BACK TO THE ROOTSDie Zeiten der Erschließung des ...
BACK TO THE ROOTS
Die Zeiten der Erschließung des Roten Meeres sind lange vorbei. Die einfachen Camps und Zeltlager sind modernen Bettenburgen gewichen und die Taucherei ist zur touristischen Massenabfertigung geworden. Leider ist das großenteils Realität im heutigen Ägypten – es gibt aber noch Ausnahmen wie das Beachsafari-Camp nördlich von Marsa Alam in Südägypten beweist!
Günstig sollte es sein, erstklassige Tauchplätze bieten und ich wollte keinesfalls in einem dieser unpersönlichen Bettenbunker landen. Nicht so einfach da etwas zu finden, denn klein bedeutet allgemein individuell und das scheint heutzutage automatisch teuer zu sein.
Als ich schon fast aufgeben wollte bekam ich einen Hinweis von einem Bekannten: „Schau doch mal unter diesem Link. War dort im letzten Jahr. Super Tauchplätze, günstig, Unterkunft und Verpflegung gut!“ Etwa 30 Minuten stöberte ich auf der Seite des Beachsafari-Camps, schaute mir Bilder und Filmausschnitte an, dann war meine Entscheidung gefallen!
Ankunft im Camp
Am frühen Nachmittag des 10. Januars landete die Maschine der Condor auf dem Flughafen von Marsa Alam. Ein Kleinbus erwartete mich, meinen mitreisenden Tauchpartner und 4 andere Gäste des Camps bereits. Die Spannung stieg auf der halbstündigen Fahrt nach Süden. Was hatten wir zu erwarten? Konnte man für diesen günstigen Preis wirklich alles erwarten was auf der Internetseite versprochen wurde?
Um schneller zum Wesentlichen, nämlich dem Tauchen, kommen zu können kürze ich an dieser Stelle den Bericht etwas und sage (schreibe) nur das im Laufe der ersten beiden Tage alle Zweifel und Unsicherheiten entkräftet wurden! Der Bungalow war schlicht, aber sehr sauber und funktional und das Essen schmackhaft, abwechslungsreich und, nun im (durchfallfreien) Nachhinein kann ich es ja mit Sicherheit sagen, hygienisch einwandfrei.
Der Leiter des Camps war leider gerade auf der BOOT in Düsseldorf, aber sein Stellvertreter prüfte recht eingehend die Brevets und ärztlichen Papiere der Neuankömmlinge. Leihausrüstungen wurden von einigen gemietet. Für 20 bis 25€ pro Tag gab es recht komplettes und scheinbar gut gepflegtes Equipment. Allgemein wurde ein kleiner Obolus als Versicherung für die nur wenige Kilometer entfernt gelegene Druckkammer kassiert und man musste die üblichen Ausschlusserklärungen unterschreiben.
Beim Abendessen lernten wird dann die anderen Gäste kennen. Sie kamen aus Deutschland der Schweiz, Schweden, Holland, Polen und Ägypten selbst. Eine bunte Mischung, zumeist reine Urlaubstaucher.
Das Tauchen
Am nächsten Morgen ging es dann los! Da Wind und Welle den Einstieg am Hausriff beim Camp unmöglich machten fuhren wir zu einer seichten und geschützten Bucht, nur gute 5 Autominuten südlich gelegen. Hier ist der Ein- und Ausstieg auch für Anfänger kein Problem und der Sandboden fällt entlang der Riffkante nur sehr langsam ab. Bereits im stehtiefen Wasser begrüßte uns ein Fülle an Farben und Formen: quirlige Doktorfische, elegante Flötenfische, hektische Barben bei der Futtersuche im Sand, ein perfekt getarnter Plattfisch flüchtete direkt vor mir in einer Staubwolke,.......ein Rausch aus Licht, Farben und Leben. Langsam ging es tiefer, die Wassertemperatur betrug 22°C. Der halbtrockene 7mm Anzug war für mein Empfinden perfekt in dieser Jahreszeit, Handschuhe benötigte man nicht, eine Kopfhaube war aber sinnvoll um Auskühlung zu vermeiden.
