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Fluss Una

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Gleich einmal vorneweg: Flusstauchen in bewegtem ...

Gleich einmal vorneweg: Flusstauchen in bewegtem Wasser wird sicherlich nie die Massensportart werden, wie es das Tauchen z.B. im Roten Meer darstellt. Es gibt aber bestimmt einige unter uns, für die das Tauchen in der bosnischen Una ein unvergessliches Erlebnis erster Güte darstellt. Die Una ist ein Wildfluss des Balkans, der durch drei sehr schöne Schluchten mit etlichen Kalktuffbarrieren fließt. Sie bietet vorwiegend mäßige Schwierigkeiten und auch viel Zahmwasser. Wir waren bereits im Sommer 2010 zum Paddeln am Una-Camp in Bosanska Krupa. Sandi, der extrem nette Besitzer des Campingplatzes stammt aus Bosnien, ist seit Jahren in Berlin heimisch, spricht perfekt Deutsch und ist auch gleichsam der Pionier des Tourismus an der Una. Er hat uns erzählt, dass es einen lokalen Tauchclub gibt und das Tauchen an der Una möglich ist. Das wollten wir (Doris, Franz, Gerdi, Lisi & ich) uns diesmal nicht entgehen lassen und so sind wir Anfang August 2011 angereist. Sandi hat den Kontakt mit Ani, einem alteingesessenen lokalen Taucher, der auch das Fischen auf Una und Krusnicza kommerziell anbietet, hergestellt.

Tauchgebiet: Wir haben die Grmusa-Schlucht (3. Schlucht der Una) und den Abschnitt danach bis zum Campingplatz betaucht. Evtl. lohnend wäre auch die 2. Schlucht, welche direkt unterhalb des Wasserfalls (Strbaki Buk) beginnt. Das Tauchen ist dort dzt. aber nicht möglich (seit 2008 Nationalpark). Die Regeln für den Nationalpark sind erst im Werden. Lt. Ani soll das Flusstauchen vermutlich ab 2012 im Nationalpark erlaubt sein (dzt. nur Höhlentauchen). Ani ist ein sehr ortskundiger Führer, er kennt praktisch jeden Stein und auch die Standplätze der Huchen. Die Strömung ist, je nach Abschnitt, mäßig stark bis sportlich. Man manövriert in der Strömung zwischen den Steinen durch und findet Rast im dreidimensionalen “Kehrwasser“ hinter den Steinen. Die Tiefen betragen bis zu 13m. Mal bekommt man in 10m Tiefe von den wildwassertechnischen Schwierigkeiten an der Oberfläche wenig mit, mal muss dann auch schon zwischendurch ein seichter Schwall mitsamt der Ausrüstung umgangen werden. Zustiege und Ausstiege in der Schlucht sind z.T. mühsam aber keinesfalls extrem. Die Sichtweiten waren im August 2011, je nach Abschnitt, 4–9 m. Am Besten war die Sicht in der Schlucht. Lt. Ani ist die Sicht im Frühsommer, aber auch im Winter, optimal. Typischerweise sind Äschen, Bachforellen, Barben, Elritzen, Groppen und Rotfedern anzutreffen, allesamt sehr schön anzusehen. Die Süßwasserschwämme erreichen z.T. Dimensionen, die dem Bewuchs der Adria nahekommen. Absolutes Highlight sind natürlich die Huchen, die ohne Anis Ortskenntnis schwerlich zu finden sind. Wir haben eine stationäre Kolonie von ca. 40 (!) halbwüchsigen Huchen (50–80 cm), sowie einige kapitale Einzelgänger (über 1m) gesichtet. Für mich sind solche Sichtungen durchaus mit z.B. den Fuchshaien vor Malapascua zu vergleichen. Die eindrucksvolle Karstquelle der Krusnicza ist vom lokalen Tauchclub mindestens 2 km weit erschlossen und bestimmt für Höhlentaucher sehr interessant (wir sind keine Höhlentaucher).

