Der Rebreather-Bereich hat nun ein eigenes Board. Fragen zu den verschiedenen Modellen, Umbauten, technischen Details und zur Praxis des Kreiseltauchens finden hier Ihren Platz. Viele Interessante Fragen wurden hier bisher gestellt und beantwortet. Alle Freunde des Rebreathertauchens - Reinschauen!
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LinuskoelnBarakuda TL

Unfallursachen


Ich habe selber zwar null Erfahrung mit geschlossenen Rebreathern, wundere mich aber über die hohe Zahl an Unfällen in Relation zu der doch recht geringen Gesamtanzahl der Geräte...

Mich würde einfach interessieren, worin Ihr die Ursachen dafür seht:

1. Die "Gefahr" liegt in der Konstruktion der Geräte begründet, in unzureichender Technik oder an "Verschlimmbesserungen", die manche Besitzer daran vornehmen, alternativ

2. Rebreather sind selber recht zuverlässig und die Unfälle entstehen in erster Linie dadurch, dass irgendwann einige Benutzer "schludern" bei der Vorbereitung bzw. Wartung.

Danke schön schon vorab für aussagekräftige Meinungen

Linus
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06.05.2006 18:05
Hallo Linus,

ich denke die Fragen sind so simpel wie schwer zu beantworten . Meiner Meinung nach liegt der Fehler in einem sehr hohen Maße am User selber. Modifizierungen, Überschätzungen, teilweise Unwissenheit und ggf. eine nicht optimale Ausbildung führen zu diesen "Problemen".

Ich glaube wir können diese Punkte noch weitaus detaillierter Diskutieren aber dieser Punkt ist vielleicht auch ein guter Punkt für das nächste Rebreathertreffen

Viele Grüße
Andreas



LinuskoelnBarakuda TL
06.05.2006 18:36

Hallo Namensvetter

Danke schon mal für Deine erste Einschätzung - die "simple" Frage kommt einfach aus der Kombination von "Neugierde" und "selber keine Ahnung" bei mir zu Stande

Hab mir das für mich eher so gedacht:

Luft hat einen relativ hohen "Toleranz- bzw. Einsatzbereich", Fehler in der Tauchgangsplanung künden sich langsam an und enden im Verhältnis selten tödlich.
Mischgas (offenes System) hat schon einen engeren Toleranzbereich, Folgen sind schwerwiegender (natürlich auch durch die Art der Tauchgänge bedingt).
Ist dieses "Toleranzfenster" bei Rebreathern einfach noch kleiner?

Mir kommt einfach das oft gehörte "im Grunde war er selber schuld" etwas einfach vor....

Linus
06.05.2006 19:39
hai
solotauchgänge,zu wenig gas oder falsche gaswahl,oberflächliche ausbildung,routine und die einstellung man ist auf dem gerät unsterblich,bringen einen in die kiste.unbeantwortete was wäre wenn fragen und geräte die ihre "eigenheiten" gehören genauso dazu.
ein paar punkte von mir
gruss seppu
von der gelben seite der macht
06.05.2006 21:13
@linuskoeln,
die zahl der geschlossenen (CCR) Geräte ist garnicht so gering wie du annimmst. Das BI istr ca. 3000 mal verkauft, daneben gibt es eine hohe Anzahl anderen mCCR und eCCR Geräte.

Die Unfallhäufigkeit liegt eben auch an dem CCR selbst, CCR tauchen ist die Königsklasse, da das Atemgemischt nicht mehr konstant ist, sonder in jeder Tiefe wechselt.

Die meisten tödlichen Unfälle sind Kreislaufversagen oder Herzinfakt und hat mit den Systemen (nach Bergung und Untersuchung) nichst zu tun

Grund 1)
Da eCCR Systeme sehr teuer sind, kaufen dies nur Leute die entsprechend Geld haben (die sind älter oder haben viel Stress)

Grund 2)
Die Geräte werden überatmet und der Atemkalk funktiniert nicht mehr, dadurch erhöht sich der CO2 und damit die Herzfrequenz, das kann in tiefe einen Herzinfakt hervorrufen.

Also eCCR mCCR ist nicht gefährlicher alsalles andere es fällt immer nur mehr auf wenn mal einer verunglückt.