Auffällig an diesem Platz war die große Anzahl von Blaupunktrochen und verschiedenen Kugelfischen. Auch Rotfeuerfische, Barsche, Makrelen, Korallenwächter und viele andere Fische sah man in großen Mengen. Einige Tage zuvor sichteten Taucher aus dem Camp hier einen Delfin und Schildkröten bekamen wir im Schnitt sogar bei etwa jedem dritten bis vierten Tauchgang zu sehen, ebenso Muränen. Haie gibt es in den Buchten eher selten, allerdings streifen große Barrakudas bis in die flachen Zonen auf der Suche nach Beute. Fast alle Arten von Korallen finden sich hier dicht nebeneinander. Weiter nördlich im Lande wird man wohl kaum einen Landtauchplatz in so perfektem Zustand finden, doch hier im Süden ist es noch glücklicherweise Normalität!
Alltag im Camp
Ein gewisser Rhythmus hatte sich wenige Tage später eingespielt: zusammen mit einigen anderen unerschrockenen Tauchern trafen wir uns um halb sieben morgens zum ersten Tauchgang am Hausriff, anschließend frühstückten alle gemeinsam und um halb zehn starteten wir zu einem der vielen Tauchplätze im Umkreis von etwa 30 Autominuten. Etwa um drei Uhr, zurück im Camp, gab es eine warme Mahlzeit. In den Wintermonaten ist es dann meistens zu spät für einen weiteren Tauchgang (ausgenommen Nachttauchgang), da es bereits um fünf Uhr schlagartig dunkel wird!
So kamen wir täglich auf 3 bis 4 Tauchgänge, was in meinen Augen auch ideal war. Natürlich sollten die meisten Tauchgänge flach ausfallen, um gesundheitliche Risiken bei der großen Anzahl der Tauchgänge mit Luft zu minimieren! Am meisten Leben lässt sich ohnehin in den oberen 15 Metern beobachten, warum also tiefer wenn es nicht gerade einen guten Grund dafür gibt?
Abends traf man sich dann noch auf ein Bier und tauschte sich über den Tag aus, oder schmiedete bereits Pläne wo morgen getaucht werden könnte (die erfahrenen Guides haben natürlich immer das letzte Wort!).
Das Hausriff
Warum in die Ferne schweifen, .......? Dieser Satz besitzt auch hier Gültigkeit, denn mein absoluter Lieblingstauchplatz wurde schnell das Hausriff direkt vor dem Camp. Leider muss aber gleich auch gesagt werden das es für unerfahrene Taucher ziemlich ungeeignet ist, da Ein- und Ausstieg etwas taucherische Routine erfordern und auch immer mit Strömungen zu rechnen ist. Taucher die etwas unsicher sind sollten auf diesen Tauchplatz verzichten (es gibt ja in der Umgebung so viele seichte Buchten!), oder nur mit sehr routinierten Tauchern hier ins Wasser gehen!
Wenn die Wellen nicht zu hoch sind wartet man an der Kante des Riffdachs auf einen günstigen Augenblick und „hüpft“ dann schnell einige Schritte vorwärts, taucht ab und zieht sich in etwa 3 bis 4 Metern Tiefe die Flossen an, welche man bis dahin fest in der Hand gehalten hat. So schaukelt es am wenigsten, man droht nicht sofort wieder auf die scharfkantigen Korallen auf dem Riffdach gespült zu werden und mit etwas Übung ist das nicht so schlimm wie es vielleicht klingt (ich muss gestehen auch ziemlich unsicher vor dem ersten Tauchgang hier gewesen zu sein!).
Hat man es dann geschafft wird man mit einem wunderbaren Tauchgang belohnt, der nach Norden und auch nach Süden führen kann. Ziel und Ausstieg sind 3 Kanäle, die in das Riffdach einschneiden und es ermöglichen außerhalb der Brandungszone wieder aus dem Wasser zu gelangen. Wegen der extrem starken Strömung in den „Channels“ muss man sich oft an gespannten Seilen hangeln (hier können dünne Handschuhe angebracht sein!).
Die Tauchgänge am Riff sind eigentlich schon allein einen umfangreichen Bericht wert, hier nur soviel: wir konnten hier praktisch alles sehen was man sich wünscht! Schildkröten, Barrakudas, Muränen, Tunfische, Riffhaie, große Zackenbarsche, Milchfische und einmal sogar einen Delfin, der vollkommen gelassen dicht an uns vorbei schwamm!
