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Aufkommendes Unwohlsein/Panik

Hallo ihr Lieben!


Gestern hatte ich eine unangenehme und, im Nachhinein, spannende Situation.

Beim zweiten TG gestern, ~30 Minuten nach dem Abtauchen, machte sich langsam aber sicher ein allgemeines Gefühl von Unwohlsein im Sinne von Unsicherheit und Schreckhaftigkeit breit. Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon am Rückweg. Wären wir das nicht gewesen, hätte ich hier den TG abgebrochen.

Da ich mit meinem JJ unterwegs war, bin ich, nachdem ich diese Entwicklung registrierte, sofort ins Bailout ausgestiegen, da ich bei "allgemeinem Unwohlsein" einfach an Hyperkapnie gedacht habe.

Auf diesen Punkt bin ich eigentlich recht stolz, da ich relativ schnell mit BO reagiert habe und dies das erste Mal war, dass ich außerhalb einer Trainingssituation ins BO aussteigen "musste". Ich freue mich, dass das recht gut und sauber und entsprechend automatisiert funktionierte.

Leider hat sich auch nach dem BO die Situation nicht wirklich gebessert und auch mein Gasverbrauch im BO war recht moderat, weshalb ich im Nachhinein einen beginnenden CO2-Hit eher ausschließe. Aber better safe than sorry, lieber ins BO als warten, bis ein größeres Problem auftaucht.

Spannenderweise haben mich besonders menschengemachte Objekte stark irritiert, beispielsweise ein Felssturz-Netz, dass aus irgendeinem Grund im See lag oder eine, aus Holzpflöchen bestehende Uferbefestigung. Aber auch ein Baumstupf, der einen im relativ hellen Uferbereich eine ziemlich dunkle "Höhle" bildete, erzeugte ziemlich unangenehme "Fluchtreflexe".


Mein Buddy war OC mit (im Bezug auf den ppO2) suboptimalem Gas unterwegs, weshalb er ein paar Minuten Deko gesammelt hat, während ich noch in meiner NDL war. Diese haben wir noch gemeinsam abgewartet und sind dann relativ ruhig von 6m aufgetaucht. Sobald ich an der Oberfläche war, fühlte ich mich wieder relativ wohl.

So eine Situation ist für mich recht ungewohnt, da ich unter Wasser eigentlich sehr tiefenentspannt bin und mich in den meisten Fällen pudelwohl fühle. Trotzdem hatte ich sowas bis jetzt zwei mal in 106 Tauchgängen, 36 davon am JJ. Logischerweise erkenne ich noch nicht wirklich ein Muster bzw. Trigger, welche ähnliche Gefühle auslösen.

Trotzdem konnte ich für mich wichtige Erkenntnisse aus diesen Erlebnissen ziehen. Bei meinem ersten derartigen Erlebnis hatte ich eine Buddyne dabei, welche sehr präsent war und ab dem Zeitpunkt, ab dem ich kommunizierte, dass ich mich nicht wohl fühle, nicht mehr von meiner Seite wich. Mit meinem gestrigen Buddy war ich noch nicht oft unterwegs, dementsprechend kennen wir uns noch nicht gut. Er war auch nachdem ich mitteilte, dass etwas nicht in Ordnung sei, sehr mit sich selbst beschäftigt und wenig präsent, ich verlor ihn relativ oft aus den Augen und musste mich gelegentlich nach ihm umsehen (was sicherlich nicht nur an ihm lag sondern auch durch mich bedingt war, da ich sehr mit mir beschäftigt war.)

Dementsprechend lief mein erstes derartiges Erlebnis für mich bedeutend angenehmer, während es beim zweiten Mal durchaus eine Herausforderung für mich war.

Das heißt für mich: weniger triviale Tauchgänge nur mit entsprechendem Buddy (was ansich eh klar sein sollte, allerdings sehe ich das jetzt wohl noch etwas enger.)

Außerdem hatte ich an diesem Tag noch nichts gegessen, was durchaus einen Einfluss auf meine allgemeine Stimmung haben könnte und sicherlich mein Energielevel beeinflusst hat.

