastung zerfallen. Laut ScienceAlert sieht Cheatham deshalb nur einen wirksamen Weg: Plastik dürfe gar nicht erst ins Wasser gelangen.

Dazu kommt die Nahrungskette. Die kleinen Mikroplastikteilchen gelangen nach Angaben der Autoren am wahrscheinlichsten in die unterste Ebene des marinen Nahrungsnetzes. Dort können sie sich anreichern und über Meeresfrüchte auch den Menschen erreichen. Die Autoren verweisen außerdem darauf, dass Mikroplastik Ökosysteme und den Kohlenstoffkreislauf betrifft. Wie stark das Plastik im GPGP die Ökologie des Ozeans beeinflusst, sei noch zu klären.

Offen ist auch, was das für die Satellitenmessungen selbst bedeutet. Aus dem Verhältnis von Blau zu Grün berechnen Satelliten üblicherweise die Menge an Chlorophyll und damit des Planktons im Wasser. Die Autoren halten fest, dass sich die Einflüsse von gelösten Stoffen, Schwebteilchen und Chlorophyll auf die Meeresfarbe ohnehin nur schwer voneinander trennen lassen. Ob zusätzliches Plastik solche Planktonschätzungen verzerren kann, untersucht die Studie nicht. Das wäre eine naheliegende Frage für Folgearbeiten.

Ob der Pazifik tatsächlich durch Plastik heller wird, lässt sich erst mit Messungen im Müllstrudel selbst klären. Bis dahin ist die Studie ein begründeter Hinweis und noch kein Beleg.

Weitere Informationen:
Cheatham, S., Koestner, D. & Hamre, B.: The ocean's color is changing near the Great Pacific Garbage Patch. Communications Earth & Environment 7, 855 (2026)

ScienceAlert: The Great Pacific Garbage Patch May Be Changing The Color of The Ocean

Koestner, D. et al.: Measurements of the inherent optical properties of aqueous suspensions of microplastics. Limnology and Oceanography Letters (2024)

ten Hietbrink, S. et al.: Nanoplastic concentrations across the North Atlantic. Nature 643 (2025)