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Der Untergang der Red Sea Aggressor 1

Geändert von MHouben,
07.11.2019 14:43

Der Untergang der Red Sea Aggressor 1
Bericht eines Überlebenden

Es war am 1. November 2019. Es muss kurz nach ein Uhr Nachts gewesen sein. Ich sprang, bekleidet mit Unterhose und T-Shirt, ins Rote Meer. Als ich wieder über Wasser war, sah ich meinen Freund und Tauchbuddy Helmut als letzten Mann auf dem Bug stehen. Im Pyjama. Er zögerte einen Moment, blickte sich noch einmal um. Vom Wasser aus sah ich das hintere Drittel des Schiffes lichterloh brennen. Dann sprang auch er. Wenig später explodierten am Heck die ersten mit 200 Bar gefüllten Tauchtanks. Doch wir waren am Leben. Erst später wurde klar: Nicht alle Passagiere konnten entkommen. Als die Überlebenden in den folgenden Tagen die Ereignisse rekonstruierten, waren wir in fast allen Punkten einig: die Betreiber des Schiffes hatten in unseren Augen jede nur denkbare Sicherheitsmaßnahme ignoriert. Die Katastrophe wäre vermeidbar gewesen. Der folgende Bericht soll allen Veranstaltern - aber auch ihren Gästen - als Warnung dienen.

Es war purer Zufall, dass Helmut und ich am 26. Oktober auf der „Red Sea Aggressor 1“ an Bord gingen. Als wir beschlossen, gemeinsam die Tauchsafari ‚Brothers-Daedalus-Elphinstone‘ zu buchen, waren an dem einzigen für uns gemeinsam möglichen Termin nur noch wenige Plätze auf wenigen Schiffen frei. Das Schiff hatte auf diversen Internetportalen sehr gute Kritiken. Der Betreiber ‚Aggressor Adventures‘ hatte einen guten Ruf - vor allem für erstklassigen Service. Zitat der Homepage: “... weltklasse, persönliche, kunstvolle Abenteuer auf dem Meer.“ Dass diese Reise wahrlich ein Abenteuer werden würde, konnten wir nicht ahnen. Doch schon kurz nach Betreten des Schiffes dachten wir: Es war nicht wirklich ‚Weltklasse‘. Es schien eher wie ein in die Jahre gekommenes Mittelklasse-Boot am Ende seines Lebenszyklus. Unsere Toilettenspülung musste fast täglich repariert werden, die Klima-Anlage in der Kabine fiel zeitweise aus, die Einrichtung wirkte schon etwas abgewohnt, die Teppiche alt. Eine der beiden Duschen am Tauchdeck ging am zweiten Tag kaputt, die Nitrox-Anlage am dritten Tag. Es gab für die Besatzung immer etwas zu reparieren. Trotzdem beschwerte sich keiner der Gäste - und auch dafür gab es einen Grund.

Die Crew war ohne jede Frage mehr als bemüht uns Gästen jeden Wunsch von den Augen abzulesen, sie war perfekt darauf trainiert. Das Essen war hervorragend. Man hatte bei Rückkehr vom Tauchgang kaum den Atemregler aus dem Mund genommen, schon drückte der Steward jedem Taucher einen Becher frisch gepressten Saft in die Hand. Man hatte kaum eine Chance, seine Flossen selbst an- und auszuziehen. Auch die Taucheranzüge wurden von helfenden Händen zurechtgezogen und geschlossen. Und wirklich einmalig - ein spezielles Service-Markenzeichen auf den Tauchschiffen der ‚Aggressor Adventures‘: Sowie ein Gast nach dem Tauchgang das Neopren ausgezogen und sich auf dem Tauchdeck abgeduscht hat, dauert es keine fünf Sekunden bis ein Crewmitglied dem Gast ein wohlig vorgewärmtes Handtuch über die Schulter legt. Der Nachschub an warmen Handtüchern versiegte niemals. Sie kamen perfekt getimed aus dem Wäschetrockner. Man konnte zählen: „eins, zwei, drei... Handtuch“. In dieser Beziehung war die Crew extrem gut trainiert. Am vorletzten Tag der Reise erfuhren wir: für lebenswichtige Dinge gab es anscheinend weniger Training.

