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wiederkehrende Oberkieferschmerzen bei Tauchen

Guten Abend,

vor vier Jahre konnte ich (ohne an den vorherigen Tagen Beschwerden gehabt zu haben) am dritten Tauchtag nicht tiefer als ca. 2-3 m tauchen, weil meine rechte Wange/Oberkiefer anfing ziehende Schmerzen zu entwickeln.

Vor 2 Jahren war es mir aufgrund derselben Beschwerden bereits unmöglich am zweiten Tag tiefer als ca. 2-3 m zu Tauchen. Als ich drei Wochen später wenigstens Schnorcheln wollte, erneut dieselbe Problematik.

Nun habe ich diesen Sommer (aller guten Dinge sind drei einen letzten Versuch gestartet. Beim ersten Tauchgang habe ich nur minimale Schmerzen gespürt, beim zweiten am selben Tag fiel mir der Druckausgleich schwer und nach dem Auftauchen hatte ich so starke Schmerzen wie noch nie zuvor. Nach einer halben Stunde ließen sie schlagartig nach.

Meine Theorie ist, dass aus irgendeinem Grund meine Schleimhaut nach der ersten Reizung durch einen Tauchgang anschwillt und dadurch schon etwas zu engen Zugang zum Sinus maxillaris noch weiter verschließt, was den Druckausgleich nicht ordnungsgemäß zulässt. Wobei das konstante Druckgefühl in meiner Nasennebenhöhle für eine Entzündung spricht.

Der Zahnarzt hat nichts gesehen, der HNO-Arzt ein cortisonhaltiges Nasenspray verordnet.

Hat irgendjemand eventuell einen Ratschlag oder Idee was es sein oder was ich noch unternehmen könnte?

Wünsche ein schönes Wochenende,

Nina

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GarfiSchnorchelabzeichen
02.11.2018 21:45
Naja, es ist zwar die Art von Ratschlag, die ich eigentlich überhaupt nicht mag, aber vielleicht solltest Du mal einen richtigen Taucharzt aufsuchen. Oder warst Du da schon? Es gibt auch HNO-Ärzte, die Tauchärzte sind, das wäre die ideale Kombination. Ein normaler HNO hat bezüglich Druckausgleich etc. in der Regel nicht so viel Erfahrung.
mario-diverRD,EAN<40,Deep, SRD, UW/Schiffsarchäologie I (VDST),
03.11.2018 12:41Geändert von mario-diver,
03.11.2018 12:41
Echt schwierige Forenfrage...
Hast du die Probleme beidseitig?
Schon mal ein CT machen lassen, obs irgendwo unüblich eng im Nasennebenhölensystem ist?

Letztlich würde ich auch Garfi's Tipp wiederholen, einen HNO-Arzt, der auch Tauchmediziner ist, aufsuchen.
kwolf140614413-1; Nitrox**
03.11.2018 14:36
Irgendwas ist da. Von geschädigter Zahnwurzel bis chronischer Sinusitis. Ich denke auch, da sollten bildgebende Verfahren ran. Auch CT, NMR.
GarfiSchnorchelabzeichen
03.11.2018 15:25
"Von geschädigter Zahnwurzel bis chronischer Sinusitis."
Ja, aber über Jahre? Ohne dass es im Alltag Probleme macht? Auf alle Fälle seltsam.
Das mit dem Cortisonspray scheint mir jedenfalls nur so eine Art Verlegenheitsverordnung zu sein. So nach dem Motto, wenn man nix findet, gibt man halt mal Cortison ...
drysuit_missingIANTD Essentials, TDI Adv. Nitrox, Deco Pro
03.11.2018 16:42
Sowas hatte ich auch mal. Umkehrbarotauma in der Nebenhöhle in Verbindung mit ner angeschlagenen Zahnwurzel, die sonst keinerlei Probleme machte.
Der Zahn musste später gezogen werden, man konnte den Sprung in der Zahnwurzel gut erkennen.
04.11.2018 14:42
Du schreibst 2-3 Meter, das sind ja nur wenige hundert mbar Druckdifferenz. Hast Du denn ähnliche Probleme bei Start und Landung im Flugzeug?
kwolf140614413-1; Nitrox**
04.11.2018 15:27
P1xV1=P2xV2; V2=(1xV1)/1,3
D.h. Wir haben immerin eine Volumenänderung auf 3m von 30% der Luft in den Kieferhöhlen, falls dort ein Lufteinschluss eine Rolle spielt.
GarfiSchnorchelabzeichen
04.11.2018 16:03
Hallo kwolf:
Da viele mit Formeln ein Problem haben: Das kann man sehr schön bildlich darstellen.
An der Oberfläche haben wir ca. 1000 mbar (1 bar). Im Wasser entspricht eine Tiefenänderung von 1m einer Druckänderung von 100 mbar (0,1 bar). Bei 2 bis 3m egeben sich daraus 200 bis 300 mbar. Also 20 bis 30%.
Da wir uns hier in dem Bereich bewegen, in denen sich Luft wie ein ideales Gas verhält, gilt dasselbe für eine Volumenänderung.
Aber eigentlich müssten wir das hier nicht erklären, weils ja jeder schon weiß (OWD Kurs). smile2