Weiters bin ich über ein Gefühl von "eigentlich hab ich gerade keine Lust mehr auf einen zweiten TG" hinweg gegangen, was im Nachhinein mitunter auch nicht übertrieben schlau war. Auch darauf werde ich in Zukunft besser achten.

Und nicht zuletzt bzw. eigentlich mit am wichtigsten: klar kommunizieren, dass es mir nicht gut geht. Mein Buddy ging scheinbar relativ lange von einem Equipment-Problem aus.

Nachdem beim Tauchen manchmal noch das Image vom starken, furchtlosen Mann herrscht, wollte ich das teilen.
Außerdem hat mir dieser "Incident Report" geholfen, ein bisschen heraus zu finden, was möglicherweise falsch lief.

Nachdem ich sicherlich nicht der einzige bin, der solche Erfahrungen gemacht hat, würde ich mich darüber freuen, wenn ihr ähnliche Erlebnisse teilt und falls euch mehr als "mit dir würde ich nie wieder tauchen gehen" zu meiner Erzählung einfällt, würde ich mich auch über Kommentare, Lösungs- und Vermeidungsstrategien etc. freuen.

Liebe Grüße

Jacques

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Spitidiveeinige
19.04.2021 23:29
Tiefe und diluent?
19.04.2021 23:34
Wie tief warst du maximal und als als das Problem auftrat und wie lange nach verlassen der max. Tiefe? Wie war die Zusammensetzung des Gases?
20.04.2021 01:14Geändert von Mr. Jacques,
20.04.2021 01:43
Servus!
Max. Tiefe war 33m und das Dil war Pressluft. Wie gesagt, absolut trivialer Sonntag-Nachmittag-TG.

Sowohl der Sauerstoff als auch das Dilluent wurde von einer Basis bezogen, bei der ich zu 100% die Hand ins Feuer legen würde, dass alles perfekt passt... Da bin ich mir sehr sicher, dass die Gase nicht mit Argon oder CO verunreinigt waren.

Es wurde auch zwischen TG 1 und 2 an dem Tag nicht gefüllt und bei TG 1 war noch alles gut. Ins BO bin ich auf 14m bei Min 36 gegangen.

Max. Tiefe erreichten wir bei Minute 8 und darauf folgte relativ schnell ein halbwegs kontinuierlicher Aufstieg.
Ich tue mir gerade schwer damit, festzustellen, wann ich das Problem tatsächlich bemerkte.
Retrospektiv würde ich aber wohl sagen, dass ich mich schon relativ bald nicht mehr 100% wohl fühlte, es aber bis ~min 30 oder etwas länger gedauert hat, bis es tatsächlich über meiner Wahrnehmungsschwelle angelangt ist.
Nachdem ich sagen würde, dass ich relativ schnell, nachdem ich bewusst wahr nahm, dass es mir nicht gut geht, ins BO ausgestiegen bin, war das etwas vor min 36.

Liebe Grüße
Michael
MonofläschlerIANTD CCR TMX
20.04.2021 09:56
@Mr. Jacques: Ich finde es sehr mutig und sinnvoll, so ein Thema anzusprechen.

Ich hatte vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall, starkes Unwohlsein auf dem letzten Dekostop. War aber den ganzen TG über schon angespannter als normal, hat sich dann gesteigert. Gase ok, fülle ich selbst, den Tauchplatz betauche ich regelmäßig und die Verhältnisse waren nicht ungewöhnlich.

Die Tagesverfassung darf man halt auch wirklich nicht unterschätzen, speziell externe Stressfaktoren vor dem Tauchen wirken sich da anscheinend schon deutlich aus.
JykCMAS **
20.04.2021 11:10
@Mr. Jacques
Danke für das Teilen, ich selbst bin auch hin und wieder mal in solchen Situationen gewesen. Dass achten auf den mentalen Status vor dem Tauchgang scheint hier wirklich ein großer Faktor zu sein. Trigger während des tauchens hattest du wohl auch schon ausgeschlossen? Nicht das irgendwas im Wasser dir unwohlsein bereitet hatte, wie Sichtweite oder kleine "nerferein" bei deiner Ausrüstung?
20.04.2021 11:38
Danke für eure Antworten und den positiven Zuspruch!