Wie am Beginn einer Tauchsafari üblich, gab es natürlich ein Sicherheitsbriefing für alle Gäste. Zur Einstimmung eine Video-Grußbotschaft des Präsidenten der Aggressor Group. Den genauen Wortlaut hat keiner von uns mehr im Kopf. Auf der Firmenhomepage lautet die Grußbotschaft des Vorstandsvorsitzenden: „Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, unsere Reiseziele (=Schiffe) zu besuchen, um die Sicherheit, Qualität und den persönlichen Service zu gewährleisten, auf denen wir unseren Ruf aufgebaut haben.“ Ich frage mich, wann er oder einer seiner Mitarbeiter wohl zuletzt auf der „Red Sea Aggressor 1“ war und was er unternommen hat um die Einhaltung dieses Versprechens zu prüfen. Nach der Grußbotschaft erklärte der erste Tauchguide und ‚Tourdirector‘, das Schiff sei vor gut zwanzig Jahren gebaut, laufe in Ägypten unter dem Namen ‚Suzanna‘ und sei vor vier Jahren für die Aggressor Group aufwändig umgebaut und modernisiert worden. Mein Buddy meinte in diesem Moment zu mir: „Das ist wohl mal wieder fällig“. Danach erklärte der Guide die wesentlichen Sicherheitsmaßnahmen auf dem Schiff: Rettungswesten liegen auf dem obersten Sonnendeck, Rettungsboje und Sammelpunkt im hinteren Teil des Oberdecks, Im Falle eines Feuers gäbe es Rauchmelder. Sobald man die höre, solle man umgehend die Kabine verlassen, sich an Deck sammeln. Für die Mehrzahl der Passagiere, die eine Kabine im Unterdeck haben, führt der Fluchtweg über die einzige Treppe in den hinteren Teil des Haupt-Decks. Falls dieser Fluchtweg versperrt sei, gäbe es eine Notluke im vorderen Bereich, in Kabine 1. Die führt zu einem Mannschaftsraum und von dort mit einer Leiter am Bug des Schiffes nach oben an Deck. Weiter hieß es: Es sei wegen Feuergefahr strikt verboten, elektrische Geräte und insbesondere Ladegeräte für Akkus in den Kabinen zu betreiben, solange man sich nicht selbst in der Kabine aufhält. Auch nachts, falls man schläft, sei der Betrieb elektrischer Geräte wegen Brandgefahr verboten. Ladegeräte dürften nur auf dem dafür eingerichteten Tisch im Heck des Hauptdecks betrieben werden. Direkt neben der Treppe, die vom unteren Deck herauf führt, im so genannten ‚Salon‘. Dort sei rund um die Uhr jemand anwesend, der Brandwache halte.

Ich kann schwören, dass es keine Brandwache gab. Ich bin ein Nachtmensch, war auf dem Boot meist der letzte Gast, der noch wach war. Meist auf einer Sonnendeckliege noch in die Sterne schauend oder mit meinem E-book Reader lesend. Als ich von dort herunter kam, über das Oberdeck, runter auf das Tauchdeck, durch die Glastür in den Salon, Richtung Unterdeck, fiel mir schon am ersten Abend auf, dass niemand anwesend war. „So viel zum Thema Brandwache“ dachte ich. Der Gedanke kam mir am Abend des 31. Oktober erneut, als ich gegen 23 Uhr wieder als letzter zwischen Kaffeemaschine und Akkuladetisch die Treppe zu den Unterdeckkabinen hinunter ging. Insofern habe ich möglicherweise einen kleinen Teil Mitschuld an der Katastrophe. Ich hätte jemanden von der Crew wecken und auf die fehlende Brandwache hinweisen sollen. Aber das tat - leider dann zu spät - etwa zwei Stunden später ein anderer Gast.

Ich wurde wach, und hörte Schritte, gedämpfte Rufe, „Fire, Fire“ ! Tatsächlich lag leichter Brandgeruch in der Luft, kein angenehmer Lagerfeuerduft, eher chemisch und fies. Ich fragte meinen in der zweiten Koje liegen Buddy, ob er das auch rieche, er schien zeitgleich wach geworden zu sein und murmelte, „ja, irgendwas ist los“. Als ich den Kopf aus der Kabinentür steckte sah ich deutlich Rauch im Gang, der Geruch war extrem. Ich war leichtsinnig und ging noch einmal zurück in die Kabine. versuchte in dem Fach neben der Koje meine Brille zu finden. Ohne die bin ich blind wie ein Maulwurf. Ich tastete herum, konnte sie nicht erwischen, vielleicht 20, maximal 30 Sekunden lang, das selbe tat mein Buddy, dann meinte ich: „Scheiß auf die Brille, wir müssen hier raus“. Als wir wieder auf den Gang kamen, war der Rauch schon viel massiver. Ich versuchte die Treppe zum Heck, doch schon auf der zweiten oder dritten Stufe wurde die Hitze am Kopf unerträglich, der Rauch extrem beißend und ich hörte fieses Knistern. Also zurück Richtung Bug, zum Notausstieg. Helmut direkt hinter mir, dahinter noch jemand, bis heute wissen wir nicht, wer es war. Wir erreichten die Notluke durch die gerade noch jemand anders kroch. Dann zogen helfende Hände auch mich in den dahinter liegenden Raum. Bei dem rasenden Tempo, in dem sich Rauch und Feuer in diesem Moment bereits ausbreiteten, war klar: Wären wir nur 30 Sekunden später aus der Kabine gekommen, wären auch wir tot gewesen. Ein anderer Gast, von Beruf Ingenieur der sich mit Brandschutz in Industrieanlagen auskennt, erklärte später: Der Rauch hätte den ganz speziellen Geruch von brennendem PVC-Kabel gehabt. Chlorhaltig. In der Industrie nicht mehr benutzt, weil diese Gase besonders gefährlich sind und die Fähigkeit zur Flucht massiv beeinträchtigen.

