Alles was nicht direkt zu den obigen Foren passt, findet hier Platz. Also Fragen zu den Verbänden, Vereinen, oder einfach allem was generell tauchspezifisch ist oder sonst einen Bezug zum Taucher.Net hat.
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Longimanus / Brothers

Moin zusammen,

offensichtlich kam es letzte Woche an den Brothers zu einem "Zwischenfall" mit einem Longimanus. Ich bin über Facebook auf das Video aufmerksam geworden:

https://youtu.be/X1zflop9zeY

Unabhängig davon, dass die Taucher sich alles Andere als lehrbuchsmäßig verhalten und auch ich schon mitansehen musste, dass einige Leute jeglichen Respekt vor diesen Tieren verloren haben und das offene Meer mit einem Streichelzoo verwechseln... Gibts hier Experten die das Verhalten des Tieres erklären können? Das sieht ja nach etwas mehr als einem Testbiss aus. Hat der Hai sich wohlmöglich eingeengt gefühlt und der Taucher war "nur im Weg"?

Ich hoffe dem betroffenem Taucher gehts dem Umständen entsprechend und die Rettungskette hat funktioniert, ist ja ne Ecke bis zum nächsten Krankenhaus von dort.

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virilityCMAS Gold
12.11.2018 15:45Geändert von virility,
12.11.2018 15:55
Danke für den Link - war gerade erst im Mai genau dort. Z.T kommen die Haie schon sehr naaah dran und einem geht ordentlich die Pumpe.
Man darf nie vergessen, dass der Meer definitiv nicht die natürliche Umgebung eines Menschen ist.

Im englischsprachigen Scubaboard wird das Thema auch verfolgt:
https://www.scubaboard.com/community/threads/shark-attack-egypt-brothers-islands.570143/#post-8462218

Sieht eher nicht nach einem Testbiss aus, da der Hai schon ordentlich zugelangt und ein Stück aus dem Bein des Tauchers herausgebissen hat.
Beobachtet man die Szene, so hätte so war der Spaß bei Minute 1:05 - 1:15 definitiv vorbei. Da hatte der Taucher schon ordentlich Glück !!!


SolosigiPADI DM, RAB/VDST CCR Tec, Poseidon SE7EN CCR
12.11.2018 16:03
Wenn ich mir da anschaue wie viele Taucher da um den einen kleinen Hai kreisen...
Also wenn so viele Haie mich einkreisen hätte ich auch Angst und würde vielleicht zubeißen...
Gruss
Solosigi
Stephan K.PADI DM, CMAS***, SSI XR, Apnoe 1, Eistauchen
12.11.2018 16:22Geändert von Stephan K.,
12.11.2018 16:30
Da der Hai zwischen Riff und Taucher war ist das schonmal eine ganz schlechte Idee. Man muss allen Tieren die Fluchtmöglichkeit geben und nicht bedrängen. Ich habe diesen Link (chat) an das Shark-Projekt weiterleitet und nach einem Statement gefragt.

12.11.2018 16:37
Da bin ich auch mal gespannt. Denn so ein Verhalten habe ich selber noch nicht gesehen. Allerdings wäre ich auch in dem Moment aus dem Wasser gegangen, an dem der Hai auf einen Taucher direkt zuschwimmt.
12.11.2018 16:51
Danke Stephan, da bin ich mal gespannt.
12.11.2018 20:03
Haism1


ich glaube nicht, dass sich der Hai zwischen Riffwand und Tauchern eingeengt fühlte und die fehlende Rückzugsmöglichkeit den "Übergriff" prvozierte.

