WWF begrüßt Sanierungskonzept der Nord- und Ostsee

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01.10.2008 13:13
Kategorie: News
Hamburg - Der WWF begrüßt die heute vom Bundeskabinett beschlossene Nationale Meeresstrategie. Mit dem umfassenden Konzept will Deutschland die geschädigte Natur in Nord- und Ostsee bis 2020 sanieren und Richtlinien für den Ausgleich von Wirtschafts- und Umweltinteressen festlegen. „Es gibt Hoffnung für Kabeljau und Schweinswal. Diese Strategie könnte sich zu einem Meilenstein für den Meeresschutz in Deutschland entwickeln. Wenn den Ankündigungen Taten folgen und die Lücken in der Vorlage geschlossen werden, kann sich Frau Merkel den Titel der Meereskanzlerin verdienen“, so WWF-Experte Stephan Lutter.

Der WWF lobt ausdrücklich die klare Festlegung, bis 2020 einen „guten Umweltzustand“ in Nord- und Ostsee zu erreichen. Mit der Nationalen Strategie setzt Deutschland die EU-Vorgaben zum Meeresschutz um. Das Papier aus dem Umweltministerium geht laut WWF über die Brüsseler Vorlage hinaus. „Die Ziele sind verbindlicher, der Ansatz ist umfassender. Wichtige Lösungen wie die Ausweisung von Meeresschutzgebieten und Ökolabel für nachhaltige Fischerei werden angepackt“, so Lutter.

Trotz des positiven Ansatzes sieht der WWF aber noch erhebliche Schwächen. Beim Sand- und Kiesabbau im Schutzgebiet Sylter Außenriff will die Regierung zunächst die Umweltfolgen prüfen. Auch eine klare Absage an die Ölförderung im Nationalpark Wattenmeer fehle. „Derart massive Störungen haben in Schutzgebieten nichts zu suchen“, Lutter. Der WWF fordert eine Reform des vollkommen veralteten Bergrechts, das diese Eingriffe überhaupt erst möglich mache.

Die schrittweise Zerstörung der für die Nordsee so wichtigen Flussmündungen von Elbe, Weser und Ems für den unkoordinierten Ausbau der Seehäfen und die Werften werde ignoriert. Auch beim Ostseeschutz sieht der WWF große Mängel. Die Bundesregierung wird ihr Ziel, die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft zu verringern, verfehlen – und gesteht das auch ein. Konkrete Forderungen, die sich vor allem an die EU-Agrarpolitik richten müssten, vermisst der WWF jedoch. So könne der Kampf gegen die sich ausbreitenden sauerstoffarmen Todeszonen in der Ostsee nicht gewonnen werden.

Der WWF fürchtet, dass viele der ambitionierten Ansätze der Nationalen Meeresstrategie ausgebremst werden. Dafür gebe es bereits ein aktuelles Beispiel – die vom Bundesamt für Seeschifffahrt entwickelte Vorlage für die Raumordnung in der 200-Seemeilen-Zone vor der deutschen Küste. Sie richte sich einseitig an den Interessen der Reeder aus und sehe beispielsweise Schifffahrtsrouten durch Schutzgebiete vor. Dabei wäre die Raumordnung eines der wichtigsten Instrumente, um das 2020-Ziel zu erreichen. „Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer Meerespolitik aus einem Guss“, so Lutter.