@GoRalle
Leider war ich heute Morgen beschäftigt, deshalb komme ich erst jetzt dazu in die Diskussion einzusteigen.
Aber zur Sache:
Ich denke hier muss man zunächst einmal unterscheiden, was im Idealfall wünschenswert wäre und was realistisch ist.
Wünschenswert wäre es im Notfall sicherlich, wenn jeder Ersthelfer ausgebildeter Rettungsassistent oder noch besser Notarzt wäre. Das das aber nicht realistisch ist braucht hier wohl nicht weiter diskutiert zu werden.
Realistisch wäre aber durchaus, dass JEDERMANN über eine Ausbildung in Erste-Hilfe und HLW haben sollte. Wie gesagt, nicht nur Taucher.
Wie es aber damit in der Praxis bestellt ist wissen wir glaube ich alle. Ich denke jeder von uns kennt die typischen Bilder von Verkehrsunfällen. 100 Mann stehen herum und gaffen, aber kaum einer tut etwas. Und das, obwohl - wie Stefan K. schon sehr richtig erwähnt hat - jeder Autofahrer einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben muss.
Es stellt sich also folgende Frage:
Warum tun so viele Menschen nichts, obwohl sie dazu in der Lage sein sollten?
Die Antwort dürfte sein, weil sie seit Ihrer Ausbildung vieles vergessen haben und weil sie Angst haben etwas falsch zu machen.
Hieraus resultieren die nächsten Fragen:
1. Warum haben sie vieles vergessen?
2. Warum haben sie Angst etwas falsch zu machen?
Frage 1. ist recht einfach zu beantworten. Nämlich, weil man Wissen, das man nicht regelmäßig anwendet schnell wieder vergisst. Und des umso schneller, je komplexer das Wissen. Insbesondere die Details gehen am schnellsten verloren.
Die Antwort zu Frage 2. führt uns nun langsam zu den unterschiedlichen Ausbildungsansätzen.
Die Leute haben nämlich deshalb Angst etwas zu tun, weil man Ihnen in Ihrer Ausbildung zu viel Detailwissen vermittelt hat, verbunden mit jede Menge Hinweisen, was alles passieren kann. Genau diese Details haben sie aber - wie in der Antwort zu 1. schon dargelegt - über die Zeit vergessen und deshalb haben sie Angst etwas falsch zu machen.
Eine wichtige Maßnahme um dem entgegenzuwirken, und da sind wir uns sicherlich alle einig, ist die regelmäßige Teilnahme an Auffrischungskursen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist aber die Ausbildung selbst. Und hier stoßen wir nun auf zwei völlig unterschiedliche Ansätze.
Da wäre einmal die Ausbildung bei einer der Rettungsorga´s, die sicherlich am häufigsten vorkommt. Und genau daraus resultieren mE auch die häufigen Probleme der oben beschriebenen Art.
Was den Rettungsorga´s nämlich fehlt, ist ein EH-Ausbildungskonzept für Laienhelfer. Für die Rettungsorga´s ist nämlich die EH-Ausbildung zugleich die Grundausbildung für ihre ehrenamtlichen Helfer. Von diesen erwartet man natürlich auch dass sie sich entsprechend und vor allem regelmäßig weiterbilden. Dementsprechend - und unter diesem Aspekt auch folgerichtig - versucht man in der Grundausbildung bereits eine solide Basis zu schaffen. Da man von dem Helfer einer Rettungsorga auch entsprechend professionelles Handeln erwartet, legt man eben auch viel Wert auf Details und geht intensiv auf mögliche Fehler ein.
Das ist auch gut und richtig in der Grundausbildung von professionellen bzw. semiprofessionellen Helfern.
Wenn dasselbe Konzept aber auf die Ausbildung von reinen Laienhelfern angewandt wird, dann wird es zum Problem, weil die Leute mit zuviel Information überfrachtet werden, die sie bereits nach kurzer Zeit der Nichtanwendung nicht mehr richtig sortiert bekommen.
Um das ganze Mal an einem Beispiel zu verdeutlichen:
Bei den Rettungsorga´s wird die HLW idR an der Computer-Annie gelehrt, mit blinkenden Lämpchen, die z.B. gebrochene Rippen oder eine nicht effektive Beatmung anzeigen und entsprechenden Computerausdruck der ebenfalls den Erfolg oder Misserfolg dokumentiert.
Für die angehenden Hilfskräfte, die regelmäßig üben und sich fortbilden, ist dies sicherlich eine hervorragende Sache.
Was aber passiert bei den Laienhelfern?