Am Anfang der Videoscene schwamm der Hai neugierig aber nicht gereizt. Zu dieser Zeit war das Tier wie ich finde nicht eingeengt aber neugierig genug um in den den Kreis der Taucher zu schwimmen. Erst als die Blasen eines Tauchers den Hai trafen "Zeit 00:03" u. über seinen Bauch Richtung Schwanzflosse perlten wurde der Hai unruhiger und sein Verhalten und auch die Schwimmweise bzw. Körperspannung ändert sich. Er schwamm im Bogen zurück und es machte den Eindruck als wenn er die Ursache für das erlebte suchte. Der Taucher von dem die Blasen waren ließ sich ja etwas absinken und als vom dem als ertes angeschwommen Tauchers die Blasen im Schwall aufstiegen war das anscheined für ihn die Ursache und ausschlaggebend für den Hai mal genauer nachzuschauen .....
Spätestens zu dem Zeitpunkt wäre es klüger gewesen sich langsam/zügig zu entfernen. Diese ganze riesige Gruppe war ja aber anscheinend wie angewurzelt und jeder schaute was die anderen Taucher machen .....

Gruppendynamik?




wettrafficAOWD, Self-Reliant Diver, Nitrox
12.11.2018 20:31Geändert von wettraffic,
12.11.2018 21:21

"Unabhängig davon, dass die Taucher sich alles Andere als lehrbuchsmäßig verhalten"

Was steht denn im Lehrbuch? Nur der ewig wiedergekäute Sermon von wegen "Angriffe von Haien sind totaaal selten. Sie haben mehr Angst vor uns als wir vor ihnen. Hilf dabei, Haie zu schützen (und kauf' irgend ein T-Shirt)".

Ich glaube, man muss schon einiges an Eigeninitiative aufbringen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie mit Haien umzugehen ist (besser gesagt: Wie echte und selbsternannte Experten denken, dass es richtig ist). Lernen tut man das nun mal nirgends.

Nun ist es auch ein Leichtes, vom bequemen Sessel aus über die Tauchergruppe zu urteilen. Sie befand sich nun mal da, wo sie war und der Hai kann mit einem einzelnen Flossenschlag eine atemberaubende Distanz zurücklegen (weswegen ich die Annahme, man könne einem Hai den Fluchtweg versperren, auch nie wirklich kapiert habe). Da ist dann eine Tauchgruppe im Wasser, die brav gelernt hat, dass Spielbergs "Der weiße Hai" ganz böse war und fragt sich A) was wohl als nächstes passiert und B) was nun zu tun ist. Dem ein oder anderen geht der K...stift und bei manchem fehlen dann noch Erfahrungswerte aus vorherigen Haikontakten.

Um es mal klarzustellen: Ich persönlich wurde schon von einem Seidenhai attackiert, nachts im Sudan. Besser gesagt: Ich hatte ihn in meinem Kamera-Setup hängen, denn da hat er mich frontal rein gerammt. Das ist schon ein besonderes Erlebnis. Auch ist es besonders, mal einen Hai unterwasser im Fressrausch zu sehen. Dann siehst Du förmlich, dass das Tier gerade dabei ist, den Verstand zu verlieren und Du fragst Dich, wie ein geordneter Rückzug wohl aussehen könnte. Natürlich muss man auch noch mal die Haiarten unterscheiden: Weißspitzen-Riffhaichen: Haut bei Annäherung ab. Grauer: Hat meist kein Interesse an uns Menschen. Mein (ganz unwissenschaftlicher Taucher-)Eindruck: Hochseehaie, z.B. Seidenhaie und Longhimanus, tendieren zu provozierendem bzw. grenzaustestendem Verhalten. Sie schauen teilweise, was geht. Das ist jetzt keine hohe Wissenschaft, sondern Erfahrungswert. Meine Heuristik bisher: In gewissen Situationen muss man dem Tier Konter geben: Drauf zuschwimmen. Bei Seidenhaien funktioniert auch gut ein Klaps auf die Nase, wenn es zu nah wird. Aber das ist nur meine persönliche Sichtweise und sicherlich kann das im Einzelfall auch eskalieren. Wir haben es halt mit wilden Tieren zu tun, die ihren eigenen Kopf haben.

mario-diverRD,EAN<40,Deep, SRD, UW/Schiffsarchäologie I (VDST),
13.11.2018 09:43Geändert von mario-diver,
13.11.2018 10:12
Mit der Vorankündigung "Bissvorfall" hatte ich beim Schauen des Videos eigentlich damit gerechnet, dass dem Shortytaucher etwas passieren könnte, der mehrfach viel zu nah mit dem Longi beisammen war.
Dass es dann denn doch recht ruhigen Taucher erwischte...aber er war dem Hai abgewandt...man sagt, das erkennen Haie und attackieren bevorzug von hinten...
Sehr unschön...ich hatte vor Jahren selbst mal am Brother nen Longi relativ sanft mit dem Kameragehäuse an seiner Front an mir "vorbeigeleitet". Sind schon recht aufdringlich...was im Zweifel wir Taucher und Futter/Abfälle von den Schiffen provozieren...

