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Muskelkater im Rücken nach TG

Geändert von Atre01,

Hallo zusammen,

ich war gestern mit 3 weiteren Tauchern ein wenig tauchen (im Tauchturm) um Tarrieren zu üben und einfach Erfahrung zu sammeln. 3 TG auf knapp 20m: 29min 30min und 15 min. Wir haben unsere Safetystops alle penibel eingehalten und der aufstieg ging auch gut bis auf ein zwei momente an denen ich mal 2m mit ein paar m/min zu schnell aufgestiegen bin (wie gesagt bin Anfänger und übe das Tarrieren noch etwas) gestern Abend hatte ich dann leichts jucken an verschiedenen Körperstellen und hatte schon Angst dass ich mir eine DCS eingefangen habe. Das Jucken war dann aber recht schnell wieder weg (ich habe das auch nach dem schwimmen häufig) deswegen habe ich mir nicht groß Gedanken gemacht. Jetzt hatte ich heute allerdings den ganzen Tag Rückenschmerzen die sich wie muskelkater anfühlen (kein starker schmerz aber eben typischen Muskelkaterschmerz beim anspannen oder drücken auf die unteren rückenmuskeln. Muskelkater halt) jetzt ist die Frage könnte das 1. doch etwas sein womit ich zum Arzt sollte und 2. Hat jemand Erfahrung mit Muskelkater nach dem Tauchen? (ich habe einen Rundrücken und leichte Skoliose) vielleicht hat jemand tipps zur besseren Positionierung des Bleis bei sowas.

Danke euch und viele Grüße

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MiHamaCCR Rec. Trimix
06.02.2024 09:14

Überlege bitte doch einfach mal was du an dem Tag gemacht hast. Du hast dein komplettes Equipment zusammengebaut, danach bist du 3x mit Tauchflasche, Blei und sonstigem Kleinkram ins Wasser gegangen und hast da Übungen durchgeführt und im Anschluss bist du mit dem selben Equipment wieder aus dem Wasser hinaus um es dort wieder auseinander zu basteln. Eventuell noch zwischenzeitlich ein bisschen geplaudert mit dem Gerät auf dem Rücken?
Das ist für den Körper eine ungewohnte Tätigkeit, auf die dieser in der Regel mit Muskelkater reagiert. Selbiges wirst du mit Sicherheit auch erleben, wenn du z.B. Kegeln, Bowlen oder Klettern gehst.
Also erst mal locker bleiben und entspannen

An dem Jucken ist vermutlich das Chlor im Wasser schuld, das haben ganz viele Menschen unabhängig vom Tauchen.

PerkedderCMAS**/DTSA**
06.02.2024 10:20
Wenn ich nach so einem Programm Muskelkater im Rücken hätte, würde ich mir überlegen, ob mein Training ausreichend ist. Ich rate zu einem guten Training der Rumpfmuskulatur, nicht nur Rücken. (Das beste Rückentraining ist ein gutes Bauchmuskeltraining. Habe ich mal irgendwo ausgeschnappt )
Dominik_Emind is like parachute
06.02.2024 10:36Geändert von Dominik_E,
06.02.2024 10:44
Hi,

erstmal, ich wünsche Dir natürlich gute Besserung für den Rücken. Und, bitte nichts von dem was ich schreibe negativ auffassen, ich versuche etwas hilfreich zu erklären. Ich bin kein Mediziner. Wenn es Dir wirklich nicht gut geht, dann ist es natürlich am besten, zum Arzt zu gehen.