Ja, ich gehe auch von psychischen Stressfaktoren aus, die nicht extern (zumindest nicht beim Tauchgang selbst) getriggert wurden.

Einzig und alleine war es ein Tauchplatz, an dem ich noch nie war... Das kann natürlich ein zusätzlicher Belastungsfaktor gewesen sein, alleiniger Auslöser aber sicherlich nicht... Immerhin betauche ich nicht das erste mal einen neuen Tauchplatz und auch der erste TG fand an dem Tauchplatz statt, nur sind wir beim ersten mal eben nach rechts, beim zweiten Mal nach links abgetaucht.

Die Sicht war hervorragend, zumindest für österreichische Seen-Verhältnisse big Wetterbedingt wars allerdings relativ dunkel, das könnte auch mitgewirkt haben.

Beim ersten Tauchgang muss ich das Kabel meines Controllers etwas komisch gelegt haben, da ich am Handgelenk eine nervige "Schlaufe" hatte, das habe ich aber vor dem zweiten TG behoben.
Beim zweiten TG, als das Problem auftrat, würde ich die äußeren Bedingungen als optimal beschreiben... Lediglich kalt war mir relativ schnell, da auch die Lufttemperatur nur 3°C betrug... Ich hab die Heizweste bereits bei Min 15 oder so eingeschaltet.

Naja, alles in allem würde ich sagen, dass an dem Tag wahrscheinlich die Grundkonstitution schon nicht mehr optimal war und dann gewisse externe und wahrscheinlich überwiegend interne Stressfaktoren zu oben geschilderter Situation führten.

Liebe Grüße
Mr. Jacques
20.04.2021 11:43Geändert von kwolf1406,
20.04.2021 12:58
Das klingt m.M.n. nach einem mentalen Problem. Sicher war es gut, auf Bailout zu gehen, um ein technisches Problem auszuschließen. Dann würde ich verstärkt nach Stressoren und Atmung schauen. Gab es mal Panikattacken in der Vergangenheit, die auch nichts mit dem Tauchen zu tun hatten? Ggf. gibt es unbewusste, gelernte Trigger, denen du dann auch unter Wasser begegnest.
SolosigiPADI DM, RAB/VDST/CMAS CCR Tec, Poseidon SE7EN CCR
20.04.2021 12:01
@Mr. Jaques
erstmal gratuliere ich dir zu deinem Mut zu dieser Offenheit!

Als Stressfaktor schon angeschnitten wurde: Tagesverfassung!
Gase schließen wir mal aus, wie war es mit dem Atemkalk?
Könnte es seinl dass dich irgenwas am Trocki gestört hat (Eineingung ganz allgemein, vielleicht in Verbindung mit dem JJ-BP/Wing, Halsmanschette "schlampig" angelegt oder "eingeringeld", Zusatzwäsche unterm Trocki) oder ähnliches?

Aber vielleicht lag es ganz einfach an einem "allgemeinen" Unwohlsein, vielleicht Wetterfühligkeit (am WE war es ja ziemlich wechselhaft)...

Du solltest das aber auf jeden Fall analysieren um in späterer Folge auch "ordendliche" Dekotauchgänge mit deinem JJ machen zu können!

Gruss
Solosigi
20.04.2021 12:48
"Aber auch ein Baumstupf, der einen im relativ hellen Uferbereich eine ziemlich dunkle "Höhle" bildete, erzeugte ziemlich unangenehme "Fluchtreflexe"."

