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Trinkgeldwahnsinn

Geändert von Günthi,

Die Definition von Trinkgeld ist: "Kleinerer Geldbetrag der freiwillig für eine erbrachte Leistung zusätzlich zur vereinbarten Entlohnung gezahlt wird"!

Wenn dann auf der Web-Site von Nautilus-Tours für eine Tauchsafari auf der Avalon I bei den Reisebedingungen der Hinweis erscheint: "Am Ende des Aufenthalts ist mindestens ein Trinkgeld in Höhe von 300 bis 400 EUR pro Person und Woche zu entrichten!", dann verstehe ich die Welt nicht mehr.

Wir mussten bei einer Sudan-Tauchsafari von 2 Jahren erleben, das bereits vor dem Auslaufen eine Servicegebühr (anderes Wort für Trinkgeld) eingesammelt wurde, allerdings war dies nicht so horrend, ca. 70 EUR pro Person. Am Ende hat dann aber keiner mehr etwas zusätzlich gegeben, wahrscheinlich ein Eigentor.

Für gute, besondere oder zusätzliche Leistungen gebe ich gerne als Anerkennung ein Trinkgeld. Es kann aber nicht sein, das Reiseveranstalter die Bezahlung der Crew über das Trinkgeld auf die Gäste abwälzt. Auf diese Weise kann man mehr Profit herausschlagen, bzw. Konkurenten im Preis unterbieten.

Bei solch unverschämten Forderungen verzichte ich lieber auf eine vielleicht interessante Tauchreise.

Ich tauche seit 40 Jahren rund um den Globus und muß leider feststellen, es wird nichts besser.

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Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
12.07.2021 16:09
Nun sei doch froh, dass es vorab angekündigt wird. Dann kannst du es in den Gesamtpreis einkalkulieren und entscheiden Ja/Nein.
Wenn nach der Tauchsafari ein Hinweis mit einem Trinkgeld in der Höhe kommt, fände ich das viel schlimmer.

Andere Länder, andere Grundlagen.
Beispiel USA beim Essen gehen: Hier werden Trinkgelder von 15-20% auf den Betrag (vor Steuer) erwartet / als normal angenommen. 15 wenn man nicht zufrieden war, 20 wnn man sehr zufrieden war. Oft steht auf der Rechnung auch Tip 15%: x$, 18% y$ und für 20% als Richtwert. Die Gehälter der Bedienungen sind so kalkuliert, dass sie den Tip brauchen fürein vernünftiges Gehalt. So sind aber dann auch die Essenspreise ausgewiesen.

In Deutschland gibt man halt eher 5-10%, je nach Restaurant und Qualität. Im Eiscafe oder wenn ich nur was trinke halt 1-2 Euro.

Das weiß ich vorab und berechne es mit ein.
Tastenchef13Normoxic Trimix
12.07.2021 16:21
Solange die Laute es zählen ändert sich nichts daran.
Aber egal wie ein Trinkgeld am Ende ist auch eine blöde Lösung.
NDLimitGelegen-
heits-
taucher
12.07.2021 17:09
300-400 Euro pro Woche und Person ist schon eine Ansage, unabhängig davon wie gut es vorab dokumentiert wird.

Für den Veranstalter ist das eh ein Schuß ins Knie, da entgegen zu den Reisebedingungen, insbesondere bei Pauschalreisen, der Reisepreis doch fix ist. Mal abgesehen von behördlichen Gebühren wie Visum oder Marinepark-Gebühren. Einen zwingenden Anspruch auf Trinkgeld sehe ich tatscählich nicht.

