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Nachhaltige Unterwasserwelten vor Mayabunder & Diglipur
Die Andamanen und Nikobaren erweitern ihr Tauchnetzwerk um acht spektakuläre neue Tauchplätze – ein Meilenstein für alle, die das Abtauchen in unberührte Korallenlandschaften lieben und gleichzeitig Wert auf verantwortungsvollen Meerestourismus legen.
Neue Tauchplätze im Indischen Ozean freigegeben
Die Verwaltung der indischen Inselgruppe hat in Zusammenarbeit mit Scuba Schools International (SSI) acht vielversprechende Tauchgebiete in den Regionen Mayabunder und Diglipur identifiziert. Diese liegen in Nord- und Mittel-Andaman – Gebiete, die bisher touristisch weniger erschlossen waren als die bekannteren Tauchreviere rund um Havelock Island oder Neil Island.
Zu den neu erschlossenen Spots zählen in Mayabunder: North of Sound Island Rock, Marker 077 und Bochang. In Diglipur kommen fünf weitere hinzu: Hiran Tikery, Landfall East, das Hausriff bei Ross and Smith Islands, Paget Island sowie Landfall South. Diese Erweiterung bringt die Gesamtzahl der offiziell zugelassenen Tauchplätze in Nord- und Mittel-Andaman auf zwölf – vier davon wurden bereits im Mai 2026 freigegeben.
Artenvielfalt
Die Andamanen gelten unter Kennern schon lange als Geheimtipp für Taucher: Kristallklares Wasser, Sichtweiten von oft über 30 Metern und eine außergewöhnliche Biodiversität machen die Region zu einem Paradies unter Wasser. Hier tummeln sich Mantarochen, verschiedene Haiarten, Meeresschildkröten und unzählige tropische Fischarten zwischen intakten Hart- und Weichkorallen.
Die neu freigegebenen Tauchgebiete versprechen ähnliche Naturerlebnisse: farbenprächtige Korallenriffe, vielfältige marine Ökosysteme und die Möglichkeit, Unterwasserlandschaften zu erkunden, die bisher nur wenigen vorbehalten waren. Besonders interessant für umweltbewusste Taucher: Die Erschließung erfolgt unter strengen ökologischen Auflagen.
Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt
Die indische Forstverwaltung und das Tourismusdirektorat haben grünes Licht für die neuen Spots gegeben – allerdings nur unter der Bedingung, dass strenge Umweltschutzrichtlinien eingehalten werden. Alle Tauchoperationen müssen den offiziellen "Scuba Diving Guidelines" entsprechen, die Sicherheitsprotokolle, gesetzliche Vorgaben und ökologische Schutzmaßnahmen umfassen.
Dies ist besonders wichtig, da die Meeresökosysteme der Andamanen als äußerst sensibel gelten. Die Korallenriffe sind nicht nur Lebensraum für tausende Arten, sondern auch natürliche Küstenschutzbarrieren. Wissenschaftler warnen seit Jahren, dass Massentourismus und Klimawandel diese fragilen Systeme bedrohen können. Die kontrollierte Öffnung neuer Tauchplätze soll helfen, den Besucherdruck auf bereits etablierte Spots zu verringern und gleichzeitig lokale Gemeinden wirtschaftlich zu stärken.
Wirtschaftsimpuls für lokale Gemeinschaften
Die Initiative kommt nicht von ungefähr: Bootsführer und Tourismusunternehmer in Nord- und Mittel-Andaman hatten seit langem eine Erweiterung des Tauchangebots gefordert. Während die südlicheren Inseln wie Havelock (offiziell: Swaraj Dweep) und Neil Island bereits gut vom Tauchtourismus profitieren, blieben die nördlichen Regionen wirtschaftlich zurück.
Mit den neuen Tauchplätzen soll sich das ändern. Die Behörden erwarten einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen, was Arbeitsplätze für junge Menschen vor Ort schaffen könnte – sei es als Tauchguides, Bootsführer oder in der touristischen Infrastruktur. Besonders wichtig: Die lokale Bevölkerung soll direkt von der Entwicklung profitieren und in die nachhaltigen Tourismuskonzepte eingebunden werden.
Registrierung für Tauchbasen angelaufen
Die Verwaltung hat qualifizierte Tauchzentren und Betreiber aufgerufen, sich für die Durchführung von Tauchaktivitäten in Mayabunder und Diglipur zu registrieren. Voraussetzung ist die Einhaltung der festgelegten Richtlinien, die sowohl Sicherheitsstandards als auch Umweltschutzauflagen umfassen.
Für zertifizierte Taucher bedeutet dies: In absehbarer Zeit werden professionell geführte Tauchgänge an diesen neuen Spots möglich sein. Anfänger können dort unter Anleitung lizenzierter Tauchlehrer ihre ersten Unterwassererfahrungen sammeln, während erfahrene Taucher neue Reviere erkunden können.
