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Atemregler mit/ohne Einstellung des Widerstandes

Geändert von roku,

Servus miteinander,

ich habe vor einer Woche meinen OWD gemacht und nun beschlossen, in eine eigene Ausrüstung zu investieren. Ich ziehe für den Kauf zwei Shops in meiner Nähe in Betracht. Beide kommen mir, soweit ich das als Anfänger beurteilen kann, kompetent vor:

In einem wird mir ein hochpreisiger Atemregler (kalt & warm), mit der Möglichkeit den Atemwiderstand einzustellen, empfohlen, weil man den geringeren Atemwiderstand wohl auch schon als Anfänger spüren würde.

Der andere Shop empfiehlt einen mittelpreisigen Atemregler (nur warm) ohne diese Einstellmöglichkeit, weil man den Unterschied - wenn überhaupt - nur auf dem Prüfstand messen könnte bzw nur in größeren Tiefen andeutungsweise spüren würde.

Was ist Eure Erfahrung und Eure Empfehlung als mich als Urlaubstaucher und Anfänger?

Danke,

Robert

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Bert667CMAS***
05.09.2019 16:55
Wenn du sicher ausschliesslich im Urlaub im Warmwasser tauchen möchtest, würde ich tatsächlich einen günstigen Warmwasser-Regler kaufen.
Ich persönlich merke beim einstellbaren Atemwiderstand, wenn überhaupt, nur einen minimalen Unterschied.

Aber bedenke:
Solltest du doch mal im Kaltwasser tauchen gehen wollen, solltest du das dann mit diesen Reglern auf keinen Fall tun. Ergo: Schliesst du das nicht aus, kaufe lieber direkt einen kaltwasser tauglichen Regler.
nandersenIANTD CCR
05.09.2019 16:59
...was aber nicht bedeutet, daß lediglich Regler mit verstellbarer Ventilvorspannung fürs Kaltwassr tauglich wären.
05.09.2019 17:08
Bei einem vernünftgen Regler merkt man schon wie sich die Atemarbeit durch das ändern des Atemwiderstandes verändert. Bei Flachwassertauchgängen wirst du das Verlangen zur Veränderung nicht unbedingt haben, bei tieferen Tauchgängen durchaus schon mal. Sogenannte Warmwasserautomaten finde ich persönlich nicht geeignet wenn du dir was eigenes kaufen möchtest oder bist du sicher nur in den entsprechenden Regionen tauchen zu wollen? Wieviel Geld kann man da wirklich sparen? Für 300 und irgendwas bekommt die schon kaltwassertaugliches z.B. von apeks, das wäre eher das nachhaltige ... Gruss aus Jüchen
05.09.2019 18:08
Ich schätze Atemwiderstandregelung und Venturihebel bei meinem Aqualung Legend sehr auch im warmen Wasser. Insbesondere wenn man gegen die Strömung schwimmt, ist es sehr angenehm.
gr3yw0lflife is better in fins
05.09.2019 18:29Geändert von gr3yw0lf,
05.09.2019 18:36
ich geb ja zu, daß ich den verstellbaren atemwiderstand bei meinen apeksen schon mag - ist aber kein "must have".

nur von reinen "warmwasser-automaten" halt ich wenig - egal, wie warm das wasser ist, bei der entsprechenden belastung kann jeder regler abblasen. ein "kaltwasser-tauglicher" hoffentlich später....

aber grunz-sätzlich würd ich erstmal regler leihen, um etwas erfahrung zu kriegen und verschiedenen modelle kennen zu lernen.
und dann würde ich mal schauen, wie oft ich tauchen gehe - bei 20tg/jahr, einem preis von ca. 500€, jährlicher revision von ca. 75€ sollte man nachdenken. macht in 3 jahren ca. 725€ ~ 242€/jahr oder 12,1€/tg......
und regler werden selten vom tauchen kaputt - eher vom rumliegen......
05.09.2019 18:49
Ich merke beim Einstellen des Atemwiderstandes bei meinen Apeksen schon deutlich was. Effektiv verstellen tu ich aber selten etwas. Insofern braucht man das nicht wirklich, finde ich.

Einen ausschliesslich Warmwasserregler würde ich auch nicht unbedingt nehmen. Du weisst halt als OWD nie, was noch alles kommt und grad in unseren Breitengraden ist man halt sehr schnell im Kaltwasser.

