Alles was nicht direkt zu den obigen Foren passt, findet hier Platz. Also Fragen zu den Verbänden, Vereinen, oder einfach allem was generell tauchspezifisch ist oder sonst einen Bezug zum Taucher.Net hat.
nikvoegtliCMAS*** TX100

Tauchunfälle Schweiz 2000-2019

Geändert von nikvoegtli,

Da man im Tauchunfall-Forum kein Thread öffnen kann, hier im Diversen (allenfalls kann es ein Mod ja verschieben).

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat die Sportunfälle mit tödlichem Ausgang 2000-2019 analysiert, und da gibt es einige interessante Fakten (ohne zu Werten oder Interpretieren).

https://www.bfu.ch/media/bgdd2wk4/2020-09-21_erhebung_toedliche_nbu_de.pdf

Zu beachten ist, dass hier absolute Zahlen veröffentlicht wurden, ohne Grundpopulation. Also kann keine Aussage getroffen werden, welche Sportart "gefährlicher" ist.

- In den 20 Jahren gab es 78 Todesfälle beim Tauchen (als Vergleich: Beim Baden 350, beim Bergwandern/Bergsteigen ziemlich genau 1500)

- 73 der Opfer waren zwischen 17-64, und nur 5 über 65 Jahre alt. Die "Altersdekade" mit den klar meisten Opfern ist von 40-49

- Und, auch sehr interessant, die Geschlechterverteilung: 71 männlich, nur 7 weiblich

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NilsNaseUnfertiger Taucher
24.07.2022 23:16
Wer veröffentlicht denn so einen Blödsinn, vor allem zu welchem Zweck? Bergwanderin ist um ein Vielfaches gefährlicher als Basejumping. Könnte man jetzt daraus schließen, wenn man wollte
Dominik_Emind is like parachute
24.07.2022 23:48
"Ohne die Betrachtung der Anzahl aktiver Sportlerin- nen und Sportler sowie der Expositionszeiten sagt die absolute Zahl der Getöteten jedoch nichts über das Sterberisiko aus. Diese Angaben sind aber meist zu wenig differenziert bekannt, um das effektive Risiko bestimmen zu können." (S.1)

Ist fair und richtig! Genau dabei sollten es aber wir Taucher dann auch tunlichst belassenm, und ebenfalls keine weitergehenden Schlussfolgerungen ziehen. Dafür bräuchte man viel umfassendere Daten.
24.07.2022 23:56
Ich finde die Zahlen durchaus interessant, man muss aber wie bereits erwähnt mit der Interpretation ausgesprochen vorsichtig sein. Dazu bräuchte man wesentlich mehr Information, beispielsweise die Anzahl Unfälle pro Ausübung der Sportart.
nikvoegtliCMAS*** TX100
25.07.2022 09:22Geändert von nikvoegtli,
25.07.2022 09:24
Nun ja, es gibt Menschen, die Zahlen interessant finden, und anderen sagen Zahlen halt nichts, ist ja auch nicht schlimm, die müssen sich ja nicht damit auseinandersetzen.

Die von Dominik verlinkte Studie ( https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2017.01587/full ) war für mich der Auslöser, mal zu schauen, was ich an Zahlen für die Schweiz finde (und wir führen ja so ziemlich alles Statistik).

Um die Zahlen etwas in Relation setzen zu können, brauchen wir noch die Anzahl TGs pro Jahr in der Schweiz. SUSV schätzt, dass es in der Schweiz 250,000 brevetierte Taucher gibt, wobei 50,000 auch in der Schweiz tauchen (gefühlt sind es weniger, da man immer wieder die gleichen Taucher an den Tauchplätzen antrifft. Wobei die Hälfte davon wohl nur einige Male pro Jahr hier taucht, die andere Hälfte regelmässig. Bei sagen wir mal einem Durchschnitt von 10 TGs pro Jahr, wären wir bei einer halben Million TGs pro Jahr, und im Durchschnitt 4 Todesfälle pro Jahr.