Aber: was Du beschreibst klingt nun wirklich sehr nach Muskelkater. Die typischen Schmerzen beim Anspannen der betroffenen Muskeln, und auch der Ort den Du beschreibst, passen da doch wirklich zu. Ebenso, dass es ja anscheinend schon einen Tag oder so "stabil" ist ohne dass was weiteres dazukam. Das kann in der Tat auch so sein, denn man bewegt ja erstens durchaus schwere Dinge wie Flaschen, und zweitens sicher nicht immer in gewohnter Art, und auf ergonomisch beste Weise. Hinzu kommt, dass manchmal, wenn z.B. das Blei für Dich ungünstig sitzt, und die Position von Jacket mit Flasche nicht so gut ist, auch beim Tauchen der untere Rücken belastet wird. Da würde ich zuerst mal schauen oder erfahreneren Buddy schauen lassen, denn nicht selten ist das der Grund.

Allgemein, ist es denn möglich, dass Du Dir sehr viele Sorgen wegen DCS machst? Das ist eine Sportverletzung die beim Tauchen extrem viel "Publicity" hat und Sorgen verbreitet. Aber sie ist eigentlich selten, viel seltener als Muskelkater. Insbesondere bei TGs wie Du sie beschreibst. Es kommt vor, und wenn man sehr lange und aktiv taucht wird es einen vielleicht schonmal treffen. Nur: zwar wird es dann oft erstmal verdrängt, und vor sich selbst nicht eingestanden (weil es, siehe oben, mit so einem krassen Stigma belegt ist, das ist aber ein Problem dass die Tauch-Community lösen muss, nicht ein Unfallopfer alleine). Es macht sich aber wirklich bemerkbar, sollte es behandlungsbedürftig sein. Sorgen wie "Heute tun mir die Muskeln im Rücken ein bisschen weh wenn ich sie anspanne, ich muss unbedingt ausschliessen, dass das DCS ist denn wenn es das ist und nichts getan wird bekomme ich Spätschäden oder Falle in drei Tagen einfach um" sind wirklich unbegründet. Ich schreibe das, weil mir scheint, Du hattest diese Sorge schon beim Jucken der Haut (sehr normal übrigens im gechlorten Wasser, und auch eine Haut-DCS macht sich irgendwann so bemerkbar, dass man sie oft noch verdrängen kann, aber jedenfalls eigentlich nicht so einfach mit einem Juckreiz wegen Chlor verwechselt), und dann hast Du Dich vielleicht danach sehr auf den Rücken fokussiert?

Bitte wirklich bedenken, man bekommt oft ein nicht den Tatsachen entsprechendes Bild bei dieser Sache: DCS ist bei weitem nicht der häufigste Grund für Probleme beim und nach dem Tauchen. Und wenn es doch mal auftritt ist es sehr häufig, in leichten Fällen sogar fast immer, sehr gut behandelbar und verschwindet dann auch ohne weitere Folgen. Schwere Verläufe sind wirklich sehr selten, und grade diese sind nicht sowas wie "viele Stunden nach dem Tauchen fangen ein paar Muskeln an beim Anspannen weh zu tun, und das bleibt dann einfach einen Tag lang so ohne schlimmer zu werden"...

Mach Dir mal eine Wärmflasche, würde ich sagen, und dann wird das den Muskeln schon helfen. Und lass wirklich mal jemanden auf Deine Equip-Konfig und Wasserlage schauen. Dann macht das Tauchen auch gleich noch mehr Spass. Konkrete Frage mal: Bleigurt? Und wie viel Blei da drauf? Und hast Du den längere Zeit ausserhalb des Wassers getragen? Der kann ganz schön an den entsprechenden Partien "zerren".

Wenn es wirklich nicht weg gehen sollte oder schlimmer wird, klar, dann mach bitte einen Arzttermin. Wir können ja hier nicht feststellen was wirklich los ist, im extrem ungünstigsten Fall (glaube ich aber echt nicht) könntest Du ja auch ein orthopädisches Problem da am Rücken haben wegen dem Du generell vielleicht anders konfigurieren solltest.
Punkfish Divingbunte Kärtchen, einfarbige Kärtchen, egal - Hauptsache Tauchen :-)
06.02.2024 10:56

Ich kann Dominik voll zustimmen.

