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andre171PADI MSD, NAS Foundation, künftig weiter mit dem VDST

Eistauchen: Leinenführer oder Reel?

Geändert von andre171,

Hallo Eistaucher!

Klassisch wurde (wird?) gelehrt, dass beim Eistauchen ein dickes Seil um den Bauch des Tauchers gebunden (Palstek-Knoten) wird und der Taucher mit einem Leinenführer an Land immer gestrafft verbunden ist, sodass Signale ausgetauscht werden können.

Mittlerweile hat sich in meinem Umfeld die Verwendung eines Reels und der Verzicht auf den Leinenführer als praktikablere Lösung verbreitet. Jeder Taucher führt selbstständig sein Reel - analog zum Wracktauchen und ähnlich zum Höhlentauchen. Via Eisschrauben kann man die Leine des Reels sicher und unkompliziert befestigen - eine sekundäre Befestigung natürlich nicht vergessen. Auf diese Weise taucht es sich sehr unkompliziert.

Meiner Erfahrung nach hat das mit dem Leinenführer nie so richtig gut funktioniert: entweder die Leine hat sich doch irgendwie verhakt oder die lange schwimmende Leine war kaum zu "bändigen". Die Reel-Variante hat den Nachteil, dass von Außen keiner den Taucher rausziehen kann. Aber im Buddy-System sollte das kein Problem sein, oder?

Habt ihr noch andere Verfahren? Hab auch mal ein zwischen 2 Einstiegslöchern gelegtes Seil gesehen, wo sich die Taucher entlanghangelten. Für Gruppen mit Anfängern sicher eine praktikable Alternative.

Schönen Abend noch,

André

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28.01.2026 20:29Geändert von Schokoladenhai (Dalatias licha),
28.01.2026 20:41
Die klassische Eistauchvariante mit Leinenführer ist für Sporttauchausrüstung ausgelegt, da man innerhalb kürzester Zeit wieder an der Oberfläche ist.
Reel ist ok wenn man entsprechend wie in einer Höhle taucht und auch so ausgerüstet ist. Es ist dasselbe wie in einer Höhle, teilweise sogar gefährlicher, denn bei vielen Höhlen kann man eine verlorene Leine leichter wiederfinden als in einem See.
Das Reel muss man ja auch wo festmachen, d.h. man taucht eher am Grund entlang, aber man will ja eigentlich das Eis sehen, also ist das nur im Flachbereich interessant.
Reel nur 1x oder 2x am Einstieg am Eis verankern und damit dann unter dem Eis entlang tauchen halte ich für gefährlich, denn eine gerissene Leine ist dann ein Problem.
blackraiderOC TX Plus / CCR Helitrox
29.01.2026 07:55Geändert von blackraider,
29.01.2026 07:58
Also ich habe mir diesbezüglich auch erst darüber Gedanken gemacht, da dieses Jahr selbst die größeren Gewässer hier zugefroren sind und das eben zum ersten Mal seit ich das Hobby betreibe.

Da ich in der Regel auch noch Solo unterwegs bin habe ich auch überlegt: Warum statt nem Kletterseil und Leinenführer nicht einfach ein Reel nehmen und wie gewohnt tauchen gehen...

Auch ich kam zu dem Schluss ist ja eigentlich nix anderes als in ner Höhle. Nun nicht ganz wie ich finde...
Bei Höhlen verlegt man das erste Stück Leine vom Freiwasser bis zur fest verlegten Mainline in der Höhle selbst.
Was ist hier der Unterschied zum Eistauchen?
Zum einen beginnt die Leine im Wasser, ist also besser vor unberechtigtem Zugriff geschützt zum anderen käme kein Höhlentaucher auf die Idee da was dran zu machen wohingegen ich mir da bei nem Loch im Eis absolut nicht sicher wäre wenn da keiner draußen steht.

Ich würde die Leine nämlich an nem Baum im Uferbereich festmachen und von da starten, OK ein Eisnagel wäre da vielleicht ne gute Alternative...

Von ahnungslosen Spaziergängern bis irgendwelche "Tauchkollegen" die sich mal wieder über neu eingebrachte neue Leinen beschweren und fleißig aufräumen (kommt an dem Gewässer vor) Ging mir da vieles durch den Kopf.

Nun jetzt könnte man dem entgegen wirken indem man die Leine eben an mehreren Punkten nah am Eisloch zusätzlich fixiert.
Wie gehts dann weiter? Die Leine beim Eistauchen wird ja im Wasser normal nicht fixiert, willst Du das Reel nun auch als frei schwebende Leine im See liegen lassen? Also ums konkret zu sagen, 150, 250 Meter Caveline mitten im See?
Auch hier besteht ja eine Gefahr, das ein "anagierter" Tauchkollege meint: Oh, da hat irgend ein Depp sein Reel verloren und besagter Kollege fühlt sich zum aufräumen verpflichtet...

