Buckelwale im Arabischen Meer sind genetisch eine eigene Linie

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01.10.2026 10:12
Kategorie: News

Ein Wal, der nie wandert, und eine mögliche vierte Unterart

Buckelwale gelten als eine der wanderfreudigsten Walarten überhaupt, sie ziehen jährlich tausende Kilometer zwischen Nahrungsgründen in kalten und Fortpflanzungsgebieten in warmen Gewässern. Es scheint aber eine Ausnahme zu geben: Die Population im Arabischen Meer vor Oman bricht mit diesem Muster vollständig.

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Eine neue, im Fachjournal Frontiers in Marine Science veröffentlichte Studie liefert nun erstmals einen genetischen Beleg dafür, dass diese Isolation tief in der Evolutionsgeschichte der Tiere verwurzelt ist. Die Buckelwale im Arabischen Meer bleiben das ganze Jahr in denselben tropischen und subtropischen Gewässern, fressen und pflanzen sich dort auch fort.

Wale im genetischen Vergleich

Ein Team um Rita Amaral von der Wildlife Conservation Society (WCS) verglich gemeinsam mit der Environment Society of Oman (ESO) und weiteren Partnern mitochondriale DNA von 2.285 Buckelwalen aus allen Weltmeeren. Das Ergebnis: Die Population vor Oman unterscheidet sich deutlich von den drei bislang anerkannten Unterarten im Nordatlantik, Nordpazifik und der Südhalbkugel. Der genetische Austausch mit anderen Beständen ist gering, die genetische Vielfalt die niedrigste aller untersuchten Regionen weltweit.

Den Schätzungen der Forscher zufolge liegt die Trennung von anderen Buckelwal-Linien zwischen 43.000 und 113.000 Jahren zurück. "Buckelwale im Arabischen Meer waren der wissenschaftlichen Gemeinschaft lange ein Rätsel", erklärte Amaral. Die Autoren halten die Anerkennung als vierte Unterart für möglich, unter dem vorgeschlagenen wissenschaftlichen Namen Megaptera novaeangliae indica. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei der Taxonomie-Kommission der Society for Marine Mammalogy, die die Ergebnisse nun prüfen soll.

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Zusätzliches Gewicht erhält die Studie durch einen historischen Fund: Forscher untersuchten DNA aus einem Knochen, der 1883 im Gebiet des Persischen Golfs im heutigen Irak gesammelt und im Pariser Naturkundemuseum als eigene Art Megaptera indica beschrieben worden war. Sowohl morphologische als auch genetische Analysen bestätigten, dass es sich um einen Buckelwal handelt, der eng mit der heutigen Population im Arabischen Meer verwandt ist. Das ist ein zusätzlicher Beleg für die Kontinuität dieser isolierten Linie über mehr als 140 Jahre hinweg.

Eine kleine, gefährdete Population

Die Erkenntnisse sind nicht nur taxonomisch interessant, sondern haben unmittelbare Bedeutung für den Artenschutz. Der Bestand der Arabischen Buckelwale ist klein und wächst seit rund zwei Jahrzehnten nicht. Bedroht wird die Population durch Fischernetze, Schiffsverkehr, Unterwasserlärm, Meeresverschmutzung, Krankheiten sowie durch sich verändernde Monsunmuster, von denen die lokale Nahrungskette abhängt. Co-Autorin Suaad Al Harthi von der ESO verweist darauf, dass Omans Walforschung bereits vor 25 Jahren begann und seither enorme technologische Fortschritte gemacht hat. Die neuen genetischen Daten sollen nun helfen, gezielte, regional abgestimmte Schutzmaßnahmen für eine Walpopulation zu entwickeln, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt.


Weitere Informationen:
Frontiers in Marine Science (Amaral et al. 2026, Originalstudie)
The National
Muscat Daily