Hajo
07.05.2006 09:40
Kreiseln ist eine sichere Angelegenheit. Man muss halt einen ordentlichen Kurs besuchen und sich an die Regeln halten. Tiefengrenze zum jeweiligen Gas und die Kalkstandzeit (es gibt derzeit keine direkte CO2 Messung für Rebreather) sind die wichtigsten davon. Geschlossene Kreisel müssen mit mindestens zwei redundanten PO2-Messungen (bei Nitrox) ausgerüstet sein. Unfälle passieren aber sicherlich aus den verschiedensten Gründen wie Mensch und/oder technikverschulden. Hier erfährt man aber leider nichts konkretes.
07.05.2006 10:28
Hallo
Die Unfalle entstehen aus drei Grunden :
1.Gesundheitsprobleme
2.Technische Probleme
3.Selbstuberschatzung

Technische Probleme konnen mit entsprechender Ausbildung gehandelt werden .
Technische Probleme auf Grund schlecht gewarteter Gerate oder z.b. Uberschteitung der Kalkstandzeit
sind eigentlich keine technischen Probleme sondern Selbsverschulden .

Das Problem bei Rebreather Unfallen besteht darin das Rebreather immer als Schuldige in der Offentlichkeit dargestellt werden .
Ein Unfall mit Pressluft ist fast schon normal und wird von den Medien nicht weiter beachtet .
2deep4UProfi
07.05.2006 11:58
Muss auch meinen Senf dazugeben. Gehen wir von den reinen technischen Unterschieden aus (Mischgas und Selbstbauten mal ausser acht gelassen) ergibt sich folgendes: Beim offenen Gerät ist ein Fehler desselben offensichtlich (keine Luft oder blubbert dauernd), beim CCR kann ein Gerätedefekt unbemerkt auftreten. Zu wenig O2 und zu viel CO2 kann Gerätespezifisch beim offenen System nicht vorkommen. Unfälle in der Vergangenheit sind aus den 3 von l.mueller gelisteten Gründen passiert. Oft hört man von "Benutzerfehlern" - allerdings scheint es Geräte zu geben die nicht sehr bedienungsfreundlich sind. Obwohl ein Kreislaufgerät relativ simple Technik benutzt ist die Überwachung des Gerätes komplizierter und häufig mit Elektronik verbunden - Elektronik und Wasser sind halt nicht kompatibel - und ein Kreislaufgerät ist immer feucht! Auch ist bei Ausfall der Steuerelektronik das Kreislaufgerät im ganz geschlossenen Modus nicht mehr auf sichere Weise zu benutzen. Es geht aber auch anders: Ich tauche einen mechanischen CCR, seit 6 Jahren mit über 500 Betriebstunden und Tiefen bis 150 msw und lebe immer noch.
Gruss
Bubblefree
07.05.2006 12:11
Wenn man sich die Ursachen bei "offenen" Unfällen
anhört, meißtens vereiser und anschließender unkontrollierter Aufstieg, fühle ich mich mit meinem CCR wesentlich sicherer.
Ich hab schon einige Notsituationen mit CCR erlebt, konnte es aber immer unterwasser handeln, sogar ohne auf Bailout zu wechseln
Daher ist für mich ein CCR sicherer
Man sollte natürlich die Notfallprozeduren die im
Kurz zigmal wiederholt werden beherrschen
07.05.2006 12:37
@2deep4u
darf man fragen, was das für ein Gerät ist?
Gruß,
Carsten.
uanlikerIT PATD
07.05.2006 12:37
Es ist seltsam, dass beim BI alle an einem Herzinfakt sterben. Die Ausnahme bestätigt die Regel.

Es ist seltsam, dass nie das Gerät einen Defekt hatte, bzw. immer der User schuld ist.

Es ist seltsam, dass ein grosser Teil der Verunglückten eine grosse Erfahrung auf dem Gerät hatte. (z.B. 3 der 4 Unflälle im April).

Es ist seltsam, dass sie zu einem grosse Teil alleine unterwegs waren.

Nur mal so zum nachdenken.

Vom Einzelfall auf die Gesamtheit zu schliessen funktioniert nicht!
Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung.

gruss Urs
LinuskoelnBarakuda TL
07.05.2006 17:24

Vielen Dank für die meistens wirklich informativen Antworten!