Was macht die Andamanen so besonders?
Die Andamanen-Inselgruppe liegt im Golf von Bengalen, etwa 1.400 Kilometer östlich des indischen Festlands. Die mehr als 570 Inseln – von denen nur wenige bewohnt sind – gehören zu den biodiversesten Meeresregionen der Welt. Die Gewässer sind Teil des sogenannten Korallendreiecks des Indischen Ozeans und beheimaten über 550 Korallenarten sowie mehr als 1.200 Fischspezies.
Experten des Zoological Survey of India haben dokumentiert, dass die Riffe rund um die Andamanen trotz globaler Korallenbleiche vergleichsweise stabil geblieben sind – ein Hoffnungsschimmer in Zeiten des Klimawandels. Diese Widerstandsfähigkeit macht die Region wissenschaftlich besonders wertvoll und unterstreicht die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs.
Beste Reisezeit
Die ideale Tauchsaison auf den Andamanen erstreckt sich von Oktober bis Mai, wenn das Meer ruhig ist und die Sichtweiten unter Wasser optimal sind. Während des Monsuns von Juni bis September können starke Strömungen und trübes Wasser die Tauchbedingungen beeinträchtigen. Die Wassertemperaturen liegen ganzjährig zwischen angenehmen 27 und 30 Grad Celsius – ein Shorty oder 3mm-Anzug reicht in der Regel aus.
Mit der Erschließung der neuen Tauchgebiete in Mayabunder und Diglipur positionieren sich die nördlichen Andamanen als aufstrebende Alternative zu den bereits etablierten Tauchzielen. Wer abseits ausgetretener Pfade tauchen und dabei unberührte Korallenlandschaften erleben möchte, findet hier ideale Bedingungen.
Ein Modell für nachhaltigen Meerestourismus?
Die kontrollierte Öffnung neuer Tauchplätze unter strengen ökologischen Auflagen könnte wegweisend sein. Eigentlich weltweit gültige Standards sollen hier kompromisslos durchgesetzt werden: Kein Berühren der Korallen, keine Mitnahme von Meereslebewesen oder Korallenfragmenten, Abstand halten zu Meerestieren und die Verwendung von rifffreundlichen Sonnenschutzmitteln.
Viele moderne Tauchbasen auf den Andamanen setzen zudem auf kleine Gruppengrößen und Umweltbildung.
Weltweit kämpfen beliebte Tauchregionen mit Übertourismus: Thailands Maya Bay musste zeitweise komplett geschlossen werden, das Great Barrier Reef in Australien leidet unter massiven Umweltschäden, und auch in Ägypten zeigen viele Riffe Abnutzungserscheinungen durch zu viele Besucher.
Die Andamanen-Verwaltung versucht offenbar, aus diesen Fehlern zu lernen. Durch begrenzte Zugänge, Zertifizierungspflichten für Betreiber und klare Umweltrichtlinien soll von Anfang an ein Gleichgewicht zwischen touristischer Entwicklung und Naturschutz gewährleistet werden.
Wichtig zu wissen
Wer die neuen Tauchplätze in Mayabunder und Diglipur erkunden möchte, sollte sich rechtzeitig informieren. Die Infrastruktur in diesen nördlicheren Regionen ist noch im Aufbau – Hotels, Tauchbasen und Transportmöglichkeiten sind begrenzter als in den touristisch erschlossenen Gebieten wie Port Blair oder Havelock.
Dafür winken Urlaubsfreuden: weniger Taucher unter Wasser, intakte Riffe und die Möglichkeit, eine Region zu erleben, bevor sie vom großen Touristenstrom entdeckt wird. Schnorchler profitieren ebenfalls, da viele der Riffe bereits in geringen Tiefen beginnen und auch von der Oberfläche aus wundervolle Einblicke bieten.
Die Erweiterung des Tauchnetzwerks auf den Andamanen ist mehr als nur eine touristische Entwicklung – sie ist ein Versuch, Naturschutz, wirtschaftliche Entwicklung und Abenteuertourismus miteinander zu verbinden.
Die grundsätzliche Botschaft ist klar: Wer die Unterwasserwelt der Andamanen erleben möchte, kann dies tun – aber mit Respekt, Verantwortung und unter professioneller Anleitung. Ob dieses Modell funktioniert, wird die Zukunft weisen. Es wäre ein guter Ansatz und könnte zum Vorbild für andere sensible Meeresregionen weltweit werden.
Weitere Informationen:
Andaman & Nicobar Tourism Official Website https://andamannicobar.gov.in/
Travel Economics India: https://travel.economictimes.../adventure/andaman-to-expand-scuba-network