Bei meinen ersten Solo-Tauchgängen ging bei mir auch das "Kopfkino" an, hat sich dann aber relativ schnell wieder gelegt.
20.04.2021 13:05Geändert von kwolf1406,
20.04.2021 13:07
Ich hatte mal einen Tauchgang im Trocki, da ging es schnell ins Dunkle, zwar nicht sehr tief, aber die Sicht war sehr schlecht. Ich bekam immer mehr Beklemmungen bei 15m und wurde merklich unruhiger. Ich merkte erst relativ spät, dass ich meinen Trocki nicht ausreichend belüftete: Druck auf das Einlassventil: Ahhh, das entspannte und es ging mir wieder gut...
Aber das hatte Folgen: Ich kämpfte danach einige Zeit mit Unwohlsein, wenn es tiefer ging. Bis ich mir dieses Geschehen immer wieder vor Augen führte und mental bei den Gedanken daran mich positiv stimmte.
20.04.2021 13:15
Hi Mr. Jacqes,
da du weithin die meisten techn. Ursachen ausgeschlossen hast, kann ich dir sagen das ich (> 2000TG und hiervon >500TG auf CCR) solche Situationen schon ein paar mal erlebt habe.
Ob Easy, Höhle oder Solo-TG manchmal hängt ein Furz quer und es geht im Kopf gar nix. Das kann sich bis zu panikartige Gefühle aufschaukeln.
Habe es auch bei anderen erlebt oder gehört. Lösung für mich ist... entspannt versuchen sich mit einem guten Buddy langsam und bewusst an diese Situation (möglicher Auslöser) wieder ranzutauchen.
Grüße Thomas
IvoryAOWD DTSA**
20.04.2021 14:42
Moin, auch ich hatte in der Vergangenheit auch schon Situationen die ohne erkennbaren Auslöser zunächst eine gesteigerte Herzfrequenz und dann schnellere Atmung zur Folge hatten. Bei mir waren diese Situationen mit Tiefe und Dunkelheit assoziiert und kamen von einem bestimmten Tauchgang bei dem vieles nicht gepasst hatte. Es dauerte diese Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Auf jeden Fall hast du richtig reagiert und auch darüber zu sprechen ist sinnvoll. Solltest du in Zukunft wieder solche gefühle haben, erinnere dich an diese Situation und wie du sie in den Griff bekommen hast. Das kann durchaus bedeuten, hin und wieder Tauchgänge auch vorzeitig abzubrechen. Bei mir war es so, dass ich dadurch, dass ich die Situation mehrfach beherrschen konnte, sie ihren Schrecken verloren hat. Ich steigere mich heute nicht mehr rein, sondern schaffe durch Konzentration schon beim kleinsten Anzeichen, wieder in eine entspannte Geisteshaltung zu gelangen. Kommt inzwischen auch praktisch nicht mehr vor.

Ganz wichtig ist, sprich mit deinem Buddie vor jedem Tauchgang darüber. Damit er bescheid weiß, was los ist, wenn du aus heiterem Himmel nicht weiter willst sondern abbrechen möchtest. Wenn der Buddie dir in dieser Situation beruhigend zu Seite steht, hilft das ungemein.
20.04.2021 15:16

Viele Dank euch allen für, besonders an diejenigen, die sich mit "ja kenn ich" gemeldet haben!

Finde ich cool und ich finde, die psychische Belastung beim Tauchen darf man durchaus thematisieren sm1 also danke an alle, die sich hier beteiligen!

@kwolf
Was du schreibst ist sicher nicht abwegig. Ich habe tatsächlich "an der Wasseroberfläche" eine Abneigung bzw. sogar Panikreaktion bei gewissen Elementen im Wasser... zum beispiel Bojen finde ich über Wasser ganz unangehem aber auch das oben beschriebene Netz hätte ich, wäre ich schwimmen gewesen, ziemlich unsympathisch gefunden. Beim Tauchen habe ich diese Reaktionen normalerweise nicht, wenn ich "Mitten drin" bin, fühle ich mich sehr wohl. Diese Abneigungen und Reaktionen kommen glaube ich dann hoch, wenn es mir grundsätzlich schon nicht gut geht.