Die Morgentauchgänge waren besonders faszinierend, ging man doch kurz nach Sonnenaufgang ins Wasser und erlebte das erwachende Leben und die ständige Veränderung des Lichts hautnah mit!
Abschied
Plötzlich war es dann auch schon vorbei. Ich kann nur von Glück sagen das ich nicht nur eine Woche im Camp war, denn die Zeit reicht bei einem Erstbesuch lange nicht aus!
Nach 13 Tauchtagen hatte genau 40 Tauchgänge geloggt, trotzdem wurde es bis zum Schluss nicht langweilig und ich hätte noch gut eine Woche länger bleiben können. Die tröstenden Gedanken an ein warme Dusche und ein Stück Schwarzbrot mit Schinken waren ein kleiner Trost, wichtiger noch war aber der sichere Entschluss im nächsten Jahr wiederzukommen!
Fazit
Ich möchte besonders etwas fortgeschritteneren Tauchern, die mehr Wert auf gutes Tauchen und eine familiäre Atmosphäre legen als auf übertriebenen Luxus, das Camp ans empfehlen. Man sollte etwas Anpassung zeigen können und sich ruhig 2 Wochen Zeit nehmen! Für Nichttaucher ist die Anlage nicht ideal, außer sie suchen einmal wirkliche Ruhe und Entspannung, oder möchten Schnorcheln.
Weiterhin wichtig ist die Tatsache das man sich auch in den Zelten keine Sorgen um Wertgegenstände machen muss! Ein weiterer Vorteil dieses „Familienbetriebs“, den ich nicht unerheblich finde (ich muss zugeben im Vorfeld etwas sorge um Notebook, Kamera-Ausrüstung und Bargeld gehabt zu haben).
Weiterhin möchte ich unbedingt noch anmerken das es mir sehr schwer gefallen ist meine Erlebnisse in diese unglaublich komprimierte Form zu bringen und nicht durch das Berichten von Anekdoten (von denen es so viele gab!) den Umfang des Berichts zu sprengten. Sich im wesentlichen auf die informativen und relevanten Eindrücke zu beschränken fällt wohl niemandem leicht wenn man eine solche Fülle an Erlebnissen aus dem Urlaub mit nach Hause bringt!
Das Camp in Stichworten und Zahlen (Stand Januar 2005):
- 28 Plätze in den Häusern (jeweils 2 Betten pro Bungalow)
- 20 Plätze in Zeltunterkünften
- Flaschen: 12 Liter Aluminium
- Kein Nitrox verfügbar
- Leihausrüstung (20-25€/Tag komplett, anteilig entsprechend günstiger) vorhanden. Die Ausrüstung befand sich optisch in einem guten, gepflegen Zustand.
- Strom: 220V (an dem meisten Anschlüssen kein Adapter notwendig) von ca. 17 bis 24 Uhr vorhanden.
- Bekleidung: im Winter auch ruhig einige dicke Pullover und eine warme Mütze, es wird kalt abends!
- Verpflegung: 3 Mahlzeiten (2 warm), abwechslungsreich und schmackhaft und scheinbar hygienisch einwandfrei, da niemand an den sonst leider ägyptentypischen Durchfallerkrankungen litt!
- Getränke: Cola und Wasser frei, Bier (0,5 Liter) 3€
- Weitere Kosten: fallen kaum an, jedoch sollte man unbedingt Bargeld in nicht zu großer Stückelung ausreichend mitnehmen. Im Camp ist Kartenzahlung NICHT möglich und Geldautomaten können nur mit erheblichem Aufwand aufgesucht werden (zwei Campgäste hatten deshalb erhebliche Probleme)!
- Ausbildung: nach PADI bis zum Divemaster zu normalen Preisen (z.B. OWD 250 €).
- Bootstauchgänge: zu den Außenriffen sind möglich, jedoch ist hierfür eine bestimmte Gruppengröße erforderlich und die zusätzlichen Kosten sind nicht unerheblich.
- Anreise: Flüge aus Deutschland kosten nach Marsa Alam ab 60€, normal sind günstigstenfalls aber eher 150 - 200€, der Flughafen liegt etwa 40 Kilometer nördlich vom Camp. Ein Transfer sollte möglichst bei der Buchung vereinbart werden!
