Thunfisch in Gefahr

Teile:
15.04.2009 09:42
Kategorie: News

Fangsaison für Thunfisch beginnt

Der WWF warnt vor einer baldigen Ausrottung des Thunfischs. Der Blauflossenthunfisch im Mittelmeer droht einer Studie des World Wide Fund For Nature (WWF) zufolge bis 2012 auszusterben. Wenn die Fangquoten nicht deutlich reduziert werden, sind die geschlechtsreifen Bestände durch Überfischung bald ausgerottet, teilte die Organisation mit.

Thunfisch
Saison beginnt
Heute solle die zweimonatige Fischfangsaison im Mittelmeer beginnen. "Der Blauflossenthunfisch im Mittelmeer stirbt aus, während wir reden. Trotzdem will die Fischindustrie wieder zum Tagesgeschäft übergehen", sagte Sergi Tudela vom WWF-Mittelmeerprogramm. Der Blauflossenthunfisch ist auch als Roter Thun bekannt und findet sich auf zahlreichen Speisekarten wieder. Der Rote Thun gehört zu den wertvollsten Meeresfischen.

Der Studie zufolge habe sich das Gewicht eines fortpflanzungsfähigen Blauflossenthunfischs seit den 1990er Jahren quer durch das ganze Mittelmeer etwa halbiert. So sei das Durchschnittsgewicht eines vor der libyschen Küste gefangenen Fisches von 124 Kilogramm im Jahr 2001 auf 65 Kilogramm 2008 gefallen. Vor Beginn des industriellen Fischfangs im großen Stil hätten manche Exemplare bis zu 900 Kilogramm erreicht. Der Schwund dieser Riesenthunfische habe einen überproportional großen Einfluss auf die Fortpflanzung, weil sie deutlich mehr Nachwuchs zeugten als durchschnittliche Tiere. Auch sei der Anteil der zeugungsfähigen Tiere 2007 nur noch ein Viertel so hoch gewesen wie 50 Jahre vorher.

EU verringert Fangquote
Die Europäische Union (EU) setzte die diesjährige Fangquote auf 12.406 Tonnen fest. Das ist eine geringere Quote als die des Vorjahres mit 16.210 Tonnen. Im Juni 2008 hatte sich die EU-Kommission mit einem vorzeitigen Fangstopp für den Blauflossenthunfisch mit der Methode der Ringwadenfischerei im Mittelmeer und im Ostatlantik den Zorn der Fischer zugezogen. Die Kommission begründete ihre Entscheidung damit, dass die Fangquoten schon vorzeitig erfüllt gewesen seien.

EU Abkommen umgesetzt
Am 6. April hatte die EU als Erste ein im November geschlossenes Abkommen mit der Thunfisch-Schutzkommission (ICCAT) umgesetzt. Diese schreibt eine schrittweise Verringerung der weltweiten Fangquoten für den Blauflossenthunfisch vor: von 28.500 Tonnen im Jahr 2008 auf 22.000 Tonnen in diesem Jahr und 19.950 Tonnen im kommenden Jahr. Gut zwei Drittel des Blauflossenthunfischs werden mit der umstrittenen Ringwadenfischerei aus dem Wasser gezogen, bei der oft ganze Fischschulen mit Netzen eingekreist werden. Auch viele andere Meerestiere gehen bei der Ringwadenfischerei als Beifang ins Netz und verenden.
Zu dem drastischen Rückgang der Bestände beigetragen haben nach WWF die Überkapazitäten der Fischfangflotten, die deutlich über den offiziellen Fangquoten liegenden tatsächlichen Fangzahlen, illegale Fangzüge, der unerlaubte Einsatz von Erkundungsflugzeugen und das Fischen außerhalb der Fangsaison.

Fangverbot gefordert
Damit sich die Bestände im Mittelmeer wieder erholen können, mahnt der WWF zu einem sofortigen Fangverbot. Nur ein kompletter Stopp im Mai und Juni kann nach Einschätzung des WWF und anderer Organisationen den Erhalt der Art garantieren. Dann ziehen die Tiere durch die Straße von Gibraltar, um im Mittelmeer zu laichen.

Weitere Informationen: WWF Mittelmeerprogramm