Versicherungen - in Zukunft einfacher

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17.03.2008 22:02
Kategorie: News
Das neue Versicherungsvertragsgesetz bietet dem Verbraucher seit Jahresbeginn eine Reihe von Vorteilen. Doch Vorsicht ist weiterhin geboten, denn besonders bei sogenannten Großrisiken gilt es die Fallstricke zu beachten.

Wer sich versichert, läuft schnell mal Gefahr, falsch oder überversichert zu sein - und hat damit für eine bestimmte Vertragslaufzeit die falsche Versicherungspolice an der Backe. Um dem Versicherungsnehmer Durchblick zu verschaffen, hat der deutsche Gesetzgeber das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) überarbeitet. Ziel war es neben , die Position des Kunden gegenüber der Versicherung zu stärken und mehr Transparenz zu schaffen. Die neue Rechtssituation gilt für alle Neuverträge, die seit dem 01.01.2008 abgeschlossen wurden, für Altverträge gelten die neuen Bestimmungen erst ab Jahresbeginn 2009.

Folgende Neuerungen sind für den Kunden interessant:


Das Versicherungsunternehmen muss den Kunden zunächst nach seinen Wünschen und Bedürfnissen befragen. Dann greift die umfassende Beratungs- und Informationspflicht - VOR Vertragsabschluss. Sämtliche Vertragsbedingungen einschließlich der Allgemeinen Versicherungsbedingungen müssen schriftlich vorliegen. Der erteilte Rat des Versicherers ist anzugeben, zu dokumentieren und dem Kunden zu übermitteln.
Künftig ist die sogenannte Anzeigepflicht des Versicherungsnehmers im Vergleich zur bisherigen Rechtslage eingeschränkt. Der Kunde hat nur noch die Gefahren mitzuteilen, die das Versicherungsunternehmen erfragt. Der Versicherer trägt das Risiko, die versicherten Gefahren falsch eingeschätzt zu haben.
Ein Widerrufsrecht ist ein weiteres Novum. Der Kunde kann ohne Angabe von Gründen vom Vertrag zurücktreten. Die Fristen: 30 Tage bei Lebensversicherungen, zwei Wochen bei allen anderen Versicherungsverträgen.

Eine nicht unumstrittene Lockerung tritt beim sogenannten Alles-oder-nichts-Prinzip ein. Wer bisher einen Versicherungsfall grob fahrlässig (mit)verschuldete, hatte bisher keinen Anspruch gegenüber seiner Versicherung. Neu ist, dass die Versicherung diese Forderungen nicht mehr in vollem Umfang verweigern kann. Künftig wird die Schwere des Mitverschuldens bei der Kürzung der Ansprüche berücksichtigt. Beweist der Versicherte, dass er nicht grob fahrlässig handelte, so steht ihm volle Versicherungsleistung zu. Umgekehrt gilt: Wer vorsätzlich handelt, hat auch weiterhin keinen Anspruch. Allerdings liegt die Beweislast beim Versicherer.
Ausgenommen hiervon sind jedoch Altverträge im gewerblichen Sektor, wenn Obliegenheitspflichtverletzungen bereits vor dem Versicherungsfall vorlagen. Eine solche Obliegenheit könnte beispielsweise sein, wenn eine Tauchschule bei Vertragsabschluss verschwieg, dass feuergefährliche Stoffe deponiert werden. Verletzt der Versicherte diese Obliegenheitspflicht, greift im Schadensfall wieder das bisherige Alles-oder-nichts-Prinzip und der Versicherer ist nicht in der Leistungspflicht.

Der Direktanspruch: Bisher galt nur bei Kfz-Haftpflichtversicherungen, dass der Geschädigte einen direkten Anspruch gegenüber der Versicherung des Verursachers geltend machen konnte (unter Umgehung des Schädigers). Künftig gilt diese Regelung auch für Pflicht- und Haftpflichtversicherungen. Vorausgesetzt, der Schädiger ist insolvent oder sein Aufenthalt ist unbekannt.

Änderungen ergeben sich auch für die Zahlung der Versicherungsprämien. Beendet der Versicherte den Vertrag vorzeitig, muss er die Prämie nur bis zum Kündigungszeitpunkt begleichen. Bisher war die Prämie bei vorzeitiger Kündigung bis zum Ende der Versicherungsperiode fällig.

Von diesen Neuerungen ausgenommen sind weiterhin die Großrisiken. Hier besteht weiterhin Vertragsfreiheit zwischen den Versicherungspartnern. Die Vertragsbedingungen können in gegenseitiger Absprache abweichend vom Gesetz gestaltet werden. Die Vorteile der Neuerungen des VVG greifen dann nicht oder nicht in vollem Umfang.