Hier können alle Fragen zum Thema Tauchausbildung ausgiebig diskutiert werden. Verbandsübergreifend kann hier nach allem gefragt werden was zum Bereich Aus- und Fortbildung gehört - moderiert von erfahrenen Tauchern.
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Macht Erfahrung wirklich einen guten Taucher?

Hallo zusammen,

ich hatte gestern eine Diskussion mit alten Hasen zum Thema guter Taucher/schlechter Taucher. Argument der anderen war, gut würde man durch tauchen, tauchen und nochmals tauchen. Ich sehe das aus eigener Erfahrung etwas anderes, denn ich war jahrelang tauchen, tauchen und nochmals tauchen und war weit weg von gut. M.E. braucht es vielmehr die vier Punkte Können, Wissen, Physis und Psyche. Viel Tauchen KANN hier helfen, MUSS es aber nicht. Ich kenne viele, die haben eine bestimmte Fertigkeit nach dem * nicht gekonnt und beherrschen sie jetzt nach tausend TGs immer noch genauso wenig. Woher auch... Ohne systematisches Training komme zumindest ich da nicht weiter.... Wie ist das bei Euch? Reicht Euch regelmäßiges Tauchen, um "fit" zu bleiben und bin ich der einzige Trottel, der ständig mit der ganzen Ausrüstung ins Bad springen muss?

DerEsel

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09.08.2017 08:13

ist ja auch die frage wie man taucht und was einen guten taucher ausmacht

wenn ich jedes mal einfach nur just4fun jemandem hinterhertauche und er mich wieder aus dem wasser bringt werde ich bestimmt nicht besser bei der orientierung oder beim boje schießen. bei uns üben wir jedes mal im heimischen baggersee beim tauchen verschiedene sachen, z.b. tarierungsübungen, ventilmanagement, boje schießen, reglerwechsel auf stage und zurück etc. dabei wird natürlich auf trim etc geachtet, sodass ich und mein buddy gute fortschritte gemacht haben.

würde ich nur rumtauchen, wäre wahrscheinlich die tarierung besser geworden im laufe der zeit aber sonst wahrscheinlich nicht viel

FullcaveGUE Cave 2, IANTD Technical Cave, IANTD Full Trimix OC
09.08.2017 08:24

Viel Tauchen, isoliert betrachtet, sagt erstmal gar nichts aus. Natürlich schafft viel und regelmäßiges Tauchen Routine. Das kann imho positive Aspekte haben (darauf brauche ich wohl nicht näher eingehen), kann sich aber auch negativ auswirken. Was meine ich mit negativ?

Fehler, die sich irgendwann eingeschlichen haben, verfestigen sich und werden ebenfalls zur Routine.

Mit zunehmender Anzahl an Tauchgängen gewinnt man ein gewisses Selbstvertrauen, welches trügerisch sein kann. Routine kann auch töten (ich denke da zB an den tödlichen Tauchunfall eines extrem erfahrenen GUE Tauchers, der auf 21m auf reinen Sauerstoff gewechselt hat).

Ich persönlich vermisse gerade bei fortgeschrittenen Tauchern in meinem Umfeld die Bereitschaft zur regelmäßigen Fortbildung. Dinge im Tauchsport, wie zB Dekotheorie, sind ja im ständigen Wandel. Gerade hier im TNet kann man teilweise zB eindrucksvoll lesen, dass vermeintlich "alte Hasen" auf dem Wissenssatnd der späten 80er stehen geblieben sind, was Tauchtechnik, Ausrüstung oder Tauchtheorie angeht.

Systematisches Training bei extrem erfahrenen professionellen Ausbildern und anschließende Umsetzung in der Praxis hat bei mir persönlich die besten Fortschritte gebracht. Weiter hat es mir persönlich viel gebracht, Ausbildungen bei unterschiedlichen Organisationen, unterschiedlichen Ausbildern in der ganzen Welt zu besuchen. Das erdet und erlaubt den Blick über den Tellerrand. Viel Tauchen ist sicher ein Baustein. Aber es ist imho nicht der alles entscheidende.