@Solosigi
Ja, im endefekt wird es viel mit der Tagesverfassung zu tun haben.
Atemkalk würde mich auch eher wundern... der war aus der selben Charge wie die letzten ~28 TGs, gepackt wie immer... zwar relativ knapp an die empfohlenen 3 Stunden ran getaucht aber nicht anders als sonst auch. Wäre ich nicht ins BO gegangen, hätte ich ihn aber, muss ich zugeben, etwas überzogen... Gepackt habe ich am 16. am Abend, am Samstag und am Sonntag habe ich ihn getaucht... von Samstag auf Sonntag auch in einer Plastiktüte verpackt.. Ich beschrifte die Tüte auch immer "just for good measure" mit dem Datum, an dem er gepackt wurde und mit der verbleibenden Stacktime.


Aber eigentlich glaube ich nicht an einen CO2-Breakthrough, da mein Gasverbrauch im BO recht moderat war. Ich hab aus der 80cuft Stage 40 bar in den 16 minuten nach BO geatmet... ich hab jetzt keine durchschnitstiefe für diesen Zeitraum, mein Buddy hat in der selben Zeit allerdings 20 bar aus der D12 geatmet, das deckt sich einigermaßen... ich hatte auch kein Gefühl von Atemnot. Ich glaube zwar nichtsdestotrotz, dass es schlau war, aus dem Loop zu gehen, schlicht weil ich das im Wasser noch nicht wusste... aber ich glaube auch, dass der TG nicht anders gelaufen wäre, wäre ich nicht ins BO.


Auch bezüglich Trocki bzw. Ausrüstung generell habe ich nichts anders gemacht als sonst... so richtig viel Platz ist zwar nicht mehr wenn ich die Heizweste an hab aber das ist schon den ganzen Winter so... ich hatte meine Skiunterwäsche, darüber die Heizweste, dann den Kwark Navy Extreme und dann den Trocki... allerdings habe ich den Trocki zwischen den Tauchgängen nicht ausgezogen, weils mir zu kalt war... vielleicht hatte das einen wie auch immer gearteten Einfluss...
Trotzdem fühlte sich das "allgemeine Unwohlsein" nicht klaustrophobisch oder nach "ich kriege keine Luft" an...

Wetterfühligkeit halte ich wiederrum für garnicht so abwegig... da bin ich, glaube ich, relativ empfindlich.

Ich werde das auf jeden Fall weiter beobachten!



@thomys
Bezüglich Solo-TG hat mir ein Buddy mal ne spannende Anekdote erzählt. Bei einem Solo-TG bei dem ihm auch langsam das Unwohlsein hochgekrochen ist und er sich gruselte (scheinbar relativ tief, dunkel, kalt...), hat er beschlossen, umzukehren. Er hatte eine GoPro mit so einem "biegsamen Dreiben" an seinem Gerät (entweder an der Brücke vom Doppelgerät oder am Griffbügel vom JJ, ich weiß es nicht mehr) montiert. Diese dürfte sich gelöst haben, ist runter gefallen. Die Kamera fiel so "ungeschickt", dass ihn das Dreibein am Unterschenkel "packte". Danach war er auch massiv unentspannt, meinte er big.



Ich glaube nicht, dass ich für dieses spezielle Ereignis eine definitive Ursache ausmachen können werde aber trotzdem war das eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Ich werde das sicher im Auge behalten und mir ansehen, welche Situationen es gibt, in denen ich mich nicht wohl fühle und mir dementsprechend Strategien zurecht legen, um mit ihnen umzugehen.


Danke euch allen bis hier hin, ich freue mich sehr, von euren Erfahrungen und Einschätzungen zu lesen, ich glaube das ist ein durchaus wertvolles Thema!