Ich hab mal den Link zum Thema hier an Erich Ritters Shark School weitergeleitet...vielleicht kommt von dort ein profundes Statement.
diverhans...autark
13.11.2018 10:09
> Meine Heuristik bisher: In gewissen Situationen muss man dem Tier Konter geben: Drauf zuschwimmen.

no

Mein Verfahren: Den Tieren - hier Haie - ihren Lebensraum zugestehen und sich fern halten. Haie gibt es schon länger als uns Menschen. Und - sie dringen nicht in unseren Lebensraum ein. Ich habe in meiner und anderen Städten noch keinen gesehen. Gut, meinen Rechtsanwalt vielleicht, eine Ausnahme. Es gibt Tauchgebiete ohne Hai-Vorkommen. Geht dort Tauchen und hört auf, den Tieren auf den Sack zu gehen! Mein Gott...
SolosigiPADI DM, RAB/VDST CCR Tec, Poseidon SE7EN CCR
13.11.2018 10:38
Vielleicht sollte man noch betonen, dass die Haie (nicht nur) an den Brothers angefütter sind.
Und wenn dann Taucher kommen und kein "Leckerli" mitbringen...
Gruss
Solosigi
diverhans...autark
13.11.2018 11:48
> Vielleicht sollte man noch betonen, dass die Haie (nicht nur) an den Brothers angefütter sind.

Nicht nur vielleicht sondern geregelt: Tauchverbot an den Brothers und ähnlichen Gebieten und basta.

Das Geschrei um den Haischutz ist riesengroß. Nicht nur vielleicht sondern ganz bestimmt fängt der Haischutz damit an, dass auch wir Taucher einfach die Tiere in Ruhe lassen respektive meiden. Das wäre doch mal was!

kissing

PS:
Obwohl das Rote Meer "mein Gebiet" ist, an den Brothers interessante Wracks liegen - ich war noch nicht dort und ich fahre auch nicht hin.

mask

Geht also... Und? Wer macht mit?
wettrafficAOWD, Self-Reliant Diver, Nitrox
13.11.2018 12:29
Hans, man kann auch alles negativ auslegen. Natürlich ist das, was Du schreibst, langfristig der Königsweg. Aber wenn Du einen Seidenhai hast, der nach Deiner Hand schnappt, dann brauchst Du eine akute Antwort darauf. Ich schwimme auch nicht den Tieren hinterher und verteile Ohrfeigen. Aber es gibt sie, diese Situationen, die ohne eigenes Fehlverhalten eskalieren. Ich zitiere hier Mal aus dem Wikipedia-Artikel über Seidenhaie und kann da nur jeden Satz unterstreichen:

"Its natural curiosity and boldness may lead it to repeatedly and closely approach divers, and it can become dangerously excited in the presence of food. (...) Cases of individual sharks persistently harassing divers and even forcing them out of the water have been reported."
diverhans...autark
13.11.2018 12:36
@ wettraffic

> Seidenhai

Ich halte mich auch von den Seidenstrümpfen meiner Frau fern. Das gäbe sonst Ohrfeigen von meiner Frau.

