Taucher erhält nach Unfall keine Versicherungsleistungen

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23.12.2004 21:07
Kategorie: News
Diese Meldung erschien kürzlich in der BAZ online (Basler Zeitung)

http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=DB990F40-60CF-2062-F454186529521D6B

Luzern. SDA/baz.
Ein gelähmter Taucher erhält keine Leistungen seiner Unfallversicherung. Nach Auffassung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG) gilt das beim Auftauchen erlittene Dekompressionstrauma rechtlich nicht als Unfall.

Der Mann hatte im Januar 2003 beim Aufstieg von einem Tauchgang ein Dekompressionstrauma erlitten und ist seither querschnittgelähmt. Er hatte in einer Tiefe von fünf Metern erste Lähmungserscheinungen in den Armen gespürt. An der Wasseroberfläche musste er sich zunächst übergeben und wurde dann bewusstlos.


Routinemässiger Tauchgang

Seine Unfallversicherung, die Zürich, weigerte sich später, Leistungen auszurichten, da kein Unfall im Rechtssinn vorliege. Das Aargauer Versicherungsgericht bejahte im April 2004 ein Unfallereignis.

Das EVG hat die dagegen erhobene Beschwerde der Zürich Versicherungen nun gutgeheissen. Laut den Luzerner Richtern fehlt es zur Bejahung eines Unfallereignisses am Erfordernis des «ungewöhnlichen äusseren Faktors».


Auch Vollbremsung kein Unfall

Der Versicherte habe einen routinemässigen Tauchgang unternommen, der normal verlaufen sei. Die Druckveränderungen beim Ab- und Aufstieg an sich seien kein «ungewöhlicher Faktor». Auch ein Verhaltensfehler des Tauchers sei nicht zu erkennen, zumindest bis zum Aufstieg auf fünf Meter Tiefe.

Kein Unfall liegt gemäss jüngeren Entscheiden des EVG auch vor bei der Vollbremsung des Wagens ohne anschliessende Kollision oder beim ruckartigen Öffnen des Fallschirms. Versicherungsrechtlich erleidet dagegen einen Unfall, wer beim Bandencheck im Eishockey verletzt wird.
(Urteil U 203/2004 vom 10. November 2004; keine BGE- Publikation)