Liebe Grüße

Jacques

gr3yw0lflife is better in fins
20.04.2021 15:50Geändert von gr3yw0lf,
20.04.2021 15:52
hm....

ja, ich denke, daß tauchen durchaus eine sportart ist, die einem so ab und an seine urängste sehr schonungslos und ohne vorwarnung um die ohren knallt.

ich hatte das auch schon öfter - ganz gut gehts bei einen "greenout" - also wenn bei schlechter sicht und größerer tiefe (>20m) alles um dich gleichmäßig milchig grün ist, du deinen buddy auf 2m trotz "erwachsener" tanklampe nicht mehr siehst und du optisch keinen plan hast, ob du jetzt 20cm über dem seeboden oder 5m drüber bist. und wenn dich dann plötzlich ein wels ansieht oder ein umgedrehter baumstumpf ragt wie eine riesenhand vor dir auf, wäre es eigentlich total abnormal, wenn sich der fluchtinstinkt nicht meldet.
ich versuch dann immer, die grundinfos abzurufen - wieviel gasvorrat hab ich noch, auf welcher tiefe bin ich, funzt mein backup-regler, stimmt der kompasskurs, usw.. und ganz wichtig - ausatmen! das hilft einigermaßen aus solchen situationen rauszukommen. und das objekt des "unwohlseins" mal vernünftig anzuleuchten und zu betrachten.

aber grunz-sätzlich irgenwie auch kein wunder, weil genau genommen gehen wir tagtäglich über urängste einfach drüber.

wenn du heute einen menschen, der weitab der "zivilisation" aufgewachsen ist, in eine 15m tiefe grube stellst und dort rast dann eine riesige, leuchtende blechbüchse mit 80 sachen auf ihn zu, rennt der schreiend davon - wir nennen es "u-bahn fahren"....
20.04.2021 15:55
Mir ging es letztes Jahr so. Es waren 2TG geplant mit jeweils Wrack als Ziel. Das erste Wrack war kein Problem, 30 Meter Zieltiefe. Alles sehr Streßfrei. Danach Oberflächenpause auf dem Boot und ab zum 2ten Wrack. Beim erreichen der Reeling habe ich ein sehr ungutes Gefühl bekommen, eine Art Beklommenheit, und habe meinen Buddy signalisiert das ich den TG abbrechen will. Wir sind dann ordnungsgemäß aufgetaucht. Ich signalisierte ihm das er wenn er wolle ruhig zu den andern abtauchen kann, ich bin soweit ok. Der Kapitän hat dann mein Geröddel angenommen und mir ne Cola ausgegeben. Ich habe auch sehr daran geknabbert, aber im Nachgang konnte ich 2 Fehler an mir feststellen. Dehydriert und zu wenig gegessen. Nur Frühstück und der Tauchtag war lange. Erst dachte ich an Stikstoff Narkose oder so. Wir sind dann am nächsten Tag, nach meinem Wunsch, noch einmal auf eine Zieltiefe von 40 Metern gegangen, was keinerlei Probleme bereitet hatte.
Vielleicht hattest du zu wenig getrunken oder gegessen, kann das in Betracht kommen?

LG

Hm
Gelbe MaskeMaske hilft!
Abz. "Für gutes Wissen" (Gold)
20.04.2021 16:11
Es ist ja immer gut, nach Ursachen zu suchen, nur schrint das hier aussichtslos, wenn technische Fehler oder harte Tauchdaten nichts ergeben. Neuer Tauchplatz wäre möglich, Tagesform, irgendwelche unentspannenden Gedanken (muss garnichts mit Tauchen zu tun haben), unpassender Buddy, oder z.B. längere Tauchpause. Da macht man eben msl langsam, sozusagen. Ist solo deutlich einfacher realisierbar, als wenn man quasi unter Gruppenzwang steht, aber Viele haben umgekehrt eher Stress, wenn sie mal auch nur kurz ohne Buddy unterwegs sind. Ferndiagnose kaum möglich, einfach klug reagieren, damit sich nichts aufschaukelt.
Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
20.04.2021 18:00
Ich würde auch mal auf die mentale Schiene achten.