Die Schweiz, ein Land von Tauchern? - SWI swissinfo.ch

Der Vergleich zu den anderen Sportarten ist nicht wirklich aussagekräftig, ich finde aber die Altersverteilung als auch Geschlechterverteilung innerhalb der Tauchunfälle interessant:
- Was verursacht die ziemlich signifikante Spitze bei 40-49 jährigen?
- Und wieso 90% Männer, und nur 10% Frauen (ich hätte gesagt an den Tauchplätzen is die Verteilung etwa 70% / 30%)
25.07.2022 09:34Geändert von Spaetberufener,
25.07.2022 09:36
1. Da gibts schon das erste Problem: Deine Schätzung der Tauchgänge, die ist nämlich aus dem Bauch heraus (ist keine Kritik, geht nicht anders mit den vorliegenden Zahlen!). Wenn man jetzt statt 10 "nur" 9 oder 11 ansetzt (und dazu gehört keine große Mühe), kommt man auf 10% mehr oder weniger Risiko. Heißt: schon eine geringe Änderung in einem Paramater macht eine Menge aus. Und dieser Parameter ist völlig unbestimmt.

2. (bin froh, dass ich schon zu alt zum Sterben bin big ) eine gute Frage! Dazu müsste man genauer aufdröseln, WARUM ein Taucher gestorben ist. Medizinische Gründe sind bei der Altersstufe 40-49 eher seltener als oben. Es könnte mit den Tauchgängen zusammenhängen (Höhlen, deep diving etc.). Aber auch da ist der wichtigste Parameter: wie oft tauchen 40-49-Jährige, und wie oft Ältere? Gut möglich, dass hier eine Ergebnisverzerrung besteht, weil eben viel mehr Jüngere tauchen.

Ich erinnere mich an deutsche Verkehrsstatistiken. Da verursachen die Jüngsten wesentlich mehr Unfälle als Senioren. Rechnet man aber die Unfälle pro gefahrenen Kilometer, sind Senioren Spitzenreiter.

3. Auch eine gute Frage. Meine Vermutung wie eben: Tauchgangsprofil.
nikvoegtliCMAS*** TX100
25.07.2022 11:05
@Spätberufener
1) Ja, das ist eine sehr grobe Schätzung, und eher etwas am unteren Ende. DAN schätzt 4.7 Todesfälle pro 1M Tauchgänge, also wären wir in der Schweiz wohl eher bei etwa 750T TGs +/- 250T. Die Zahl dient eher dazu, eine ganz grobe Ahnung zu haben, um die Zahlen richtig einordnen zu können.
2-3) Ja, die Daten sind dünn, leider. Durchaus möglich, dass die Gruppe 40-49 entsprechend grösser ist. Aber gerade auch in Zusammenhang mit der Geschlechterverteilung, denke ich, dass Risikobereitschaft (Profil / Reserven / GFs / "an die Grenzen gehen" etc) eine wichtige Rolle spielt, und hier M 40-49 (zu dieser Gruppe ich mich auch zähle) statistisch riskant(er) unterwegs ist.
Dominik_Emind is like parachute
25.07.2022 11:23Geändert von Dominik_E,
25.07.2022 11:24
Letzten Endes, wie gesagt, das ist ein Start, und daher wichtig, die absoluten Zahlen mal zu kennen. So fängt man ja an. Fertig ist man halt noch nicht. Man braucht zumindest eine Vorstellung der zu Grunde liegenden Verteilungen.

Speziell wäre aber denke ich auch wichtig, was in diesen Zahlen enthalten ist? Sind da die medizinischen Vorfälle unter Wasser drin? Finde da grad klein klares Statement im Text, aber vermute mal ja?

Falls das so ist, müsste man dafür zumindest kontrollieren. Denn, face it, Geschlechtsgenossen: Männer so ab 40 sind dann nicht ganz selten auch übergewichtig und von der Ernährung her in einem Regime das nicht empfehlenswert ist. Das ist für DCS und sowas zwar möglicher Weise auch ein Faktor, nur, ganz ehrlich, die DCS ist ein bisschen der Haibiss der Taucher: Sie hat eine unfassbare Bekanntheit, aber sie tötet zum Glück nur wirklich wenige. Es ist aber ein riesen Faktor für den gewaltig größeren Killer, den Herzinfarkt (und Co.) unter Wasser. Und da wir hier Todesfälle vor uns haben...
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