Was dir gerade passiert, ist ziemlich typisch: Du hast gerade einiges darüber gelernt, dass es DCS gibt und dass man beim Tauchen vorsichtig sein muss, und hoffentlich auch, dass man Symptome nicht einfach ignorieren soll.

Das ist alles sehr wichtig, aber jetzt passiert etwas: Du hast nach dem Tauchen leichte Symptome, die du von dir kennst und auch eindeutig zuordnen kannst. Wenn du schwimmen gehst, oder jetzt halt tauchen, juckt danach die Haut. Und du hast einen Muskelkater. Nichts davon ist dir neu, und hättest du gerade nicht etwas über DCS im Kopf, würde sich die Frage gar nicht stellen, ob es etwas mit dem Tauchen zu tun hat.

Das passiert übrigens sehr, sehr häufig: Wenn man sich mit einem Thema befasst, sieht man es plötzlich überall, und wenn man etwas über eine ganz bestimmte Krankheit liest, interpretiert man jedes Zwicken in die Richtung. Normal, menschlich, kein Grund zur Sorge, aber wenn man das weiß, kann man über sich selbst lachen und sich um den Muskelkater kümmern Gute Besserung, und wenn sich ewas anfühlt wie Muskelkater, dann ist es üblicherweise auch genau das.

Tastenchef13Hypoxic Trimix / Full Cave / JJ-CCR
06.02.2024 11:35
Moin hatte ich gelegentlich am Anfang auch.

Ich war es einfach nicht gewöhnt den Rücken solange kontant leicht anzuspannen für die perfekte Körperhaltung.

Denke wahrscheinlich fehlende Übung / seltene Belastung wichtig immer korrekt heben !
06.02.2024 13:19
Eine kurze M12 Flasche liegt sehr ungünstig auf den unteren Bandscheiben auf und kann die von Dir beschriebenen Rückenprobleme erzeugen.
Was bist Du getaucht?

IvoryAOWD DTSA**
06.02.2024 15:01
Thomys ich nehme mal an die 10er, die im Dive4Live halt rumstehen.

Ich sehe das wie Dominik, ich glaube du hattest auch den Tarieren und Geld Thread damit eingeleitet, dass deine Tarierung schlecht ist und dass dir das gesundheitlich zu gefährlich ist, oder so ähnlich. Nicht falsch verstehen 20 Meter ist nicht nichts und drei TG hintereinander weg sind auch nicht nichts, aber ich kann dir versichern, dass eine DCS auch mit schlechter Tarierung bei solchen Tiefen und vor allem solchen Tauchzeiten, die ja sicher nicht komplett auf Maximaltiefe waren, eine krasse Ausnahme wäre. Sowas wie Lottojackpott knacken, obwohl man nur einmal spielt. Ich bin mal bei einem Wiederhohlungstauchgang aus 30 Metern in unter einer Minute hoch bis auf 6 Meter und dann recht schnell auch bis an die Oberfläsche geschossen. Da hatte ich wirklich Schiss und mal ein bissl Sauerstoff geatmet. Aber selbst da ist nichts passiert. Das eigentliche Risiko bei zu schnellem Aufstieg in Tiefen flacher 20 Meter bei total harmlosen Nullzeit TG weit jenseits der Grenze wäre wohl eher ein Barotrauma oder eine Lungenüberdruckverletzung. Aber auch das passiert nicht einfach so.