Also...

no
13.11.2018 13:40Geändert von Schreibmayer,
13.11.2018 13:46
So wie hier geschildert, ist es nicht das erste mal, daß ein Longi dort einen Taucher anknabbert, bereits im Juni ist das einem österreichischen Taucher passiert, gottlob mit eher glimpflichem Ausgang:
https://www.trackingsharks.com/videos-two-divers-attacked-by-sharks-at-same-location-in-egypt/

Nach meiner Einschätzung ist das Verhalten der Longis in beiden Fällen eher nicht natürlich: Ich denke die haben gelernt, daß von den Booten schmackhafte Abfälle ins Meer entsorgt werden und probieren (unter ggfs. Einhaltung der Vorsichtsmassnahmen) einfach von Allem etwas. Es sieht in beiden Fällen nicht so aus, als wollten die Longis einen Angriff mit der Absicht zu töten und das Opfer zu verputzen starten - da würde viel mehr Energie und Tempo dahinter sein und die würden von ihren Opfern auch nicht so ohne Weiteres ablassen...

=> Eher doch Probebisse, aber ohne allzu grosse Scheu, weil die Longis den Abfall schon gewohnt sind und gleich einmal, ohne lang zu fackeln, probieren. Wenn keine Gegenwehr erfolgt und die Nahrung schmackhaft gewesen wäre, kann es schon sein, daß sich daraus dann ein richtiger Fressrausch entwickelt hätte...

=> Ich hoffe die Abfallentorgung an den Tauchplätzen (Brothers, Daedalus etc..) wird bald strikt verboten (ist es vermutlich dzt. eh schon, aber Niemand kümmert sich darum ,habe es oft genug gesehen...) und auch ordentlich bestraft, damit es auch nicht mehr gemacht wird...no


Wolfgang
Gelbe MaskeAbz. "Für gutes Wissen" (Gelb)
13.11.2018 16:45
@diverhans
"Haie gibt es schon länger als uns Menschen. Und - sie dringen nicht in unseren Lebensraum ein. Ich habe in meiner und anderen Städten noch keinen gesehen."
Dann geh auch nicht in'n Wald, denn Hirsche und Rehe sieht man ja selten in der Innenstadt.

"Es gibt Tauchgebiete ohne Hai-Vorkommen. Geht dort Tauchen und hört auf, den Tieren auf den Sack zu gehen!"
Hoffentlich sagt nun dir niemand nach einem verunfallten Wracktauchgang, du mögest gefälligst diese unnötige Gefahr meiden...

@wettraffic
"
Aber wenn Du einen Seidenhai hast, der nach Deiner Hand schnappt, dann brauchst Du eine akute Antwort darauf." So isses... oder eben Lotto, bei doch recht geringer Trefferwahrscheinlichkeit... vergleichbar mit einer Motorradfahrt bei starkem Verkehr vielleicht. Findet ja auch täglich statt und geht meist gut.
kwolf140614413-1; Nitrox**
13.11.2018 17:59
Ich denke schon, dass ein Modus vivendi zwischen Mensch und Hai gefunden werden soll und kann, ohne es dem Zufall zu überlassen, dass nichts passiert. Dazu sind Analysen der beobachteten Vethaltensweisen beider Spezies in kritischen Situationen wichtig. Einfach apodiktische eine Unterlassung zu formulieren bringt nicht weiter, denn Fakt ist und bleibt: Taucher werden großen Haien regelmäßig begegnen, bis eine der Parteien ausstirbt.
diverhans...autark
14.11.2018 11:23
@ Gelbe Maske

> Hirsche und Rehe sieht man ja selten in der Stadt

headscratch

https://www.youtube.com/watch?v=DPb9FfAInF0

https://www.youtube.com/watch?v=qZDFJZ2knPw


Dein Vergleich wäre besser formuliert, hättest du Löwen, Tiger, Krokodile (...) auch Nashörner in ihren Lebensräumen angebracht. Das Ergebnis wäre dann allerdings das selbe. Niemand mit Verstand geht diesen Tieren auf den Sack ... ohne Schutz .... und schon gar nicht mit kommerzieller "Unterstützung".

https://www.youtube.com/watch?v=Fjs5iGHPhK4

lol

>
Dann geh auch nicht in'n Wald,

Mache ich schon lange nicht mehr. Wenn dann: Ich pinkel am Strassenrand.

