Versunkene Schätze

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17.05.2004 09:39
Kategorie: News
Auktion der Ladung des ‘Fort-San-Sebastian-Wracks‘ bei Christie’s in Amsterdam

Das „Fort-San-Sebastian-Wrack"
Wrack einer vor der Ilha de Moçambique gefundenen portugiesischen Galeone aus dem 16. Jahrhundert mit einer Ladung Porzellan und Gold an Bord

Mittwoch, den 19. Mai 2004, 19.00 Uhr

Amsterdam. – Am 19. Mai 2004 wird die kleine, aber sehr seltene und wertvolle Ladung des Fort-San-Sebastian-Wracks, einer portugiesischen Galeone aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts – Portugals goldenem Zeitalter –, bei Christie’s in Amsterdam versteigert. Auf der Auktion haben Sammler aus aller Welt die Möglichkeit, seltenes Ming-Porzellan und nicht gemünztes Gold zu erwerben.

Arqueonautas Worldwide S.A., ein renommiertes Unternehmen auf dem Gebiet der Meeresarchäologie, das sich aktiv um den Erhalt im Meer versunkener Kulturschätze bemüht, wurde beauftragt, die wichtigsten gefährdeten Wracks vor der Küste von Mosambik zu kartieren, zu bewerten und zu bergen. Der erhaltene hölzerne Rumpf des Fort-San-Sebastian-Wracks – dem ersten einer Reihe von Schiffswracks, welche es dringend zu schützen gilt wurde unmittelbar vor Fort San Sebastian auf der Ilha de Moçambique entdeckt.

Obgleich bekannt ist, dass das Wrack mindestens zweimal in den letzten Jahrzehnten geplündert wurde, gilt es noch immer als ein Denkmal von größtem historischem und kulturellem Wert.

Im Mai 2001 entdeckte ein Taucherteam von Arqueonautas eine Anhäufung von Ballaststeinen. Tief unter acht Tonnen Gesteinsschutt verborgen wurden in den folgenden Wochen die ersten Stücke blau-weißen Ming-Porzellans sowie Gold, Gewürze und zwei Bronzekanonen freigelegt. Das Porzellan konnte nicht nur anhand stilistischer Merkmale datiert werden, sondern auch aufgrund eines "Mondhasen"-Tellers mit einer zyklischen, dem Jahr 1553 entsprechenden Datierung. Ein großer Teil des Porzellans an Bord des Wracks stammt aus der späten Ming-Zeit, der Ära des Kaisers Wanli (1573-1619). Das Porzellan der Ladung lässt sich anhand der Bemalung in drei Gruppen einteilen: Motive mit Menschen, Tieren und Pflanzen. Das Fort-San-Sebastian-Wrack und seine Ladung sind folglich der Hochzeit der portugiesischen Seeherrschaft zuzuordnen.

Der Fund stammt somit aus der Zeit, in welcher der Porzellanhandel zwischen China und Europa begann. Porzellan war möglicherweise die bedeutendste nichtorganische Ware in der Geschichte des Handels. Blau-weiß wurde die beliebteste Farbkombination der Keramikkunst überhaupt. Sowohl chinesische Kaiser als auch europäische Herrscherhäuser und arabische Sultane sollten in den kommenden Jahrhunderten viel Geld für dieses Porzellan ausgeben.

Auch wenn nur knapp 1500 Porzellangegenstände und 12.000 Gramm Gold aus dem Fort-San-Sebastian-Wrack ans Licht geholt wurden, dauerten die Bergungsarbeiten insgesamt mehr als zwei Jahre. Nur so war die sorgfältige wissenschaftliche Erfassung dieses wichtigen Funds möglich. Wie vorher mit der mosambikanischen Regierung vereinbart, behielt der Staat alle „einmaligen“ Ming- und Goldartefakte, alle Stücke von besonderem archäologischen oder kunsthistorischen Wert sowie ein repräsentatives Objekt aller duplizierten Objekte (ausgewählt von einem von der Regierung bestellten unabhängigen internationalen Porzellanexperten). Dadurch besitzt heute das Nationale Maritime Museum auf der Ilha de Moçambique die reichhaltigste aus dem Indischen Ozean geborgene Sammlung von Mingporzellan.

Die Auktion eines Teils der Ladung aus dem Fort-San-Sebastian-Wrack wurde Christie`s Amsterdam aufgrund der langen Tradition des Hauses bei der Versteigerung von Kunstschätzen aus Schiffswracks anvertraut (u.a. der berühmten Nanking-, Vung-Tau- und Diana-Ladungen).