Tauchen: Nur für erfahrene Taucher, denen diese Art des Tauchens auch Spaß macht. Ausbildungsstand nicht unter CMAS 2* bzw. AOWD (PADI) und mehr als 50 TG. Nur mit ortskundigem Führer wie Ani, der füllt auch die Flaschen - Sandi vermittelt das gerne (besser mindestens 1 Monat vorher Kontakt aufnehmen, damit auch Alles passt). Ich empfehle auch für die Tauchsicherheit selbst zu sorgen und einen CMAS 3* (oder Divemaster) pro Gruppe mitzunehmen (besser noch einen TL). Wassertemperatur je nach Abschnitt 16–19oC (14oC in der Krusnicza). Im Sommer ist ein 7mm halbtrockener Anzug mit Kapuze sehr komfortabel (evtl. Handschuhe, auch als Schutz, weil man sich oft abstößt bzw. irgendwo festhält). Neoprenstiefel sind für Zu- und Ausstieg und zum Umtragen obligat. Wir haben unsere kompletten Ausrüstungen mitgebracht, aber zumindest die Flaschen könnte man bei Ani ausleihen (aber vorher erkundigen falls Ausrüstung benötigt wird).

Unterkunft & Verpflegung: Am Besten direkt bei Sandi am Campingplatz (http://www.unacamping.de/home.html). Wer nicht zelten will, findet in einer der vier Blockhütten eine gemütliche Bleibe. Sanitäranlagen in sehr gutem Zustand. Gekühlte Getränke sind vorhanden. Gegen geringes Entgelt wird Essen zubereitet. Sehr zu empfehlen ist auch das nahegelegene Restaurant “Alga“. Auch eventuell mitkommende Nicht-Taucher kommen am Campingplatz voll auf ihre Rechnung: Faulenzen, Schwimmen oder Schnorcheln (Wassertemperatur am Campingplatz ca. 18oC). Sandi organisiert professionelle Rafting- oder Mountainbike- Touren. Erstere sind vor allem wegen der schönen Flusslandschaft in der Grmusa-Schlucht zu empfehlen, die wildwassertechnischen Schwierigkeiten halten sich im Sommer in Grenzen. Gut für Familienurlaub geeignet.

Sonstiges: Bei der Einreise wird für das Fahrzeug eine grüne Versicherungskarte benötigt. Bitte nicht vergessen ggfs. auch für den Anhänger eine solche zu besorgen. Die Währung ist die “Konvertible Mark“ welche praktisch fix 1:2 zum Euro steht (1,95 KM = 1 Euro). Es kann überall (auch im Supermarkt) mit Euro bezahlt werden, man bekommt aber KM als Wechselgeld retour (=> kleine Euroscheine mitnehmen).

Schlussfolgerung: In der Taucher.Net Datenbank ist unter Bosnien-Herzegowina folgendes zu lesen: “Der Balkanstaat hat nur auf wenigen Kilometern Kontakt zur Adriaküste, eine Infrastruktur für Taucher ist quasi nicht vorhanden.“ Das mag ja für die bosnische Adriaküste zutreffen, die wir nicht kennen, mit der Una steht aber ein hervorragendes erschlossenes Tauchrevier für Liebhaber des Flusstauchens bzw. Wildwassertauchens (mit mäßigem Schwierigkeitsgrad) zur Verfügung. Für die sehr nette Atmosphäre im Unacamp, für Anis ortskundige Führung, die herrliche UW Wildflusslandschaft, die herausragenden Huchensichtungen und weil es ganz einfach schön und exklusiv war vergebe ich 6 Flossen!


Elritzen (Foto: Lisi Maier)



Groppe (Foto: Lisi Maier)



Süßwasserschwamm (Foto: Lisi Maier)



Franz (l.) und Gerdi (r.) nach dem Umtragen eines Schwalls
(Foto: Wolfgang Schreibmayer)



Autowrack in der Strömung der Grmusa-Schlucht (Foto: Lisi Maier)



Lisi im Kehrwasser (Foto: Wolfgang Schreibmayer)



Hufeisenförmiger Katarakt unterhalb der Grmusa Schlucht
– hier muss umtragen werden (Foto: Lisi Maier)



Unterhalb der Schlucht vor dem Una-Camp (Foto: Lisi Maier)



Nach dem Tauchgang:
Franz, Lisi, Ani und Gerdi (v.l.n.r.; Foto: Wolfgang Schreibmayer)




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