Ob es sich überhaupt lohnt, eigene Regler zu beschaffen, ist dann natürlich nochmal eine andere Frage.
Ankou1. Plagenbringer
05.09.2019 19:36
M.E. überflüssiger Schnickschnack, sehr keinen Vorteil.
05.09.2019 19:59Geändert von Schreibmayer,
05.09.2019 20:03
Ich finde den Venturihebel am Apeks schon sehr angenehm: wenn gegen die Strömung, so auf >25m, mache ich den komplett auf (evtl. die Schraube für Atemwiderstand auch noch lockern) und dann atmet es sich sehr entspannt, keinerlei Gefahr ins Essuflement zu kommen...

Vor den Apeksen hatte ich Sherwood (keine Möglichkeit der Einstellung). Vor langer Zeit musste ich da einmal einen Taucher aus sehr grosser Tiefe, schräg gegen die Strömung, bergen (Notfall, keine Übung, es ging um Alles!). Dabei bin ich so ins Schnaufen gekommen, daß ich mit einer zusätzlichen Flasche vom Tauchboot ausdekomprimieren musste (ansonsten ist Alles gut ausgegangen). Das war dann der Anlass auf Apeks umzusteigen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das damals das excessive Schnaufen tatsächlich verhindert hätte (sehr grosse Tiefe, bewegungsunfähigen Buddy gegen die Strömung schräg nach oben Abschleppen, Stress). Um einiges besser wäre es aber sicher gewesen...

Das Teure bei den Reglern ist eh nicht die Anschaffung, sondern die regelmässige Wartung: der beste und teureste Regler taugt für gar Nichts, wenn er nicht ordentlich gewartet ist. Der Regler mit weniger guten Spezifikationen, der aber in gutem Zustand ist, ist da viel besser. Bei der Anschaffung würde ich aber trotzdem nicht sparen (was erspart man sich da denn, 100 Euro (=nicht einmal ein ordentliches Service)?)...

Wolfgang
wettrafficAOWD, Self-Reliant Diver, Nitrox
05.09.2019 21:03Geändert von wettraffic,
05.09.2019 21:04

Ob man eine Stellschraube außen hat, sagt erst mal nichts darüber aus, ob der Regler leicht oder schwer zu atmen ist. Diese Schraube verändert nur den "Cracking effort", und das kann ich auch ohne Schraube so einstellen, dass beide Regler am Ende den selben Cracking Effort haben. Alles, was die Schraube tut, ist, den Atemwiderstand (keine Ahnung, ob das die korrekte Übersetzung von Cracking effort ist) zu erhöhen, nicht abzusenken! Wenn ich die Schraube reindrehe, wird zusätzlicher Druck auf den Ventilsitz gebracht, wodurch sich dieser dann schwerer öffnet. Daher muss ich im Mundstück einen größeren Unterdruck erzeugen, damit das Ventil auf geht. Im Regelfall ist eine solche zweite Stufe so eingestellt, dass der Atemwiderstand bei vollständig herausgedrehter Schraube den gleichen Wert hat wie bei einem Modell ohne äußere Einstellschraube (Hinweis: Dies ist eine Vereinfachung, die bei ansonsten baugleichen Reglern in den meisten Fällen so stimmt).

Ich kann den Cracking effort im Übrigen auch nochmals unterhalb der Wekst-Spezifikationen (meist liegen die bei irgendwas um 1-1,5" Wasserdruck) einstellen. Das stellt man, wenn man es genau haben will, mit einem Differenzdruckmanometer (Magnehelic) ein. Ob solche Feintunings außerhalb der Spezifikationen aber empfehlenswert sind, steht auf einem anderen Blatt.

Mein Tip: Hol' Dir einen balancierten Regler (1. & 2. Stufe), das ist grundsätzlich bedeutsamer als die Schraube. Und ja, ich finde, man merkt den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Atemregler schon am Anfang. Wenn ich Dir einen einfachen Regler gebe, hast Du am Anfang nach 45 Minuten einen "schweren Atem". Deine Atemmuskulatur erschöpft dann. Wenn Du meinen MK25/G260 nimmst, nicht.

TondobarPassivtaucher
05.09.2019 21:05
Über Sinn und Unsinn der Einstellmöglichkeit hat man sich u.a. in diesem Thread schon ausgetauscht.