Ich denke auch du solltest das Schreckgespennst DCS nicht mit auf jeden Tauchgang nehmen, dann bist du entspannter und bekommst das mit der Tarierung auch viel leichter hin. Da geht es wirklich seltenst um Leben und Tod, ganz besonders wenn sowas dein Problem ist: "der aufstieg ging auch gut bis auf ein zwei momente an denen ich mal 2m mit ein paar m/min zu schnell aufgestiegen bin"

2 Meter, vor allem wenn es nicht direkt unter der Oberfläche stattfindet, könntest du dich auch beamen und das würde kein so großes Druckgefälle erzeugen, dass dadurch Probleme entstehen. Solange du dann adäquat reagierst, also den Aufstieg abfängst, bist du absolut sicher unterwegs.
06.02.2024 15:19
Okay danke für eure Antworten. Wie gesagt ich denke bzw weiß jetzt es ist einfach ein stärkerer Muskelkater. Ich muss denke ich an meiner Lage unter Wasser arbeiten und nochmal schauen wie ich die Gewichte besser verteile
Dominik_Emind is like parachute
06.02.2024 15:27
Ja thumbup

Schau vielleicht echt auch mal ob Du einen Bleigurt trägst (an sich gar nicht schlecht, eine Menge Blei einfach in BCD Taschen ist oft schlechter), und wo und wie der sitzt, und wo da das Blei aufgefädelt ist. Und auch schauen, dass Du den Rücken unter Wasser nicht unnatürlich überdehnst. Es soll ein schön horizontale Lage sein, die aber nur minimale Körperspannung benötigt. Oft muss man auch noch Gewicht entlang der Körperachse besser verteilen. Am schnellsten geht es echt indem man sich jemanden ausguckt der gut im Wasser liegt, das muss kein Kurs sein, sondern den einfach mal nach paar Tipps fragen.

Kurze 12er ist für nicht kurze Menschen oft auch nicht ideal, das kam ja schon. Und ansonsten, Tragezeigen von Gerät und Blei auf dem Trockenen minimieren.
blueskies_up_aheadOWD, Nitrox, Deep
06.02.2024 16:46
Mein Computer hat mich am Anfang auch immer angemeckert wegen Aufstiegsgeschwindigkeit. Blinkt das Ding orange, oder Gott bewahre, gar rot, ist man in Gedenken schnell bei der viel beschworenen DCS. Aber das mit den Aufstiegen wird besser und man nimmt den Computer irgendwann nicht mehr so tot ernst ;)
An dieser Stelle ist aber auch die Ausbildung irgendwie schuld. Es wird so ein riesen Fokus auf DCS gelegt und andere Themen im Vergleich sehr stiefmütterlich behandelt. So spukt die DCS dann im Hirn des frisch zertifizierten Tauchers nach jedem TG rum. Von dem Umgang mit der NDL wollen wir mal gar nicht anfangen.
Das mit der kurzen M12 finde ich lustig. Ich bin gefühlt die einzige, die die mag (und ich bin 1,80m). Und das trotz "Rücken". Hilft mir bei Trim, welche aber immer noch nicht optimal ist... Irgendwie haben meine verschiedenen Körperregionen wohl ein ungewöhnliches Auftriebsverhalten *g*. Zurück zum Rücken: wenn der Rücken im Hohlkreuz zwickt, dann hilft es mir unter Wasser mal kurz die Knie anzuziehen und beim weiteren Tauchen bewusst ein bisschen auf die Rückenkrümmung (und somit Beckenposition) zu achten.
Dominik_Emind is like parachute
06.02.2024 17:09
Gut die Ausbildung hat natürlich auch irgendwie die Aufgabe, vor allem das zu vermitteln was beim Tauchen anders ist als im bekannten restlichen Leben. Aber, ja. Ich würde auch sagen Tauchausbildung ist ein Spiegel der Tauch-Community. Wir insgesamt räumen DCS einen sehr großen Raum ein. Ich ja auch. Weil es insofern attraktiv ist, als dass wir die Zusammenhänge ganz gut zu verstehen glauben, aber gleichzeitig noch spannende Forschungsfragen offen sind. Das ist insoweit denke ich auch gut. Was nichtmehr so gut ist, dass das manchmal in ein Stigma umschlägt. Und dazu führt, dass DCS immer bedeute jemand habe was falsch gemacht und das wäre verhinderbar gewesen.

