Ungewöhnlicher Feuerwehreinsatz: Tauchen im Faulturm

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15.11.2004 16:54
Kategorie: News
Der Einsatzort war wahrlich ungewöhnlich. Dort, wo üblicherweise 10.000 Kubikmeter Faulschlamm bei 37 Grad "ausfaulen", wie`s in der Fachsprache heißt, stiegen Feuerwehrtaucher des Tauchstützpunktes 2 Enns-Losenstein hinab, um ein verloren gegangenes Bauteil zu bergen: in einem der drei Faultürme der Regionalkläranlage in Asten.

"Uns ist bei Revisionsarbeiten ein Rohr hinuntergefallen. Das muss raus", erzählt Peter Schweighofer. Alle 15 Jahre muss ein Faulturm inspiziert werden, erklärt der Betriebsleiter der Kläranlage. Dann wird der eiförmige, fast 45 Meter hohe Gigant langsam mit glasklarem Grundwasser gefüllt während drinnen Mitarbeiter auf einem Floß Wände und Rohre kontrollieren. Und dabei ist`s eben passiert.

Das Wasser wieder abzulassen und den Turm wieder aufzufüllen, hätte Wochen Verzögerung gebracht. Da kam die Idee mit den Feuerwehrtauchern.

Einsatzleiter Gerhard Klement aus Enns rückte Samstagfrüh mit acht Kollegen an. An einer Kette hängend wurden die Spezialisten einzeln durch einen kleinen Einstieg ins Innere hinabgelassen. Wobei das Jacket samt Pressluftflasche nachgereicht werden musste: Die Öffnung war für Taucher und Ausrüstung gleichzeitig zu klein.

"Das Wasser war klar und angenehme zwölf Grad kalt, aber es war halt stockfinster", erzählt Klement. Mit Lampen stiegen Taucher bis auf 42 Meter hinab, um das schwere Eisenteil zu bergen. Während Taucher nochmals die Rohre und Wände drinnen auf Beschädigungen untersuchten, fror der Rest der Mannschaft in Schwindel erregender Höhe auf dem Faulturm. "Hier heroben bläst eigentlich immer ein Wind", sagt Schweighofer.

Um den ungewöhnlchen Einsatz zu dokumentieren, nahm ein Feuerwehrtaucher seine Unterwasserkamera mit. "In die Türme kommen wir so schnell nicht wieder rein", sagte er und schmunzelte.

Auch wenn Faulturm automatisch mit Gestank assoziiert wird: Der Fäulnisgeruch fehlte, die Ausrüstung wurde danach trotzdem mit klarem Leitungswasser gespült.

Nach drei Stunden zogen die Feuerwehrmänner wieder ab. Klement: "Das war ein absolut starker Übungstauchgang."

Bilder dazu von Gerhard Klement: http://www.taucher.net/photos/photo1820/index.html

Quelle: http://www.nachrichten.at/