@2deep4you: Klasse Erklärung, gut nachvollziehbar, auch für mich als Laien!

Wenn ich mir die Technik und Möglichkeiten anschaue, dann finde ich Rebreather weitaus faszinierender als jedes offene System. Seh ich jemanden kreiseln, lautlos und ohne störende Blasen, dann überfällt mich manchmal schon (welch unschöne Eingenschaft*g*) ein leichtes Neidgefühl...

@uanliker: Du hast genau die Punkte aufgeführt, die mich zu meinem Eingangsposting bewegt haben!

Linus

07.05.2006 22:15
Leider ist ja kaum an seriöse Statistiken zu kommen, aber wenn man die Unfallberichte so liest, dann bekommt man schon den Eindruck: Egal wer/was nun daran "schuld" ist - Rebreather-Taucher verunfallen überproportional häufig.

Ich fände es daher schon angemessen, wenn anstelle des ewigen "Fingerzeigens auf den jeweils anderen Grund" mal eine konstruktive Diskussion zustande käme, wie Rebreather-Technik sicherer zu machen wäre - worunter selbstverständlich gerade das "toleranter gegen Benutzerfehler machen" zählt.

Schliesslich wurden auch irgendwann mal leichter handhabbare Sprengstoffe entwickelt, obwohl Nitroglyzerin seinen Job gut & billig gemacht hat und "bei sachgerechter Anwendung sicher" war...
08.05.2006 08:29
"Es ist seltsam, dass beim BI alle an einem Herzinfarkt sterben". Auch wenn das den eingefleischten Ich-würde-nie-mit-einem-BI-tauchen-Tauchern widerstrebt, es waren viele Herzinfarkte oder ähnliche medizinische Ursachen. Zumindest soweit kann man den unabhängigen Untersuchungen trauen.

"Es ist seltsam, dass nie das Gerät einen Defekt hatte, bzw. immer der User schuld ist". Ist nicht seltsam, im Gegenteil. Das Gerät ist sehr zuverlässig, bietet aber im Vergleich zum offenen System mehr Möglichkeiten für Fehlmanipulationen. So wie jeder Kreisler.

"Es ist seltsam, dass ein grosser Teil der Verunglückten eine grosse Erfahrung auf dem Gerät hatte". Nicht seltsam, im Gegenteil. Die Routine und daraus resultierende Nachlässigkeit ist ein häufiger Grund für Fehlmanipulationen. Gilt auch OC, man lese das Unfallforum. Zeigt sich auch in anderen Sportarten. Schiessunfälle passieren oft den Routiniers.

"Es ist seltsam, dass sie zu einem grosse Teil alleine unterwegs waren". Glaubenskrieg.

Wer mit der offenen Ausrüstung an die Grenze kommt, kauft sich einen eCCR (da kenn ich heute erhältlich nur das Inspiration) oder einen pSCR. Er bewegt sich damit anschliessend oft in einem extremen Bereich (Höhle, tief, lange). Eine Vorselektion in Richtung Risiko fand also bereits mit dem Kauf statt. Entsprechend sterben wohl proportional mehr Leute mit Tek-Kreislern (dazu zähle ich nicht Dräger, Voyager u.ä. Sport-Kreisler) als offen.

Es brachte hier mal jemand einen guten Vergleich: mit Spitzen-Equipment sterben proportional mehr Bergsteiger als mit Durchschnitts-Equipment. Grund: wer den K2 besteigen will, kauft sich das beste an Ausrüstung und stirbt häufiger als der Hobby-Wanderer.

"Gerätemanipulation": mir ist kein Fall bekannt, bei der eine Manipulation an einem Inspiration zum Tod führte. Es braucht am lebenserhaltenden Teil keine Modifikation, der ist sehr gut konstruiert. Modifikationen finden sich meist in der Anordnung der Flaschen und Peripherie-Ausrüstung, des Gehäuses, des Harnes, des Wings usw., das ist unkritisch.

"zu wenig Gas": beim Bailout wird z.T. gespart, das kann töten.

"falsche Gaswahl": Durch die 3 Sensoren sowie die Fokussierung auf "always know your pO2" halte ich das Risiko für falsche Gaswahl beim eCCR für kleiner als OC. Aber falsche Gaswahl ist genauso tödlich wie OC.