- Kontakt/Buchung/weitere Infos: WWW.BEACHSAFARI.DE
Die Zeiten der Erschließung des Roten Meeres sind lange vorbei. Die einfachen Camps und Zeltlager sind modernen Bettenburgen gewichen und die Taucherei ist zur touristischen Massenabfertigung geworden. Leider ist das großenteils Realität im heutigen Ägypten – es gibt aber noch Ausnahmen wie das Beachsafari-Camp nördlich von Marsa Alam in Südägypten beweist!
Günstig sollte es sein, erstklassige Tauchplätze bieten und ich wollte keinesfalls in einem dieser unpersönlichen Bettenbunker landen. Nicht so einfach da etwas zu finden, denn klein bedeutet allgemein individuell und das scheint heutzutage automatisch teuer zu sein.
Als ich schon fast aufgeben wollte bekam ich einen Hinweis von einem Bekannten: „Schau doch mal unter diesem Link. War dort im letzten Jahr. Super Tauchplätze, günstig, Unterkunft und Verpflegung gut!“ Etwa 30 Minuten stöberte ich auf der Seite des Beachsafari-Camps, schaute mir Bilder und Filmausschnitte an, dann war meine Entscheidung gefallen!
Ankunft im Camp
Am frühen Nachmittag des 10. Januars landete die Maschine der Condor auf dem Flughafen von Marsa Alam. Ein Kleinbus erwartete mich, meinen mitreisenden Tauchpartner und 4 andere Gäste des Camps bereits. Die Spannung stieg auf der halbstündigen Fahrt nach Süden. Was hatten wir zu erwarten? Konnte man für diesen günstigen Preis wirklich alles erwarten was auf der Internetseite versprochen wurde?
Um schneller zum Wesentlichen, nämlich dem Tauchen, kommen zu können kürze ich an dieser Stelle den Bericht etwas und sage (schreibe) nur das im Laufe der ersten beiden Tage alle Zweifel und Unsicherheiten entkräftet wurden! Der Bungalow war schlicht, aber sehr sauber und funktional und das Essen schmackhaft, abwechslungsreich und, nun im (durchfallfreien) Nachhinein kann ich es ja mit Sicherheit sagen, hygienisch einwandfrei.
Der Leiter des Camps war leider gerade auf der BOOT in Düsseldorf, aber sein Stellvertreter prüfte recht eingehend die Brevets und ärztlichen Papiere der Neuankömmlinge. Leihausrüstungen wurden von einigen gemietet. Für 20 bis 25€ pro Tag gab es recht komplettes und scheinbar gut gepflegtes Equipment. Allgemein wurde ein kleiner Obolus als Versicherung für die nur wenige Kilometer entfernt gelegene Druckkammer kassiert und man musste die üblichen Ausschlusserklärungen unterschreiben.
Beim Abendessen lernten wird dann die anderen Gäste kennen. Sie kamen aus Deutschland der Schweiz, Schweden, Holland, Polen und Ägypten selbst. Eine bunte Mischung, zumeist reine Urlaubstaucher.
Das Tauchen
Am nächsten Morgen ging es dann los! Da Wind und Welle den Einstieg am Hausriff beim Camp unmöglich machten fuhren wir zu einer seichten und geschützten Bucht, nur gute 5 Autominuten südlich gelegen. Hier ist der Ein- und Ausstieg auch für Anfänger kein Problem und der Sandboden fällt entlang der Riffkante nur sehr langsam ab. Bereits im stehtiefen Wasser begrüßte uns ein Fülle an Farben und Formen: quirlige Doktorfische, elegante Flötenfische, hektische Barben bei der Futtersuche im Sand, ein perfekt getarnter Plattfisch flüchtete direkt vor mir in einer Staubwolke,.......ein Rausch aus Licht, Farben und Leben. Langsam ging es tiefer, die Wassertemperatur betrug 22°C. Der halbtrockene 7mm Anzug war für mein Empfinden perfekt in dieser Jahreszeit, Handschuhe benötigte man nicht, eine Kopfhaube war aber sinnvoll um Auskühlung zu vermeiden.
