Tauchen mit Handicap

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24.07.2008 11:27
Kategorie: News

Behindert und tauchen geht das überhaupt?

Tauchen mit Handicap
Tauchen mit Handicap

Das Lächeln auf den Gesichtern der Teilnehmer ist der schönste Lohn, gleich nach der Aussage: „Darf ich noch mal!“. Es ist immer wieder schön zu sehen wie sie aufblühen. Am Anfang sind sie alle etwas ängstlich und unsicher. Ich darf/soll tauchen gehen? Kann ich das überhaupt? Ich kann doch noch nicht mal laufen oder sehen...
Durch den Spaßfaktor Tauchen, kann sehr viel Selbstvertrauen gegeben werden. Dies gilt hier nicht nur für frisch Verletzte sondern auch für Menschen, die seit Geburt ein Handicap haben. Denn leider traut man ihnen immer noch viel zu wenig zu.

Warum sollen Menschen mit Handicap nicht tauchen gehen können? Gerade für solche Menschen ist es neben der Faszination Schwerelosigkeit, sich einmal wieder frei zu bewegen. Mal davon abgesehen, dass man beim Tauchen die Möglichkeit hat Muskelgruppen zu trainieren und zu bewegen, die man in der zweidimensionalen Welt gar nicht mehr aktivieren kann. D.h. ein Betroffener mit einem Querschnitt, wird Unterwasser evtl. noch ein wenig die Beine durch den Wasserwiderstand bewegen und somit die Muskelgruppen unbewusst trainieren. Abgesehen von der schmerzlindernden Wirkung verringern sich Spastiken und Gelenkblockierung: der gesamte Kreislauf wird aktiviert. Zusätzlich werden durch die Schwerelosigkeit Bänder, Sehnen und Muskeln weniger belastet und können sich entspannen.

Tauchen mit Handicap
Neben dem Spaßfaktor ist die therapeutische Wirkung
des Tauchsports ein wichtiger Aspekt.

Ein Taucher mit Bandscheibenproblemen wird z.B. im Wasser eine deutliche Erleichterung verspüren, weil durch das wegfallen der Gewichtsbelastung ein Dehnungseffekt erreicht wird. Sogar die Atemmuskulatur wird beim Tauchen trainiert, da man die Luft aktiv anfordern muss. Somit könnte man gut sagen, dass Tauchen einen sehr großen Therapiezweck hat. Nicht nur im physikalischen Sinne sondern auch im psychischen Sinn. Denn mit dem „Tauchen für Betroffene mit Handicap“ ist eine große Integrationsmöglichkeit verbunden, nämlich dass dies ein Sport ist, den man zusammen ausführt und jeder kann von jedem lernen.

In der Regel begleiten „Fußgänger“ Betroffene. So lernen Taucher mit den Problemen der Betroffenen um zu gehen und sich damit auseinander zu setzen. Gemeinsam werden Lösungen gesucht. Speziell für körperlich behinderte Menschen bietet Tauchen eine optimale Symbiose zwischen therapeutischen und psychologischen Komponenten. In den USA ist Behindertentauchen in den REHA-Kliniken bereits voll integriert.


Aber wie soll das gehen?
Informationen zum Thema:

IAHD
Infoportal zumThema Handicap-Tauchen
Reisebericht: Behindert und Tauchen…!?
Bericht: Tauchen mit Handicap
Diese Frage kann man nicht so einfach beantworten, denn es gibt keine Patentlösung. Jede Behinderung und jede Person bedingt andere Vorraussetzungen. Wir versuchen als Tauchschule auf jeden individuell ein zu gehen. Der eine braucht mehr Hilfe, der andere weniger; danach richtet sich auch der Betreuungsaufwand. Am Anfang geht man in der Regel immer mit zwei erfahrenen Tauchern (mind. 1 Tauchlehrer) ins Wasser. Der Eine führt von oben, während der Andere von unten her die Kommunikation zwischen Tauchschüler und dem Tauchgangsführer hält. Mit zunehmender Übung und Fertigkeit kann der Tauchschüler mit immer weniger Betreuungsaufwand tauchen gehen. Ein Partner wird jedoch immer mit anwesend sein.

Um mit Behinderten tauchen gehen zu können bedarf es einer Speziellen Ausbildung. Hierzu muss man nicht unbedingt Tauchlehrer sein aber zumindest über die Rettungstaucherausbildung und Ersthelferausbildung verfügen.

Wer darf alles Tauchen gehen?
Jeder kann Tauchen erlernen, der keine Probleme mit dem Herz-Kreislauf-Lunge hat und dessen Ohren und Nasen- Nebenhöhlen intakt sind. Besonders geeignet ist Tauchen als Therapie nach Unfällen, nach Erkrankungen wie MS, Kinderlähmung oder cerebralen Lähmungen. Ausnahmen sind Menschen die einen Shunt haben.

Crazy Bubbles - Tauchen mit Handicap
Caren & Michael Totzauer

Crazy Bubbles, die etwas andere Tauchschule: Die Tauchschule Crazy Bubbles wurde 2004 durch Caren & Michael Totzauer gegründet und war eine reine PADI-Tauchschule. Caren selbst hat seit Feb. 2007 einen inkompletten Querschnitt und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Das Tauchen hat ihr geholfen wieder in die Selbstständigkeit zurück zu gelangen. Anfang 2008 haben beide dann über die IAHD eine Zusatzqualifikation als Behindertentauchlehrer gemacht, dies hat ihr Leben sehr bereichert. Es gibt nichts schöneres als Teilnehmer, die nach dem ersten Tauchgang über beide Ohren grinsen und fragen, wann sie wieder tauchen gehen können.

Termine für das Schnuppertauchen finden wöchentlich Di/Do und an Sonderterminen statt. Für den Spätsommer 2009 ist eine Tauchsafari im Roten Meer, mit einem rollstuhlgerechtem Boot geplant.



Weitere Informationen:

Logo Crazy Bubbles
Crazy Bubbles - Caren und Michael Totzauer
Berthold-Auerbach-Str. 4, 72160 Horb-Nordstetten
Tel: 07451 - 62 79 161
Mail: crazybubbles@web.de
Web: www.crazybubbles.net