Die stehen vielleicht nach ein, zwei oder noch mehr Jahren an einem Unfallort vor einer bewusstlosen Person mit Atem- und Kreislaufstillstand und jetzt geht es los.
Auweia, wie war das noch mal? Was muss ich jetzt tun? Was kann da noch mal alles passieren? Rippen können brechen? O Gott, o Gott, da lass´ ich lieber die Finger davon, das sollen andere machen.
Und schon haben wir die oben beschriebene typische Situation am Unfallort.
Dabei, was kann man in einer solchen Situation eigentlich falsch machen? In welchem Zustand befindet sich denn das Oper/der Patient?
Eben, er ist Tot. Kann ich einen Toten noch toter machen? Nein, natürlich nicht!!!
Also kann alles was ich mach seinen Zustand nur verbessern. Selbst wenn ich ihm bei der HLW ein paar Rippen breche, er lebt aber anschließend wieder, dann habe ich ihm geholfen. Und wenn es mir nicht gelingt ihn zu reanimieren, dann ist es auch egal, wenn ein paar Rippen gebrochen sind. Wobei ohnehin jeder, der sich in der Materie auskennt, weiß, dass es bei der Reanimation von Erwachsenen praktisch schon die Regel ist, dass ein paar Rippen brechen.
Der größte Fehler, den ich in dieser Situation machen kann, ist NICHTS zu tun. Aber dies wird in der EH/HLW-Ausbildung der Rettungsorga´s viel zu wenig betont. Dort wird, aus den oben genannten nachvollziehbaren Gründen, hauptsächlich auf den möglichen Fehlern, die passieren können, herumgeritten. Letztendlich verkomplizieren diese „Fehler“ aber allenfalls die Behandlung nach erfolgreicher Reanimation.
Und genau bei diesem Problem setzt die EFR-Ausbildung von PADI an, da diese Ausbildung ausschließlich für Laienhelfer gedacht ist.
Die Ausbildungsinhalte wurden auf das absolute Minimum zusammengestrichen. Aber der verbleibende Stoff wird, mit einfachen und unkomplizierten Hilfsmitteln, immer wieder wiederholt, um in das Unterbewusstsein der Kursteilnehmer vorzudringen.
Die Folge ist, die Abläufe werden nach und nach automatisiert und im Ernstfall werden die Absolventen einer EFR-Ausbildung wesentlich häufiger aktiv. Darüber existieren in Amerika sogar Statistiken.
Deshalb sollten wir uns auch von der in Deutschland verhafteten „Doppelstundenmentalität“ verabschieden. Soweit ich weiß nach sind diese „Doppelstunden“ auch der Hauptgrund, weshalb EFR in Deutschland nicht überall anerkannt wird. Für deutsche Beamtenschädel ist es halt schwer nachvollziehbar, dass Ausbildungsinhalte und –ergebnisse wichtiger sind wie die Zeit die jemand abgesessen hat.
So, jetzt mal speziell zum Tauchen.
Hier gilt aus meiner Sicht nichts anderes als im normalen Leben. Wenn man sich einmal anschaut, wie häufig Tauchunfälle überhaupt passieren, dann reicht die EFR/EH-Ausbildung für die Masse der normalen Sporttaucher völlig aus. Es gilt hier das, was ich eingangs schon in Bezug auf Jedermann schrieb.
Auch widerstrebt es mir diese Ausbildung für Taucher verbindlich vorzuschreiben. Einerseits sollte diese Ausbildung ohnehin JEDER haben. Andererseits rückt mir eine verbindliche Vorschrift das Ganze zu sehr in die Nähe der Mentalität eines Verbandes, der nur Nichtraucher als Mitglieder akzeptiert. Über beide Sachen sollte jeder mit seinem gesunden Menschenverstand selbst entscheiden.
Auch eine Ausbildung im Umgang mit med. Sauerstoff halte ich für die Masse der Taucher nicht für zwingend erforderlich, da diese üblicherweise ohnehin nur in Begleitung von Guides oder TL´s tauchen.
Für all die, die gedenken selbständig und eigenverantwortlich zu tauchen, empfehle ich generell die Weiterbildung bis zum Rescue Diver. Und dort gehört die entsprechende Ausbildung dann auch hin. Für Divemaster und TL´s halte ich entsprechende Ausbildungen für selbstverständlich und da hätte ich auch nichts dagegen, wenn man die Anforderungen bezüglich des nachzuweisenden Levels im Bereich EH/HLW höher schrauben würde. Hierzu gehört dann auch das von D-32 angesprochene Thema AED.