Im Flugzeug ist der Innendruck vergleichbar mit einer Höhe von ca. 2500m. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe entspricht das einem Druck von ca. 750mbar. Der Vergleich mit dem Flugzeug passt also.

kwolf140614413-1; Nitrox**
04.11.2018 16:19
Ja klar Ich will nur sagen, dass 3m durchaus eine Hausnummer ist - wie bei vielen druckbedingten Probleme gerade der Flachbereich besonders problematisch ist.
GarfiSchnorchelabzeichen
04.11.2018 16:43Geändert von Garfi,
04.11.2018 16:46
30% sind 30%. Die letzten Meter beim Aufstieg sind bei mir auch immer die kritischsten. Ich versuche da immer richtig langsam hochzugehen, weil ich sonst auch schnell Probleme mit den Nebenhöhlen bekomme.
Aber um nochmal auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Wenn der Verdacht auf einen versteckten Entzündungsherd besteht, z. Bsp. in den Nebenhöhlen, sollte sich das nach meiner Kenntnis auch auf das Blutbild auswirken. Wenn man sich nicht gleich der Strahlendosis einer CT oder einer Panoramaaufnahme beim Zahnarzt aussetzen will, könnte Nina auch zunächst den Hausarzt aufsuchen und sich da mal die Werte kontrollieren lassen. Wird dann doch noch der Taucharzt aufgesucht, kann man die Werte gleich mitbringen.
04.11.2018 20:16
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten

Zu den aufgekommenen Fragen:
Die Beschwerden treten nur auf einer Seite (rechts) auf. Sie ziehen dann in den Zähnen und die gesamte Wange lang.
Bei Flügen spüre ich manchmal einen geringen Schmerz, aber als ich einmal drei Flüge hintereinander nutzen musste um an mein Ziel zu kommen waren die Schmerzen ab dem dritten Flug dieselben (bei Start-/ und Sinkflug und dannn nach einer gewissen Zeit plötzlich nachlassend).

Zuerst war ich bei einer niedergelassenen HNO-Ärztin. Sie hat eine A-Mode Sonografie duchgeführt und meinte es gibt eine erhöhte Reflexion im rechten Sinus maxillaris. Sie schloss auf eine Entzündung und meinte ich soll NaCl inhalieren (hab ich auch ein paar Mal gemacht).
Danach trat das Problem wieder auf.
Nun bin ich direkt in eine Ambulanz einer Universitätsklinik, da es leider keinen HNO & Taucharzt in meinem zu erreichenden Umfeld gibt (der einzige Taucharzt wäre ein Internist). Die dortige Ärztin möchte aufgrund der Strahlenbelastung noch keine Bildgebung durchführen und hat mir das Nasenspray verschrieben. Außerdem soll ich zu keiner Kontrolle in 4 Wochen kommen, dann werde ich eure Vorschläge anspechen:
Wahrscheinlich ein Blutbild mit Entzündungswerten tatsächlich das einfachste, gute Idee!
Als Alternativen dann eventuell erstmal ein Röntgen wegen Zahnwurzelschäden oder Nasennebenhöhlenverändeungen oder gleich ein CT.
Hoffentlich klappt das so, aber jetzt habe ich wenigstens einen Fahrplan. Dankeschön nochmal
04.11.2018 20:37
Ich drücke die Daumen, Ursachensuche ist echt das wichtigste. Haben ja andere auch schon gesagt, irgendwas ist da, und sobald das beseitigt ist, wird es besser werden.

Ich erlaube mir als Physiker mal noch einen anderen Kommentar: Ich halte es für daneben, wegen einer winzigen Strahlenbelastung kein Bild zu machen, obwohl das die Aufklärung eines echten Problems befördern könnte. Ich weiss, dass unsere Gesellschaft unfassbare Angst vor Strahlen hat (und will echte Gefahren hier auch nicht kleinreden oder verspotten), aber wirklich, die mutmasslich vor sich hin schwelende Entzündung, und auch der dauernde Stress durch die Schmerzen und die Angst wird Dir sicherlich nicht besser tun. Mein Rat daher, suche Dir Ärzte die das verstehen und realistisch einschätzen können.
kwolf140614413-1; Nitrox**
05.11.2018 00:13
Da muss ich (Biologe) Dominik_E vollkommem recht geben. Ich vermute stark, ein chronisches Geschehen, das mit Salzspülung oder Nasenspray nicht mehr bewältigt werden kann. So etwas beeinflußt die Lebensqualität. Ggf. wäre auch ein NMR möglich, das hat Null Strahlenbelastung. Aber auch ein CT wäre absolut vertretbar, wenn eine Indikation besteht.