Sascha hat ein richtiges Stichwort genannt: Richtwert
12.07.2021 17:26
andere Länder, andere Sitten. Und ja, 10% bei ner 5K Tour sind happig. Ist zum einen der amerikanischen (Un)Kultur des Tipping geschuldet, teils auch der Tatsache daß es in manchen Ländern besser ist, bar Kralle entlohnt zu werden.
moeAOWD 140TG
12.07.2021 18:01Geändert von moe,
12.07.2021 18:08
Meine Frau hat einige Jahre bei einer amerikanisch/englischen Flusskreuzfahrtgesellschaft hier in der CH gearbeitet.
Das Trinkgeld ist da ein Teil des Gehalts der Schiffscrew. Das wird aufgeteilt.
10% auf eine solche Kreuzfahrt sind da völlig normal.
Ich mag mich noch an Zeiten erinnern, da war das hier nicht anders. Und wenn ich damals ein Bier für 1.20 getrunken habe und 10 Rappen Trinkgeld gegeben habe waren das auch fast 10%
Nur weil das Trinkgeld hier mittlerweile inkludiert ist, heisst das nicht, dass das überall auf der Welt so sein muss oder ist.
@Günthi
dann machen die halt die Reise von vornherein 400€ teurer.......gehupft wie gesprungen

12.07.2021 18:29
Genau, moe!
Gehupft wie gesprungen...

Vorreiter waren mal wieder die Amis mit ihren Liveaboards, beispielsweise die Cocos, Galapagos, Malpelo Touren, alles ganz normal für die...
moeAOWD 140TG
12.07.2021 18:46
Ne Guppy
umgekehrt wird ein Schuh draus
Auch in F/I/E wurde man in den 80igern schräg angeschaut, wenn kein Trinkgeld gegeben wurde.
Wie gesagt, Trinkgelder wurden hier 74 inklusive
Ich weiss nur noch, dass hier von den Wirten, als das Trinkgeld inklusive wurde, deutlich mehr aufgeschlagen wurde als das reine Trinkgeld ausmachte........Verwaltungsmehraufwand......

12.07.2021 19:43
Tja moe, wenns von den Amis kommt dann muß es ja gut sein.
Dies entspricht aber genau der amerikanischen Mentalität. Den vorab gezahlten Reisepreis sieht ja niemand. Aber wenn am Ende der Reise der große Massa die dicke Dollarrolle aus der Tasche holt und den armen Eingeborenen ihren Tip gibt, dann kann er sich gut, groß und überlegen fühlen.
Ich jedenfalls zahle lieber vorab einen angemessenen ehrlichen Preis und gebe für besondere Leistungen Trinkgeld.
Warum können die Stinkstiefel von Veranstaltern und Safaribootbesitzern ihre Leute nicht anständig bezahlen?
moeAOWD 140TG
12.07.2021 19:59
Genauso wenig wie unsere Wirte etc. ihr Personal vor der Inkludierung anständig bezahlt haben und bis heute nicht gut entlöhnen🤣🤣🤣

Ich habe nie und nirgends behauptet, dass ich das gut finde.......ich sag nur wie's is.