Aus meiner eigenen Erfahrung;
"Entspannter Urlaubstauchgang vom Steg".
Super Sicht, 25 Grad Temperatur.
Es war so auf ka 25m Tiefe. Ich wollte entspannt tauchen, die anderen haben aber "Gas gegeben": man musste eine kleine Strecke zurücklegen.
Einerseits wollte ich mich nicht so anstrengen, andererseits auch was sehen. Schwupps kurz nicht aufgepasst (ok auch mein Fehler) und die Gruppe war ein paar Meter vor mir, noch mehr anstrengen zum aufholen.
Dann habe ich mir Gedanken gemacht, was ich jetzt bei einem Problem mache: Keine Luft mehr, relativ tief und alleine.

Dadurch bedingt hatte ich das Gefühl keine Luft zu bekommen, also trotz atmen als ob man die Luft anhält
Ich denke es war dann zum Teil ein mentales Problem, das aber auch dazu führte, dass ich wohl zu hecheln anfing on Kombination mit der Anstrengung... CO2 Ansammlung, die das mentale Gefühl verstärkt hat.
Also unbewusst die Situation hervorgerufen, auf die ich mich Mental eingestellt hatte.

Letztendlich durch bewusstes klarmachen, dass uch genug Luft habe und einfach atmen kann habe ich mir klar gemacht, dass alles OK ist.
Kurz ausgeruht, augen zu und für mehrete Atemzüge bewsst meditiert und geatmet.
Dann ging es wieder vollkommen normal und ich konnte zur Gruppe aufschliessen. Die übrigens nichts bemerkt haben.

Was ich damit sagen will ist, dass ich glaube in unbewusstes mentales Nachdenken genau zu der Physischen Situation führen kann.
20.04.2021 20:11
Sascha, da war möglicherweise nicht die Psyche treibend, sondern der Anfang eines Essouflements: Ein gefährlicher CO2-Effekt bei zu großer Anstrengung (nicht zu spaßen, damit).
gr3yw0lflife is better in fins
20.04.2021 20:48Geändert von gr3yw0lf,
20.04.2021 20:50
hm....

also Stress vor dem tg oder am weg zum einstieg, kann dir echt den tag versauen. ich hasse sowas, also lass ich mich nicht drauf ein. wenn ich im wasser bin, bin ich im wasser, ohne wenn und aber. sollten die buddys meinen, vortauchen zu müssen - viel spaß. dann mach ich einen solo-tg....
mit d12 einer gruppe nachlaufen und vielleicht noch unterwasser vollgas geben, um die gruppe zu erreichen - nein danke.
Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
21.04.2021 16:45
@Kwolf1406

Ich hätte es nicht so früh abschicken sollen, wurde gerade abgelenkt und habe es nicht fertig formuliert ...

Genau darauf wollte ich hinaus. Ich denke aber gerade die Psyche hat es ausgelöst:
Ich war ja etwas hintendran, weil ich mich wenig bewegt habe. Ergo war ich nicht wirklich anstrengt zu dem Zeitpunkt. Dieses Gefühl began, bevor ich wirklich anschluß finden wollte.
Meine Vermutung ist, dass ich unbewußt "panisch" geatmet habe, und so eine viel zu hohe CO2 Last in der Lunge hatte in Verbindung mit den Gedanken "Was machst du wenn: Buddy zu zweit weg und keine Lust auf Notausstieg in der Tiefe. Es war am Anfang des Tauchgangs: Was ist wenn die Luft nicht OK ist?"
Als ich mich beruhigt hatte konnte ich ja schneller tauchen und aufholen ohne Probleme.
Im gleichen Urlaub sind wir ein Stück entgegen der relativ starken Strömung an einem Abhang geschwommen. Ich hatte dabei Null Probleme mit Kondition / Luft bekommen und hatte denoch ein im Verhältnis niedriges AMV bei dem Tauchgang.

Unterm Strich glaube ich immer noch, dass ich richtig reagiert habe: Komplett ausruhen, um alles auszuschließen. Bewußtes langsames atmen mit bewußt tiefem ausatmen, um die CO2 Konzentration zu senken. Augen schließen und leichte Medition mit guten Gedanken, um die Psyche auszuschalten.
Ausschlaggebend ist fürmich, dassunmittelbar danach die Anstrengung höher war und ich kein Probleme mehr hatte.