>
Hoffentlich sagt nun dir niemand nach einem verunfallten Wracktauchgang, du mögest gefälligst diese unnötige Gefahr meiden...

Zu spät, bereits mehrfach in der einen und in der anderen Hinsicht geschehen...

kissing




Dominik_EDarf mit zum Schnuppertauchen
14.11.2018 11:44Geändert von Dominik_E,
14.11.2018 11:45
Ich finde die ganze Diskussion um allgemeine Verhaltensregeln, und auch das Verhalten der in den Vorfall verwickelten Tauchergruppe, geht ziemlich an den konkreten Tatsachen vorbei: viele Leute schreiben nun die würden zu arg zappeln oder hätten anders reagieren sollen, bis hin zu sie seien selbst schuld. Wenn man aber die längere Version des Videos anschaut, sieht man, dass der Hai eigentlich kein Problem darstellt bis er vollkommen zufällig von Luftblasen eines Tauchers ziemlich weit unter ihm getroffen wird. Ab da wird er aggressiv und versucht es mehrfach, bis er tatsächlich zum Biss kommt. Der Hai ist ein Tier das logischerweise keine Einsicht in sowas wie ethisch richtiges Verhalten (also z.B. nicht einfach irgendwen der grad im Weg rumsteht beissen weil mich was ganz anderes gestört hat) kennt. Daher ist "Schuld" da ein vollkommen absurder Begriff. Das ganze ist in meinen Augen einfach ein Unfall, an dem niemand besondere Schuld trägt. Ob der Hai bei anderem Verhalten des Opfers sich beruhigt hätte, oder aber einfach noch 30 Sekunden gesucht und dann wen anders gebissen hätte, kann man auch mit noch so viel Diskussion nicht klären. Restrisiko bleibt, aber ist ja offensichtlich klein, sonst käme so was öfter vor.
14.11.2018 13:25Geändert von Rike Kremer-Obrock / Sharkproject,
14.11.2018 16:27

Stellungnahme SHARKPROJECT

SHARKPROJECT hofft, dass es dem verunfallten Taucher den Umständen entsprechend gut geht und wir wünschen ihm von ganzen Herzen gute Besserung. Unser Mitgefühl gilt ihm, der er sein Bein verloren hat und seiner Familie. Wir hoffen nach diesem Unfall auf eine neue Auseinandersetzung über den Umgang mit den Weißspitzenhochseehaien an den Brothers, Deadalus und Elphinstone, dem Roten Meer. Sie sind so wichtig für dieses Ökosystem!

Das letzte was SHARKPROJECT nun möchte, ist eine Hetzjagd auf den „Übeltäter“ bei der alle anderen Haie in der Umgebung pauschal auch mit zum Tode verurteilt werden. Das hatten wir schon vor Jahren. Das nützt gar nichts! Das Problem sind nicht die Haie, das Problem ist wieder einmal der Mensch. Hier sind wahrscheinlich auf ganzer Linie viele Fehler passiert. Unsere alten Forderungen, das Hai-Tauchen an den Brothers, Daedalus und Elphinestone endlich besser zu regeln, stehen immer noch im Raum.

Zunächst muss man die Natur des Longimanus verstehen. Der Longimanus ist eine Hochseehaiart, die genauso wie alle anderen Hochseehaie, jede Gelegenheit für das eigene Überleben wahrnehmen muss, Futterquellen zu erschließen. Hinzu kommt, dass wir Taucher uns nicht wirklich schnell im Maßstab eines Longimanus im Wasser bewegen, somit leichte Beute sein können.

Die politische Lage in Ägypten ist heute soweit wieder stabil, dass die Taucher zurückkehren und Geld in die Kassen der Hotels, Flotten und Dive Center fließen lassen. Das hat zur Folge, dass an den Offshore Divespots wie den Brothers und Deadalus teils bis zu 10 Schiffe, manchmal sogar bis zu 20, gleichzeitig liegen. Und auch hier müssen wir leider von eigenen Erfahrungen berichten, inklusive Hähnchenschenkeln, die an Seilen zur puren Belustigung der Touristen ins Wasser geworfen wurden, um die Longimani für gute Fotos in die Nähe des Schiffs zu locken. Auch sind uns Berichte bekannt, nach denen die Schiffe bis heute zum Teil tierische Abfälle über Bord kippen. Fundierte Briefings an diesen Offshoretauchplätzen, die auf Hai-Begegnungen vorbereiten fehlen in Ägypten in der Regel ebenso. Alles Umstände die SHARKPROJECT seit Jahren kritisiert und scharf verurteilt.