John LockeFreedom of speech.
12.07.2021 20:12
Ich finde es auch besser wenn es vorher angekündigt ist als wenn es dann ein Tag vor Ablauf kommuniziert wird.
Allerdings finde ich es generell überhaupt nicht gut da die Kosten so oft nicht wirklich kalkulierbar sind. Aber das wird sicher ehr mehr als weniger werden, so lange sich die Umstände nicht ändern. Ich sage nur steuerfrei.
12.07.2021 20:25
Andere Länder, andere Sitten. Da sollte man sich über die Gepflogenheiten vorab informieren.
Hierzulande ist das Trinkgeld in Serviceberufen reines Schwarzgeld, was in den Lohn vom Arbeitgeber eingerechnet wird. Es ist eine Unsitte, letztlich doch zulasten der Arbeitenden, denn das Geld geht ihren Versorgungsleistungen verloren.
13.07.2021 09:50
Ich sehe Trinkgeld auch als eine große Unsitte an, das heißt aber nicht, dass ich keines gebe. Die Angestellten sollten vom Arbeitgeber fair bezahlt werden. Wenn das Gehalt erst durch diese kulturell etablierten Almosen überhaupt auf eine akzeptables Niveau angehoben wird, dann stimmt etwas nicht. In der dritten Welt mag so etwas normal empfunden werden, dass das in der ersten Welt auch so gehandhabt wird, ist ein unglaublicher Missstand. Wenn bei einem Angestellten in der Gastro die Trinkgelder als fester Bestandteil des Gehalts gesehen werden, ist es ein Unding, dass der Angestellte sich dann beim Kunden für jeden Euro bedanken muss. Ich bedanke mich bei meinem Chef ja auch nicht, wenn er mir das Gehalt überweist.
13.07.2021 10:26
Zum Schluß noch eine kleine Geschichte zu diesem Thema.
In den 70er Jahren verbrachten wir einen Tauchurlaub in Bali, Kuta war ein kleines Dorf und wir verlebten gute drei Wochen in einem winzigen Tauchresort.
Für diese Zeit wurden wir von 2 jungen Balinesen als Guides betreut, sie gingen mit uns zum Tauchen, Tempelfesten und sorgten um sich um unser Wohl.
Wir waren meist nur zu zweit, ab und an waren wir 5 Taucher. Nachdem ich nie gesehen hatte, das von den anderen Tauchern ein Trinkgeld gegeben wurde, befragte ich den Resortinhaber zu den dazu hier üblichen Gepflogenheiten. Er erklärte uns, dies sei hier nicht üblich, aber die Guides würden sich über eine Schachtel der Gewürzzigaretten sicher freuen, er sähe es zwar nicht gerne wenn sie rauchen, aber dagegen sei er machtlos.
Wir kauften daher zwei Schachteln dieser Zigaretten. Da uns dies aber zu popelig erschien, öffneten wir die Schachteln vorsichtig und versteckten darin Geldscheine (keine horrende Summe) und zogen die Zellophanhülle wieder darüber.
Am letzten Tag verabschiedeten wir uns und übergaben die Zigaretten. Die Guides bedankten sich artig und zogen ihres Weges. Nach kurzer Zeit hörten wir einen Ruf und die Zwei rannten zu uns zurück, sie hatten wohl eine rauchen wollen.
Sie umarmten uns lachend, mit Tränen in den Augen und verschwanden wieder.
Daran muß ich immer wieder bei dem leidigen Thema "Trinkgeld" denken.
Wenn ich heutzutage an die hyänenartige Gier nach einer Geldspende denke bekomme ich das Grauen.
Aber wahrscheinlich bin ich einfach schon zu alt für den Sch....!
Noch eine paar schöne Tauchziele und dann ist gut!
NDLimitGelegen-
heits-
taucher
13.07.2021 10:48
DB - Volle Zustimmung! Wenn der Service passt, dann gerne ein Trinkgeld, auch auf Safari-Booten. Wobei dort der Verteilungsschlüssel auch eher fraglich ist.

Günthi, nette Geschichte und toll gemacht
BicMäcDiveMaster
13.07.2021 11:00Geändert von BicMäc,
13.07.2021 11:01

Fakt ist, egal ob andere Länder, andere Sitten oder Amis...

Trinkgeld gebe ich NUR wenn ich zufrieden war!

Unabhängig ob mich die Tauchsafari 500€ oder 5000€ kostet.
Eine Anmerkung des Reiseveranstalters so wie : Hey rechnet oder bedenkt bitte noch 50€ - 200€ Trinkgeld was vor Ort zu zahlen ist. Wäre völlig ok !

Aber ich werde NIEMALS Trinkgeld vorab bezahlen!

Ich verstehe ein Trinkgeld als eine Art Anerkennung / als mehr als nur Danke zu sagen.
So und wenn das Essen im Restaurant schlecht ist, wirds halt kein Trinkgeld geben.

Das ist genau wie auf einer Safari, wenn sich um mich gekümmert wird (wobei ich nur meine Luft möchte sowie Hilfe beim Kamera reichen, also ich bin kein "5Sterne steck mir alles in den Arsch Tourist"),
die Crew / Guides gut drauf sind etc. dann gibts auch Trinkgeld.

Aber ich seh das schon so wie : Hey ihr verdient offiziel nur 5€ / Tag aber bekommt noch 100€/Tag sicheres Trinkgeld und der Veranstalter oder sonst wer schiebt sich auch noch 50€ extra / Tag schwarz in die Kasse.

Dafür könnt ihr mich jetzt steinigen oder nicht ... Aber etwas rechnen kann ich auch

Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
13.07.2021 11:15
Den meisten Aussagen kann ich zustimmen: Trinkgeld als Anerkennung und in vernünftigen Rahmen, sowie die Argumente bezüglich Sozialversicherung.

