Bullenhai: Der Hai, der auch im Süßwasser lebt

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10.09.2026 08:13
Kategorie: News

Anpassungskünstler mit sozialem Leben

Unter allen großen Haiarten ist der Bullenhai (Carcharhinus leucas) der einzige, der über längere Zeit auch im Süßwasser überleben kann. Weibchen erreichen bis zu 3,5 Meter Länge, Männchen bleiben mit rund 2,1 Metern deutlich kleiner.

Der auch als Stierhai oder Sambesihai bekannte Requiemhai lebt weltweit in warmen Küstengewässern – dringt aber immer wieder auch weit in Flüsse und Seen vor. Im Amazonas-Flusssystem wurden Tiere schon mehr als 4.000 Kilometer landeinwärts gesichtet.

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Ein Körper, der sich dem Süßwasser anpasst

Möglich macht das eine seltene Eigenschaft: Bullenhaie sind euryhalin, können also mit stark schwankendem Salzgehalt umgehen. Während die meisten Haie im Süßwasser durch osmotischen Druck zugrunde gehen würden, verfügen Bullenhaie über speziell angepasste Nieren und eine Rektaldrüse, die sich im Süßwasser praktisch abschalten lässt. So behält der Körper das nötige Salz, filtert weniger davon aus und scheidet stattdessen vermehrt Harnstoff über sehr wässrigen Urin aus.

Auch die Augen sind angepasst: Ihre Netzhaut ist auf grünlich-trübes Licht ausgelegt, wie es in Flüssen und Küstennähe typisch ist.

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17 Jahre in einem Golfplatz-See

Wie extrem diese Anpassungsfähigkeit sein kann, zeigt ein besonders bemerkenswerter Fall aus Australien: Sechs junge Bullenhaie gerieten 1996 vermutlich durch ein Hochwasser in den Süßwassersee des Carbrook Golf Club bei Brisbane – und blieben dort mindestens 17 Jahre lang.

Eine Studie des Forschers Peter Gausmann von der Ruhr-Universität Bochum wertete den Fall aus: Angestellte fütterten die Tiere, die zum Maskottchen des Golfclubs wurden, während sich die reichhaltige Fischfauna des Sees zusätzlich als Nahrungsquelle anbot. Zuletzt wurden 2015 Haie im See gesichtet – ihr genaues Alter und ihr weiteres Schicksal bleiben ungeklärt, doch sie gelten als Rekordhalter für die längste bekannte, ununterbrochene Süßwasser-Phase eines Bullenhais.

Jäger mit eigenem Sozialleben

Auf Beutefang geht der Bullenhai mit der sogenannten „Bump and Bite“-Taktik: Er stößt potenzielle Beute zunächst mit dem Kopf an, um blitzschnell zu prüfen, ob sie sich zum Fressen eignet.

Bei der Fortpflanzung ist die Art aplazental lebendgebärend – nach über einem Jahr Tragzeit bringen Weibchen meist vier bis sechs voll entwickelte Jungtiere zur Welt, höchstens alle zwei Jahre.

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Lange galten Haie als Einzelgänger, doch eine 2026 im Fachjournal Animal Behaviour veröffentlichte Studie aus dem Shark Reef Marine Reserve vor Fidschi widerlegt das für den Bullenhai eindrücklich. Über sechs Jahre beobachtete ein internationales Forschungsteam 184 individuell markierte Tiere und stellte fest: Bullenhaie wählen ihre Sozialpartner gezielt aus und unterscheiden dabei zwischen engeren „Freundschaften“ und eher oberflächlichen „Bekanntschaften“. Sowohl Männchen als auch Weibchen bevorzugen dabei Kontakt zu Weibchen – für die deutlich kleineren Männchen vermutlich ein Vorteil, um Konflikte mit den größeren Tieren zu vermeiden. (Siehe hierzu auch unser Bericht über ‚Freundschaften‘ bei Bullenhaien)

Status: Gefährdet!

Als Spitzenprädator hat der Bullenhai kaum natürliche Feinde – und ist trotzdem gefährdet. Küstenzerstörung und veränderte Flussläufe setzen der Art zu. Hinzu kommt hoher Fischereidruck: Fleisch und Flossen sind begehrt. Auch als Beifang enden viele Tiere, etwa in Stellnetzen, Schleppnetzen und der Langleinenfischerei. Bei Sportfischern gelten Bullenhaie zudem als beliebte Trophäe.

Weitere Tiere sterben in Hainetzen, wie sie zum Beispiel an südafrikanischen Badestränden verwendet werden. Die Folge: Die Bestände sind in den vergangenen Jahrzehnten um 30 bis 49 Prozent zurückgegangen. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet den Bullenhai mittlerweile als gefährdet mit abnehmender Bestandsentwicklung.

Quelle und weitere Informationen:
Deutsche Stiftung Meeresschutz
https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/bullenhai/

Freundschaften bei Bullenhaien