YAQU PACHA: 15 Jahre Artenschutz in Südamerika

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05.04.2007 21:37
Kategorie: News
YAQU PACHA e.V. ist eine Gesellschaft zum Schutz wasserlebender Säugetierarten Südamerikas. Sie wurde 1992 im Tiergarten der Stadt Nürnberg gegründet mit dem Ziel, bedrohte Tierarten und deren Lebensräume in Südamerika zu schützen. Der Begriff "YAQU PACHA" kommt aus der Indiosprache Quichua und bedeutet Wasserwelt. In den letzten 15 Jahren wurden Projekte in Ecuador, Brasilien, Uruguay, Chile und Argentinien unterstützt.
Dank der Unterstützung von YAQU PACHA konnten z. B. die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zu Biologie, Verbreitung und Verhalten des bedrohten Amazonas-Delphin im ecuadorianischen Amazonas-Gebiet durchgeführt werden.

Ein Projekt an der Küste Ecuadors beschäftigte sich mit der Auswirkung des "whale-watching" auf die lokale Buckelwalpopulation. YAQU PACHA war maßgeblich daran beteiligt, die ersten Richtlinien für "whale-watching" zu entwerfen und in Kooperation mit den lokalen Ministerien ein Gesetz zum Schutz der Buckelwale durchzusetzen.
Seit 1996 arbeitet YAQU PACHA zusammen mit Kollegen aus Brasilien, Uruguay und Argentinien an der Entwicklung und Durchführung von Schutzmaßnahmen, um den stark bedrohten La Plata Delphin vor der bevorstehenden Ausrottung zu bewahren. Fischernetze sind sein größter Feind: Die Delphine können sich verfangen. So sterben jährlich schätzungsweise 4.000 Tiere einen qualvollen Tod.

Ein weiteres Projekt von YAQU PACHA dient der Erforschung und dem Schutz von zwei Delphinarten, den Chile- und Peales-Delfinen im Süden Chiles. Die größte Gefahr für die dort lebenden Meeressäuger ist die zunehmende Ausbreitung von Fischfarmen. Unterstützt wird dies seit 2001 von der Gesellschaft und jetzt auch vom Tiergarten der Stadt Nürnberg.

Die verschiedenen Schutzprojekte werden seit Jahren von YAQU PACHA gefördert. Parallel dazu erarbeitet die Gesellschaft seit 1996 in den o.g. Ländern gezielt Umweltpädagogik-Programme. Überzeugt von der Tatsache, dass der langfristige Erfolg von Schutzbemühungen eine enge Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung voraussetzt, leistet YAQU PACHA in Schulen und Gemeinden vor Ort wichtige Aufklärungsarbeit.
Nicht nur in Südamerika ist die Arbeit von YAQU PACHA wichtig. Auch in Deutschland ist die Gesellschaft bemüht, den Naturschutzgedanken in der Bevölkerung zu verankern. Durch unterschiedliche Aktionen, Ausstellungen und Vorträge zu Wasserlebensräumen ist es YAQU PACHA gelungen, auf die Gefahren einzelner bedrohter Tierarten und deren Lebensräume hinzuweisen und Menschen für den Artenschutz zu gewinnen.

Mit einer neuen Kampagne startet YAQU PACHA das Jahr 2007 in Deutschland. Dabei gilt die Aufmerksamkeit nicht dem Schicksal einzelner Tierarten, sondern vor allem dem Ökosystem Meer. Mit der Kampagne "DEADLINE: Das Meer will leben", spricht die Gesellschaft weltweit vorhandene Gefahren an, wie z. B. Überfischung, Beifang, chemische und akustische Kontamination. Laut einer aktuellen Studie (Worm, et al. 2006) ist die Zukunft vieler Meeresbewohner in akuter Gefahr. Wenn wir unseren Umgang mit den Meeresbewohnern nicht grundlegend ändern, wird dieses das letzte Jahrhundert für viele wilde Fische und andere Meerestiere sein! Ohne sofortiges Handeln werden bis 2048 alle gegenwärtig im offenen Meer kommerziell genutzten Fisch-, Muschel-, oder Krustentierbestände kollabiert sein - so die Prognosen der Wissenschaftler.

Ziel von DEADLINE ist aber nicht nur zu informieren, sondern auch Lösungsansätze aufzuzeigen, die jeder Einzelne im täglichen Leben berücksichtigen kann, um das Ökosystem Meer zu schützen.


Dr. Lorenzo von Fersen
1. Vorsitzender
YAQU PACHA e. V.

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Dr. Dag Encke
Leitender Direktor
Tiergarten Stadt Nürnberg