Was sind 100 TG im Warmwasser im Kaltwasser wert? Was sind 100 TG im Baggersee beim Wracktauchen in Irland wert? 

Mit anderen Worten: Du bist nicht der einzige Trottel, der systematisch trainiert. Nur ins Hallenbad gehe ich dafür nicht ?

Joe.MurrSSI DiveCon
09.08.2017 08:29

Die allererste Frage ist: was ist den ein guter Taucher?

Einer der gut tariert ist, im Bedarfsfall seine Ventile erreichen kann, nichts anfässt und kaputt macht und/oder vieles andere mehr?

Aus meiner Sicht ist man dann ein guter Taucher, wenn man mit mehreren Problemen zurechtkommt - bei sich selbst und bei anderen, die (gleichzeitig) auftreten, ohne dass man in Panik verfällt, besonnen reagiert und eine Lösung (oder mehrere) schafft, so dass das Problem gemindert oder beseitigt wird.

Und da stimme ich zu, dass Erfahrung (viel Tauchen) helfen kann, aber nicht zwingend muss. Dass Üben und Routine eine gewisse "Gelassenheit" bei der Bewältigung auftretender Probleme hilft, ist sicherlich auch unbestritten.

Gruß
Joe

Stephan K.PADI DM, CMAS***, SSI XR, Apnoe 1, Eistauchen
09.08.2017 08:55

Ein erfahrener hat viele Erfahrungen erlebt.

Ein guter Taucher setzt diese Erfahrungen positiv um.

Und seine Tauchfertigkeiten ausbauen usw.

RechnoCMAS**
09.08.2017 09:08

@ Fullcave: thumbup 

@ Joe: Ich sehe es so wie du, dass man, bevor man die Diskussion führen kann, erstmal einen Konsens schaffen muss, was wir denn unter "gut" verstehen. Ich wette 10 Taucher hier, haben 11 verschiedene Meinungen. 

Wir haben ja bei unserem "Sport" kaum mirklich messbare Wertungskriterien.... ist der Taucher, der im Sportbereich 11.000 Tg gemacht hat, perfekt tariert etc. sich aber nicht für Dekotheorien interessiert "gut"? Ist der junge Tech-Taucher, der die Entstehungsgeschichte des Tauchens und sämtliche Theorien im Schlaf beherrscht aber erst 10 Trimix-TG gemacht hat "gut"? 

Ich bringe die Beispiele und möchte bewusst nicht werten...(leider werden aber bei unserem Hobby viel zu oft Dinge herangezogen um zu beweisen wer die dicksten "Flaschen" hat... "mein AMV liegt bei 5l.." "ich hab 1 Mio. TG..", "Mein Schwarz ist dunkler als dein Schwarz")

Ich persönlich denke, dass gut = sicher ist. Um ein sicherer Taucher zu sein, muss ich das theoretische und praktische Wissen haben, Fehler zu vermeiden und auf Probleme reagieren zu können.

Mittel um dies zu erreichen sind die beschriebenen Weiterbildungen, Erfahrung etc. Ein weiterer wichtiger Faktor hierbei ist meiner Meinung nach Resilienz gegenüber Stress. Hierbei ist die Erfahrung jedoch noch ein weiterer Faktor und die Persönlichkeit ein weiterer. Manche können so erfahren wie möglich sein und sind dennoch leicht aus der Ruhe zu bringen, während andere einfach durch nichts "gestresst" werden. 