Anscheinend gibt es drei Kategorien von Atemregler:
  1. Atemregler, die einmal eingestellt immer gut Luft liefern und keine Einstellmöglichkeit während des Tauchgangs brauchen (diese aber ab Werk haben können)
  2. Atemregler, die man situationsabhängig (Tiefe, Gas, Atemfrequenz) nachjustieren muss und die zu diesem Zweck ein oder zwei Knöpfe/Hebel haben
  3. Atemregler, die man situationsabhängig (Tiefe, Gas, Atemfrequenz) nachjustieren müsste, das aber mangels Einstellmöglichkeit nicht unter Wasser kann
Bei Kategorie 1 ist es ganz egal, ob Knöpfe dran sind. Kategorie 2 sind okay. Kategorie 3 ist nicht für jeden was.
05.09.2019 22:01
Die Einstellschraube an der Seite braucht es im Prinzip nicht. Eine gut eingestellte 2.te Stufe "blässt ab" wenn Du das Mundstück im Wasser nach oben drehst und hört wieder auf beim erneuten umdrehen. Nicht zu verwechseln mit dem Venturi Hebel, welcher seine Berechtigung hat.
06.09.2019 08:48
Mal eine blöde Frage:

Mein Regler ist einstellbar, und ja, ich spüre einen Unterschied wenn es tiefer geht.
Das bemerkte ich sehr stark, als ich meinen Deep gemacht und gewundert habe, als auf 40m das Atmen "anstrengender" war, bis mir eingefallen ist, daß ich ja nur den Regler "öffnen" muß.

Aber - was für einen Vorteil bringt es, den Regler auf "weniger Durchfluß" zu stellen?
Spare ich mir hier Luft?
06.09.2019 09:31Geändert von Schreibmayer,
06.09.2019 09:33
Ich stelle immer auf Minimum: ich mag es nicht "aufgeblasen" zu werden. Ich habe den Luftverbrauch getestet und brauche dann so ca. 1 - 2 L/min weniger. Das kann aber natürlich individuell verschieden sein...

LG, Wolfgang
06.09.2019 09:34
Hey Robert,

wenn Du Urlaubstaucher bleiben willst, dann ist die Wahl ziemlich egal. Falls es Dich auch ab und an in die Seen zieht, solltest Du unbedingt auf Kaltwassertauglichkeit achten.

Einstellungsmöglichkeiten: Geschmacksache! Mein Favorit hat keine Einstellmöglichkeiten und gehört in Tondobars Kategorie 1. Für mich ist der größte Vorteil darin, dass man sich um eine Sache weniger kümmern muss.

Einige Regler, die ich in der Ausbildung verwende haben den Drehknauf. Dort kommt der Nachteil am meisten zum Tragen, dass die Anfänger sich noch zusätzlich um die Dive/Pre Dive Einstellung kümmern müssen. Es sind ja nur gefühlt 100 Sachen, auf die sie zu Beginn achten müssen...

@Marcus:"Aber - was für einen Vorteil bringt es, den Regler auf "weniger Durchfluß" zu stellen? "
Der Atermregler bläst später ab. Falls Du das Mundstück unter Wasser aus Versehen nach oben hälst. Wasserdruck wirkt gegen Feder und öffnet, oder falls bei Strömung das selbe Phänomen auftritt.
Die Einstellung ist nicht "weniger Durchfluss" sondern "höherer Einatemwiderstand".

Grüße
Woodstock


nandersenIANTD CCR
06.09.2019 09:35Geändert von nandersen,
06.09.2019 09:50
Nein, wettraffic hat es schon beschrieben, Du änderst lediglich den Federwiderstand der überwunden werden muß bis das Ventil öffnet. Der Vorteil kann sein einen Regler unempfindlich einzustellen wenn dieser gerade nicht benutzt wird und so ein versehentliches Abströmen zu verhindern.

...Woodstock tippt wohl schneller als ich oO
06.09.2019 09:40
Ach ja zu den Nachteilen der Einstellmöglichkeiten: regelmäßig beobachtet man Taucher deren Apekse an der Oberfläche abblasen. Wenn man sich das dann ansieht stellt man fest, daß die Venturihebel voll auf "+" und der Einatemwiderstand auf ein Minimum geschraubt ist (das ist für die Oberfläche so wohl nicht vorgesehen)...

Wolfgang
06.09.2019 10:16Geändert von roku,
06.09.2019 10:18
Vielen Dank für die zahlreichen Ratschläge und die zum Teil sehr technisch fundierten Argumente. Ihr habt mich schon mal davon überzeugt, einen kaltwassertauglichen Regler zu kaufen.