Es fehlt auch irgendwie das, was wir bei ganz vielen anderen Sportverletzungen entwickelt haben: ein Gefühl für "Tut mir Leid für Dich, sowas passiert. Lass schauen, wie Dir am besten geholfen werden kann, und ob Du wirklich sofort notärztliche Versorgung brauchst, oder was man sonst machen kann." Manchmal scheint mir ein Eindruck zu kursieren, dass wenn man leichte DCS Beschwerden nicht sofort richtig erkennt würde das eskalieren oder Spätschäden nach sich ziehen. Das Gegenteil ist eigentlich der Fall. Natürlich muss man schwere Verläufe erkennen, und die können auch manchmal erst deutlich nach Erreichen der Oberfläche losgehen. Und zuerst leichte Symptome können sich verschlimmern. Dann braucht man unbedingt ärztliche Hilfe. Klar. Aber der wahrscheinlichste weitere Verlauf einer DCS die sich über Tage nur mit leichten Schmerzen an einer Stelle bemerkbar machte und echt nicht erkannt wurde ist, dass sie selbstlimitierend ist und irgendwann dann einfach ausgeheilt. Das soll keine Aufforderung zum ignorieren von Symptomen sein, ganz und gar nicht. Aber ein bisschen Maßstäbe nicht aus den Augen verlieren ist halt auch wichtig.
IvoryAOWD DTSA**
08.02.2024 14:11
Ich denke der Fehler ist nicht, dass DCS in der Ausbildung einen so großen Stellenwert hat. Immerhin ist es bei Missachtung aller Regeln eine sehr ernste und reale Gefahr. Ich glaube was in der Ausbildung zu kurz kommt, ist die Einordnung des vorhandenen Verständnisses von Dekompressionsvorgängen. In der Anfängerausbildung wird ja im wesentlichen vermittelt, dass man sich an Nullzeiten und Aufstiegsgeschwindigkeiten halten muss, sonst wird es gefährlich. Dass die Tabellen und Modelle ja durchaus, insbesondere weit weg von der Nullzeitgrenze große Sicherheitsmargen haben, wird aus wie ich finde auch verständlichen Gründen nicht so sehr in den Vordergrund gestellt. Man will einem Anfänger ja auch nicht beibringen, dass er da nicht so genau drauf achten muss, weil ja eh Marge drin ist. Das hat ja auch was mit Verantwortlichkeit zu tun. In so einem Kurs lernt man ja weder Physik noch Medizin auf Hochschulniveau, sondern man bekommt einen fixen Rahmen und soll für das Problem und die Symptome sensibilisiert werden. Insofern ist da schon auch Fingerspitzengefühl gefragt und selbst wenn das vorliegt, ist es absolut nicht ungewöhnlich, dass jemand nachdem er mit dem Thema erstmals Kontakt hatte, durchaus etwas zu übersensibilisiert ist.
Dominik_Emind is like parachute
08.02.2024 14:50
Ich weiss nichtmal, Ivory! Die Margen sind ehrlich aber auch nicht so groß, dass sie die Erwartung hergeben würden die zumindest ich manchmal beobachte. Also sowas wie "Wenn jemand DCS bekommt sollte man zu aller erst mal schauen ob da Fehler gemacht wurden beim Aufstieg, oder zu wenig getrunken wurde oder ein PFO da ist.". Genau das sind doch Aussagen, die haben wir so ähnlich alle schon gelesen, oder?

Sie wären aber nur dann sinnvoll, wenn die Margen der Modelle (und ihre Sicherheit insgesamt) so groß wären, dass DCS ohne Fehler oder Normvariante eine extreme Ausnahme wäre. Ist es aber nicht, oder? Es passiert auch bei Einhaltung aller Regeln so alle paar Tausend TG mal, mit großem statistischem Fehler und sicher abhängig davon, ab wie schwer man es Unfall nennt. Aber jedenfalls, wenn jemand ein langes und intensives Tauch-Leben hat, was wir uns bestimmt alle wünschen, dann wird dieser jemand mit sehr realer Chance auch mal DCS bekommen.

