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Rundkopfdelfine bilden eigene Population
Rund 9.000 Risso-Delfine (Grampus griseus), auch Rundkopfdelfine genannt, leben in britischen Gewässern – deutlich mehr als die etwa 2.000 Tiere, die im westlichen Mittelmeer geschätzt werden. Eine neue genetische Studie zeigt nun: Mit ihren Artgenossen von den Azoren, aus dem Mittelmeer oder dem übrigen Nordatlantik mischen sich die britischen Delfine kaum.
Ein Team um Nicola Hodgins von der Maritime Area Regulatory Authority (MARA) und der University of Exeter untersuchte dafür Gewebeproben von Tieren, die zwischen 1992 und 2016 an den Küsten Englands, Schottlands und Wales' gestrandet waren. Die Analyse von Kern- und mitochondrialer DNA ergab: Die britischen Risso-Delfine bilden eine eigenständige genetische Einheit, klar abgegrenzt von den nächstgelegenen Populationen. "Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass Risso-Delfine in britischen Gewässern seit einiger Zeit von anderen Populationen isoliert sind", erklärte Hodgins. Einschränkend fügte sie hinzu, dass nicht jeder benachbarte Bereich des Atlantiks beprobt wurde – wo genau die Grenzen dieser Einheit verlaufen, ist damit noch nicht abschließend geklärt.
Auffällig ist zudem, dass die genetische Vielfalt innerhalb der britischen Population vergleichsweise gering ausfällt – niedriger als bei den Populationen im Nordpazifik, auf den Azoren oder im Mittelmeer. Das deutet auf eine kleine Gründerpopulation oder eine lange andauernde Isolation hin.
Künftig eine eigenständige Unterpopulation
Innerhalb der britischen Gewässer selbst fanden die Forscher genetisch keine klare Unterteilung – die Delfine bilden einen einzigen, durchmischten Genpool. Das steht auf den ersten Blick im Widerspruch zu Fotoidentifikationsstudien aus schottischen Gewässern, die zeigten, dass weniger als drei Prozent der individuell erkannten Delfine sowohl an der West- als auch an der Nordküste gesichtet wurden – die Tiere scheinen also über ihr Leben hinweg bestimmten Regionen treu zu bleiben. Wie sich diese offensichtliche Standorttreue einzelner Tiere mit der genetischen Durchmischung der Gesamtpopulation vereinbaren lässt, ist eine der offenen Fragen, die die Forscher für künftige Untersuchungen benennen.
Für den Naturschutz hat das durchaus Bedeutung. Die Internationale Naturschutzunion (IUCN) hat die Mittelmeer-Population der Risso-Delfine bereits separat als "gefährdet" eingestuft. Die Studienautoren halten es für denkbar, dass auch die britische Population künftig als eigenständige Unterpopulation anerkannt werden könnte – mit der Folge, dass sie gezielter geschützt und verwaltet werden müsste als bisher. Aktuell werden die britischen Risso-Delfine als eine einzige Managementeinheit behandelt, obwohl einzelne Gruppen offenbar unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt sein und Lebensräume verschieden nutzen könnten.
Die Forscher betonen, dass weitere Untersuchungen nötig sind, die Verhalten, Aussehen, Wanderbewegungen, Lautäußerungen und Genetik der Tiere zusammenführen. Nur so lässt sich künftig genauer verstehen, wie die Risso-Delfine rund um die Britischen Inseln tatsächlich miteinander vernetzt sind, welche Lebensräume sie bevorzugen – und wie sich ihr Schutz am wirksamsten gestalten lässt.
Weitere Informationen: University of Exeter, phys.org, Journal of the Marine Biological Association of the United Kingdom