"oberflächliche Ausbildung". Ist grundsätzlich eine Gefahr, beim Inspiration aber nicht gegeben. Verkauf nur an zertifizierte User. Die Ausbildung selber ist auf hohem Niveau. Die Beherzigung derselben ist User-abhängig.

"Die Geräte werden überatmet und der Atemkalk funktiniert nicht mehr". Man kaufe sich beim Inspiration unbedingt die Kalk-Ueberwachung, ist eine tolle Sache, hat Frühwarncharakter und ist somit besser als eine (noch nicht existierende) CO2-Ueberwachung. Ist auch als Upgrade erhältlich. Nichtsdestotrotz: Kalk ist billig, das Leben nicht.

"Elektronik und Wasser sind halt nicht kompatibel". Richtig ist: Kreislauf und Wasser sind nicht kompatibel. Wenn das Gerät vollläuft, benötigt niemand mehr eine Elektronik. Die Zuverlässigkeit der Elektronik im Inspiration ist extrem hoch, ich kenne keinen einzigen Versager. Einzige Ausnahme: Batterie zu spät gewechselt, Nachlässigkeit, siehe oben. Man hat im übrigen 2 Systeme, 2 Elektroniken, 2 Batterien, das Gerät bleibt also voll tauchbar.

"Auch ist bei Ausfall der Steuerelektronik das Kreislaufgerät im ganz geschlossenen Modus nicht mehr auf sichere Weise zu benutzen". Richtig ist: beim Ausfall *beider" Elektroniken. Mir ist kein solcher Fall bekannt. Wenn er doch eintritt, betreibt man das Gerät ganz einfach als pSCR.

Ich war anfänglich sehr kritisch gegenüber dem Inspiration, mittlerweilen liebe ich es. Es ist bis in die letzte Schraube durchdacht, vom Profi für den Profi entwickelt.
08.05.2006 15:14
An ARUDOLPH -prima Idee, das Thema beim nächsten (Dresdner) Rereathertreffen in die Diskussionsrunde zu stellen.
Thomas
08.05.2006 16:16
*denk denk

und der obskure rekord dive in safaga???

just my 2 c
2deep4UProfi
08.05.2006 19:03
@linuskoeln: Danke für die Blumen. Seit ich mit dem Kreiseln angefangen habe tauche ich nur in seltenen Ausnahmen offen, die Vorteile des Kreisels überwiegen für mich die Nachteile.
@ whohoo: Modifiziertes Dräger Dolphin
@vetro: Soweit alles richtig was du sagst - aber keine Elekronik Ausfälle bei Inspiration (und übrigens auch Evolution) ist ja wohl der Brüller. Ich kann dir gerne ein dutzend Fälle von Elektonikausfällen nennen.
Gruss
Bubblefree
08.05.2006 19:27
Ich halte selbst die Unfallrate einfach in falscher Bedienung, ungenügender Kontrolle, Selbstüberschätzung und vernachlässigter Wartung begründet. CCR Tauchen kann auch sicher sein. Ich selbst tauche verschiedene Rebreather mCCR (Kiss Mode). Meine Geräte sind stets gewartet und die Sensoren fliegen beizeiten raus. Ich denke auch das Inspi wird sicher laufen wenn ich stets dahin bin, was eine Wartung und den Check des Systems betrifft.
Redundanz, wie sie bei jedem CCR Gerät ein Muß ist, ist dazu da um Totalausfälle auszuschließen.
Und dann wäre ja immer noch das Thema Bailout, was mir einen sicheren Auftsieg ermöglichen sollte. Es ist unwahrscheinlich, dass alles ausfällt.
Ja arudolph, wir werden diesen Diskussionspunkt mal in unser nächstes Dresdner Rebreathertreffen aufnehmen - ich denke Du weißt wer hier schreibt.
Zum sogenannten obskuren Rekord. Dieser Rekord ist vor allem Eins - nicht zum Nachahmen gedacht. Er wurde durchgführt von Leuten die wußten was sie tun und die sich der Gefahren durchaus bewußt waren und die bewußt die Grenzen der Geräte überschritten haben. Auch die Rekorde unserer "Apnoehelden" sind der reinste Wahnsinn - hochdekoriert Dank der Tauchmedien und die haben wohl nicht mal was mit Rebreathertauchen zu tun.
Für die unterschiedlichen Rebreather gibt es Kurse, bei denen man auch lernt was zu tun ist wenn ... . Und CCR sowieso erst nach reichlich SCR Praxis, das versteht sich wohl von selbst.
Ich denke man sollte schon die Interessen am Rebreathertauchen auf die Gefahren aufmerksam machen, diese aber nicht verängstigen sondern zu einer ordentlichen, fundierten Ausbildung bewegen - zu einer bei der auch die Ausbilder selbst von der Praxis leben und lehren was sie selber tauchen - sicher tauchen.
08.05.2006 22:16
Eigendlich ist es egal warum ein Taucher (auch Rebreathertaucher) stirbt, es ist einfach nur tragisch und für hinterbliebende und freunde schmerzlich. Auf der anderen Seite ist keine Technik fehlerfrei, ebenso ist kein Mensch "Taucher" fehlerfrei. Beide Fehlerarten passieren. Beim Rebreathertauchen ist jeder noch so kleine Fehler, jede noch so kleine Unaufmerksamkeit eben "tödlicher".

