Tauchen ist ein schöner, aber auch ein gefährlicher Sport. Um Dir auch die Gefahren dieses Sports aufzuzeigen, gibt es die Tauchunfallseite, auf der aktuelle Tauchunfälle im deutschsprachigen Raum aufgezeigt werden.

Kreidesee: 3 Taucher nach Notaufstieg im Krankenhaus 27.6.

Bei einem Tauchgang am Mittwoch wurden im Kreidesee drei Taucher verletzt. Die Tauchgruppe, bestehend aus zwei Männern und einer Frau, waren um die Mittagszeit zu einem Tauchgang aufgebrochen.

Beim Tauchgang kam es zu einer Funktionsstörung des Lungenautomaten - wahrscheinlich ein Vereiser. Alle drei starteten daraufhin einen Notaufstieg und machten sich an der Oberfläche bemerkbar.

Durch die Leitstelle wurden umgehend drei Rettungswägen plus Notarzt zum See beordert, die Taucher wurden auf drei Krankenhäuser verteilt. Zwei der Taucher konnten das Krankenhaus am selben Tag verlassen, ein Taucher wurde zur weiteren Beobachtung im Krankenhaus behalten.

Weitere Infos folgen in Kürze.

Quelle: https://www.cn-online.de/stadt-land/news/kreidesee-hemmoor-drei-taucher-in-klinik-eingeliefert.html

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29.06.2018 10:26
Bei 3 Tauchern sollten es im Regelfall 6 zweite Stufen geben. Bereits mit 2 lässt sich doch ganz gemütlich unter Wechselatmung auftauchen, ohne einen potentiell gefährlichen Notaufstieg einleiten zu müssen. Oder sind etwa alle gleichzeitig eingefroren?
mario-diverRD,EAN<40,Deep, SRD, UW/Schiffsarchäologie I (VDST),
29.06.2018 13:52
Nach dem Artikel gehe ich davon aus, das "nur" bei einem der Taucher der besagte Defekt auftrat; es ist zwar nichts beschrieben über den Ausbildungsstand der Tauchgruppe, der Vorfall zeigt aber sehr deutlich, welche "Schein"sicherheit doch das Buddysystem darstellen kann (ohne jetzt in Richtung "Solo" plädieren zu wollen!).
Was in der Theorie und/oder in geplanter Übung klappt (1.te Stufe schließen/schließen lassen vom Buddy und sogar 2 Buddies zur Wechselatmung zur Verfügung zu haben, um einen kontrollierten Aufstieg einzuleiten), ist noch kein Garant für den echten Notfall.
Solokompetenz im Buddysystem wäre hier erstrebenswert.
SiliumAdv. Nitrox / Deco Pro
30.06.2018 14:01
Dem schließe ich mich an.
Mal realistisch betrachtet: Die Taucgruppe taucht M12 oder M15 (nicht unüblich in Hemmoor) und die Taucher haben kein T-Ventil, kommen also nicht selbstständig an die Ventile. In diesem Fall muss bei einem Abblasen der Buddy informiert werden, dieser zum Taucher schwimmen und dann das betreffende Ventil zudrehen. Mit Glück ist dann noch ein Rest Atemgas in der Flasche.
In der Regel dürfte aber der Buddy, genau wie der Unglückstauer, ein großes P im Gesicht haben. In diesem Fall wird es nicht zu einem rechtzeitigen Abdrehen des abblasenden Ventils kommen, ein Notaufstieg wird eine Panikreaktion gewesen sein und deutet auf mangelndes Training.
Es sollte Standard sein, während des Sicherheitsstops im Sporttauchen Notsituationen wie das Abblasen eines Reglers zu trainieren. Die Rettungskette wäre dann ggf. nicht nötig gewesen.

Das ist aber alles Offtopic und basiert auf Vermutungen. Es scheint als sei der Unfall glimpflich abgelaufen, von daher Glück gehabt und gute Besserung an die 3 Taucher.
01.07.2018 00:36
Ich gebe meinen Vorrednern Recht - bei drei Tauchern sollte bei einem vereisten Atemregler (oder auch beim Komplettausfall eines Atemreglers) kein Notaufstieg nötig sein, nichtmal dann, wenn ohne kaltwassergeeignete Ausrüstung getaucht wird. Da wird vermutlich Panik bei der betreffenden Person eine Rolle gespielt haben.