Auffällig an diesem Platz war die große Anzahl von Blaupunktrochen und verschiedenen Kugelfischen. Auch Rotfeuerfische, Barsche, Makrelen, Korallenwächter und viele andere Fische sah man in großen Mengen. Einige Tage zuvor sichteten Taucher aus dem Camp hier einen Delfin und Schildkröten bekamen wir im Schnitt sogar bei etwa jedem dritten bis vierten Tauchgang zu sehen, ebenso Muränen. Haie gibt es in den Buchten eher selten, allerdings streifen große Barrakudas bis in die flachen Zonen auf der Suche nach Beute. Fast alle Arten von Korallen finden sich hier dicht nebeneinander. Weiter nördlich im Lande wird man wohl kaum einen Landtauchplatz in so perfektem Zustand finden, doch hier im Süden ist es noch glücklicherweise Normalität!
Alltag im Camp
Ein gewisser Rhythmus hatte sich wenige Tage später eingespielt: zusammen mit einigen anderen unerschrockenen Tauchern trafen wir uns um halb sieben morgens zum ersten Tauchgang am Hausriff, anschließend frühstückten alle gemeinsam und um halb zehn starteten wir zu einem der vielen Tauchplätze im Umkreis von etwa 30 Autominuten. Etwa um drei Uhr, zurück im Camp, gab es eine warme Mahlzeit. In den Wintermonaten ist es dann meistens zu spät für einen weiteren Tauchgang (ausgenommen Nachttauchgang), da es bereits um fünf Uhr schlagartig dunkel wird!
So kamen wir täglich auf 3 bis 4 Tauchgänge, was in meinen Augen auch ideal war. Natürlich sollten die meisten Tauchgänge flach ausfallen, um gesundheitliche Risiken bei der großen Anzahl der Tauchgänge mit Luft zu minimieren! Am meisten Leben lässt sich ohnehin in den oberen 15 Metern beobachten, warum also tiefer wenn es nicht gerade einen guten Grund dafür gibt?
Abends traf man sich dann noch auf ein Bier und tauschte sich über den Tag aus, oder schmiedete bereits Pläne wo morgen getaucht werden könnte (die erfahrenen Guides haben natürlich immer das letzte Wort!).
Das Hausriff
Warum in die Ferne schweifen, .......? Dieser Satz besitzt auch hier Gültigkeit, denn mein absoluter Lieblingstauchplatz wurde schnell das Hausriff direkt vor dem Camp. Leider muss aber gleich auch gesagt werden das es für unerfahrene Taucher ziemlich ungeeignet ist, da Ein- und Ausstieg etwas taucherische Routine erfordern und auch immer mit Strömungen zu rechnen ist. Taucher die etwas unsicher sind sollten auf diesen Tauchplatz verzichten (es gibt ja in der Umgebung so viele seichte Buchten!), oder nur mit sehr routinierten Tauchern hier ins Wasser gehen!
Wenn die Wellen nicht zu hoch sind wartet man an der Kante des Riffdachs auf einen günstigen Augenblick und „hüpft“ dann schnell einige Schritte vorwärts, taucht ab und zieht sich in etwa 3 bis 4 Metern Tiefe die Flossen an, welche man bis dahin fest in der Hand gehalten hat. So schaukelt es am wenigsten, man droht nicht sofort wieder auf die scharfkantigen Korallen auf dem Riffdach gespült zu werden und mit etwas Übung ist das nicht so schlimm wie es vielleicht klingt (ich muss gestehen auch ziemlich unsicher vor dem ersten Tauchgang hier gewesen zu sein!).
Hat man es dann geschafft wird man mit einem wunderbaren Tauchgang belohnt, der nach Norden und auch nach Süden führen kann. Ziel und Ausstieg sind 3 Kanäle, die in das Riffdach einschneiden und es ermöglichen außerhalb der Brandungszone wieder aus dem Wasser zu gelangen. Wegen der extrem starken Strömung in den „Channels“ muss man sich oft an gespannten Seilen hangeln (hier können dünne Handschuhe angebracht sein!).
Die Tauchgänge am Riff sind eigentlich schon allein einen umfangreichen Bericht wert, hier nur soviel: wir konnten hier praktisch alles sehen was man sich wünscht! Schildkröten, Barrakudas, Muränen, Tunfische, Riffhaie, große Zackenbarsche, Milchfische und einmal sogar einen Delfin, der vollkommen gelassen dicht an uns vorbei schwamm!