Auch eine gute Ausbildung und viele Stunden auf einem System sind kein garant für Sicherheit.

Alle Faktoren der Rebreathertauchens sind komplex, (Hypoxie, Hyperoxie, Hypercapnie).

Neben diesen Faktoren kommt noch totalausfall z.B. Wassereinbruch "caustic cocktail" dies in tiefe und mit Dekoverpflichticht ist nicht zu beherschen. Kommt aber zum Glück nun wirklich sehr selten vor.

Anderseits ist sicher schleichende Hyperkapnie für so manchen Herzinfakt verantwortlich. Das kommt langsam und wenn das Gerät geborgen ist, kann das keiner mehr nachweisen.

Also Rebreathertauchen ist sehr schön aber auch (wie alles andere) gefährlich. Das muss jeder wissen der sich von technik abhängig macht

Hajo
LinuskoelnBarakuda TL
08.05.2006 23:56

@Hajo: Ich meinte mit dem oben erwähnten "Toleranzfenster" ziemlich genau das, was Du in Deinem ersten Absatz beschrieben hast und nehm das auch mal als erstes Fazit für mich persönlich mit

Abschließend von meiner Seite ein ernst gemeintes "Danke" für die richtig vielen informativen Aussagen hier!
Mir persönlich hat´s geholfen und Spass gemacht, mal einen Thread zu lesen, in dem der Großteil der Protagonisten auch weiss, worüber er schreibt, ohne die Meinungen der Anderen runterzumachen

Linus
09.05.2006 14:47
@Bubblefree: nenne hier doch bitte die dir bekannten *Totalausfälle*, interessieren mich sehr. Ich kenne zahlreiche Inspiration-Taucher: weder einer von denen noch ich hatte je einen Totalausfall der Elektronik
09.05.2006 22:32
Beim Rekordversuch in Safaga sollen die Beeper implodiert sein. Hat innen Hohlraum mit Atmosphärendruck und hat dem Druck nicht standgehalten. Danach wird wohl ein Kurzschluss stattgefunden haben.

@Vetro:
Das Bi als vollkommen durchdacht zu bezeichnen ist wohl übertrieben. Allein, wenn ich sehe, wie manche Schläuche verlegt sind kann ich mir handwerklich bessere Lösungen vorstellen.


Die Königsklasse ... netter Begriff.

Für mich ist die grösste Stärke vom Bi gleichzeitig die grösste Schwäche:
Es macht vieles von selbst, damit ist tauchen so easy. Nur wehe, Du vernachlässigst deine Wachsamkeit.

Trotzdem erscheint mir OC mittlerweile wie Pferdekutsche zu Düsenjet. Der Kutsche kann ein Rad brechen, beim Jet gibts mehr Fehlerquellen.
Deswegen lässt man dort nur entsprechend geschulte Leute an Steuer, und nur zu zweit
09.05.2006 23:35
Hi - vieles was hier gesagt worden ist wohl richtig.

Ich tauchte 18 Jahre offen und seit etwa 2 Jahren Kreisel. Und seit dem etwas tiefer und vor allem aber.. länger. Und wärmer. Und leiser. Ich wechsele nicht mehr aufs offene System zurück. Obwohl es einfacher war. Und ja - es verglücken mehr Motorradfahrer als Fahrradfahrer tödlich. Ist einfach nicht zu vergleichen.

