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Jens RatzlaffCMAS***1000 TGs

Der erste Bericht über eine Topbasis, obwohl sie ...

Der erste Bericht über eine Topbasis, obwohl sie schon 11 Jahre existiert?
(Anm.Red: eigentlich der 21.Bericht - aber zumindest der erste in 2011).
Nun, dann wird es höchste Zeit:
Als wir auf dem Hof von Hansis Tauchbasis den Motor abstellen, hören wir es bereits, das kernige Wummern seiner genialen Kompressoren. Wir folgen dem Geräusch und finden Hansi vor seinen Lieblingen. Er hat die Ölkanne in der Hand und sieht ein wenig aus, wie Johann das Gespenst, aus den Film „Das Boot.“
Die Anlage ist schon imponierend. Es sind 2 Junkersverdichter aus einem deutschen U-Boot aus dem 2. Weltkrieg, die irgendwie ihren Weg in Hansis Basis gefunden haben. Dafür hat er nun keine Probleme, auch die größten Nachfragen nach Pressluft zu bedienen. 6000 L/Min, das ist eine Hausnummer.
Hansi hat uns nun bemerkt und begrüßt uns herzlich. Wer ihn kennen lernt, muss ihn einfach mögen. Ruhig, freundlich hilfsbereit und immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Beim Tauchen jedoch wird er ernst und stellt klar, das er der Chef ist und der Raum für Diskussionen über Tauchsicherheit sehr begrenzt ist. Er hat aber auch keine andere Wahl, denn in Frankreich gibt es Gesetze, die den Tauchbetrieb regeln.. und bei Zuwiderhandlungen ist der Basenleiter verantwortlich und wird schlimmstenfalls sogar mit Gefängnisstrafe bedroht.
Hansis Basis hat was. Die Gebäude sind im Geviert erstellt und mittendrin das Zentrum, der Taucherhock mit Schatten spendendem Überbau.
Das Gerödel ist schnell im Ausrüstungscontainer verstaut und die Anmeldeformalitäten sind auch ruckzuck erledigt. So macht es Spaß. „ Wollt ihr morgen Nachmittag mit?“ Klar wollen wir. Hansi hat einen Tauchplan entwickelt und fährt diesen Woche für Woche ab. Jeden Tag 2 Ausfahrten mit all den legendären Tauchplätzen und Wracks, allen voran die „Donator“, die „Greg“, die „Michel C“ und all die anderen. Die Wracks erfordern ein gewisses Können und sind nichts für Anfänger. Minimalanforderung ist CMAS ** oder vergleichbares.
Aber auch Anfänger kommen an den Tauchplätzen östlich und westlich der Küste vom Porquerolles und Giens auf ihre Kosten. Es gibt Gorgonien überwucherte Steilwände und ausgedehnte Seegraswiesen. Der Fischbestand ist angemessen. Es lassen sich Muränen und Conger finden und Drachenköpfe an jeder Ecke. Je nach Jahreszeit gibt’s dann auch noch Oktopusse und Sepien zu bestaunen.
Donnerstags ist der Höhepunkt der Woche. Wir fahren den ganzen Tag nach Port Cros ins Naturschutzgebiet. Es geht um 08.30 los und es ist einiges an Gerödel im Boot zu verstauen, wollen ca. 20 Taucher doch je 2 Tauchgänge machen . Aber Hansis Boot hat Platz für alles. Er besitzt einen ungebauten Fischkutter. Das Tauchdeck hinter dem Ruderhaus ist ganz geschlossen und bietet Schutz gegen Sonne und bei schwerem Wetter. Der erste Tauchgang am legendären La Gabinere entpuppt sich leider als Enttäuschung. Natürlich hat es hier viel Fisch und es gibt Zackenbarsche an jeder Ecke, die sich bereitwillig als Fotomodell zur Verfügung stellen. Aber es hat sich eine üble Schleimalge im Gebiet breitgemacht, die all die wunderbaren Gorgonienwände überwuchert. Ein Phänomen, das gelegentlich auftritt, aber leider eine ganze Zeit anhält, dann aber im Winter wieder verschwindet. Selbst Hansi ist schockiert über das Ausmaß.
Mittags hat er einen Tisch für uns alle in einem Restaurant reserviert und wir genießen die französische Küche . So lässt es sich leben.
Nachmittags dann der zweite Tauchgang an der Ile de Bagaud, wieder an einer Steilwand, diesmal ohne die Schleimalgen. Es ist schon beeindruckend, wie positiv sich der UW-Nationalpark auf die Fischbestände auswirkt. Es ist wie im Aquarium, herrlich. Alle haben ihren Spaß und sind guter Dinge. Abends dann die Materialschlacht, um alles wieder zu verstauen. Und schon springen die beiden riesigen Kompressoren wieder an, um die 40 Flaschen in Nu zu füllen. Und Hansi umschleicht seine Lieblinge erneut.
Freitag ist Grillabend. Es gibt eine große Küche im Geviert und der Koch waltet seines Amtes: Schweinesteaks und Lammkoteletts, ja, der Mann kann was. Beseelt vom leichten Rose und anderen Spezialitäten sinken wir ermattet in die Federn. Ach ja, da war noch Werner der 71-jährige Tauchpionier, der Morgens um 7 den Rückmarsch nach Deutschland per Bahn antreten wollte. Ich hoffe, du hast es trotz allem geschafft.
Erwähnenswert ist auch noch unser Abschiedsessen. Es gab Crepes a la Bretagne. Unser Taucherhock platzte fast aus den Nähten und der Koch wirbelt an seinen Platten. Aber er hat alle sattbekommen und der Rose dazu war nicht zu verachten.
Rückblickendes Fazit:
Giens ist nicht nur eine Reise wert. Auch wir werden wiederkommen .Möge uns dies Fleckchen Erde noch lange erhalten bleiben mit Hansi und seinen Lieblingen und all den Anderen, die wir kennen lernen durften .
Sorry Freunde, es wieder länger geworden, aber solch eine Basis verdient einen entsprechenden Bericht.
Jens


Hansis Boot


Oktopus


Krustenanemonen


Drachenkopf


rote Gorgonie


Tentakelwurm..oder so


My Home is my castle

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