Westantarktis: beschleunigte Gletscherschmelzen erwartet

Teile:
13.12.2016 09:24
Kategorie: News

Forschung trägt zu besseren Vorhersagen über den Anstieg des Meeresspiegels bei

Forscher der Universität von Kalifornien, Irvine (UCI) und der NASA haben in zwei neuen Studien den schnellsten je beobachteten Gletscherrückgang dokumentiert. Die Ergebnisse der Studien zeigen, wie die Eismassen durch die Wechselwirkungen zwischen den Ozeanbedingungen und dem Grundgestein unterhalb eines Gletschers beeinflusst werden.

Gallery 1 here

Die beispiellosen Einblicke in das schmelzende Eis auf den schwimmenden Unterseiten der Gletscher hilft Wissenschaftlern, den zukünftigen Eisverlust der Antarktis und den Anstieg des Meeresspiegels besser vorherzusagen.

Untersucht wurden drei benachbarte Gletscher - Smith, Pope und Kohler - , die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit abschmelzen und sich zurückziehen. Alle drei fließen in die Amundsen-See in  der Westantarktis, der Region mit dem größten Eisverlust des Kontinents.

"Mit der Nutzung von Satellitendaten messen wir weiterhin die Entwicklung der Erdungslinie dieser Gletscher, die uns hilft, ihre Stabilität zu bestimmen und wie viel Masse der Gletscher gewinnt oder verliert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die beobachteten Gletscher weiterhin Masse verlieren und so zum globalen Anstieg des Meeresspiegels beitragen", so Bernd Scheuchl, Leiter einer der Studien, die in  Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde.

Die Erdungslinie bezeichnet die Linie  an der der Gletscher den Kontakt mit dem Grundgestein verliert und beginnt auf dem Ozean zu schwimmen. Wenn zu viel Masse verloren geht, kann der Gletscher beginnen, weiter landeinwärts zu „schweben“.

Die Forscher stellten fest, dass sich die Grundlinien des Smiths- und des Pope-Gletschers seit 1996 jährlich um zweieinhalb Kilometer zurückgezogen hatten. Für den Kohler-Gletscher waren es zwei Kilometer seit 2011.

In einer weiteren Studie, die vor kurzem in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, haben Forscher den Eisverlust an der Unterseite der drei Gletscher gemessen.

Die Ergebnisse: Der Smith-Gletscher, der am schnellsten schmelzende Gletscher, hat von 2002 bis 2009 zwischen 300 und 490 Meter in der Nähe seiner Erdungslinie verloren – ein Rückgang von bis zu 70 Meter pro Jahr. Für den Zeitraum von 2002 bis 2009 wurde ein noch höherer Eisverlust rund um die Amundsen-See beobachtet.

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich seit längerem nicht beschleunigt. Seit Beginn der 1990er Jahre steigen die globalen Pegel um durchschnittlich rund drei Millimeter pro Jahr. Schmelzwasser aus Grönland und der Antarktis trägt zusammen etwa einen Millimeter pro Jahr zum Anstieg bei. Ob der Anteil steigt, hängt wesentlich von den fragilen Gletschern rund um die Amundsen-See ab.