Ich persönlich kam zu dem Schluss, es wegen dem Eigenschutz vor anderer Blödheit zu lassen.
Ohne Oberflächensupport bzw. Leinenführer gibt man eben einen großen Teil der Kontrolle über seine Leine ab ins ungewisse.
Bei ner Cave ist das Umfeld ein deutlich profesionelleres als am gängigen Tümpel, da hätte ich deutlich weniger Bauchschmerzen.

Auf der anderen Seite steht das Argument, dass ich in dem Gewässer hunderte TG gemacht habe und den Einstieg blind finde und auch noch nie verfehlt habe, das Loch am Standard Einstieg würde ich also in 99,9% der Fälle auch ohne Leine finden und den Rest würde eben die Tec Config abfedern, ein auftauchen an Ort und Stelle ist schließlich auch bei den meisten anderen TG die ich mache nicht möglich.
andre171PADI MSD, NAS Foundation, künftig weiter mit dem VDST
29.01.2026 09:10
Sehe ich ähnlich: Leinenbefestigung ohne Oberflächenkontrolleur ist beim Eistauchen sehr problematisch.

Das mit der Leine im Freiwasser ist nicht so schlimm: weiter als 30 oder 40m sollte man ohnehin nicht tauchen - es geht ja nur um die Eisdecke. Störend war die Leine nie.

Befestigung des Reels am Taucher: wir waren immer nahe dem Grund: fällt es aus der Hand kann man es einfach wieder aufheben. Bei anderen Seen und Einstiegen ist das so nicht möglich - hier muss das Reel sicher verbunden sein (und dann ist die Bedienung des Reels sehr unhandlich).

Also nehme ich hier mit: klassische Leine mit Leinenführer ist grundsätzlich sicherer. Wenn es die Bedingungen (See, Grund, Befestigung, begrenzte Reichweite) erlauben, kann man mit dem Reel Tauchen.

@Blackraider: ich glaube wie tauchen im selben See...
Sascha314SSI MD, Nitrox, Deep
29.01.2026 09:12
Ich würde auf jeden Fall jemand haben wollen am Einstieg. Falls das Loch zufriert oder ein übereifriger Mitbürger die Gefahr "sichern" will.

Ich hab weder Cave noch Eis gemacht.

Der Unterschied für mich wäre, dass ich bei Eis nah am Eis bleiben möchte. Aber dann ist es räumlich nach allen Seiten weniger begrenzt. Und ob so viele Eisschrauben eine gute Idee sind?

Leinenüberkreuzung wäre ein Thema, aber das wäre ja bei beiden Methoden.

PS: Ich wäre vorsichtig mit Einstieg nie verpasst. Anderer Wasserstand und so kann da schon zur Verwirrung führen. Ich hab mich einmal ganz schön vertan, weil ich ne Plateau Ebene falsch getaucht bin und damit an der Bucht vorbei - weil der Wasserstand viel niedriger war als gewohnt.
docsnyder30TL / Lehrtaucher
29.01.2026 12:07

Unter Eis nur mit Reel würde ich eher von abraten. In einem Gewässer in dem man sich problemlos orientieren kann, z.B. durch Mauern o.ä., wo das Einstiegsloch auch ohne Leine problemlos wiedergefunden werden kann, also ähnlich wie Höhle, mag das grundsätzlich noch gehen. Aber das dürfte ja eher selten so sein.

Grundsätzlich ist Eistauchen Teamsport. Solo scheidet hier aus, einen Solo-Reb-Eistaucher hab ich schon am Folgetag geborgen... Bei Leinenverlust ist die letzte Option das der Taucher an der Stelle wartet und ihn ein zweiter Taucher mit Leine erreichen kann - das funktioniert aber nur wenn ein Leinenverlust auch an Land festgestellt wird! Zur Sicherung arbeite ich, nach einem kritischen Vorfall 2002 (Leinenverlust unter 25cm Eis nach Karabinerbruch - erfolgreich gerettet), nur noch mit 10mm schwimmfähigem Kernmantelseil oder Telefonleine mit Fixpunkt an Land und Schraubkarbinern aus Stahl.

Felschus Wasserwacht, Padi Rescue Diver, Rettungsschwimmer, Deep, Nitrox
29.01.2026 12:16
Ich bin hier sicher nicht der erfahrenste Taucher von euch, aber ich bin Mitglied der Wasserwacht in Oberbayern und bekomme das dann mit wenn es schief geht. Bitte geht nicht alleine Eistauchen, dass ist einfach keine gute Idee.
andre171PADI MSD, NAS Foundation, künftig weiter mit dem VDST
29.01.2026 12:56
Solo Eistauchen halte ich auch für grob suizidal.

Je nach Eis, sieht man den Ausstieg selbst aus kurzer Distanz nicht.
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