Warten auf den großen Knall?

Teile:
29.03.2012 19:41
Kategorie: News
Noch gestern hieß es, dass mit einer Explosion der Bohrplattform „Elgin Franklin“ kaum zu rechnen sei. Jaques Emmanuel Saulnier, Sprecher des französischen Ölkonzerns Total, dem Betreiber der Bohrplattform, an der aus einer Leckage unkontrolliert große Mengen Methangas freiwerden, hat sich heute in einem Interview weit vorsichtiger ausgedrückt. Er räumte ein, dass man zurzeit noch nicht wisse, wieviel Gas genau freigesetzt werde und wie groß das Vorkommen 4000 Meter unter dem Meeresgrund sei. Er erklärte, dass alle 238 Arbeiter der Plattform nach Aberdeen oder auf Nachbarplattformen evakuiert wurden und dass alle elektrischen Installationen auf der Plattform heruntergefahren seien, allerdings die Gasfackel noch immer brenne. Installationen dieser Art seien auf Gasplattformen üblich. Die brennende Gasfackel befände sich aber nicht auf der Plattform an der das Gas austrete. Die Fackel befände sich mehr als 100 Meter von der Leckage entfernt und liege deutlich höher, was mit den derzeit herrschenden Winden, die die Gaswolke von der Fackel wegblasen würden, ein fast optimales Szenario darstelle.
Was allerdings passiert, wenn der Wind dreht, gehört in den Bereich der Spekulation. „Null Risiko gibt es nicht. Alle Varianten müssen ins Kalkül gezogen werden“, hieß es heute vom Total-Sprecher. Dazu passt, dass der Konzern für den Ernstfall Löschschiffe an den Rand der Sicherheitszone beordert hat.Wie man das Leck schließen kann, welche Umweltschäden entstehen und im Falle eines GAU`s noch entstehen werden ist noch gar nicht absehbar.


Die intakte Unterwasserwelt von Schottland - wie lange noch?
Foto von G. Herrmann


Methangas ist ein Killer für die Ozonschicht. Das Gas soll 22 Mal schädlicher sein für die Ozonschicht, als CO2. „Alle unsere Expertenteams sind im Einsatz. Wir nehmen zurzeit verschiedene Eingriffsszenarien in Augenschein. Die effektivste wird dann gewählt, immer verbunden mit der Aufgabe, den Zutritt zur Plattform für die Arbeiter zunächst wieder sicher zu machen“, sagte Saulnier in seiner Presseerklärung. Aus Kreisen des Energiekonzerns wurde bekannt, dass man im ungünstigen Fall mit Zeitfenstern von bis zu sechs Monaten rechnen müsse, bis das Leck geschlossen sei. Gut, dass wir da die EU und ihre Fachleute zur Seite haben. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger den Ölkonzern aufgefordert, das Leck „in den nächsten Tagen zu schließen“. Zwischen Politiker-Unsinn und Konzernbeschwichtigung muss es doch irgendwo noch so etwas wie gesunden Menschenverstand geben. Was sagt euer Verstand?

Hier klicken für die aktuelle Diskussion zum Thema auf Taucher.Net.