Eine komplette Rekonstruktion der letzten Minuten ergab sich, als alle Überlebenden später von der Ägyptischen Polizei befragt wurden und viel miteinander sprachen. Ein in der hintersten Kabine, direkt an der Treppe untergebrachter Gast war aufgewacht, Er roch Rauch, weckte seinen Zimmergenossen, Er versuchte - wie ich etwa später - die Treppe zum Heck Er kam noch ein paar Stufen höher als ich und berichtet, er habe durch den dichten Rauch hindurch intensives rotes Glühen gesehen, möglicherweise auf der Seite, auf der die Kaffeemaschine stand, vielleicht aber doch etwas weiter rechts, wo der Ladetisch war. Doch schon für ihn war es unmöglich auf diesem Weg den Ausgang zu erreichen. Er kehrte um und rannte laut „Fire-Fire“ rufend nach vorne. Das muss der Moment gewesen sein, an dem ich langsam erwachte. Am vorderen Ende des Ganges öffnete er die Tür zu Kabine 1, wo sich der Notausgang befand, weckte die dortigen Gäste. Als er versuchte den Notausgang zu öffnen, gelang das nur wenige Zentimeter weit. Etwas blockierte die Luke. Er drückte stärker, rüttelte, .... nach einiger Zeit gelang es ihm, die Luke zu öffnen und er bemerkte die Ursache: Auf der Rückseite lag eine Matratze und darauf ein schlafendes Crew-Mitglied. Es war soweit wir wissen das erste Besatzungsmitglied das wach wurde. Irgendwann zwischen diesem ersten Gast und mir muss auch der Tour-Direktor, der ‚erste Tauchguide‘ wach geworden sein. Er lag in Kabine 2, ebenfalls im Unterdeck, vorne am Bug, nahe dem Notausgang. Keiner erinnert sich, wann er aus der Kabine kam - soweit wir alle wissen auf jeden Fall vor mir und Helmut. Er hätte noch Zeit gehabt, durch den Gang zu rennen, alle Kabinentüren aufzureißen und die Passagiere zu warnen. Zugegeben: auch wir taten das nicht - aber er hätte dafür trainiert sein müssen. Einige von uns erinnern sich immerhin daran, dass ein zweiter dort untergebrachter Tauchguide ihnen bei der Flucht aus dem Unterdeck half. Fast alle Überlebenden machen den einzelnen Crewmitgliedern keinen persönlichen Vorwurf, sie können im Krisenfall nur das leisten, wofür sie trainiert sind. Und in keinem Moment, von der ersten Sekunde des Erwachens, bis keine 15 Minuten später das Boot von Bug bis Heck in Flammen stand, hat auch nur ein einziger Mensch einen einziger Piep aus einem einzigen Rauchmelder gehört.

Ein Mensch starb deshalb. Es war eine US-Amerikanische Regierungsangestellte, Army-Veteranin, die in der hintersten Kabine untergebracht war. Die Unterhosen und Schlafanzüge der anderen Gäste waren noch nicht wirklich trocken, als in amerikanischen Tauchforen erstmals Berichte auftauchten, in denen die heldenhaften Rettungsbemühungen der Crew gelobt - und behauptet wurde, sie sei gestorben weil sie noch einmal in die Kabine zurückgegangen sei, um ihren Laptop zu retten. Soweit wir wissen hatte Sie nicht mal einen Laptop auf dem Schiff. Wir wissen nicht, wer diesen Unsinn in die Welt gesetzt hat. Da soll jeder sich seinen Teil denken. Soweit wir Überlebenden und einzigen Zeugen das rekonstruieren können, ging es ihr und Ihrer Zimmergenossin ähnlich, wie Helmut und mir. Als beide fast zeitgleich wach wurden, versuchten beide noch kurz ein paar Dinge zu erwischen. Sie lagen ohne es zu ahnen noch etwas näher am Brandherd als wir. Eine der beiden Frauen muss der Mensch gewesen sein. der zuletzt direkt hinter Helmut und mir aus dem Unterdeck kam. Ihre Zimmergenossin hat soweit wir wissen, nur ein paar Sekunden zu lange gezögert. Wie beschrieben: Es gab ja nicht mal einen Feueralarm.

Am Heck nahm unterdessen die Katastrophe ihren weiteren Lauf. Die wenigen Passagiere, deren Kabine auf Haupt- und Oberdeck lagen, waren ebenfalls wach geworden und über die einzige möglich Treppe hinunter zum Tauchdeck gelangt. Dort sahen sie durch die Fenster zum Salon nur dicken Rauch und im hinteren Teil intensives rotes Glühen. Kurz nach ihnen trafen die ersten Crew-Mitglieder dort ein, schafften es innerhalb von ein bis zwei Minuten das auf dem Oberdeck am Heck liegende Zodiac (Schlauchboot) zu Wasser zu lassen. Die Gäste, die am Heck standen, sprangen schnell hinein und berichten, dass vermutlich der Bordingenieur noch versuchte, mit Atemmaske und Feuerlöscher bewaffnet die Tür zum Salon zu öffnen. Er konnte es nicht wissen, aber das war ein Fehler. Denn als die Tür aufging, erhielt der Schwelbrand frische Luft und alles stand augenblicklich in lodernden Flammen. Die griffen binnen Sekunden auf die im Heck hängenden Neopren-Anzüge über, die Jackets, den Rest…
Etwa zeitgleich müssen Helmut und ich durch den Notausgang und die Leiter am Bug des Schiffes angekommen sein. In solchen Situationen Zeit einzuschätzen ist kaum möglich. Doch es kann nur ein oder zwei Minuten gedauert haben haben, bis die Menschen, die im Schlauchboot am Heck saßen und viel mehr sahen, uns zuriefen. „Jump, Jump“. Ich konnte es kaum fassen und sprang als vorletzter. Wenig später hörte man am Heck die ersten Tauchtanks explodieren. Im Wasser trafen wir ein Crewmitglied. Es war gespenstisch. Er hatte seinen Hartschalenkoffer gerettet, den er mit einer Hand beim Schwimmen hinter sich herzog. Mittlerweile hatte das Feuer rasend schnell den Bug des Schiffes erreicht. Zwischen unserem ersten Erwachen und diesem Moment lagen wohl kaum zehn Minuten.

