Arktis: Ein weiterer Schlag gegen die Klimaforschung

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15.08.2026 18:19
Kategorie: News

Dritter Angriff auf US-Klimaforschung in Folge

Es ist bereits der dritte Fall dieser Art, über den wir in den letzten Monaten berichten mussten: Nach der Aufhebung von Fischereischutzzonen im Pazifik und der Abschaltung Hunderter Tiefsee-Sensoren im Atlantik und Pazifik trifft es nun einen der wichtigsten Klimaberichte der USA überhaupt – den jährlichen Arctic Report Card.

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Die Trump-Regierung lässt einen der wichtigsten Klimaberichte der USA einstellen: Die Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA – Teil des Handelsministeriums und damit der Exekutive direkt unterstellt – wird den seit 2006 jährlich erscheinenden Bericht zum Zustand der Arktis in diesem Jahr nicht mehr koordinieren. NOAA-Sprecherin Kim Doster bestätigte gegenüber mehreren US-Medien, dass die Behörde die Organisation des Berichts im aktuellen Jahr einstellt – die zugrunde liegenden Daten würden aber weiterhin gesammelt und öffentlich zugänglich bleiben. Eine inhaltliche Begründung für die Einstellung wurde von der Behörde nicht benannt. Kritiker werten das fehlende Statement als Indiz für eine politische statt fachliche Entscheidung.

Der Arctic Report Card gilt als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Bestandsaufnahmen der Region, die sich schneller erwärmt als jeder andere Ort der Erde. Peer-begutachtete Beiträge von mehr als 100 Wissenschaftlern aus über einem Dutzend Ländern fließen jährlich ein – zu Themen von schmelzendem Meereis über auftauenden Permafrost bis zu Verschiebungen in Ökosystemen. Rick Thoman, Chefredakteur der diesjährigen Ausgabe, erfuhr die Nachricht nach eigenen Angaben in einem kurzen Telefonat mit NOAA. Die US-Senatorin Lisa Murkowski (Alaska) nannte den Rückzug "schlecht für Alaska" und verwies darauf, dass der Bericht seit 20 Jahren half, Veränderungen wie den Wandel der Tundra vom CO2-Speicher zur CO2-Quelle zu dokumentieren.

Kein Einzelfall

Der Schritt reiht sich in eine Serie ähnlicher Entscheidungen der Trump-Regierung ein. Bereits im Frühjahr wurde bekannt, dass die National Science Foundation das Ocean Observatories Initiative (OOI) abwickelt – ein rund 386 Millionen Dollar teures Netzwerk aus über 900 Tiefsee-Sensoren vor der Küste Oregons, Washingtons, Alaskas, North Carolinas und Grönlands, das seit über einem Jahrzehnt Daten zu Meereserwärmung, Ozeanversauerung und Meeresströmungen lieferte – darunter auch zur atlantischen Umwälzzirkulation (AMOC), einem zentralen Baustein des globalen Klimasystems. Auch der sechste Nationale Klimabericht der USA sowie eine milliardenschwere Datenbank zu Klimakatastrophen wurden bereits eingestellt.

Eine Frage der Führungsrolle

Twila Moon von der University of Colorado Boulder, eine der Autorinnen des Arctic Report Card, zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP "extrem enttäuscht": Es sei ein Fehler, die Führungsrolle und Kompetenz der amerikanischen Klimawissenschaft nicht aufrechtzuerhalten. Craig McLean, ehemaliger NOAA-Chefwissenschaftler unter Trumps erster Amtszeit, formulierte es gegenüber der New York Times noch pointierter: Solche Entscheidungen würfen die USA in der globalen Wissenschaft "auf den Rücksitz" zurück.

Wissenschaftler suchen nun nach Wegen, die diesjährigen Ergebnisse trotz fehlender behördlicher Unterstützung zu veröffentlichen – etwa mit Hilfe von Stiftungen außerhalb der Regierung. Ob das gelingt, ist offen.