09.08.2017 09:53
Danke für die bisherigen Antworten! Wir scheinen uns weitgehend einig zu sein, dass nur tauchen gehen in vielen Fällen nicht reicht. Als ich zum ersten Mal mit jemandem im Wasser war, der wirklich systematisch trainiert hat, hat mich das ziemlich geerdet, aber auch angespornt, weil ich auch so "gut" sein wollte. Dass man darüber, was "gut" bedeutet, streiten kann, steht auf einem anderen Blatt. Seid Ihr aber bei mir, dass sich die Qualität eines Tauchers nach den von mir genannten Kriterien (Können, Wissen, Physis und Psyche) ergibt oder seht Ihr hier noch andere?@Fullcave: Wie hältst Du dich dekotheoretisch auf dem Laufenden? Ich muss zugeben, dass ich über die meisten Artikel immer erst stolpere, wenn sie in irgendeinem Forum verlinkt werden. So eine regelmäßig aktualisierte one-source-of-truth-Webseite ist mir nicht bekannt (bin für Tipps aber sehr dankbar). Und was das Training im Bad angeht, ich bin einfach eine kleine jammernde Frostbeule, die sich oft nicht motivieren kann, "nur" zum trainieren ins kalte Baggerloch zu gehen ?
kwolf140614413-1; Nitrox**
09.08.2017 10:20

"Können, Wissen, Physis und Psyche" plus Teamfähigkeit.

Joe.MurrSSI DiveCon
09.08.2017 10:30

Hmm, ich zäum' mal das Pferd von hinten auf.

Bin ich ein schlechter Taucher, weil meine Erfahrung (nennenswerte!) selten TGs weit unterhalb 40m umfasst oder ich mich nicht in Höhlen, Wracks und Konsorten herumtreibe? Bin ich schlecht, weil meine Dekoverpflichtungen allenfalls moderat im Minuten-Bereich liegen oder meine übliche Flaschenkonfiguration i.d.R. aus einer Monobuddel besteht?

Wann bin ich ein guter Autofahrer? Wenn ich mehr als 50.000km im Jahr runterreiße?

Nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint.

Gelbe MaskeAbz. "Für gutes Wissen" (Gold)
09.08.2017 10:48
Ein guter Taucher ist, wer nur die Tauchgänge macht, zu denen er fähig ist. Insofern ist ein dem Guide folgender Urlaubstaucher mit PADI-Urlaubsschnellausbildung bei 15TG jährlich ein guter Taucher, die Unfallstatistik beweist das. Sagt auch der Forenhöhlenbeauftragte... (kwolfs Definition ist falsch... )
RechnoCMAS**
09.08.2017 10:52

@ GM: Warum ist aus deiner Herleitung her, die Definition von kwolf flasch? 

Der von dir beschriebene gute Urlaubstaucher hat doch das Können, Wissen, die Physis und die Psyche um diese TG durchzuführen. Ansonsten würde er als verantwortungsvoller Taucher solche TG ja nicht machen.

StoneXNormoxic Trimix IANTD Minediver
09.08.2017 10:57Geändert von StoneX,
09.08.2017 10:58

Meine Meinung sieht das in etwa so ähnlich aus wie bei den anderen. Was soll man auch anderes sagen. Schwierig ist, dass bei seinem Gegenüber zu beurteilen.

Ein guter Taucher ist der, der innerhalb seiner eigenen Limits alle nötigen Fähigkeiten sicher beherrscht und die dazu benötigte Tauchtheorie kennt und anwenden kann. Dazu gibt es gewisse Grundfähigkeiten, die jeder Taucher beherrschen sollte. Benötigte Fähigkeiten und theoretische Kenntnisse die nicht bzw. nicht ausreichend beherrscht werden, sollten erlernt und geübt werden.

Also muss man nicht zwingend Full Cave Tech Instructor sein, alle Übungen die es gibt auf hohem Niveau beherrschen und in allen theoretischen Bereichen alles wissen, um gut tauchen zu können. Ich hab z.B. keine Ahnung von hypoxischem Trimix, Höhle/Bergwerk bin ich gerade am Anfang und baue meine Fähigkeiten in dem Bereich aus, Eistauchen kann ich nichts zu sagen ausser das es wohl kalt ist, Tauchen mit 2 Stages erfordert noch Übung, Tauchen mit mehr als 2 Stages hab ich noch nie gemacht usw usw. Macht mich das per se zu einem schlechten Taucher? 