Aber es wird dann sehr wahrscheinlich auch behandelbar sein und ohne Spätschäden verschwinden. Das, also "Es ist selten und mit guter Praxis kann man das Restrisiko noch weiter senken, aber wenn Du lange genug tauchst wirst Du es vermutlich mal erleben, daher sagen wir Dir, wie man dann am besten hilft." ist was mir in manchen Materialien am meisten fehlt.
08.02.2024 16:41
Moin Atre 01,

das kann auch Verletztes Muskel oder Fett Gewebe durch Stickstoff sein. Oft auf der Hüfte oder Bauchbereich in der nähe der Nieren.
Geht in der Regel in wenigen tagen ähnlich Muskelkarter wieder weg. Wenn es das sein sollte hilft viel Trinken und Sauerstoff.
Das beschleunigt das nachträgliche ausscheiden des Reststickstoffes aus der Region und mildert deutlich und schnell das Gefühl.
Ein Rest gefühl bleibt bis die Fasern wieder verheilt sind. Quasi ein leichter Bend oder auch Hit genannt.
Das muss es natürlich nicht sein kann auch eine Zerrung oder Klassischer Muskelkarter sein.
Rausfinden kannst du es nur über O2 und viel Trinken, klingt es recht schnell ab ist der Muskelkarter recht unwarscheinlich.

Gruß
Hammerhai


Dominik_Emind is like parachute
08.02.2024 18:44
Nun lass mal objektiv und mit der hier gebotenen Bescheidenheit (wir alle können aus der Ferne keine Sicherheit gewinnen oder gar etwas diagnostizieren) herangehen: in Anbetracht der geschilderten TGs, der gesamten Umstände, der Schilderung, dass es ein typischer Schmerz sei beim Anspannen der Muskeln wie bei Muskelkater, ist es wohl erstmal sehr wahrscheinlich, dass es auch genau das ist, Muskelkater.

Und ich gehe mal davon aus, sonst hätten wir sicher schon was gehört, dass mittlerweile eh auch eine Besserung eingetreten ist.

blackraiderDM / TEC Nitrox Diver
09.02.2024 08:11
Also konkret in dem Fall ist das einzige Problem das Hirn des TO das ihm wohl einen Streich spielt. wink2
Da ist zu 99,9% nichts das mit einer DCS zu tun hat.
Ungewohnt, gerade die Wasserlage und schon tut einem alles weh.
Obwohl ich schon länger tauche kommt es auch immer mal wieder vor, das der Nacken schmerzt vom Kopf überstrecken oder es wo anders einfach mal zwickt. Ist normal, bedenke was man alles rumschleppt... wink

Als frischer Taucher hat man noch nen mords Respekt und macht sich nen riesen Kopf um all das vermittelte.
Das ist auch gut so, aber das führt auch dazu, dass man sich bei kleinsten Fehlern gleich Gedanken macht ob man sich nun was eingefangen hat.
In der Regel ist das bei Dingen wie von Dir beschrieben aber nicht der Fall.

Außerdem muss man mit DCS nicht gleich sterben. wink
Ich habe mittlerweile mehrere Fälle erlebt bei mittauchern. (Technische Tauchgänge) Nirgends war das Profil auffällig, keiner hatte was falsch gemacht! All diese Fälle konnten wir ohne Hubschrauber und Druckkammer selbst behandeln...
Unwohlsein, kein Appetit marmorierte Haut --> Trinken, Sauerstoff atmen und definitiv nicht mehr tauchen brachten sofortige Verbesserung. Nach mehrmaligen O2 gaben ist es in der Regel ganz weg.
Dominik_Emind is like parachute
09.02.2024 11:20
blackraider, es ist halt immer online schwierig: erstens bin zumindest ich eh kein Mediziner, und zweitens können auch diese nicht an Hand eines Textes sicher sagen was nun genau ist.