Die Morgentauchgänge waren besonders faszinierend, ging man doch kurz nach Sonnenaufgang ins Wasser und erlebte das erwachende Leben und die ständige Veränderung des Lichts hautnah mit!
Abschied
Plötzlich war es dann auch schon vorbei. Ich kann nur von Glück sagen das ich nicht nur eine Woche im Camp war, denn die Zeit reicht bei einem Erstbesuch lange nicht aus!
Nach 13 Tauchtagen hatte genau 40 Tauchgänge geloggt, trotzdem wurde es bis zum Schluss nicht langweilig und ich hätte noch gut eine Woche länger bleiben können. Die tröstenden Gedanken an ein warme Dusche und ein Stück Schwarzbrot mit Schinken waren ein kleiner Trost, wichtiger noch war aber der sichere Entschluss im nächsten Jahr wiederzukommen!
Fazit
Ich möchte besonders etwas fortgeschritteneren Tauchern, die mehr Wert auf gutes Tauchen und eine familiäre Atmosphäre legen als auf übertriebenen Luxus, das Camp ans empfehlen. Man sollte etwas Anpassung zeigen können und sich ruhig 2 Wochen Zeit nehmen! Für Nichttaucher ist die Anlage nicht ideal, außer sie suchen einmal wirkliche Ruhe und Entspannung, oder möchten Schnorcheln.
Weiterhin wichtig ist die Tatsache das man sich auch in den Zelten keine Sorgen um Wertgegenstände machen muss! Ein weiterer Vorteil dieses „Familienbetriebs“, den ich nicht unerheblich finde (ich muss zugeben im Vorfeld etwas sorge um Notebook, Kamera-Ausrüstung und Bargeld gehabt zu haben).
Weiterhin möchte ich unbedingt noch anmerken das es mir sehr schwer gefallen ist meine Erlebnisse in diese unglaublich komprimierte Form zu bringen und nicht durch das Berichten von Anekdoten (von denen es so viele gab!) den Umfang des Berichts zu sprengten. Sich im wesentlichen auf die informativen und relevanten Eindrücke zu beschränken fällt wohl niemandem leicht wenn man eine solche Fülle an Erlebnissen aus dem Urlaub mit nach Hause bringt!
Das Camp in Stichworten und Zahlen (Stand Januar 2005):
- 28 Plätze in den Häusern (jeweils 2 Betten pro Bungalow)
- 20 Plätze in Zeltunterkünften
- Flaschen: 12 Liter Aluminium
- Kein Nitrox verfügbar
- Leihausrüstung (20-25€/Tag komplett, anteilig entsprechend günstiger) vorhanden. Die Ausrüstung befand sich optisch in einem guten, gepflegen Zustand.
- Strom: 220V (an dem meisten Anschlüssen kein Adapter notwendig) von ca. 17 bis 24 Uhr vorhanden.
- Bekleidung: im Winter auch ruhig einige dicke Pullover und eine warme Mütze, es wird kalt abends!
- Verpflegung: 3 Mahlzeiten (2 warm), abwechslungsreich und schmackhaft und scheinbar hygienisch einwandfrei, da niemand an den sonst leider ägyptentypischen Durchfallerkrankungen litt!
- Getränke: Cola und Wasser frei, Bier (0,5 Liter) 3€
- Weitere Kosten: fallen kaum an, jedoch sollte man unbedingt Bargeld in nicht zu großer Stückelung ausreichend mitnehmen. Im Camp ist Kartenzahlung NICHT möglich und Geldautomaten können nur mit erheblichem Aufwand aufgesucht werden (zwei Campgäste hatten deshalb erhebliche Probleme)!
- Ausbildung: nach PADI bis zum Divemaster zu normalen Preisen (z.B. OWD 250 €).
- Bootstauchgänge: zu den Außenriffen sind möglich, jedoch ist hierfür eine bestimmte Gruppengröße erforderlich und die zusätzlichen Kosten sind nicht unerheblich.
- Anreise: Flüge aus Deutschland kosten nach Marsa Alam ab 60€, normal sind günstigstenfalls aber eher 150 - 200€, der Flughafen liegt etwa 40 Kilometer nördlich vom Camp. Ein Transfer sollte möglichst bei der Buchung vereinbart werden!
- Kontakt/Buchung/weitere Infos: WWW.BEACHSAFARI.DE