Gelbe MaskeAbz. "Für gutes Wissen" (Gold)
09.08.2017 11:15
@Rechno Na, weil ich da nur 4 von 5 Punkten bekäme...
09.08.2017 11:28

Für mich kommen da mehrere Faktoren zusammen. Regelmäßige Tauchgänge helfen Erfahrung zu sammeln (auch negative Erfahrung gehört dazu). Kommt noch die Bereitschaft dazu, sich selber weiterzuentwickeln wird man sicherer, routinierter und in der Regel auch entspannter. Man ist nicht mehr mit sich selbst beschäftigt, sondern nimmt seine Umgebung wahr und kann rechtzeitig reagieren. Dazu gehört z.B wechselnde Strömung, Probleme bei einem anderen Taucher, wechselnde Sicht etc.

Taucht man immer nur dem Buddy oder Guide im Urlaub hinterher ohne an den eigenen Fertigkeiten zu arbeiten, wird man unter Umständen auch noch mit etl. hundert Tauchgängen eine Furche ziehen, weil man nie an der Tarierung gearbeitet hat.

Wer auf der anderen Seite regelmäßig die Skills im Bad übt, kann wahrscheinlich eine Wechselatmung im Schlaf. Aber wie man bei 4m Wellen in ein Boot kommt eher nicht. Oder wie verhalte ich mich in einer Aufwärtsströmung? Wie erkenne ich den Tiefenrausch bei einem Tauchpartner und was mache ich?

Man braucht als 'normaler' Sporttaucher nicht zu wissen, wann auf welches Gas umgestellt werden muß. Allerdings können Übungen aus dem techn. Tauchen helfen, mehr Routine zu bekommen. Dazu gehört z.B. das Auftauchen mit geschwärzter Maske oder ganz ohne Maske. Und wenn einem dann bei starker Strömung (sprich beide Hände an der Leine) ein anderer Taucher an der Aufstiegsleine der Thistlegorm die Maske mit der Flosse wegschlägt bleibt man evtl. ruhiger, weil man dies schon mal gemacht hat.

Ich finde den Vergleich mit dem Autofahren gut. Auch hier ist Erfahrung das ein und alles. Und wer zusätzlich ab und an auf Verkehrsübungsplätze geht wird ein immer routinierterer Autofahrer, der sich aber der Risiken bewußt ist.

Und der Spruch: Schuster, bleib bei Deinen Leisten trifft auch beim Tauchen zu.

RechnoCMAS**
09.08.2017 11:30

@ GM: damit ist klar, du bist kein guter Taucher flaming

Ich würde evtl. das Teamfähigkeit in Klammern setzen, da dies beim Solotauchen eher keine Rolle spielt.

Gelbe MaskeAbz. "Für gutes Wissen" (Gold)
09.08.2017 11:42
..sag ich doch, Rechno. Und das "Wissen" spielt oft auch keine Rolle, selbst bei Vollhöhlentauchern, aber auch generell. Zum Beweis: Delphine haben kein Abitur
09.08.2017 12:01Geändert von divingdonkey,
09.08.2017 12:03
@kwolf: Teamfähigkeit hätte ich mit dem ganzen Thema mentale Einstellung bei Psyche gesehen. Neben klassischen tauchbezogenen Softfacts wie Buddy/Team Awareness würde ich hier auch die Bereitschaft zu umweltfreundlichem Tauchen sehen.@Joe: Es geht mir nicht darum, dass man einen Taucher absolut als gut oder schlecht einordnen kann. Denn natürlich ist der Taucher gut, der die Sachen beherrscht, die er für das Level auf dem er tauchen will, benötigt. Also kann ein Taucher, der einmal im Jahr in Ägypten auf zehn Meter bunte Fische anschauen will ausreichend gut sein, auch wenn er noch nie eine Stage auch nur angesehen oder keine Ahnung von Dekompression hat. Würde mir dieser Taucher aber nach seinem Urlaub erzählen, dass er von der Jura gehört hat und diese gerne mal betauchen würde, dann würde ich ihm empfehlen, sich in den vier Kategorien weiterzuentwickeln und z.B. sein Wissen über Dekotheorie auszubauen (Wissen), seine Ventile selbst bedienen zu können und seine Tarierung im Griff zu haben (Können), sich auf das schwerere Gerödel und die lange Schwimmstrecke an der Oberfläche vorzubereiten (Physis) und sich zu fragen, ob er mit der psychischen Belastung durch Kälte, Dunkelheit und schlechte Sicht (Psyche) zurecht kommt. Ich glaube schon, dass ich auf JEDEM Niveau Fertigkeiten aus JEDEM dieser vier Bausteine benötige, um gut vorbereitet zu sein und der schwächste meiner Bausteine meine taucherischen Grenzen setzt. Selbst wenn ich einen lost diver drill perfekt beherrsche, alles über die do's and dont's des Höhlentauchens weiß und meine D18 spielend kilometerlang durch den mexikanischen Urwald tragen kann, hilft mir das alles nichts, wenn ich mich im Dunkeln fürchte.
Gelbe MaskeAbz. "Für gutes Wissen" (Gold)
09.08.2017 12:16

