Weichkorallen sterben durch Erwärmung noch schneller

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19.07.2007 14:13
Kategorie: News
Forscher warnen erneut vor Overkill der Ozeane

Washington DC/Wien (pte/19.07.2007/06:05) - Weichkorallen leiden unter der Meereserwärmung noch stärker als Hartkorallen. Experten berichten, dass die üppig blühenden Weichkorallen unter den höheren Temperaturen praktisch "wegschmelzen". Durch das fehlende harte Kalkskelett bleibt von den weichen Korallen bei der gefürchteten Korallenbleiche praktisch nichts mehr übrig. In den vergangenen Jahren haben der ökologische Stress und die Meereserwärmung schwere Schäden an den Korallenriffen der Welt hinterlassen, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic.

"Ich habe Regionen vor der Küste Okinawas in Japan vor und nach der Korallenbleiche besucht", so Hudi Benayahu von der Porter School of Environmental Studies an der Tel Aviv Universität http://www.tau.ac.il. "Der Unterschied war gewaltig: Ein Großteil der Weichkorallen war danach einfach verschwunden. Man kann es kaum glauben, dass es sich um ein und dasselbe Gebiet handelt." Nur zwei Jahre nach der ersten Untersuchung erschien das ehemals blühende Riff als vollkommen verlassen und leblos. Weichkorallen sind im Indo-Pazifik weit verbreitet. "Es gibt so viele verschiedene Arten von Weichkorallen, dass es sehr schwer ist, diese auseinander zu halten", so der Meeresbiologe Michael Stachowitsch von der Universität Wien http://www.univie.ac.at/marine-biology im pressetext-Interview. Tatsächlich berichtet Benayahu darüber, dass viele der Weichkorallen bisher noch nicht wissenschaftlich beschrieben wurden. Eine Katalogisierung sei zwar im Gange, aber noch nicht abgeschlossen. Die Meeresbiologen befürchten, dass viele der Korallen verschwunden sein könnten, ehe sie überhaupt bestimmt sind.

Die Gründe für die Bleiche sind bei den Weichkorallen gleich wie bei den Hartkorallen. "Zudem besteht natürlich auch eine gewisse Konkurrenz zwischen den Hart- und Weichkorallen", meint Stachowitsch. "Weichkorallen sind zudem wesentlich schnellwüchsiger als Hartkorallen." Unter den Aquarianern sind Weichkorallen, die sich auch leichter nachzüchten lassen, deswegen sehr beliebt. Der Nachteil der Weichkorallen nach der Bleiche ist, dass sie sich offensichtlich nicht so schnell regenerieren können wie Hartkorallen. Erst vor kurzem haben Forscher festgestellt, dass selbst kürzere Kühlperioden im Wasser die Hartkorallen wieder zum Leben erwecken. Bei der Korallenbleiche werden die symbiontisch lebenden Algen, die für das Überleben der Korallen notwendig sind, abgestoßen. "Das Gewebe bleibt aber noch einige Zeit intakt, sodass es zu einer neuerlichen Besiedlung der Algen kommen kann", erklärt Stachowitsch. Das sei von Korallenart zu Korallenart verschieden. Das Verschwinden von Weichkorallen hat für die gesamte Meeresbiologie allerdings verheerende Auswirkungen wie Benayahu erklärt. "Vor allem alle jene Lebewesen, die in den Riffkolonien in einer Gemeinschaft leben, sind davon betroffen."

Erschreckende Nachrichten über den starken Rückgang der Lederschildkröten vor der malaysischen Ostküste meldet BBC-Online. Waren es einst zehntausende Schildkröten, die zum Eierlegen im Bundesstaat Terengganu an Land gingen, schätzen Experten den gesamten Weltbestand auf nur noch rund 5.000 Tiere. "Die Lederschildkröten haben zwei besondere Probleme", meint Stachowitsch. Das eine sei die Tatsache, dass sich die größten Meeresschildkröten auch in kalten Gewässern aufhalten, in denen intensiv gefischt wird. "Das zweite ist ihre Nahrung, die fast ausschließlich aus Quallen besteht. Sehr häufig passiert es, dass die Schildkröten Plastiksäcke oder andere Kunststoffteile fressen und daran verenden", erklärt der Experte. Wie schlimm es um den Bestand der Schildkröten in Malaysia allein steht, zeigt sich daran, dass Terengganu die Schildkröte bereits aus seinem Wappen verbannt hat. Umweltorganisationen hingegen fordern, die verbliebenen Nester der Schildkröten besser zu schützen.

Foto: Pixelio