Zu meinen beinahe Unfällen:

Offen: Vollgesichtsmaske verrutscht - nicht wieder richtig raufbekommen - Atmennot - Notaufstieg aus 24 meter. Ursache : Mangelnde (keine) Ausbildung mit der Vollgesichtsmaske.
Und kein Backupsystem. War in den 80zigern noch nicht so üblich.

Offen: Trockentauchanzug in 42 Meter Tiefe aufgerissen (Wrack Offshore). Dekopflichtiger Nachttauchgang, im Stress und Kälteschmerz Aufstiegsleine nicht rechtzeitg wiedergefunden und nach dem wiederfinden Tauchcomputer ausgefallen.. Stark verkürzte Deko bis alle Gase auf Null. Ursache: Echter Unfall mit kombinierten Geräteausfall - einfach zuviel Pech auf einmal.

Kreisel (SCR): Nach dem Tauchgang an der Oberfläche Flaschen geschlossen um Gas zu sparen. Dann beschlossen den Tauchgang die letzten 20 Meter bis zum Ausstieg UW fortzusetzen - mit zusammengefallenen Gegenlungen in den Grund auf 5 Meter eingeschlagen. Ursache: Bedienungsfehler

Kreisel (SCR): Ausatem-Flatterventil versagt (hatte sich aufgerollt, vermutlich zu stark konzentrierte Reinigungsflüssigkeit ?) - beginnende CO2 Vergiftung. Flachwasser Tauchgang (mit 60% O2) - abgebrochen weil ungewöhnlicherweise deutliches Kältegefühl und Hautkribbeln. Erst nach dem Tauchgang gemerkt weil Freundin unmittelbar nach dem Tauchgang ein Foto gemacht hatte auf dem ich beim umziehen extrem rosarot war.. daraufhin Gerät zerlegt und Fehler gefunden. Ursache: Technisches Versagen.

Simulierte Unfälle:
Kreisel (SCR): Kalk bewusst nicht gewechselt.
Die beginnende CO2 Vergiftung wird durch hechelnde Atmung und starke Kopfschmerzen deutlich angekündigt ! Stellt für einen Kreiseler der sich selbst beobachtet nach meiner Meinung kein Problem da.

Kreisel (SCR): Gerät im Flachwasser unter Aufsicht leer geatmet bis fast nur noch Stickstoff im Gerät war. Sauerstoffmangel durch Tunnelblick und "kommisches" Gefühl bemerkt. Achtung (!)die Zeit von normal auf "hier stimmt was nicht" ist relativ kurz und kaum merkbar. Ich denke das kann man während eines Tauchganges (im Gegensatz zur Co2 Vergiftung) auch schnell mal übersehen.

Noch was - als ich das Gerät neu hatte - war ich unsicher und habe es geprüft und nochmal geprüft.
Jetzt bin ich relativ sicher und prüfe es bei Tagesbeginn einmal - und bei folgenden Tauchgängen nur noch oberflächlich. Es stimmt schon Routine ist gefährlich.

Noch was - Kreiseler tauchen einfach öfters.
Teil mal die Tauchstunden per Taucher durch die
Unfälle. Einen offene Urlaubstaucherin in Hemmoor auf 40 Meter mit Vereisung und 15 Tauchstunden gehen einen über 50jährigen BI Tauchlehrer mit leeren Flaschen auf 8 Meter mit 4000 Stunden..