Dennoch finde ich es vermessen aus eigener Sicht, eigenem Hintergrund und eigener Meinung die Vorgehensweise weltweit genau darauf basierend zu beurteilen.
Wird es ins Gehalt eingerechnet, dann muss man Steuern / Abgaben / Altersvorsorge usw. zahlen. Vielleicht kann man ja das Geld privat geschickter als Altersvorsorge anlegen? Nur mal als Denkanstoß ...

Im übrigen: In Japan z.B. gebe ich KEIN Trinkgeld, dort wird es als unangemessen empfunden.
Es ist für mich auch ein Zeichen des Respekts sich den Gepflogenheiten vor Ort anzupassen.
In Deutschland / Europa sind wir es gewohnt und rechnen es doch beispielsweise beim Restaurantbesuch ein, in anderen Ländern muss ich mich eben anders eichen.


13.07.2021 12:11
"Vielleicht kann man ja das Geld privat geschickter als Altersvorsorge anlegen? Nur mal als Denkanstoß ..."

Ja, ich verstehe auch nicht, dass es so einen Aufschrei gegeben hat, als Uli Hoeness das genau so gemacht hat...
Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
13.07.2021 12:34
Ganz andere Voraussetzung. Aus Falschen folgt falsches, von daher unsinnig so zu argumentieren.
13.07.2021 13:03
Sehe ich nicht so. Wenn Trinkgelder als fester Teil des Einkommens gesehen werden, die aber nicht versteuert werden, dann ist das Steuerhinterziehung. Das Argument, man könne sich mit dem Schwarzgeld ja selber um die Altersvorsorge kümmern, kam von Hoeness genau so ähnlich. Er sagte, er spende viel für gute Zwecke und möchte gerne selbst entscheiden, was mit "seinem" Steuegeld genau gemacht werde. So funktioniert das aber nicht. Ich beziehe mich auf deinen "Denkanstoß", der in die falsche Richtung führt.
Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
13.07.2021 13:06
Das gilt aber explizit für Deutschland. Die Steuerregeln und Regeln für sowas sind nicht in jedem Land gleich, in den USA wird das so erwartet und ist auch keine Steuerhinterziehung.
Da steht sogar auf der offiziellen Quittung die Trinkgeld Empfehlung (bzw. Größenordnung) drauf.

Das ist das Gleiche: Andere Länder, andere Regeln, andere Gesetze!
13.07.2021 13:19
Ja, ich beziehe mich da auf Deutschland. Klar, andere Länder, andere Regeln.
mezzAnwärter auf Kiemen
13.07.2021 13:33
Was mich mal intressieren würde: wenn bei ner Safari steht "xxx-yyy.- Trinkgeld werden erwartet" und ich würde das nicht bezahlen, was passiert dann?
Weil grundsätzlich wurde die Leistung korrekt abgegolten und mit der Pauschale oder was auch immer sind meine Verpflichtungen erfüllt...

Ich war noch nie auf ner Safari, daher die etwas doofe Frage. Und nein, ich will keine Locals ausnehmen, es geht mir hier mehr ums Theoretische und ums Prinzip
Ich finde es nämlich schändlich, dass westliche Firmen die Einheimischen dermassen ausbeuten und das Risiko direkt und indirekt abwälzen.
Sascha314AOWD, Nitrox, Deep
13.07.2021 13:39

"Ja, ich beziehe mich da auf Deutschland. Klar, andere Länder, andere Regeln."

Das war genau mein Punkt:
ich finde es vermessen die Regeln, Gesetze, Gepflogenheiten des eigenen Landes als das Beste, Allgemeingültige heranzuziehen und damit dann die Vorgehensweise in einer anderen Region zu beurteilen.

13.07.2021 13:42
In Österreich wird bei manchen Berufen auch gleich mal eine Pauschale für das Trinkgeld hergenommen für die Lohnsteuerberechnung. Wenn's schlecht läuft zahlt man dann Steuern für etwas, das man nicht erhalten hat. Kann man zwar Rückforderungen stellen, aber da braucht man dann schon einen Grund warum man weniger erhalten hat als angenommen.
13.07.2021 13:43
Zum Glück wird niemand gezwungen in einem Land Urlaub zu machen, dessen Trinkgeldgewohnheiten einem nicht passen!
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