Gruß,
Robert
06.09.2019 11:15
Mir hat das Buch "Tauchausruestung" von Horst Dederichs und Ralph Wilhelm, mit guten Tips geholfen und nützt mir noch. Eine der Aussagen ist auch das die persönliche Beratung und unverzichtbar ist. Ebenso das wer selten taucht eine gute und gepflegte Ausrüstung braucht. Gut Luft
Ankou1. Plagenbringer
06.09.2019 12:29
Okay, da sind wir ja schon mal einig mit dem Kaltwassertauglich. Das sind m.E. die meisten. Zu den Verstellmöglichkeiten. Ich nutze verschiedene Regler von unterschiedlichen Herstellern mit und ohne Verstellmöglichkeit, am liebsten ein Paar Traktoren von Poseidon. Im Ergebnis laufen die am besten auch jenseits der 40 Meter, wenn und soweit der Schrauber weiss was er tut.
IvoryAOWD
06.09.2019 12:50
Ich habe früher einen Aqualung Titan Lx getaucht. Der hatte eine Schraube, oder sagen wir einen Hebel den ich etwa eine drittel Umdrehung verstellen konnte. Oben war voll offen etwas zu leichtgängig. Er hat gerne abgeblasen beim eintauchen und teilweise sogar geblubbert, sodass ich ihn etwas zudrehen musste. Auf über 20 Metern wurde das dann vom Widerstand her unangenehm und ich musste ihn wiede etwas öffnen. Ging mir persönlich ziemlich auf den Sack. Seitdem tauche ich einen Abyss bei dem man nichts verstellen kann. Der bläst nicht ab und liefert mir immer gleichmäßig gut Luft. Egal ob ich entspannt bin oder Stress habe, bis 45 Meter kann ich da keinen Unterscheid feststellen.
06.09.2019 13:52
Der cracking effort (Öffnungsdruck) ist der Unterdruck mit dem man saugen muss damit das Ventil aufgeht (1cm H2O = 1mbar). Die Einatemarbeit ist der Unterdruck mit dem man während des Einatmens durchschnittlich ziehen muss um das Ventil offen zu halten (1J/l = 1kPa = 10mbar). Die Federspannung beeinflusst beides, der Venturi Effekt nur die Einatemarbeit.
Die Feder ist bei jedem Regler einstellbar, bei manchen mit Stellrad außen, bei anderen mit einer Schraube innen. Man kann auch den 50€ Oktopus soweit aufdrehen bis er abbläst, d.h. keine oder sogar negative Einatemarbeit. Dasselbe Problem haben teure Regler genauso: weniger Atemarbeit bedeutet höheres Risiko von Abblasen.
Die nicht-einstellbaren sind werksseitig so voreingestellt dass sie sich vernünftig atmen lassen ohne abzublasen. Die während des TG verstellbaren kann man etwas weiter aufdrehen, für eine Nuance weniger Atemarbeit dafür mehr Risiko dass er abbläst. Zwei Schrauben mehr um die man sich kümmern muss und die Probleme machen wenn man sie vergisst.
Bei den Sets (z.B. Rover + Rover Oktopus) ist der Oktopus oft merklich härter eingestellt und atmet sich etwas schwerer als der baugleiche Hauptregler. Die Hersteller sind offenbar der Ansicht dass bei einer Rettung ein abblasender Regler dringend vermieden werden muss, während der Atemkomfort zweitrangig ist.
06.09.2019 16:15
Wo ist der Like-Button? Danke!
TondobarPassivtaucher
06.09.2019 19:55
"Abblasen" klingt jetzt wirklich dramatisch, vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie der Buddy plötzlich in einem Blasenschwall verschwindet, dann in Panik nach obern schießt (bzw. das ihn umgebende Meer aus Luftblasen) und bumms ist er tot, Blut schießt ihm aus Nase, Mund, Augen und Ohren.

in der Praxis ja doch eher so, dass der Regler kurz Schsch-Schsch macht, bevor man ihn mit dem Mundstück nach unten dreht und er aufhört. Mehr passiert da nicht.

Anscheinend gibt es auch beim Tauchen zwei gegensätzliche Lager, wie in der Computerwelt mit Microsoft und Apple. Die einen finden es gut, wenn man etwas einstellen kann, die anderen sind stolz darauf, dass sie nichts einstellen müssen (und können). Ich gehöre definitiv zu denen, die ihr Schicksal gern in den eigenen Händen halten.
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