Zum Glück ankerten wir nahe des Ufers, es war die letzte Nacht auf See. Hinter uns hatte ein Schiff der ‚Emperor-Flotte‘ festgemacht. Dort muss jemand wach gewesen sein. Als wir von Bord sprangen, hatte man bereit die Leinen gelöst und begann das Schiff aus der Gefahrenzone zu fahren. Dann setzten auch sie ein Zodiac ins Wasser und begannen uns einzusammeln. Im Namen Aller möchte ich hier noch einmal herzlichen Dank an die Emporer-Flotte und speziell diese Crew und ihre Passagiere senden. Als nach und nach alle Überlebenden auf dem Schiff ankamen und durchgezählt wurde, fiel auf, dass eine Frau fehlte. Die Zodiacs haben noch gut eine halbe Stunde lang das brennende Wrack umkreist und nach Ihr gesucht. Vergeblich. Später hörten wir, die „Red Sea Aggressor 1“ habe bis weit in den Tag hinein gebrannt , sei dabei langsam auf See hinaus getrieben und letztlich auf rund 200 Meter Tiefe gesunken. (Siehe nachträgliche Ergänzung am Ende des Berichts (1) )

Zusammengefasst: Kein einziger Rauchmelder aktiv, eine schlafende Crew, ein versperrter Notausgang. Mehr Fehler kann man kaum machen. Rein juristisch wird man vermutlich argumentieren, dafür sei - wenn überhaupt - der Boots-Eigentümer verantwortlich. Denn obwohl es für die ganze Flotte ein striktes, einheitliches ‚Branding‘ gibt und alle Schiffe von den USA aus vermarktet werden, haben sie weltweit unterschiedliche Eigentümer. Es ist eine Art ‚Franchise-Unternehmen‘. Doch wenn ein solches Unternehmen seine Flotte nach weltweit einheitlichen Standards betreibt - (warme Handtücher) - wenn Sie Firmenlogo und Markennamen auf die Schiffe schreiben und wenn der Vorstandsvorsitzende behauptet, alle angebotenen Ziele (Schiffe) zu besuchen um einheitliche Standards zu garantieren - dann muss er sich nach menschlichem Ermessen auch für offensichtlich fehlende Sicherheitsstandards verantwortlich zeigen. Ich habe diesen Bericht gestern an den ‚Präsidenten‘ und den Vorstandsvorsitzenden von ‚Aggressor‘ geschickt und um Stellungnahme gebeten, Frist bis vor zwei Stunden. Es kam keine Antwort.

Auch die Tage danach waren kein Ruhmesblatt für diese Firma. Auf dem Schiff der Emperor Gruppe, das uns aufsammelte, waren Crew und Gäste extrem freundlich, schenkten einigen von uns T-Shirts, teilweise auch Shorts, reichten heiße Getränke, waren einfach nur nett. Nachdem das Schiff uns noch vor Sonnenaufgang in den Hafen von Marsa Alam gebracht hatte, verbrachten wir einige Stunden mit der geschenkten, teilweise aber auch noch nassen, langsam trocknenden, Wäsche im Büro von Zoll und Hafenpolizei. Irgendwann erschien ein ägyptischer Repräsentant von ‚Aggressor‘. Obwohl es irgendwo in der Nähe eigentlich ein gut gefülltes Wäschelager geben müsste - auf jeder der zwei wöchentlich hier startenden Touren werden mit Markenlogo gebrandete Kleidungsstücke als Souvenir verkauft - hatte er nicht an trockene Kleidung gedacht. Immerhin verfrachtete er uns in ein nahe gelegenes Hotel. Dort schenkte der Betreiber des Hotel-Shops uns T-Shirts und Shorts. Erst am Abend des zweiten Tages nach der Katastrophe bekamen wir langsam das Gefühl, die weltweite tätige ‚Aggressor-Group‘, würde sich systematisch um uns kümmern. Im Reisebus brachte man uns nach Kairo zu den Botschaften, wo wir neue Papiere und Visa erhielten, kümmerte sich um Rückflüge, versprach unsere materiellen Verluste durch die Versicherung begleichen zu lassen. Erstattung des Reisepreises und - man glaubt es kaum - einen Gutschein für eine weitere Aggressor-Abenteuer-Reise.
Der aus den USA eingereiste Repräsentant schien uns tatsächlich sehr effektiv zu arbeiten. Er stellte sich als David vor, Marketing-Direktor der Firma. Auf der Firmenhomepage konnte ich ihn heute in der Rubrik ‚Mitarbeiter‘ nicht finden. Doch viele Überlebende versuchten, ihm zu erzählen, was auf dem Boot wirklich passiert war. Alle berichten, dass er dies energisch abgeblockt hat. Am letzten Abend in Kairo gelang es mir schließlich, diesem David eine Kurzfassung des hier vorliegenden Berichtes zu schildern. Er schien fassungslos. Trotzdem hat keiner der Überlebenden bis heute eine wirkliche Entschuldigung enthalten. Man entschuldigt sich allein für die ‚tragische‘ Katastrophe, aber mit keinem Wort für das von allen Überlebenden einhellig geschilderte Versagen der Verantwortlichen. Stattdessen kam inzwischen der Gutschein für eine weitere Tauchreise mit ‚Aggressor‘.