"lost diver drill" ... was ist das?

Vermutlich ein Notaufstieg?

(Gleich fliegen die Steine...)

09.08.2017 12:21
@ GM: Sorry, war nur ein Beispiel für eine höhlenspezifische Übung: Du verlierst Deinen Buddy in der Höhle und hinterlässt ihm nach kurzem Suchen eine Nachricht (und eine brennende Ersatzlampe) an der Leine, damit er weiß, dass Du raus bist.
diverhans...autark
09.08.2017 21:53

Ein guter Taucher ist, der sich mit der Theamtik des Tauchens schon mehr als nur hinreichend befasst. Der eine bringt seine Wissenserweiterung nur über Kurse, ein anderer über Eigen-Erfahrungen und ein anderer kombiniert Eigen-Erfahrung mit alt hergebrachtem (never change a running system). Wenn der Höhlenbeauftragte meint, dass Leute aus den achzigern, neunzigern, zweitausender (alte Hasen) stehen bleiben, weil sie nicht permanent Kurse besuchen, in denen Pressluft verteufelt wird (fallweise schon tiefer 30m), so sage ich, dass ein guter Taucher mit beinahe jedem Atemgas und mit beinahe jeder Ausrüstung in bestimmten Grenzen klarkommen sollte. So auch auf 60m (plus) mit Pressluft, sofern nichts anderes (besseres) verfügbar ist und die anstehenden Aufgaben die Durchführung eines TG erfordern. Sicher ist es für den "gemeinen Urlaustaucher" etwas einfacher, mal eben an Land zu bleiben. Jedoch kommt es auch vor, dass der Herdentrieb beim Urlaubstaucher siegt  will er doch 'was erleben und sein Logbuch füllen. Ergo sollte auch ein Urlaubs-Sport-Taucher in der Lage sein, mit kalkulierbaren suboptimalen Randbedingungen klarzukommen. Grundvoraussetzung ist die Solokompetenz, egal ob solo oder im Team. Solokompetenz ist einfach herzustellen und anzugewöhnen. Ein guter Taucher ist grundsätzlich nicht auf Hilfe von anderen angewiesen. Ausnahmen sind Explorationen, die logistisch also autark nicht zu bewergstelligen sind.

Es ändert nichts am Fakt, dass ein guter Taucher grundsätzlich innerhalb seiner Leistungsgrenzen bleiben sollte. Für den Höhlenbeauftragten ist das einfach - fehlt die Longehose bleibt er an Land, hat er nicht sein Bestmix bleibt er auch an Land, hat sein Blondy Schnupfen bleibt er auch dieses mal wieder an Land (...) und das obwohl er gaaaanz viele Tauchgänge und Kurse gesammelt hat. Insofern ist auch der Höhlenbeauftragte ein guter respektive ein disziplinierter Taucher.

> Ohne systematisches Training komme zumindest ich da nicht weiter...