Ein Festmahl für die Haie! Und wie wir wissen, lernen Haie sehr schnell und gut, da sie intelligent sind. Da, wo Safariboote sind, da ist Futter. Bei der Betrachtung des Videos kann man feststellen, dass es sich um ein Austauchen in der Nähe der Schiffe handelt. Zwischen 15-20 Taucher absolvieren ihren Safetystop, Taucher kommen an, Buddyteams sind, nur noch schwer zuzuordnen. Ein wild verstreutes Trüppchen an Tauchern, die den Longimanus am Anfang augenscheinlich recht entspannt wahrnehmen... Hinzu kommt und das kann man sehr deutlich auf dem Video erkennen, dass der Hai vornehmlich an zwei Tauchern interessiert ist. Die beiden tragen kurze Tauchanzüge, so genannte Shorties. Hiermit bietet ihre Silhouette einen guten Kontrast. Auf solche Kontraste, die Beutefischen ähneln, reagieren Haie nachweislich häufiger. Hieraus entwickelt sich eine sehr ernste Auseinandersetzung zwischen dem Longi einem „Shorty-Taucher“. Augenscheinlich ist, der Longi ist gestresst, ist Fressen betreffend nicht zum Zuge gekommen und sucht sich das „Naheliegenste“, das nächste Opfer. Dieses ist schließlich der Sidemount-Taucher, der mit dem ganzen Drumherum wenig zu tun hat und die ernste Situation augenscheinlich nicht erfasst. Der Hai kann sich dem Taucher von hinten nähern und nutzt die Gelegenheit zuzubeißen. Wohl bemerkt, das ist das, was auf dem Video für uns interpretierbar ist. Die weiteren Ermittlungen müssen die Behörden vor Ort führen. Das ändert aber nichts an dem Schaden, den das Opfer hat, eben jener Taucher, der sein Bein durch diesen tragischen Unfall verloren hat.

Was können wir daraus für die Zukunft lernen? Wir müssen uns bewusst sein, dass wir im Roten Meer im Revier des Longimanus tauchen gehen, einem Hochseehai, der zum einen von seiner Natur aus ein geborener schneller Jäger ist und der zudem durch das Verhalten der Flotten und Taucher vor Ort konditioniert wurde. Definitiv ein großer Fehler des Menschen, den wir versuchen müssen wieder gut zu machen. Ausbildung ist hier das wichtigste! Bildung in jeglicher Form bei Tauchern, Flotten und auch bei den ägyptischen Behörden. Wir begeben uns in das Revier des Hais! Als sollten wir uns entsprechend vorsichtig verhalten und zwar alle, Taucher, Tauchguides, Flotteneigner, Tauchbasenbesitzer und Verantwortliche bei den Behörden. Eines steht jedenfalls fest, das Töten des jeweiligen Tiers, sollte man den Hai überhaupt identifizieren können, wird das Problem nicht beseitigen, es wird es nur zeitweise verlagern, bis zum nächsten gravierenden Unfall. Überdenken wir unser Handeln und lernen für die Zukunft. Bilden wir Taucher als, dann werden solche Szenen in Zukunft vielleicht vermeidbar sein, auch wenn immer ein Restrisiko für Menschen im Meer bestehen bleiben wird. Das ist Mutter Natur und das Zuhause eines Carcharhinus Longimanus!