Lehren, die man daraus ziehen sollte - als Bootsbetreiber und Kunde: Funktionieren die Rauchmelder? Ist auch nachts auf See und vor Anker mindestens ein Besatzungsmitglied wach? Sind die Notausgänge frei und schnell passierbar? Nicht glauben! Selber prüfen! Im Zweifelsfall die Crew auf Sicherheitsmängel aufmerksam machen! Und last but not least: Immer ein wasserdichter Beutel mit Reisepass, Kreditkarte, Smartphone und ggf. Brille, direkt griffbereit neben dem Bett! Ein mobiler, für Reisen tauglicher Rauchmelder kann auch nicht schaden.

In Absprache mit den anderen Überlebenden schreibe ich diesen Bericht, der in die Sprachen der Betroffenen übersetzt und weltweit verteilt werden soll, nach bestem Wissen und Gewissen. Tippfehler bitte ich zu entschuldigen, meine Ersatzbrille entspricht nicht meiner aktuellen Sehstärke. Jedes Detail ist durch Zeugenaussagen belegt und kann bei Bedarf beeidigt werden. Der Text darf, solange er nicht verändert wird, - frei von Copyright - weitergeleitet und in nichtkommerziellen Medien weltweit veröffentlich werden. Falls er in weitere Sprachen übersetzt wird, bin ich für Übersetzungsfehler nicht haftbar. Für Ausschnittweise Zitate oder Veröffentlichung durch kommerzielle Medien ist meine Einwilligung zwingend erforderlich..

Michael Houben am 05.11.2019 (geringfügig modifiziert am 06.11.2019)
mail@mhouben.de

(1) Nachtrag vom 06.11.2019. Mittlerweile wurde ich von einem Taucher kontaktiert, der bis zum 3.11. noch nichts von diesem Unglück wusste und zwei Tauchgänge auf einem Tagesboot gebucht hatte. Sie tauchten just an der Stelle, an der unser Boot brannte. Ich glaube ihm, dass er nichts ahnte. Doch er hielt sich mit seinem Buddy abseits der anderen Taucher, erkundete das Riff und fand ein Wrack. Zumindest Teile davon, weithin verteilt, wie nach einer Explosion. Und absolut frisch. Als er Teile anfasste hatte er Ruß an der Hand. Er fand auch geplatzte Tauchflaschen. Mir liegt ein Foto vor. Die Red Sea Aggressor liegt nicht - wie berichtet wurde - in 200 Meter Tiefe, sondern kann von Polizei und FBI jederzeit besichtigt werden. Das FBI hat bereits in Kairo mit Ermittlungen begonnen und dort die amerikanischen und einige weitere Überlebende befragt. Es scheint, als ob diese Geschichte noch nicht zu Ende ist…

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NDLimitTaucher
05.11.2019 22:55
Hallo Michael, vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht.

Den Tipp mit dem wasserdichten Beutel werde ich beherzigen
GarfiSchnorchelabzeichen
05.11.2019 23:00
Auch von mir herzlichen Dank für die umfassende Schilderung.
Ich wünsche Euch alles Gute!
NDLimitTaucher
05.11.2019 23:32
Auf den letzten Touren wurden die Ausweise/Reisepässe bis zum letzten Tag gesammelt verwahrt. Ist das üblich?
06.11.2019 01:17
Danke Michael!
Dir und Kumpel und allen Gästen und auch dem Personal wünsche ich, so weit möglich "Das Beste".
Natürlich sollten evtl. Schuldige / Mitschuldige schon zur Rechenschaft gezogen werden. ABER Hoffentlich wird nicht nur irgend ein oder mehrere niedrig stehender Sündenbock/Böcke designiert, sondern wirklich auch einmal dieses institutionelle Versagen von Grund auf aufgezeigt und alle daran Beteiligten zur Rechenschaft gezogen... und vom gelernten sollten natürlich die entsprechenden verbessernden Konsequenzen für alle operierenden Boote eingeführt werden. Nicht nur als Regeln, sondern als überwachte, überprüfte und wenn nötig mit Stillegung erzwungenen Regeln...

Holy Crap! Verbrachte im Sommer 2016 2 Wochen auf dem Boot mit meinem dann 15 jährigen Sohn. Meinte auch da 2x eine Matratze vor der Nottüre gesehen zu haben ... aussen an der, ich glaube Starboard Seite, vom Heck zum Bug laufend (oder anderstherum) .... wenn die entsprechende Außentüre eben auf war...

Du hast so Recht!
Aufwachen (nicht nur im Notfall meine ich jetzt, sondern von Anfang an wach und Aufmerksam sein) wichtige Fragen stellen, prüfen und nochmal prüfen.

Auch wir hatten, zumindest was Aumerksamkeit für Gästekomfort anbelangt, eine tolle Crew, vielleicht gar zum Teil die gleich.

