Spurensuche in der Klimaküche von El Niño im Ostpazifik

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18.07.2016 15:03
Kategorie: News

Forscher beschreiben Änderungen im Ostpazifik während des El Niños im Oktober 2015

Im Oktober 2015 herrschte einer der stärksten jemals gemessenen El Niños im Ostpazifik. Zu diesem Zeitpunkt untersuchten Kieler Meeresforscher mit dem Forschungsschiff "SONNE" die sauerstoffarmen Gebiete östlich der Galapagos Inseln und vor Peru. Ihre hydrographischen Messungen brachten neue Erkenntnisse zum Einfluss des Klimaphänomens El Niño auf den Ozean.

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El Niño ist die stärkste natürliche Klimaschwankung im tropischen Pazifik auf Zeitskalen von wenigen Jahren, die auch globale Auswirkungen haben kann und hat. Dabei kommt es zu einer anormal starken Erwärmung im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik. Begleitet werden El Niño-Ereignisse oft von Dürren oder Überschwemmungen in verschiedenen Regionen der Erde. 2015 fand eines der bisher stärksten Ereignisse statt, das gegenwärtig abklingt und auf das Ende 2016 möglicherweise ein La Niña-Ereignis folgen wird. La Niña ist das Gegenstück zu El Niño und führt zu umkehrten Klimaextremen in den betroffenen Gebieten.

Zum Höhepunkt des El Niño-Ereignisses fand im Herbst 2015 unter der Leitung von Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel eine Expedition im Bereich des östlichen äquatorialen Pazifiks statt. So ergab sich die Möglichkeit, den Einfluss von El Niño auf die Ozeanzirkulation und den Auftrieb von Tiefenwasser vor Peru zu untersuchen.

Die jetzt in der internationalen Fachzeitschrift "Ocean Science" veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass sich insbesondere das äquatoriale Stromsystem extrem verändert hatte. „2012 haben wir bei einer Messung ermittelt, dass der äquatoriale Unterstrom im Ostpazifik knapp 11 Millionen Kubikmetern pro Sekunde transportierte. 2015 hatte der Wert auf 0.02 Millionen Kubikmetern pro Sekunde abgenommen,“ erklärt Dr. Lothar Stramma vom GEOMAR, Erstautor der Studie. „Bei den Nährstoffmessungen vor dem peruanischen Schelf zeigte sich ein geringerer Auftrieb von nährstoffreichem Wasser aus tieferen Wasserschichten, deren Signal sich nach Süden hin ausbreitete. Ein reduzierter Auftrieb führt zu geringerer biologischer Produktivität und hat massive Folgen für die sonst so ergiebige Fischerei in der Region“ ergänzt Prof. Dr. Hermann Bange.

Demgegenüber wurden höhere Sauerstoffgehalte in den sonst sauerstoffarmen Regionen des Ostpazifiks gemessen. Allerdings ist dies durch die geänderten Strömungs- und Wassermassenverteilungen während des El Niños bedingt und kein Anzeichen für Abschwächung der beobachteten längerfristigen Abnahme des Sauerstoffgehaltes in den tropischen Ozeanen.

Die jetzt gewonnenen Ergebnisse werden dazu beitragen, die Vorhersagen zu El Niño mit Hilfe von Computermodellen zu verbessern.

Weitere Informationen: www.geomar.de