Macht was draus.. Gruß Carsten
2deep4UProfi
10.05.2006 10:14
Hi vetro, um es kurz zu machen 3 Beispiele:
1. BI Ausbilder, eines der ersten Geräte, Sensorenausfall aufgrund Kondensation, überstehende Geräteschraube von der stetige Wassertropfen die Sensoren unbrauchbar machte, mittlerweile behoben
2. Tieftauchgang - alle 3 Sensoren falscher Wert - Todesfolge
3.Auf 40 msw totalausfall der (neuen) Elektronik
das ist erst etwa 3 Monate her.
Dazu ist zu sagen - ich hatte noch keine Ausfälle mit dem BI - allerdings habe ich selber nur etwa 20 Stunden auf dem Gerät, tauche aber oft und regelmässig mit anderen die das BI benutzen und viel Erfahrung weitergeben können.
Namen werde ich aus verständlichen Gründen nicht veröffentlichen.
Blödsinn wie Tieftauchrekorde bei denen Dave (Entwickler BI) vorab das Implodieren den Beteiligten schriftlich voraussagte sowie offensichtliche Piloterrors rechne ich nicht zu Gerätefehlern.
Ich möchte hier keinen Glaubenskrieg lostreten aber wenn ich Leute höre die sagen: "alles Pilotenfehler" stellt sich mir die Frage: ist die Bedienung vielleicht zu kompliziert? Ich möchte hier keinem sein Gerät madig machen - ich habe nur für mich entschieden etwas anderes zu benutzen. Auch muss man zugeben das die Sensationspresse bzw. prominente Opfer dem BI ein negatives Image gegeben haben. Wenn 10.000 Menschen in Indien bei einer Flutkatastrophe umkommen reicht eine kleine Meldung, Tod eines BI Tauchers muss natürlich gross auf Seite 1. Zum Abschluss: Ich kann jedem nur raten, erstens eine gute Ausbildung zu haben und sich an die Grenzen derselben sowie der eigenen Grenzen zu halten, zweitens nie ohne ausreichendes Bailout Gas tauchen und drittens Set up, Wartung und Pflege des Geräts ernst zu nehmen.
In doubt - bail out.
Mit freundlichen Grüssen
Bubblefree
10.05.2006 12:39
@Euronaut87: Schon mal was von Hyperkapnie-Symptomen unter hohem pO2 gehört ? Hohe Sauerstoffpartialdrücke hat man im Regelfall immer im CCR. Ich würde mich nicht darauf verlassen, daß ich an mir Hyperkapnie-Symptome bemerke (obwohl ich die von dir beschriebenen Symptome auch schon an mir beobachtet habe).

Kalk sparen beim Kreiseln ist absolut lebensgefährlich. Und wenn ich hier im Forum lese, daß Kalkfüllungen 8 Stunden getaucht werden (ja, ich weiß, daß die Kalksorten unterschiedlich sind), wirds mir schlecht. Geschoß für 8 Mille auf dem Buckel und dann keine Kohle oder keinen Bock, 2 Euro pro Stunde für Kalk auszugeben.

Und wenn ich einen 2 Stunden-Deko-TG plane und noch für 2 Stunden Kalkstandzeit übrig habe, dann wechsle ich vorher auch den Kalk. Warum ? Wenn beim TG was schiefgeht, habe ich im CCR zwar noch genug Gas um auszutauchen aber keine Kalkstandzeit mehr.

Was auch immer wieder vernachlässigt wird, ist das Warmatmen des Kalks ! Bei Bekannten von mir kam der Aha-Effekt erst, nachdem sie ein Evolution mit Kalküberwachung hatten.

Gerd
11.05.2006 00:18
Hallo Gerd, als ich mit dem Kreisel anfing habe ich vorher ein halbes Dutzend Freak`s gefragt wie die Tauchen, mit was für Geräten und warum. Es gab ein halbes Dutzend verschiedene und sich wiedersprechende Antworten. Und ich hatte keinen Schiss Ahnung. Danach habe ich mir ein Gerät gekauft und alle Grenzen einfach selber unter kontrollierten Bedingungen ausprobiert.
Wenn jemand wissen will wie sich eine beginnende Co2 Vergiftung anfühlt muß er sich bloss mit geschlossenen Gerät ohne Kalkfüllung in die Küche setzen unter Aufsicht einer wohlmeinenden Freundin. Ich habe die Kalkstandzeit ausprobiert weil ich stark wiedersprüchliche Angaben erhalten habe - nicht weil ich Kalk sparen wollte. Ich Wechsel den Kalk alle zwei Tauchgänge, spätestens aber nach 4 Stunden. Und bei Offshore und/oder Deko Tauchgängen nehme ich sowieso Frischen.. Und warmatmen tue ich ihn sowieso..
Ich habe eine sehr einfache Einstellung zu meinen (zumeist alten) Tauchgeräten.. - ich nehme grundsätzlich an das es innerhalb der nächsten Minuten versagt. Ist eine recht gesunde und preisgünstige Einstellung - und völlig Geräte unabhängig.
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