Brandwache (die Person im Führerhaus nicht zählend) sah ich bei meinen wenigen Nachtexkursionen auf's oberer Deck und zurück auch nie. Öfters war eine liebe, nette Nachteule länger im Salon (aber sie war DM und wohl nicht Brandwache), aber später schien da zumeist keine Brandwache zu sein. (Man würde ja denken die wäre dann um den Ladetisch, Kaffemachine, Motorenraum herum, zumindest patrolienmässig.
06.11.2019 07:47
Lieber Michael,

vielen Dank für deinen Bericht! Er stimmt mich sehr, sehr nachdenklich.

Ich wünsche dir (und allen anderen die dieses Unglück miterlebten), dass du (sie) es gut verarbeiten wirst (werden) und die Verstorbene nicht all zu arg leiden mußte (RIP).
Darüber hinaus hoffe ich, dass die Umstände lückenlos aufgeklärt sowie die Verantwortlichen zu Rechenschaft gezogen werden und sich so etwas auf keinem Schiff wiederholen wird.


LG und alle Gute

Gabi
Ronnie325691AOWD + Nitrox
06.11.2019 08:56Geändert von Ronnie325691,
06.11.2019 08:57
Genau wie vor den wenigen Monaten mit der Tragödie in Californien frage ich mich:
Was ist mit den "fucking" Rauchmeldern auf den Schiffen los????

Werden da die Batterien ausgebaut weil die Dinger ev. unzuverlässig sind und das "Piepsen" nervt, zuviel Fehlalarme auslösen oder die Crew auch heimlich unter Deck rauchen will sauer????

Ich habe erst eine "Safari" gemacht, im September auf den Bahamas, kurz nach dem erwähnten Unglück in Californien, im Mai kommenden Jahres will ich eigentlich auf die Nächste, natürlich in Ägypten. Ein gutes Gefühl hat man da wirklich nicht gerade....
kwolf140614413-1; Nitrox**
06.11.2019 16:08
Ich nehme mal an, dass Rauchmelder in Seeluft recht schnell kaputt gehen. Soll keine Entschuldigung sein: Sie müssten halt entsprechend oft ausgetauscht werden. Ich selbst werde aber sicher bei einer nächsten Safari einen eigenen Rauchmelder mitnehmen.
mario-diverRD,EAN<40,Deep, SRD, UW/Schiffsarchäologie I (VDST),
06.11.2019 18:59Geändert von mario-diver,
06.11.2019 19:53
Danke auch für den ausführlichen Bericht und gratuliere zum glücklichen Überleben!
Bis auf die letzte Safari auf der seven7sea (tolle Klimaanlage, die man "on" lassen konnte) bin ich immer Deckschläfer mit Schlafsack...wird next Oktober dann auch wieder so sein. Dann die Papiere und Geld in einem noch zu beschaffenden wasserdichten Beutel...


iDive2hat sowas auch
08.11.2019 12:13Geändert von iDive2,
08.11.2019 13:46

Jetzt mal Hand aufs Herz, das war doch nur eine Frage der Zeit bis ein Unglück mit Toten oder Schwerverletzten passiert.

Ich bin doch ein wenig überrascht und erstaunt über die Tatsache, dass niemand die allgemein schlechten Sicherheitsstandards auf den Safaribooten in Ägypten thematisiert. In der Vergangenheit sind schon einige dieser Boote dem Feuer zu Opfer gefallen oder liegen aufgrund von sicherheitsrelevanten Problemen in dein Tiefen des Roten Meeres.

Wer sich ernsthaft mit der Sicherheitssituation auf den meisten (ich spreche gezielt die meisten, da es bestimmt auch sicherere Boote gibt) Safaribooten (Liverboards) beschäftigt wird eklatante Sicherheitsprobleme erkennen. Fast alle Boote in Ägypten sind Holzboote, sie Sicherheitsstandards entsprechen oftmals nicht den internationalen Mindeststandards. Obwohl es auch in Ägypten einen Mindeststandard für Boote gibt, wird dieser entweder von den Betreibers nicht eingehalten oder ignoriert, die Behörden sind nicht in der Lage oder Willens die Standards zu kontrollieren oder Sanktionen bei Verfehlungen zu verhängen.

Schaut euch doch einfach mal die Bauweise, elektrische Verkabelungen, Motorräume, Ladestationen usw. auf den Booten an, wer die Probleme nicht sieht geht blind durch die Welt oder will diese nicht wahrnehmen. Radar, Funk, GPS ist meist zwar vorhanden, wird aber nicht genutzt oder ist defekt. Sicherheitsausbildungen der Besatzung, Fehlanzeige. Hinter den schönen Holzverkleidungen sieht es meist sehr nachdenklich aus.

Wenn jetzt hieraus die Konsequenzen gezogen werden müssten oder würden, dürfte sich das Thema Tauchsafari auf vielen Booten in Ägypten erledigt haben. Solange aber der günstige Preis, der schnelle Flug und die billigen Nebenkosten die Kunden für sensible Themen und Sicherheitsfrage erblinden lässt, wird sich an der Situation nichts ändern und das nächste tragische Ereignis ist vorprogrammiert. Das ist das logische Ergebnis wenn, wie so oft, der Preis vor die Sicherheit gestellt wird.