Das ist am Anfang bis mittelfristig der Fall. Bei entsprechendem Interesse zur Sache, über viele Jahre Erfahrung fallweise in extremeren Gefilden und größeren Tiefen - so ist es bei mir - spielt sogar ein Jahr Tauchpause keine signifikante Rolle mehr.

Ergo: wenn man nach einem Jahr Tauchpause wieder von vorne anfangen muss, ist man - in meinen Augen - noch kein oder immer noch kein besonders guter Taucher, und as gilt auch für Urlaubstaucher. Verinnerliche diesen Sport und alles wird gut.

09.08.2017 22:00

Nach all den Bemerkungen zur Frage, was einen guten Taucher ausmacht, will ich auch noch was zur Erfahrung sagen. Wenn jemand jede Woche in den selben See steigt und dabei mit immer denselben Kumpels taucht, dann sammelt er dabei zwar Hunderte Tauchgänge über die Jahre, aber wenig Erfahrung - es passiert ja so gut wie nix Neues. Sich im Urlaub auf den Tauchguide zu verlassen und dem blind hinterherzudackeln, bringt zwar trotz allem etwas mehr Abwechslung, zumindest wenn man jeden Urlaub woanders verbringt, aber die persönliche Lernkurve ist dennoch flach. Viel wird man beim "Tauchen, Tauchen, Tauchen" nur dann dazu lernen, wenn man eigenverantwortlich taucht.

An Kursen allein würde ich den erfahrenen Taucher nicht festmachen. Es gibt sicherlich viele Menschen, die mehr aus Kursen mitnehmen als ich. Ich kann ganz gut für Prüfungen lernen und nach Bestehen auch recht schnell alles wieder vergessen. Was ich mir dennoch gut merken kann, sind die vielen kleinen Katastrophen meiner Taucherkarriere. Von einem Arbeitskollegen stammen die Worte, "Erfahrungen kann man nicht weitergeben, Erfahrungen muss man machen." Auf mich bezogen, stimmt der Satz 100%ig. Ich schau mir auch gerne von anderen was ab bzw. probiere es aus. Wenn es mir gefällt, optimiere ich es für mich weiter, bis ich rundherum damit zufrieden bin. Das verbuche ich auch unter Erfahrung.

10.08.2017 20:23Geändert von divingdonkey,
10.08.2017 20:24
@ Diverhans: Tauchen scheint schon eine wirklich besondere Freizeitgestaltung zu sein. Nicht nur, dass es Amateure per se besser als Profis zu unterrichten scheinen können, auch ist es wohl eine der wenigen sportlichen Betätigungen, bei denen es auf regelmäßiges Training nicht ankommt, so bald man es verinnerlicht hat. Augenscheinlich reichten aber zumindest bei mir 28 Jahre nicht aus, um es angemessen verinnerlicht zu haben, aber vielleicht fehlt es mir einfach auch an Talent (wofür in der Tat so einiges spricht). Aber im Ernst: Wenn Du allen Ernstes ein Jahr Tauchpause nicht merkst (und zwar bei einer selbstkritischen Einschätzung; dass man nach nem Jahr ohne Wasser auf Anhieb immer noch nen TG ordentlich hinkriegt ohne sich auf Anhieb umzubringen, ist mir schon klar) , dann bist Du entweder der Inbegriff des perfekten Tauchers oder Du bist in Wirklichkeit sehr weit von einem technisch guten Taucher entfernt.
diverhans...autark
10.08.2017 21:25

@divingdonkey

Ich bin davon überzeugt, dass es zumindest das letztere deines letzten Satzes ganz sicher nicht ist, sonst wäre ich bei dem was ich so unternehme schon lange nicht mehr existent. Und von mir aus, wenn nichts spannendes anliegt, mache ich auch zwei Jahre Tauchpause und weiß dann praktisch und theoretisch immernoch was ich (spontan) auf 60+ innerhalb eines mir völlig unbekanten Wracks tue. Und glaube mir, der Maschinenraum der SS "Rosali Moller" ist mittlerweile für mich so unspannend, dass ich gerade vor zwei Monaten exakt darüber geankert habe, alles an Bord einschließlich Helium hatte, bei bester Gesundheit war und es vorzog mich lieber an Deck zu sonnen und mein Team unten war.

