Wrackplünderer aufgepasst: 2 Jahre 'Dekopause' für Kanonen-Taucher

Teile:
20.05.2016 08:44
Kategorie: News

Lügen haben kurze Lunten

Der ehrenwerte Richter Peter Ralls am Crowns Court in Southampton verstand in dieser Sache keinen Spaß! Es ging um drei große Bronzekanonen die dem Berufstaucher Vincent Woolsgrove geradezu „in den Schoß“ gefallen waren und die er für 46.000 britische Pfund an einen Sammler in Florida verkauft hatte.

Gallery 1 here

Der 49jährige britische Profitaucher hatte immer wieder beteuert, die Kanonen in internationalen Gewässern gefunden zu haben. Zunächst deutete auch einiges darauf hin, denn die Kanonen waren eindeutig aus niederländischer Produktion und diese spezielle Art von 24-Pfündern war im 17. Jahrhundert tatsächlich auf holländischen Kriegsschiffen verbaut worden.

Die britischen Behörden hatten aber „Lunte“ gerochen und dann doch etwas tiefer recherchiert und dann kam die ganze, brisante Wahrheit ans Licht, die dem Profitaucher und Wrackfreund nun eine Verurteilung zu zwei Jahren Haft einbrachte.

Er hatte nämlich nicht nur Eigentum des britischen Staates versilbert, sondern hatte auch Marinebehörden, Küstenwache und die ermittelnde Staatsanwaltschaft über den Fundort der Kanonen seit 2007 permanent getäuscht und belogen. Er habe die Kanonen in North Foreland in der Höhe von Margate außerhalb der britischen Hoheitsgewässer im Kanal gefunden, hatte der Schatzjäger immer wieder behauptet.

Nach längeren Recherchen der kooperierenden Behörden mit Historikern kam aber heraus, dass die Kanonen nicht von einem holländischen Wrack stammten, sondern nach dem Englisch-Holländischen Krieg von 1642 -1644 von britischen Einheiten konfisziert und auf britische Kriegsschiffe als Kriegsbeute verschifft wurden. So gelangten einige der Kanonen auch auf das britische Flaggschiff „HMS London“, das später unglücklicherweise direkt unter der Küste von Kent nach einer Explosion des Pulvermagazins mit 200 Mann samt den Kanonen versank. Innerhalb der britischen Hoheitsgewässer!

Pech für den Schatzjäger, denn die Kanonen sind nach Aussagen des Richters nun endgültig für die britische Krone verloren und zieren einen privaten Sammler-Vorgarten in Florida. Und als die Polizei im Verlaufe der Ermittlung bei Vincent Woolsgrove eine Hausdurchsuchung vornahm, staunten die Beamten nicht schlecht: Eine wahre Aladin-Räuberhöhle tat sich ihnen auf, mit Artefakten aus historischen Schiffen, deren Wert auf fast 120.000 britische Pfund geschätzt wurde.
Da versteht dann auch ein ehrenwertes britisches Gericht keinen Spaß mehr und verhängte neben einer saftigen Geldstrafe auch noch eine zweijährige Haftstrafe.

Schon vor zwei Jahren sorgte ein Prozess am Southamptoner Court für Unruhe in der britischen Tauchszene: Zwei Taucher hatten sieben Meilen vor der Küste Dovers (Kent) von neun Wracks verschiedene historische Artefakte geborgen und für sich behalten. Die Strafen für Taucher, die Wracks plündern und Artefakte für sich bergen, betragen in Britannien 2.500 britische Pfund pro geborgenem und unterschlagenem Artefakt. Und diese Strafe kann vom Gericht bei wertvollen, historischen Gegenständen bis zum doppelten des heutigen Marktwertes festgelegt werden. Teure Tauchgänge... (hap)