Ich halte es aber jedenfalls auch nicht für hilfreich, in so einem Fall immer gleich Vermutungen in Richtung DCS zu bestärken. Es spricht einfach sehr viel für das wonach es aussieht, Muskelkater. Und wenn es nicht weg geht, oder schlimmer wird, dann ist der einzig sinnvolle Rat ja eh zum Arzt zu gehen. Übermäßige Sorge vor einer Sache die nicht besonders wahrscheinlich ist hilft jedenfalls niemandem.


"Nirgends war das Profil auffällig, keiner hatte was falsch gemacht!"

--> Ja das ist bei ganz vielen Fällen so, es ist einfach Restrisiko dann. Und es bringt dann nichts, zu fragen was man selbst groß hätte anders machen können. Nur leider wird diese Einsicht momentan in der Community nicht gefördert, sondern bei fast allen DCS-Fällen sofort um "Ursachen" spekuliert. Wenn man 4 Leute kennt die DCS hatten, und diese dann z.B. auf ein PFO untersucht, dann hat statistisch einer eines. Sofort wären alle "sicher" das sei schuld. Aber was ist mit den anderen drei? Von denen hat dann bestimmt einer ein bisschen wenig getrunken --> also das "schuld". Und so weiter. Das hilft leider niemandem. Viel wichtiger wäre genau diese Einsicht, es passiert statistisch alle paar tausend TG mal, wer lange und aktiv taucht wird es bei sich oder Buddys erleben. Auch ohne dass irgendwas groß zu verbessern oder zu lernen wäre.


"konnten wir ohne Hubschrauber und Druckkammer selbst behandeln... "

--> So eine Entscheidung dürfen erwachsene Menschen für sich selbst natürlich treffen, niemand kann zu ärztlicher Hilfe gezwungen werden. Und natürlich sind viele Fälle selbstlimitierend, oder werden durch O2 "geheilt". Aber es ist dann jedenfalls ganz wichtig die Grenzen zu kennen. Wenn Symptome sehr schwerwiegend sind, wenn das Bewusstsein nicht komplett klar ist, wenn Lähmungen oder Gefühlsausfälle da sind, oder wenn die Symptome sich ausbreiten, spätestens dann muss jemand die Reissleine ziehen und den Notruf wählen. Das wiederum gilt aber auch wieder nicht speziell für DCS, sondern für alles. Und übrigens ist es auch aus solchen Gründen wichtig, dass nicht alle Taucher sofort nur in Richtung DCS denken wenn jemand krank aus dem Wasser kommt. Es gibt durchaus auch Thrombosen und ischämische Schlaganfälle unter Wasser, und diesen Patienten hilft man weder mit "sofort Druckkammer", noch mit "lass erstmal O2 atmen und schauen". Die brauchen sofort den Notarzt und ein Krankenhaus. Ich finde es wichtig, sich nicht vorschnell auf eine Diagnose zu fixieren, und auch dieses Risiko besteht durch die starke Fokussierung auf DCS beim Tauchen leider.