Google mal nach PD. Dr. Klingmann. Er ist einer der bekanntesten Taucherärzte Deutschlands, HNO und betreibt eine Tauchersprechstunde, den du auch darüber kontaktiren kannst.
07.11.2018 19:42Geändert von Roggenbrot,
07.11.2018 19:44
Das was du beschreibst ist was eine Tauchpartnerin von mir auch mal entwickelte (bei TG 151 trat es zum ersten Mal auf). Bei ihr kam am Ende des von dir beschriebenen Ärztemarathons raus, dass ihre mittlere Nasenmuschel zu groß ist und die Schleimhaut sich dadurch einfaltet. So oder so ähnlich. Dies verhinderte den Druckausgleich mit der Nasennebenhöhle.

Das musste operiert werden.
Interessant war, und da kommt kwolf1406 ins Spiel, dass alle (3) Ärzte ihr unabhängig voneinander dazu rieten die OP aus Sicht der Lebensqualität losgelöst vom Tauchen zu machen. Das hat auch in der Tat einiges bewirkt (im Sinne von durch die Nase atmen und Luft kriegen im Allgemeinen).

Ich (schreiben wir das jetzt dazu? Medizintechnischer Ingenieur, spezialisiert in bildgebende Verfahren) möchte Dominik_E teilweise widersprechen. Ein Schädel-CT ist keine "winzige Strahlenbelastung", da jedes Bisschen ionisierende Strahlung zu viel ist. Besonders wenn es wie eine moderne cone-beam-CT in der Größenordnung der jährlichen natürlichen Belastung ist. Ich empfinde es immer als sehr positiv wenn ein Arzt lieber mal nicht unnötig fotografiert.
Aber natürlich hat er Recht. Du gehörst in ein CT. Eine MRT wäre natürlich zu bevorzugen, aber das ist leider immer noch nicht, gerade in etwas ländlicheren Gegenden, so einfach Verfügbar.
07.11.2018 19:59Geändert von Dominik_E,
07.11.2018 20:41
Das wird jetzt off topic, aber die "linear no threshold" - Idee ist imho ein ganz großes Problem; derartige Effekte finden sich nirgendwo sonst auf der Welt, ausser in der Phantasie beim Strahlenschutz. Also, nein, jedes bisschen ist NICHT zu viel, sonst dürften wir alle auch niemals wieder ein Flugzeug betreten oder eine Banane essen. Beides ist nämlich auch nicht notwendig. Wie gesagt, ist aber off topic und hilft keinem weiter. Und ich will auch nicht unterstellen, dass Du das mit dem Posting meinst. Ist nur meine generelle Aversion gegen absolute Aussagen

Entscheidender hier ist doch, dass ganz offensichtlich ein Problem besteht. Entweder man will wissen was es ist, oder nicht. Im ersten Fall wird wahrscheinlich ein Röntgenbild helfen.
GarfiSchnorchelabzeichen
07.11.2018 23:50
Ich wollte das Thema Strahlenbelastung nicht unnötig aufblähen. Ich habe mir lediglich erlaubt anzumerken, dass es ja auch Sinn machen kann, die ein oder andere Voruntersuchung vorzunehmen. Wenn es weiterhilft, geht man freilich den nächsten Schritt.
Wenn ich provokant wäre, könnte ich aber den Physikern vorhalten, dass sie bezüglich Strahlung immer nur die brachialen Auswirkungen betrachten. Ich könnte die Physiker fragen, ob sie denn inzwischen wissen, wie ein Gehirn funktioniert. Wie könnt ihr also wissen, dass etwas nicht schädlich ist, wenn ihr gar nicht wisst wie es funktioniert?
08.11.2018 00:06
Wie gesagt, sollte nicht als Angriff rüberkommen und war vielleicht zu schroff formuliert. Natürlich kann Strahlung schädlich sein. Aber es ist wie immer ein Abwägen: wenn ich zwischen andauernd, jahrelang, unerkannt entzündeter Nebenhöhle, und einer Strahlenbelastung auf dem Level der jährlichen natürlichen Belastung wählen müsste, dann würde es Zweiteres.
kwolf140614413-1; Nitrox**
08.11.2018 08:04Geändert von kwolf1406,
08.11.2018 08:06

Ich hatte das ganz bewußt so formuliert: „Aber auch ein CT wäre absolut vertretbar, wenn eine Indikation besteht.“ Letzteres entscheidet immer der Patient gemeinsam mit dem Spezialisten, der zu einer Umfassenden Aufklärung und Nutzen-Risiko-Analyse im Vorfeld verpflichtet ist. Die Strahlenbelastung etablierter Verfahren hier zu diskutieren ist fehl am Platz, denn wir können die Indikation nicht wirklich beurteilen!

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