Friederike Kremer-Obrock für Sharkproject Germany e.V.

mario-diverRD,EAN<40,Deep, SRD, UW/Schiffsarchäologie I (VDST),
14.11.2018 13:31
thumbupthumbupthumbup
Dominik_EDarf mit zum Schnuppertauchen
14.11.2018 13:44
Danke, ich finde es wirklich wichtig, dass sich echte Experten in die Diskussion einschalten! Hoffentlich werdet ihr auch bei den ägyptischen Stellen gehört, hier können wir alle ja viel posten, das interessiert dort weniger als niemanden...

Was ich finde aber in der Stellungnahme fehlt: Habt ihr das komplette Video gesehen? Die Änderung in Körperhaltung und Verhalten des Hais nach dem "Blasentreffer" ist massiv und eigentlich vollkommen unzweifelhaft (zumindest für meine Augen). Vorher gab es kein großartiges "Interesse" des Hais an den Tauchern, und hinterher fängt der Stress an. Daher, siehe oben, so richtig das alles sein mag mit dem generellen Umgang mit Haien und mit Verhalten der Taucher, der echte Auslöser des Unfalls wäre dann hier einfach ein unglücklicher Zufall. Wie seht ihr das denn?
Gelbe MaskeAbz. "Für gutes Wissen" (Gelb)
14.11.2018 14:35
"der echte Auslöser des Unfalls wäre dann hier einfach ein unglücklicher Zufall."
Ja, daher mein Vergleich mit dem Motorradfahrer bei dichtem Verkehr. Meist gehts gut, aber auf viele Dinge hat der Motorradfahrer (der Haitaucher) keinerlei Einfluss. Einige Dinge sind objektiv verbesserbar, Anfüttern ist sicherlich schädlich, tauchen in großen Gruppen dort, wo Haie häufig sind, sicher auch (aber man will ja gerade die Haie sehen.. ein Teufelskreis.) Verhaltensregeln... also außer "nicht draufzutauchen, ruhig warten und beobachten" kommt da in Briefings nichts, ich bezweifle auch, dass der langsame Taucher viel machen kann... Shorty ist evt. ein guter Hinweis.
Offenbar ist das Risiko nicht sehr hoch, für den Einzelnen ist ein Unfall dennoch schrecklich, ein Unfall kann aber im Leben überall passieren. (Auf die Idee, Haie zu jagen, kommt dort sicher niemand, man lebt ja von den Tauchtouristen. Ist ja kein Badestrand in amerikanischen Spielfilmen.)
kwolf140614413-1; Nitrox**
14.11.2018 16:00Geändert von kwolf1406,
14.11.2018 16:05
Naja, der einzelne Taucher kann in der konkreten Situation ja nichts mehr an den generellen Fehlern (anfüttern, Abfallentsorgung) ändern. Außer er meidet das Tauchen in Haigebieten gänzlich.
Wenn ich aus dem Film etwas lerne, dann noch konsequenter einem Hai unbedingt den Blick und die die Front zuwenden. Einer der Shorttitaucher macht das (schiebt den Hai sogar mit der Hand erfolgreich weg) und der seitlich anschwimmende Hai dreht ab. Beim verunfallten Taucher kommt der Hai wieder seitlich. Der Taucher reagiert nicht mit einer Kopf/Oberkörperdrehung zu ihm hin und der Hai hat freie Bissbahn in das Bein. Sind Taucher schon mal in Brust/Kopf gebissen worden?
14.11.2018 16:07
@kwolf

dann hätte der diverhans eventuell Recht ?
Gelbe MaskeAbz. "Für gutes Wissen" (Gelb)
14.11.2018 16:17
@kwolf
Das hört man auch oft (zum Hai hin gucken / ausrichten). Kann praktisch nur nicht immer möglich sein (mehrere Haie, oder unbemerkt Hai von hinten, oder man will aus dem Wasser).
(Bin auch nicht sicher, ob das so entscheidend ist, oder nur psychisch bzw. selbstverständliche Erfahrung, dass Haie, die man sieht, in der Regel natürlich nicht beißen.... die anderen aber meist auch nicht. Ja, es gibt Flucht/Verfolgungsverhalten.)

Jaja, diverhans hat recht. Tauchen ist generell gefährlich, lebensfeindliches Element und so.
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