Untersuchungen an historischem Bauwerk in der Ostsee

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16.08.2013 21:28
Kategorie: News

Sherlock Holmes am Ostseegrund

Messung an historischer Fundstätte (© Martin Siegel)
Nicht alles, was in den Medien reißerisch als Neuentdeckung dargestellt wird, ist in Wirklichkeit auch neu. "Rätselhaftes Bauwerk unter Wasser" - so titelte am vergangenen Mittwoch das Hamburger Abendblatt eine Story über ein mysteriöses Gebäude auf dem Ostseegrund, auf das Schiffsarchäologen gestoßen seien.

Nun, das Bauwerk/den Fundplatz gibt es tatsächlich, doch es ist schon seit mindestens 1921 bekannt, in Schriften erwähnt und wird zurzeit von einem Team von Sporttauchern und Archäologie interessierten unter der Führung der Gesellschaft für Schiffsarchäologie (GfS) Rostock näher unter die Lupe genommen.

Nichts Neues also, aber dennoch spannend und interessant. Martin Siegel, Vorsitzender des ehrenamtlichen und gemeinnützigen Vereins, untersucht zurzeit mit einer Forschungsgruppe aus Sporttauchern und Forschungstauchern die 150 mal 70 Meter große Struktur. "Es muss ziemlich massiv gewesen sein, denn die hölzerne Blockbaukonstruktion wurde mit Steinen verfüllt und ist schon mehrere hundert Jahre alt", sagt Siegel, der zurzeit mit den Teammitgliedern Tauchgänge durchführt, dessen Struktur und die exakte Form des Bauwerks erfasst und kartographisch festhält.

Das Alter wird zwischen 1550 und 1810 eingeordnet. Das ergab eine dendrochronologische Untersuchung von Holzproben, die die Rostocker Archäologen vom Unterwasserfund gezogen hatten. Die Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden. Was da aber nun genau untersucht wird, kann noch niemand sagen. "Wir stecken mittendrin in den Recherchen, haben Archive und historische Schriften gewälzt, aber bisher nichts Eindeutiges zum Bestimmen des Zwecks gefunden", sagt Martin Siegel von der GfS. "Der Struktur nach könnte es sich um eine Hafenanlage oder ein Küstenschutzbauwerk handeln", verrät Siegel immerhin schon einmal vorsichtig, denn es ist nicht seine Art, unbestätigte Annahmen und Vermutungen zu verbreiten.

Tauchvideo GfS
Tauchvideo der GfS

Ein Unterwasser Video der GfS in der Ostsee ist in der Videodatenbank von Taucher.Net zu sehen - siehe Tauchvideo Warnemünde.

Gesellschaft für Schiffsarchäologie

Messübung während eines Kurses der GfS (© Martin Siegel)
Eine Messübung während eines GfS Seminars für Sporttaucher

Die GfS hat ein ambitioniertes Team zur Seite, denn Sporttaucher und Studenten unterstützen den Verein bei ihren Forschungen, das Rätsel zu lüften. Sie sind Teilnehmer an einem Seminar, das die GfS anbietet. Es läuft sechs Tage und den maximal zwölf Teilnehmern wird ein höchst spannendes Programm geboten. Den drei Tagen Theorie folgen drei Tauchtage an Forschungsobjekten.

Die Taucher untersuchen ein 100 Jahre altes Schiffswrack und die Bollwerkanlage. Da ist dann ein gutes Beobachtungsvermögen gefragt, denn es muss vermessen, fotografiert und skizziert werden, was da im bisweilen grüntrüben Ostseewasser am Grund liegt.
"Wir wollen mit diesen Seminaren auch die Sensibilität in der Bevölkerung und unter Sporttauchern erhöhen, den historischen Funden mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Sie erzählen Geschichten über unsere Vergangenheit und die sind meistens sehr spannend", sagt Siegel.

Objekte dieser Art gibt es in der Ostsee zuhauf, denn schon seit dem 12. Jahrhundert wurde hier reger Seehandel getrieben und hunderte von Wracks sind bereits gefunden und kartografisch erfasst worden. Und es gilt als sicher, dass im wrackreichsten Binnenmeer der Welt allein im Bereich um Rügen noch hunderte weiterer, bisher unentdeckter Wracks liegen. Noch viele Forschungsgebiete für die Rostocker Schiffsarchäologen und ihre Helfer.

Weitere Informationen:

Logo GfS
Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V.
Haedgestrasse 1, 18057 Rostock
Mail : gfs_rostock@yahoo.de
Web: www.gfs-rostock.de
Web: www.uwa.mv.de