Apnoe-Legende Enzo Maiorca verstarb mit 85 Jahren

Teile:
15.11.2016 10:30
Kategorie: News

Ein großer Kämpfer, ein feiner Geist

Am 21. Juni 1931 erblickte er in Syrakus/Sizilien das Licht der Welt. Heute wird er in seiner süditalienischen Heimatstadt zu Grabe getragen: Enzo Maiorca, der große Pionier des Apnoesports verstarb am 13. November im Alter von 85 Jahren in seinem Geburtsort im Südosten der Insel, die ihn von frühester Kindheit an mit dem Meer verband.

Gallery 1 here

Maiorca zählt zu den ganz Großen des Apnoesports und hatte schon in den 1960er Jahren mit seinen sportlichen Leistungen für Furore und erste große mediale Aufmerksamkeit dieser Tauchsportdisziplin gesorgt. „No-Limit“ hieß seine Disziplin und so war es Maiorca, der mit seinen individuellen Bestleistungen und mit seinen unglaublichen Zweikämpfen mit seinen Wettbewerbern die Grenzen des Machbaren immer wieder vorschob.

Bereits mit 29 Jahren überschritt er im Juli 1960 erstmals die 45-Meter-Marke, wurde Weltmeister mit dem Sieg über seinen brasilianischen Konkurrenten Amerigo Santarelli. Er durfte sich nur wenige Wochen über den Rekord freuen, denn Santarelli konterte bereits im September mit erreichten 46 Metern. Welcher Geist den Süditaliener aber trieb, zeigte er, als er sich den Rekord im November 1960 mit 49 Metern zurückholte. Maiorca war ein großer Kämpfer und der erste Mensch, der die 50 Meter-Marke knackte und im Verlauf seiner Karriere bis 1976 insgesamt 13 Weltrekorde aufstellte.

Im Rausch der Tiefe

Später faszinierte der Ausnahmesportler die Tauchsportszene mit seinem Zweikampf mit dem französischen Apnoesportler Jacques Mayol und dieser fiktionale Zweikampf zweier herausragender Sportler animierte 1988 den Autor und Regisseur Luc Besson zu seinem Unterwasserepos „Im Rausch der Tiefe (Le Grand Bleu)“.

Gallery 2 here

Dieser Film, der die beiden Apnoesportler durch herausragende Unterwasseraufnahmen ins Zentrum der Handlung stellte, machte Maiorca und Mayol schlagartig berühmt und verschaffte dem Apnoesport einen enormen Bekanntheitsschub.

Enzo Maiorca kehrte nach Beendigung seiner Apnoe-Wettkampflaufbahn noch einmal wieder zurück in das Rampenlicht der Tiefe: 1988 – zwölf Jahre nach seinem Wettkampf-Rücktritt  – setzte sich der innere Antrieb des Ausnahmeathleten durch, die Grenze, die ihn stets getrieben hatte, erneut in Angriff zu nehmen. Und so erreichte Maiorca 1988, inzwischen 57jährig, seinen individuellen Rekord von 101 Meter.

Gallery 3 here

Danach widmete er all seine Energie dem Umwelt- und Meeresschutz. Von 1994 bis 1996 hatte er einen zweijährigen Ausflug in die italienische Politik, als er für die Alleanza Nationale als Angeordneter im Parlament saß. Aber die Aktion und die Verbundenheit mit dem Meer waren eher seine Welt, als die harten Bänke der Politik.

Eine von zahlreichen Geschichten um Enzo Maiorca beschreibt sehr schön, weshalb sich der ehrgeizige, willensstarke Sportler so sehr für den Ressourcen- und Naturschutz einsetzte: 1967 ging Maiorca, wie viele tausend Italiener heute noch, der Unterwasserjagd nach. Er, als geübter, gut trainierter Apnoetaucher hatte keine Probleme sich minutenlag fischgleich in größeren Tiefen zu bewegen. Und so gelang es ihm auch immer wieder erfolgreich mit seiner Harpune gute Fänge an die Oberfläche zu bringen.

Gallery 4 here

Bis zu diesem Tag, als er einen großen Zackenbarsch harpunierte und sich einen heftigen Kampf mit dem Tier lieferte, das sich, von der Harpune getroffen, in eine Felsspalte geflüchtet hatte. Maiorca griff nach „seinem“ Fang und griff in die Spalte um den großen Zackenbarsch herauszuziehen. Hierbei strich er unter dem Bauch des angeschossenen Barsches entlang und spürte den Schmerz, die Angst, die Panik des Tieres und erkannte, was er dort gerade tat.

Von diesem Tag an verschwand die Harpune im Keller des Hauses, aus dem sie nie wieder hervorkam. Der Ausnahmesportler war seit diesem Schlüsselerlebnis bekennender Vegetarier und hat seine Haltung zum Meer und seinen Bewohnern grundlegend verändert.

Gallery 5 here

Ein großer Charakter der Tauchsportszene und des Meeresschutzes ist abgetaucht und von uns gegangen. Er wird mit seinen Büchern und Geschichten nicht nur Apnoefans auch in Zukunft noch einiges mitzuteilen haben. (hap)