Konkret ich leben meinen Tauchsport seit etwa 20 Jahren, lebe meinen Job und lebe meine Mobilität. Drei Dinge die im Wesentlichen mein Leben beherrschen und darum beherrsche ich auch (zumindest) diese drei Dinge. Das kann ich nicht verallgemeinern. Andere mögen das für sich anders sehen, anders verfahren.

Dein Thema ist: "Macht Erfahrung wirklich einen guten Taucher?" Ich sage dir: zum Teil. Erfahrung allein reicht nicht. Es muss nicht Jeder jeden Fehler selbst machen und das dann Erfahrung nennen. Man kann auch aus Fehlern anderer lernen. Setze dich mit dem was du öfter tust / tun wirst, mehr als hinreichend auseinander, in Theorie und Praxis. Verinnerliche das einfach. So wie das Lesen und Schreiben und Sprechen und da kratzen wo es auch wirklich juckt. Und alles wird gut. Kurz: Interesse zur Sache, Begeisterung, Wissensdurst, refelktierte Wahrnehmung, etc. Und wenn du etwas nicht kannst aber können möchtest, dann trainiere es / erweitere dein Wissen / finde Lösungen bis du es beherrscht. Und beherrschst du es (eines Tages) nicht (dein zeitlich sinnvoll persönliches Limit), so gibt es zwei Möglichkeiten. Es ist nichts für dich oder es ist absolut nichts für dich. In beiden Fällen würde ich es dann lassen. Aber - wenn ich mich bspw. im Straßenverkehr täglich so umsehe, wer alles lieber mit dem Bus als Fahrgast unterwegs sein sollte ... mask

> Ohne systematisches Training komme zumindest ich da nicht weiter....

Wie gesagt... und setze dir vielleicht ein sinnvolles zeitliches Limit. Möglicherweise könntest du auf anderen Gebieten "für dich erfolgreicher und somit zufriedener" sein. Im Tischtennis war ich nie ein guter Spielpartner, und ich habe früher reichlich Tischtennis gespielt. Ich habe seit 25 Jahren kein einziges Mal mehr gespielt. Ich habe es dann einfach sein gelassen und offensichtlich einen für mich geeigneteren "Sport" gefunden..

Also, viel Erfolg!

kissing

kwolf140614413-1; Nitrox**
11.08.2017 00:16

Wer bei der ***-Prüfung durchfällt, trotz Vorbereitung, ist kein guter Taucher, also kann jemand ohne Teamfähigkret kein guter Taucher sein, denn er würde immer durch die ***-Prüfung fallen ...

Spaß beiseite: Ich stimme in großen Zügen diverhans zu. Man muss sich um Qualität immer bemühen, auf jeder Stufe und in jeder Disziplin und dann auch Erfolg und Fortschritt erfahren. Gut ist man nicht am Ende des Werdeganges, sondern während des Prozesses. Oder auch: Es gibt m.M.n. nicht den guten Taucher, sondern gute Anfänger, gute Tiefaucher, gute technische Taucher, gute UW-Fotografen, gute Leinentaucher, gute Strömungstaucher, etcpp.

FullcaveGUE Cave 2, IANTD Technical Cave, IANTD Full Trimix OC
11.08.2017 07:33

Es gibt Taucher, die aufgrund einer soliden Basis an Grundfertigkeiten nunmal mehr können als andere Taucher und insoweit sind diese Taucher auch bessere Taucher, da sie auf einen größeren Pool von Fertigkeiten zurückgreifen können. Das fängt bei Flossenschlagtechniken in heimischen Seen an und hört damit auf, dass diese Taucher im Gegensatz zu anderen wissen, warum man den Regler beim Ventilmanagement leer atmet, warum eine Doppel80 cuft im Kaltwasser keinen Sinn macht, usw. 

