Wiederansiedlung von Stören in der Ostsee

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27.12.2006 12:19
Kategorie: News
2007 ist es soweit, der seit 100 Jahren ausgerottete Ostseestör soll wieder angesiedelt werden. Insgesamt 2000 Jungstöre (15-50 Zentimeter groß) sollen in der Oder ausgesetzt werden. Die Tiere sind Nachfahren von kanadischen Stören, die genetisch fast identisch mit dem Atlantischen Stör und vor zwei Jahren aus Nordamerika eingeführt worden seien. Die Wiederansiedlung sei ein gemeinsames Projekt mit polnischen Partnern. Ziel ist es, dass sich die Störe in der Ostsee ansiedeln und in der Oder vermehren. Ein erster Test im Juli 2006 war erfolgreich, einige der 15 Tiere haben den Weg in die Küstengewässer geschafft.



Informationen

Merkmale:
Störe sind recht urtümliche Lebewesen. Ihr Skelett ist nur teilweise verknöchert. An den Seiten befinden sich fünf Reihen von großen Schuppen. Die Schwanzflosse ist asymmetrisch. Der Mund ist unterständig und kann ausgeklappt werden. Vier Barteln dienen den Stören zur Nahrungssuche im Boden. Einige Störarten erreichen in Ausnahmefällen mehr als 5 m Länge und gehören damit zu den größten Süßwasserfischen, wobei viele Arten nur zum Laichen ins Süßwasser ziehen, und ansonsten im Meer leben. Die größten tatsächlich registrierten und gemessenen Störe waren zwischen 5 und 6 m lang und dabei zwischen 1 und 1,5 t schwer. Anderslautende Meldungen stellen schlichtweg Übertreibungen dar (vgl. Anglerlatein). Genaueres über die Missverhältnisse falscher Größenangaben bei Störartigen steht auch unter Hausen.


Lebensweise

Störe leben sowohl im Süßwasser als auch im Brackwasser und Meer, wobei es aber auch eine Reihe von ausschließlich im Süßwasser lebenden Arten gibt. Die wandernden Formen wachsen im Süßwasser auf, um später ins Meer zu wandern, um dann mit Erreichen der Geschlechtsreife zum Laichen in die Flüsse zurückkehren. Störe werden oft erst sehr spät geschlechtsreif, besonders die Weibchen der großen Arten benötigen zum Teil mehr als 20 Jahre, bis sie zum ersten Mal ablaichen können. Einige kleinere Arten können unter guten Umständen schon nach wenigen Jahren die Geschlechtsreife erreichen. Einige Störe können erwiesenerweise ein Alter von mehr als 100 Jahren erreichen und gehören mit einem Gewicht von bis zu 1400 kg zu den größten Süßwasserfischen der Welt.




Gefährdung

Störe stellen höhere Anforderungen an die Gewässergüte, daher waren sie im westlichen Europa im 20. Jahrhundert fast ausgestorben. Noch ein Jahrhundert zuvor kamen Störe in der Elbe so häufig vor, dass sich die Dienstboten in Hamburg das Privileg ausbaten, nicht öfter als zweimal pro Woche Stör zum Essen zu bekommen.
Ende der 1970er Jahre gingen im Kaspischen Meer noch 20.000 t Stör pro Jahr ins Netz, im Jahr 2000 waren es weniger als 3.000 t. Trotz aller Schutzmaßnahmen verringert sich der Bestand weiter, was vor allen Dingen auf illegale Raubfischerei zurückzuführen ist.


Ein Stör

Störe werden vor allem des Kaviars wegen gefangen. Kaviar ("Rogen") besteht aus den Eiern der weiblichen Störe, die auch als "Rogner" bezeichnet werden, und gilt als hochpreisige Delikatesse.
Der Störfang hat – vor allem seit der Auflösung der UdSSR – zu immer mehr Raubbau in den Gewässern Russlands geführt, so dass auch die dortigen Arten stark bedroht sind. Die Störzucht zum Zweck der Kaviargewinnung hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Letzte Rückzugsgebiete der Störe finden sich im Donaudelta.
1997 wurde der Stör auf Initiative Deutschlands und der USA in das Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen. Seit 2003 bemüht sich die World Sturgeon Conservation Society um den Erhalt und die Regenerierung der weltweiten Störbestände.
Um das völlige Aussterben des Belugas-Störs zu verhindern, haben die USA mit Wirkung vom 30. September 2005 ein generelles Importverbot für Beluga-Kaviar erlassen.[1]
In Deutschland gilt der Stör seit Anfang der 1970er Jahre als ausgestorben. Der letzte Stör wurde 1969 in der Eider gefangen. Gelegentlich treten in Flüssen Sibirische Störe auf, die von Aquarienbesitzern ausgesetzt wurden. Ab dem Herbst 2006 werden in Abstimmung mit polnischen Wissenschaftlern im deutsch-polnischen Grenzfluss Oder drei Jahre lang jeweils 2000 Ostsee-Störe ausgesetzt. Die ausgesetzten Jungstöre werden im Institut für Gewässerökolgie und Binnenfischerei am Müggelsee in Berlin-Friedrichshagen gezüchtet. In der instituteigenen Aquariumhalle mit mehreren 10.000 Liter-Aquarien leben seit zehn Jahren 17 Störe, die als Jungfische aus Frankreich kamen. Sie sollen die neue Störpopulation für den Rhein und die Elbe bilden. Während der ersten Jahre der Wiederansiedlung des Störs dürfen die Fische nicht gefangen werden. Weitere Zuchtversuche mit dem Stör werden in Born auf dem Darß durchgeführt. Im Oktober 2006 wurden in der Peene in Mecklenburg/Vorpommern 15 aus Kanada stammende Jungstöre zur Beobachtung ausgesetzt. Wenn alles glatt geht, rechnen die Wissenschaftler damit, dass der Stör in 30 Jahren in deutschen Flüssen wieder heimisch ist.