Bevor die Frage aufkommt, ja ich habe in den letzten 25 Jahren einige Safaris weltweit und auch in Ägypten durchgeführt und fast alle Boote vor Ort in den letzten Jahren besichtigt, inkl. dem Blick für Sicherheitsfragen und 90% der aktuell angebotenen Boote würde ich als Ergebnis nicht mehr buchen. Solange das Geschäft boomt, die Kunden zahlen, die Boote ausgebucht sind wird sich nichts ändern, business as usual.

kwolf140614413-1; Nitrox**
08.11.2019 13:37
Ich fürchte, du hast absolut recht.

08.11.2019 13:48Geändert von Bikefisher,
08.11.2019 13:48
Wenn ich es richtig verstanden habe, war bei den letzen Katastrophen (Conception und diese hier) irgendwas um Akkus und Akku-Ladegeräte ursächlich für den Ausbruch von Feuer. Ich habe bislang zwei Safaris gemacht und muss im Nachhinein zugeben, dass ich die Brisanz rund um die Akkus nicht ausreichend beachtet habe.
Ich denke mal, alle sind aufgerufen, nun zu tun, was eben getan werden kann. Für mich gehören neben Achtsamkeit dazu auch feuerfeste Akkutaschen und ein eigener Rauchmelder. Die Sicherheit der Boote und die Ausbildung der Crews liegt bei den Betreibern und den Aufsichtsbehörden.
Die Anzahl derer, die nach Sichtung des Bootes oder der Sicherheitseinweisung die Safari nicht antritt, wird sicher übersichtlich sein.
Bert667CMAS***
08.11.2019 13:50
@iDive2,
da hast du leider Recht. Man bekommt nunmal was man bezahlt. Und die heutige "Geiz ist Geil" Philosophie hat mit Sicherheit einen sehr großen Anteil an solchen Problemen....
kwolf140614413-1; Nitrox**
08.11.2019 14:01
"Geiz ist geil" ist ein bescheuerter, diskrimimierender Begriff. Viele müssen den EUR dreimal umdrehen, wenn sie überhaupt mal einen übrig haben. Wenn dann nun schöne Dinge preiswert angeboten werden ist doch klar, dass man zugreift. Verantwortlich sind nur die, die Billigplunder mit schlechter Qualität anbieten.
08.11.2019 14:07
Noch was: Entweder, ich bin mit Blindheit geschlagen, oder die Aggressor-Company in den USA hat es bis jetzt nicht als relevant empfunden, den eigenen Internetauftritt den Geschehnissen anzupassen. Dort ist das gesunkene Boot noch gelistet. Also mich stört sowas!
08.11.2019 14:16
@kwolf: im Prinzip hast du recht. Dazu kommt, dass diejenigen, die Billigplunder anbieten, diesen gerne auch mal gold-glitzernd anmalen, was wiederum erkannt werden muss.
iDive2hat sowas auch
08.11.2019 14:16Geändert von iDive2,
08.11.2019 14:33

@Bikerfisher
Über die Brandursache der Conception habe ich keine Informationen, leider gibt es auch keine verlässlichen Informationen zur Brandursache in Ägypten. Bisher ist doch alles Spekulation. Natürlich kann man sich alles schön reden und die Ursache beschönigen, die Sicherheit auf den Booten gehört jedenfalls auf den Prüfstand. Ob das nun Akkus waren, ein normaler Kabelbrand aufgund einer diletantischen Verkabelnung oder Überlastung oder ein Küchenbrand spielt hier nur eine untergeordnete Rolle.

Die Sicherheit ist eine Aufgabe der Betreiber und die Kontrolle üben die Aufsichtbehörden aus, leider erfüllen die Boote meistens noch nichtmal die internationalen Mindestanfordrungen und die Aufsichtsbehörden sind nicht in der Lage oder Willens dieses zu kontrollieren oder entsprechend zu reagieren.

Die Reise nicht antreten oder vor Ort abzusagen, das wirst du nicht erleben. Wenn die Kunden vor Ort sind interessieren Sicherheitsfragen niemand mehr. Augen zu und durch, wird schon schief gehen.

Schaut den den Booten einfach hinter die Kulissen (resp. Verkleidungen, Küche, Motorraum), dann relativiert sich manche Meinung.


@Bert677
Lieder auf beiden Seiten, den Kunde freut die billige Tour und der Betreiber spart an dem nötigsten. Für den Komfort ist alles vorhanden, sogar WLAN und für die Sicherheit fehlen dann die Investitionen. Hatte gerade Bekannte, waren ganz stolz eine B-D-E Tour für 699 € + Gebühren + Flug geschossen zu haben. In den 699 € ist aber schon alles drin, non alc. Getränke, Kaffee, Tee, WLAN, Vollverpflegung, Tauchen, Nitrox, Bademantel, Handtücher, Snacks usw..... noch Fragen?


