Skipper des Tauchbootes "Taucher" verurteilt

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08.07.2003 12:07
Kategorie: News
Danke an Tim fuer die Info

Quelle: Kieler Nachrichten

Vor dem Eckernförder Amtsgericht wurde am 7. Juli der Skipper des
gesunkenen Tauchbootes "Taucher" wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs und
Gewässerverunreinigung zu einer Geldstrafe von 4.500 € verurteilt. Sein
11,4 Meter langes Boot war am 7. September mit 12 Tauchern zum Wrack der
"Väring" aufgebrochen, das nordöstlich von Fehmarn auf dem Ostseegrund
liegt. Kurz vor der Rückfahrt sackte das ehemalige Boot der Kieler
Wasserschutzpolizei plötzlich übers Heck weg. Bevor der 49jährige Skipper
die "Taucher" als letzter verließ, hatte er noch einen Notruf absetzen
können. Bei Windstärke vier trieben er und seine Fahrgäste anschließend 15
Minuten im Wasser, ehe sie von der RoRo-Fähre "Polaris" sowie einer Yacht
aufgefischt wurden. Seitdem liegt die 1965 erbaute "Taucher" als zweites
Wrack direkt neben der "Väring".
Nach Ansicht des Strafrichters hatte der Bootseigner, nach eigenen Angaben
Tauchlehrer, Unterwasserfilmer und Biologe, wesentliche
sicherheitstechnische Auflagen ignoriert und damit ein fahrlässiges
Verhalten an den Tag gelegt. Sein Boot sei nur bedingt seetauglich und mit
12 Passagieren samt Tauchausrüstungen zudem überladen gewesen. Der geringe
Freibord im Heckbereich hatte das Schiff bereits unter einem Vorbesitzer
sinken lassen. Als nach dem Tauchgang an der "Väring" das 25 Kilogramm
schwere Grundgewicht einer Taucherboje vom Meeresboden aufgewinscht werden
sollte, wurde dies der "Taucher" zum Verhängnis. Die Abluftöffnungen im
Heckspiegel gerieten dabei nach einer Analyse der Bundesstelle für
Seeunfalluntersuchung, BSU, unter die Wasserlinie, so dass es zu einem
Wassereinbruch im Maschinenraum kam. Erst unmittelbar vor dem sich
anbahnenden Untergang erkannte der Eigner die bedrohliche Lage und funkte
um Hilfe.
Grob pflichtwidrig ist laut Urteilsbegründung auch der Umstand gewesen,
dass sich an Bord der "Taucher" nicht ausreichend Rettungswesten befunden
hatten. Bis zum seinem Totalverlust hatte das Boot im Jahr 2002 26
gewerbliche Tauchfahrten unternommen, ohne dass eine Genehmigung dafür
erteilt worden war. Hierfür wurde eine weitere Strafe von 1.000 € erlassen.
Weiteres Ungemach droht dem Skipper von zivilrechtlicher Seite: Die
geschädigten Tauchgäste klagen auf Schadensersatz für ihre verloren
gegangene Ausrüstung - der Wert beträgt pro Kopf durchschnittlich 1.200 €.
Der bei Eckernförde lebende Mann hat inzwischen ein neues Boot und
unternimmt wieder Tauchfahrten - allerdings nur "aus Spaß an der Freud" im
Rahmen von Vereinsaktivitäten. Er zeigte sich reuig und betonte, dass er
aus dem Unglück gelernt habe und ihm so etwas nicht noch einmal passieren
werde. In zwei Wochen will er eine neue Tauchexpedition unternehmen - zum
Wrack der "Taucher".