Gerade Kaltwassertaucher sollten den Umgang mit Vereisungen regelmäßig üben (Ventil-Drill sowie Atmen aus einem abblasenden Atemregler). Leider werden diese Dinge - wenn überhaupt - nur in der Ausbildung geübt, das CMAS-Regelwerk sieht für Silber die Simulation einer Vereisung nur als Alternativübung zur Übung einer Luftnotsituation vor, also nicht verpflichtend, auch bei Gold oder dem Spezialbrevet Tauchsicherheit- und Rettung kommt der konkrete Umgang mit Vereisern nicht vor - ich nehme an, es würde im Spezialkurs Eistauchen behandelt werden, aber den besuchen halt die wenigsten Taucher. Bei PADI mWn auch nicht, wobei das Atmen aus einem abblasenden Atemregler zumindest beim Dive Master mWn zu den Pflichtübungen gehört.

Die Lücke sollte in einer guten Tauchausbildung vom Tauchlehrer geschlossen werden - und darauf hingewiesen werden, dass die halbwegs sichere Bewältigung eines Notfalles nur mit steter und regelmäßiger Übung zu erreichen ist (ja, 100% sicher wird es nie, aber wiederholtes Üben hilft durchaus bei der Panikvermeidung; und eine Ventil-Drill-Übung lässt sich auch problemlos noch nach dem Safety Stop vor dem Auftauchen einbauen, wenn man nicht vor dem Tauchgang "die Luft dafür verschwenden" will...). In vielen Tauchvereinen mit häufigen Kaltwassertauchgängen finden dazu auch regelmäßig Übungen statt. Der Ventil-Drill fördert auch gerade die von Mario angesprochene Solokompetenz (also die Fähigkeit, das Problem selbst lösen zu können und nicht auf einen "rettenden" Buddy angewiesen zu sein).
02.07.2018 10:22
Wir haben ein paar weitere Infos zu dem "Unfall" bekommen.

Es wurde anscheinend kein "Notaufstieg", sondern ein Aufstieg unter Wechselatmung vorgenommen. Da die Gruppe an der Oberfläche aber sehr aufgeregt war, wurde die Rettungsleitstelle informiert. Da der eintreffende Notarzt auf der sicheren Seite sein wollte, lies er alle "Verunfallten" vorsichtshalber einem Check im Krankenhaus unterziehen. Zwei Taucher wurden nach einer kurzen Untersuchung wieder entlassen, ein Taucher wurde zur Beobachtung eine Nacht im Krankenhaus belassen, es zeigten sich auch hier keine Symptome.

Hier waren alle Beteiligten übervorsichtig - aber besser so wie anders rum.
tl3Instructor Trainer
02.07.2018 19:02
Warum sollte M12 in Hemmoor nicht üblich sein? Ich habe damit in Hemmoor min. 100TG gemacht. Gut, eher M10, als M15. Aber auch das ist normal.

Was nutzen die besten Vorschriften und Ausbildungsrichtlinien, wenn sich kein Taucher daran hält? Ich kann in der Ausbildung Wechselatmung/alternative Luftversorgung (schon ab CMAS*) üben und "prüfen". Das ist aber kein Garant dafür, das es in Notfall auch gemacht wird.
Und in Hemmoor sind ohnehin zwei getrennte Atemregler vorgeschrieben.
SRUTMX Advanced
04.10.2018 08:08
Das Grundproblem im Sporttauchen ist die Monoflasche auf dem Rücken, welche im Bezug auf Abdrehen nicht managebar ist. Im Kaltwasser sollte immer eine Stage getragen werden. Aber das kostet Geld, verringert den Spaßfaktor und passt eben nicht ins Sporttauchkonzept. Daher wird es immer wieder Notaufstiege oder Wechselatmungrn geben... Idee eben leider auch viele Tote. Ok, ist off topic, aber ich denke, doch wichtig festzustellen.
kwolf140614413-1; Nitrox**
04.10.2018 14:27
Es gibt auch Monoflaschen mit zwei getrennt absperrbaren Ventilen. Wenn man in der Lage ist, ein Ventil beim Abblaser selbst und schnell zu schließen, ist das zumindest bei Nullzeittauchgängen Sicherheit für den Luftvorrat genug.
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