@kwolf1406
Oder sich den Plunder andrehen lassen ohne mal genauer nachzufragen, deshalb ist preiswert nicht gleich billig. Nenne das Schnäppchenjagt, bei einem 15 € Produkt ja auch legitim, bei einer Tauchsafari oder in Bereichen mit Sicherheitsrelevanz eher nicht. Ich gehe mal davon aus, dass keines der Boote aus Ägypten in der EU oder USA eine Zulassung für den gewerblichen Bereich bekommen würde.

ms76AOWD
08.11.2019 14:41Geändert von ms76,
08.11.2019 14:42
@iDive2: wenn lt. Deiner Schätzung 90% der Boote in Sicherheitsfragen durchfallen, dann sind da vermutlich auch eine ganze Menge höherpreisige Boote dabei. Die Aggressor war, las ich zumindest, auch nicht unbedingt unter den billigsten Angeboten.
MMn. kann man die gebotene Sicherheit nur bedingt am Preis festmachen, den der Kunde bezahlt.

kwolf140614413-1; Nitrox**
08.11.2019 18:53
Safaripreise von 1000 EUR sind in Ägypten oft anzutreffen. Wer weiß schon, dass das eigentlich Ramschpreise sind, die bei ordentlicher Qualität in allen Bereichen nicht machbar sind.
08.11.2019 19:21
Ein paar Rauchmelder (oder gar nur neue Batterien dafür) kosten nicht viel. Das ist keine Frage des Preises der Tour.

Es ist einfach fehlende Qualifikation, fehlendes Problembewusstsein, fehlende Kontrolle.

Nicht vom Menschen überwachtes Akkuladen gehört (mit oder ohne Rauchmelder) verboten, mindestens auf einem Boot. Zu Hause.. in eigener Verantwortung, mit eigenem (als funktionierend bekanntem) Equipment, nicht schaukelnd, stabile Netzspannungsversorgung... da mag man das lockerer handhaben.
ms76AOWD
08.11.2019 19:29
Schätze mal grob, dass es sich spätestens ab ca 12 Personen für den Eigner rechnet (sonst würde es wahrscheinlich keine Vollcharter für 12000 € geben). Bei jeder Personen extra bleiben noch 1000 extra pro Woche "übrig". MMn. könnte sich da ab und zu der eine oder andere Rauchmelder oder eine Vollzeit-Firewatch schon ausgehen...
Ich bezweifle dass man Verbesserungen bei der Sicherheit über höhere Preise erwirken kann.
08.11.2019 20:12
Hi alle,
seid doch mal Realisten...wir fliegen nach Ägypten...
Habt ihr euch schon mal die Gasflaschen betrachtet mit denen dort gekocht wird...?? Voller Rost, nie geprüft..
In Deutschland undenkbar... aber funktioniert irgendwie.
Brandwache...netter Traum, ich kann mich an Safaris erinnern wo der Aoutopilot gesteuert hat und alles andere schlief..

Und so traurig das es ist das es ein Menschenleben gekostet hat...

Irgendwie funktioniert es, und im normalem Straßenverkehr und auch verglichen mit normalen Haushaltsunfällen
ist das Leben auf ägyptischen Tauchschiffen auch nicht gefährlicher...

Ich werde es weiterhin geniessen.
Fliege morgen nach Hurghada, hab einen CO2 Melder dabei...)
Fog
TondobarPassivtaucher
08.11.2019 20:26
Mein Chef hat mir heute wieder die Leviten gelesen. Bei Mißständen, an denen viele Leute Schuld tragen, soll man selbst im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Abhilfe schaffen. Ich gebe das mal hier weiter:
  • Übertragen auf die Brandgefahr hieße das, dass man selbst keine Akkus unbeaufsichtigt an derSchiffs-Steckdose hängen lässt. Dann sind zwar immer noch die Geräte der anderen Gäste nachts am Netz, die Schiffsverkabelung ist noch dieselbe und an der Kombüse ändert sich auch nichts. Aber immerhin sind zwei oder drei potenzielle Fehlerquellen (Smartphone, Tauchlampe, Kamera, ...) buchstäblich ausgeschaltet.
  • Das Netzteil meiner Akku-Tauchlampe ist mit den Schiffsgeneratoren oft nicht klargekommen und so heiß geworden, dass man es nicht anpacken wollte. Zuhause verhielt es sich wieder ganz brav. Möglicherweise kommt aus der Schiffs-Steckdose nicht immer ein harmonischer 50-Hz-Sinus. Nach der Erfahrung habe ich die Lampe immer nur draußen geladen und immer nur tagsüber.
08.11.2019 20:30
Fog

bist Du Dir da sicher?? Ägypten hat deutlich mehr Verkehrstote als z.B. D,A oder CH bezogen auf die Anzahl der Autos

Es gibt durchaus Länder wo die Safariboote streng kontrolliert werden und damit deutlich sicherer sind
virilityCMAS Gold
09.11.2019 09:02
@iDive 2:
"dass keines der Boote aus Ägypten in der EU oder USA eine Zulassung für den gewerblichen Bereich bekommen würde."

Dann lies mal über den Untergang der MV Conception (https://en.wikipedia.org/wiki/Sinking_of_MV_Conception) vom 2. September 2019.


@MHouben:
Ich möchte mich ganz herzlich im Namen von mir und meinem Vater für den Bericht bedanken! Man kann von Glück sprechen, dass so viele Menschen diese Tragödie überlebt haben. Ich hoffe, dass du alles gut verarbeiten kannst und dir jeglicher Schaden ersetzt wird.
Deine Hinweise werden wir in jedem Fall bei der nächsten Reise berücksichtigen, man ist sich vielen Sachen einfach nicht bewusst, bis jemand einen explizit darauf hinweist.

Nochmals-DANKE
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