Hier im TNet wird ja immer so getan, als seien in Deutschland nur gute Taucher unterwegs. Das deckt sich Null mit dem, was man so an den Tauchplätzen sieht. Es gibt große Qualitätsunterschiede in Aus-, und Fortbildung umd auch in der Bereitschaft von Tauchern sich weiterzubilden. Schaut euch auf ner Tauchsafari den ersten Tauchtag an, spätestens wenn alle zurr Übung ne Boje schießen. Alles "gute Taucher". Schaut euch an, was in Hemmoor pder Messinghausen ins Wasser geht. Alles gute Taucher. Messinghausen gibt es imho ein vielsagendes Experiment. Als Oliver Hecht damals der Kragen platzte, weil sich mehrere Leute dort ua wegen einer verlorenen Flosse umgebracht hatten, qar der See für die Öffentlichkeit gesperrt. Nur noch Clubmitglieder mit einer gewissen taucherischen Qualifikation (jenseits von DM oder ***) durfte dort noch tauchen. Unfälle? Kein einziger in der Zeit. Nun ist Messinghausen ja wieder auf für "gute Taucher" und schon kommt wieder der Hubschrauber. Weil ja jeder auf seinem Level ein guter Taucher ist. In der Realität gibt es auch verdammt schlechte Taucher. Aber nicht im TNet.......

11.08.2017 08:35
@ Diverhans: Danke für deine Antwort! Ich wollte deiner Wracktaucherehre nicht zu nahe treten, es kann ja sein, dass Du dein taucherisches Niveau auch nach zwei Jahren hältst. Dann sei dir aber bewusst, dass Du eine große Ausnahme zu sein scheinst und es dem Rest von uns -einschließlich einiger Taucher, deren TGs den deinen in Komplexität sicherlich nichts nachstehen- anders ergehen kann und wir uns auf große und komplexe Tauchgänge durchaus vorbereiten müssen. Wo ich vollkommen anderer Meinung bin, ist allerdings deine Aussage, dass man den guten Taucher daran erkennt, dass er notwendige Tauchgänge auch dann durchziehen kann, wenn die Rahmenbedingungen (Gasauswahl etc.) nicht ideal sind. In meinen Augen beschreibt das ziemlich treffend den Idioten unter den Tauchern. In sehr engen Grenzen mag etwas anderes für die Berufstaucherei gelten, wobei zumindest die Berufstaucher, die ich kenne, die ersten sind, die einen TG canceln, weil etwas nicht hundertprozentig passt. Für uns Freizeittaucher (inkl. aller technischen Taucher) halte ich so eine Einstellung für ziemlich daneben. @Fullcave: Um genau diese "guten Taucher" geht es mir. Alle reden immer so als wären sie der eine aus einer Million, der es wirklich, wirklich, wirklich drauf hat. In Wirklichkeit sind sie dann aber eher der eine aus Dreien, der GLAUBT es wirklich, wirklich, wirklich drauf zu haben. Frag mal jemanden, der seit zehn Jahren Golf spielt, er wird dir sehr genau sagen können, woran er technisch noch arbeiten muss. Frag das gleiche mal nen Taucher mit zehn Jahren "Erfahrung" und die Antwort wird bestimmt eine andere sein. Das finde ich schade, denn ich habe, als ich mich trotz zwanzig Jahren "Erfahrung" nochmal neu aufs Tauchen eingelassen hab, viel für mich mitgenommen. Ich sehe im Verein einige, die denken, sie seien die taucherische Krone der Schöpfung und bestimmt auch passabel tauchen, die aber weit weg sind, gute Taucher zu sein. Manchmal würde ich mir für die Kollegen etwas Selbstkritik und Reflexion wünschen, weil es durchaus noch was für sie zu entdecken gäbe. Aber das ist wohl Wunschdenken, denn, wie Du ja sagst, in Deutschland haben wir nur gute Taucher... 😎
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