09.02.2024 12:23
Typische Symptome für leichte DCS sind marmorierte Haut, Kribbeln/ Ameisengefühl, Gelenkschmerzen, starke, ungewöhnliche Müdigkeit aber nicht Muskelkater. Selbst wenn ein DCS-bedingtes Kribbeln vorhanden war und nun weg ist, wäre der Braten gegessen. Im übrigen stimme ich meinen Vorpostern zu und brauche es nicht nochmal zusammen zu fassen.
PS: dreimal hintereinander auf 20m ist nur dann empfehlenswert, wenn man jeweils 2 Stunden Oberflächenpause dazwischen lässt. Erst dann ist es "konservativ". Insofern wäre leichte DCS nicht völlig ausgeschlossen.
Dominik_Emind is like parachute
09.02.2024 14:43
Klaus, ich denke aber der Vollständigkeit halber, es geht ja um Indoor, insofern wurde ja sicherlich die Nullzeit bei keinem der 3 TGs auf 20m auch nur annähernd ausgenutzt. Wahrscheinlichkeiten in der realen Welt werden nie 0 und nie 1, das ist klar. Wenn Billionen Menschen in Flugzeug benutzen bekommt vielleicht auch mal jemand DCS vom Druckabfall, obwohl dieser jemand nie im Leben vorher tauchen war. Aber das Gute in der Welt ist ja, die überwiegend wahrscheinliche Erklärung kann einen ganz oft erstmal zufrieden stellen.

Inwiefern die heute gängigen Modelle eine Mindest-Oberflächenpause brauchen, oder aber wann es reicht, dass sie ja eh die vorhandene Sättigung weiter rechnen, ist davon losgelöst ein interessantes Thema. Vielleicht bald mal
IvoryAOWD DTSA**
09.02.2024 15:34
Ja das fänd ich auch spannend. Ich mache im D4l 3 TG am Stück weg, also so um die 30 Minuten OFP für Pippi, Trinken und Flasche wechseln. Natürlich immer bis ganz runter, aber dann langsam immer flacher. Macht anders da ja auch wenig Sinn. An irgendwelche Nullzeitgrenzen komme ich da selbst beim 3. TG bei weitem nicht hin. Wenn es also Zusammenhänge gibt, die darauf hindeuten, dass eine OFP von 2 Stunden oder länger angebracht wäre, würde mich das schon interessieren.
09.02.2024 17:17
@Atre01

das im rücken halte ich mal für muskelkater - besonders nach deinem hinweis aif haltungsschäden. ungewohnte bewegung/haltung beansprucht halt untrainierte muskeln.

das jucken auf der haut kommt sicher vom wasser - bloß nicht vom chlor (wie die meisten falsch annehmen). gründlicher abduschen hilft....
09.02.2024 17:17Geändert von kwolf1406,
09.02.2024 17:21
Nun, machen wir es mal dialektisch Auf 20m ist man nach der Tabelle Deko2000 nach 20min Rechteck schon fast am Nullzeitende.
Ich weiß natürlich nicht, ob das Rechtecktauchgänge waren (das Indoor verführt aber schon fast dazu). Der 2. TG mit 30min gibt (Wiederholungsgruppe E) mit einer Pause zwischen 30 und 60 min einen Zeitzuschlag von 29 min! Da hätte er nach Tabelle schon 10min Deko. Der dritte TG bekommt nochmal ordentlich Zeitzuschlag (WG G). Auch wenn er natürlich nach seinem Rechner, der ja das echte Profil rechnet, "sauber" war (wovon ich ja ausgehe), für die Entsättigung war das aber nicht unbedingt "pillepalle" und die mittleren Gewebe hatten wohl schon Stickstoff geladen.
Ich habe ja absichtlich vorsichtig formuliert.
Dominik_Emind is like parachute
09.02.2024 18:06
Die Tabelle spielt da in gewisser Weise auch eine Rolle: diese ist in der Hinsicht wahrscheinlich konservativer als ein auf einem TC mitlaufendes Bühlmann. Weil Max Hahn einer derjenigen war die gepuzzled haben wie man Wiederholungs-TGs konservativer machen könnte (Bühlmann an sich verfolgt die Restsättigung natürlich mit, aber für bereits zirklulierende Blasen ist es eben "blind").

Aber das ist glaube ich ein Thema das über diesen Thread hinaus geht; wenn es das 20m Becken ist an das ich denke verbringt man eigentlich nicht die ganze Zeit in der Tiefe. So verstehe ich die Angaben halt: Maximaltiefe, aber Gesamt-Zeit.
Antwort