10.500 Jahre altes Holz: Sensationsfund im Arendsee

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03.10.2026 15:50
Kategorie: News

Könnten hier die ältesten festen Bauten Mitteleuropas liegen?

Taucher des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) haben im Arendsee im Norden des Bundeslandes gut erhaltene Hölzer geborgen, die bis zu 10.500 Jahre alt sind.

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Die Fundstücke wurden nachweislich von mittelsteinzeitlichen Jägern und Sammlern bearbeitet. Besonders bemerkenswert: ein rund 1,60 Meter hoher Pfahl mit deutlichen Fäll- und Bearbeitungsspuren sowie bis zu 1,30 Meter lange Spaltbretter, die auf eine ehemalige Konstruktion hindeuten könnten.

Ein See, der die Vergangenheit konserviert

Möglich wird diese außergewöhnliche Erhaltung durch eine geologische Besonderheit des Arendsees. Anders als die meisten Binnengewässer, die im Lauf der Jahrtausende allmählich verlanden, sinkt der Grund des Sees durch einen darunterliegenden Salzstock langsam weiter ab. Dadurch liegt die einstige Uferlandschaft der Mittelsteinzeit heute unter einer nur dünnen Sedimentschicht in rund 20 Metern Tiefe.

Die Bedingungen am Grund sind: kühl, weitgehend sauerstofffrei und dadurch außergewöhnlich gut konservierend. Die aktuellen Funde sind dabei keine Premiere für den See: Bereits bei früheren Tauchgängen entdeckten die Taucher dort jungsteinzeitliche Fischzäune, einen hochmittelalterlichen Prahm sowie einen spätmittelalterlichen Einbaum.

Hütten oder etwas völlig Neues?

Ob es sich bei den neuen Funden um Überreste von Wohnbauten oder um bislang unbekannte Holzkonstruktionen handelt, ist noch offen. "Neben den üblicherweise aus dieser Zeit erhaltenen Funden, wie Steingeräten oder Tierknochen, konnten unsere Taucher spektakuläre Hölzer bergen, welche aus dieser Epoche nur sehr selten erhalten geblieben sind", erklärt Landesarchäologe Harald Meller. "Die Funde werfen ein ganz neues Licht auf die Mittelsteinzeit, für die Spuren von Bauten bislang in Mitteldeutschland nur in Form von Erdverfärbungen bekannt sind."

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Die mögliche Tragweite der Entdeckung macht Projektleiter Marcel Weiß deutlich: "Sollten bereits vor 10.500 Jahren, also 3.000 Jahre vor der Ankunft der ersten Bauern mit ihren Langhäusern in Mitteleuropa, dauerhafte Bauten oder intensiv gestaltete Lebensräume existiert haben, hätte dies nicht nur weitreichende Folgen für unser Bild von Jägern und Sammlern, sondern auch für die Herkunft moderner Kulturlandschaften."

Bislang gilt die grundlegende Umgestaltung der Natur zu Kulturlandschaft als Leistung der ersten Bauern, die um 5.500 vor Christus nach Mitteldeutschland einwanderten.

Verbindung zur Schamanin von Bad Dürrenberg

Zeitlich fällt der Fund in dieselbe Epoche wie eines der bekanntesten mesolithischen Gräber Europas: das der sogenannten Schamanin von Bad Dürrenberg. Es handelt sich hier um eine rund 9.000 Jahre alte Bestattungsstelle mit außergewöhnlich reichen Grabbeigaben, die derzeit im Zentrum einer vielbeachteten Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle steht. Die neuen Arendsee-Funde liefern damit einen weiteren, diesmal baulichen Einblick in dieselbe Zeit und Region, aus der bislang vor allem Grab- und Fundkontexte, aber kaum erhaltenes Bauholz bekannt waren.

Nach der ersten Entdeckung im Frühjahr 2026 wurden weitere Proben und Einzelfunde geborgen, um Ausdehnung und Alter der Fundstelle genauer zu bestimmen. In einer zweiten Projektstufe kartierte das Team gemeinsam mit dem Fraunhofer IOSB-AST in Ilmenau mithilfe eines ferngesteuerten Unterwasserroboters (ROV) und hochauflösenden Sonarscans das Relief des einstigen Ufers. "Die Unterstützung der Arbeiten unter Wasser mit modernsten Technologien, die am Fraunhofer-Institut in Ilmenau entwickelt werden, ist für die Archäologie von unschätzbarem Wert", so Sven Thomas, Taucheinsatzleiter des LDA Sachsen-Anhalt am Arendsee.

Durch die genaue Lagebestimmung der Fundstellen lassen sich Verdachtsflächen eingrenzen und künftige Tauchunternehmungen gezielt planen.

Quelle und weitere Informationen:
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (idw-online, Pressemitteilung)