Virtuell in die Geschichte tauchen - Neue Ausstellung im Schleswiger Stadtmuseum

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22.10.2004 23:34
Kategorie: News
Schleswig ? Es ist nur ein kleiner Raum, aber in ihm gibt es viel zu sehen und noch viel mehr zu entdecken. An Computermonitoren können die Besucher der neuen Ausstellung im Stadtmuseum in die Geschichte von Haithabu und Schleswig abtauchen. Seit Anfang der 90er Jahre taucht Willi Kramer immer wieder in der Schlei, um nach Überresten aus der Zeit der Wikinger zu suchen. "Dabei habe ich rasch gemerkt, dass es schwer ist, anderen darzustellen, was ich dort sehen kann", erinnert sich der Archäologe. "Die gewöhnliche 2D-Darstellung reicht da nicht aus", sagt Kramer. Herkömmliche Fotos gehen schon gar nicht, weil die Schlei zu trüb ist. Also widmete sich der Wissenschaftler moderneren Präsentationsformen.

Im Februar 2002 hatte Holger Rüdel, Direktor des Schleswiger Stadtmuseums, Kramer nach einem Vortrag angesprochen. Die damals von den beiden entwickelte Utopie wurde jetzt in der gestern Abend eröffneten Dauerausstellung "Sliesthorp-Haithabu-Schleswig" realisiert. Für Rüdel ist es ein "Meilenstein" in der 125-jährigen Geschichte des Schleswiger Stadtmuseums, dass jetzt erstmals ein "geschlossener Gesamt-Überblick" über die Geschichte Schleswigs vom Jahr 804 bis ins 13. Jahrhundert gezeigt werden kann.

Der 1897 bei Bauarbeiten gefundene Runenstein vom Schleswiger Dom steht mitten in dem nur 65 Quadratmeter großen Raum im Hauptgebäude des Schleswiger Stadtmuseums. Der aus der Zeit um das Jahr 1100 stammende Runenstein ist eines der wenigen Exponate der Ausstellung, die ansonsten auf 19 großflächige Wandtafeln mit überwiegend am Computer entstandenen Bildern von historischen Gebäuden und Szenen sowie zweisprachigen Texten über die Geschichte des Siedlungsplatzes der Wikinger und der späteren Stadt Schleswig informiert.

Das Herzstück der Ausstellung aber sind die beiden Monitore, an denen die Besucher kurze Filme und Animationen erleben können. Zum Beispiel können sie ein Schiffswrack in der Schlei bestaunen, das noch gar nicht aus dem Wasser geborgen wurde. Virtuell tauchen die Besucher ein und sehen, was sonst nur Taucher sehen. Damit nicht genug: "Ich habe das Wrack in ein virtuelles Museum gestellt", erläutert Kramer die nächste Animation.

Viel mehr Arbeit als die Animationen auf dem Bildschirm haben aber die großflächigen Darstellungen auf den Wandtafeln gemacht. Zu sehen ist zum Beispiel ein auf Shuttle-Radardaten basierendes 3D-Geländemodell. "Hierin stecken drei Monate Arbeit, die man nicht sieht", erklärt Kramer.

"Wir wollen besonders Schulen ansprechen", sagt die Archäologin Anke Feiler-Kramer, die gemeinsam mit ihrem Mann innerhalb von 20 Monaten die Ausstellung erarbeitet hat. Die Präsentation passe sich modernen Sehgewohnheiten an und könne so hoffentlich auch Schülern Zugang zum Thema verschaffen. Die Arbeit mit Schulen habe gezeigt, dass es bei den Jugendlichen ein hohes Wissensdefizit im Bereich der Heimat- und Regionalgeschichte gebe.

Neben der wissenschaftlichen und personellen Unterstützung durch das Archäologische Landesamt wurde das Stadtmuseum bei der Realisierung der Ausstellung finanziell vom Innenministerium, der Sparkassenstiftung und der Nord-Ostsee-Sparkasse unterstützt, so dass die Stadt von den 48000 Euro selbst nur 16000 Euro übernehmen musste.


Die Ausstellung "Sliesthorp-Haithabu-Schleswig" ist ab heute wie die anderen Ausstellungen im Stadtmuseum Schleswig (Friedrichstraße 9-11, Tel. 04621/9368-20) jeweils dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Für Gruppen und Schulklassen werden Führungen angeboten.

Aus: http://www.kn-online.de