Verstärkend kommt hinzu, dass ich kurze Zeit später bei einem TG in einem unbekannten See ein ähnliches Phänomen am Anfang eines Tauchgangs hatte.
Auch ähnliche Gedanken gemacht, hier war es aber unbekannter Tauchplatz, schlechte Sicht.
Es war direkt nach dem Abstieg an einer Leine vom Schlauchboot aus: Anstrengung eher gering. Habe hier kurz dem Buddy signalisiert, ich fühle mich unwohl. Wir haben pausiert, er hat mich eine Minute ausruhen lassen und von da an alles gut. Hab OK signalisiert und wir haben den TG normal beendet.


PS: Alle TTU davor und danach waren unaufällig, habe keine gesundheitlichen Probleme oder Einschränkungen.
Mein Problem ist eher: Ich denke oft daran, was könnte passieren und was mach ich dann. Alles vorausplanen -> Mental unbewußt in die Situation bringen und der Körper reagiert dann so.
Seitdem habe ich aber daran gearbeitet und das Problem auch nie wieder gehabt. Das war beides 2014, wobei ich leider seit Oktober 2018 aus diversen Gründen nicht mehr getaucht bin - aber bald wieder anfangen möchte.

21.04.2021 18:10
Sascha: Essoufflement kommt aber nicht vom schnellen Atmen, denn das würde die CO2-Bindung im Blut (= vereinfacht formuliert) sogar erniedrigen. Auslöserdes Essoufflements ist eine der Fitness gegenüber zu hohe körperliche Anstrengug mit überhöhter CO2-Produktion des Stoffwechsels. Die schnelle Atmung ist dann ein Symptom daraus, aber nicht wegen der Psyche. Allerdings behindert das hohe CO2 in Folge die Ausatmung, wodurch am Ende die gefährliche Luftnot erwächst. Auslöser war also der Drang, der Gruppe hinterher zu hecheln. Gut, da spielt die Psyche auch eine Rolle, aber das ist dennoch in dem Fall eine bewusste Entscheidung. Die Angstauslöser, die wir oben diskutieren, entstehen aber aus unbewussten Prozessen.
21.04.2021 18:14
"Unterm Strich glaube ich immer noch, dass ich richtig reagiert habe: Komplett ausruhen, um alles auszuschließen. Bewußtes langsames atmen mit bewußt tiefem ausatmen, um die CO2 Konzentration zu senken.

Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
21.04.2021 18:25
Nein kwolf1406 da muss ich dir leider in Teilen widersprechen. Du interpretierst den Ablauf rein, ohne dabei gewesen zu sein.
Vielleicht beschreibe ich es blöd, aber so wie du es dir denkst war es nicht.

Das wird _auch_ durch Anstrengung verursacht. Die Symptome sind aber VOR dem Aufhol Versuch aufgetreten.
Auch ist schnelles Atmen nicht der Grund, aber falsches Atmen kann dazu beitragen.
Ich bin der festen Überzeugung ohne die abschweifenden Gedanken in "was wäre wenn", wären die Symptome nicht derart aufgetreten.
Das mir die Gedanken da so reingespielt haben, war mir auch erst hinter richtig bewusst geworden, weil ich sowas genau analysiere (u.a. auch TC mit Drucksensor und Atemprofil anschauen!). Da das Profil nicht extrem abgewichen war und keine Anstrengung ds war, glaube ich das Gefühl wsr stärker als die tatsächliche "Bedrohung".
Deswegen glaube ich, dass das hier genau reinpasst. Durch individuelle Auslöser können Verhaltensweisen unbewusst ausgelöst werden. Die Psyche verstärkt das Gefühl dann noch.
21.04.2021 22:52
"Die Symptome sind aber VOR dem Aufhol Versuch aufgetreten.

O.k. Das hatte ich wirklich anders verstanden. Dann hast du wohl recht
Dieter_BSPADI AOWD
22.04.2021 10:46
Danke für das Mitteilen dieser Erfahrung.
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